VEREHRUNGSVOLL DARGEBRACHT.

Zum Geleit!

Dieses Buch ist ein Versuch, ein erster noch unsicherer Schritt auf

bisher nicht begangenem Wege.

Aber ich glaube nicht nur, daß er einmal, sondern sogar, daß er gerade

jetzt gewagt werden mußte, da die Zeit dazu gekommen scheint, da sich

in allen germanischen Völkern der Wunsch nach solchem Rückblick regt.

Wenigstens deutet darauf die sich häufende Vorarbeit über so viele

Einzelheiten.

Doch hat bisher noch niemand es unternommen, das Material, das sich

so gewaltig angesammelt hat, zu vereinigen, planmäßig zu gliedern, zu

einem Ganzen zusammenzubauen.

Freundliche Nachsicht darf daher wohl gewährt werden in Anbetracht

der Schwierigkeit des Gewollten. Was ich vor allem erstrebte, ist ja

vielleicht gelungen: einen Zusammenhang, einen Faden aufzufinden, an

den sich das scheinbar so weit auseinanderliegende Einzelne jetzt doch

aufreihen ließ.

Und ferner, den Nachweis zu liefern, daß da, wo vorher nichts zu sein

schien, doch etwas, ja mehr, als je zu erwarten war, vorhanden ist; daß

die Kindheit unserer germanischen Volksstämme keineswegs des goldenen

Glanzes der Schönheitsfreude und des künstlerischen Lebensschmuckes,

noch auch sogar eigener Gestaltungskraft und eigenen Wollens auf diesem

Gebiete entbehrte.

Sollte mein Versuch dazu helfen, daß in dem unübersehbaren Mosaikbilde

der Kunst auch eine bescheidene Ecke als der ältesten germanischen

zugehörig anerkannt würde, und daß die heute durch so manche schwere

Einwirkung auseinandergetriebenen germanischen Völker sich ihrer

gemeinsamen künstlerischen Kindheit mit einiger Freude erinnerten,

wenigstens solche Erinnerungen mit Liebe weiterpflegten, so wäre die

wichtigste Aufgabe gelöst.

Fern lag es mir natürlich, hier den Weg anderer wertvoller und

fruchtbringender Studien durchkreuzen oder abschneiden zu wollen. Weit

ferner noch, etwa zu behaupten, daß die als „germanisch“ geschilderte

Kunst so, wie sie hier erscheint, ohne jede fremde Einwirkung aus

Wotans Haupte gesprungen sei. Vielmehr hatte sie so gut als jede andere

ihre Vorläufer, ihre Quellen, aus denen sie schöpfte, und in vielen

Fällen mag sie, wie kluge Männer es bereits sich dachten, Trägerin

bestimmter künstlerischer Erbschaften, selbst Vermittlerin zwischen Ost

und West, Ausfüllerin sonst klaffender Lücken in der Entwicklung oder

nur Erhaltung der Kunst gewesen sein.

Aber wo sie sich Fremdes zu eigen gewonnen hat, da darf man dieses als

nun ihr gehörig ansehen, darf in Anerkennung nach eigenem Geschmacke

erfolgter Auswahl für sie in Anspruch nehmen, daß solche Aneignung

aus innerem Grunde, nicht nach Zufälligkeiten, vor sich ging. Was

der Germane so in sich aufnahm, wurde ein Teil seines jungen Selbst,

verschmolz mit älterem Besitze zu neuem Ganzen. Wie nun, davon wollte

ich ein Bild zu geben versuchen.

Nicht jedoch davon, woher solche fremde Bestandteile kamen, die hier

zu frischem Leben zusammenwuchsen. Insbesondere ist mir die Kunst

des Orients allzu wenig vertraut, als daß ich Zusammenhänge dorther

nachzuweisen versuchen dürfte, auch wenn ich das gewollt hätte. Das

bleibt anderen, wissenderen, die hier gegebenes Material nach dieser

Richtung zergliedern mögen. Mir war es um die Zusammenfassung zu tun.

In solchem Zusammenhange ist es hier unerheblich, ob zum Beispiel das

Theoderichgrabmal römische, syrische oder gar mesopotamische Elemente

enthalten mag. Das Werk ist gewaltig genug, um in seiner Zeit und an

seinem Orte einen bedeutungsvollen Markstein zu bilden, als errichtet

von dem größten Germanenkönig, wenn auch in erobertem Lande, doch für

ihn selbst, ein Spiegel seines Geistes und des Geistes seines Volkes.

Wie wir das Kolosseum vor allem als eine architektonische Großtat

des Römertums bewundern, unangesehen, ob Künstler aus aller Welt,

vielleicht auch aus dem Osten, es gestalten mochten.

Es war also das Zusammenfassen des von und für Germanen in jenen

kritischen vier Jahrhunderten Geschaffenen zu einem Bilde mein Ziel,

-- und ich freue mich der Möglichkeit eines Ergebnisses. Wie bemerkt,

führt auch ein Zug unserer Zeit darauf hin; eine nicht mehr kleine

Gruppe von Helfern hat großes Material zusammengetragen; hat auch

mich unterstützt, wo es möglich war; hat mir gezeigt, daß bereits

eine Gemeinde besteht, in solchem edlen Streben geeint. Das gab mir

die Sicherheit, daß ich nicht vielleicht voreingenommen als einzelner

unhaltbarer Idee nachjagte.

So darf ich wohl den Vielen danken, die mir hilfreiche Hand boten in

Rat und Tat. Vor allem dem Generaldirektor der königlich preußischen

Museen, dem verehrten Meister Wilhelm Bode, der mich in gütigster

Weise unterstützte, für die unentbehrlichen Studienreisen in Spanien

und Italien selbst pekuniär und durch Erteilung von Aufträgen,

deren Ergebnisse dem künftigen Deutschen Museum zugute kommen

sollen; dann deutschen Museumsverwaltungen, wie denen zu Stuttgart,

Mainz, Wiesbaden, Metz; deutschen Gelehrten, die alle zu nennen

die Gelegenheit fehlt. Aber auch im Ausland half man mir überall

bereitwillig; die Generaldirektion der italienischen Museen und

Kunstdenkmäler in Rom, die Direktion des französischen Nationalmuseums

zu St. Germain, der Nationalbibliothek zu Paris, die Museumsdirektionen

zu Genf, Narbonne, Barcelona, Madrid, Sevilla, Lissabon, Oviedo und

andere, die ausländischen Herren Kollegen, alle bestrebten sich,

mir die nicht immer leicht zu findenden Wege zu weisen. Auch der

Deutsche Botschafter zu Madrid, Herr von Radowitz, hat sich zu meiner

Unterstützung umfassend bemüht.

Und so manchen Brief empfing ich, der mir schätzbare Winke gab, manches

gute Wort dazu!

Es sei dies alles ohne Einzelheit doch aufrichtigst gerühmt und dafür

gedankt.

Zuletzt auch meinem trefflichen Herrn Verleger, der sich mit größter

Liebe und Aufopferung in den Dienst der bedeutenden Sache gestellt und

jeden meiner Wünsche erfüllt hat, soweit dies möglich war.

Das Ergebnis nicht geringer langjähriger Mühen übergebe ich so

vertrauensvoll dem deutschen Volke, auch ein wenig allen Völkern

germanischen Ursprunges. Möchte es wieder verbinden helfen, wo

Jahrtausende getrennt haben.

+Hannover+, August 1908.

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 11 / 114 题