»Ich bin deine Tochter.«
»Du redest von der Liebe so vertraut – du kennst sie besser scheint’s mit
zwanzig als ich mit vierzig Jahren – du liebst!« rief sie schnell, »und
daher dieser Starrsinn.«
Mataswintha errötete und schwieg.
»Rede,« rief die erzürnte Mutter, »gesteh’ es oder leugne!«
Mataswintha senkte die Augen und schwieg: nie war sie so schön gewesen.
»Willst du die Wahrheit verleugnen? Bist du feige, Amelungentochter?«
Stolz schlug das Mädchen die Augen auf:
»Ich bin nicht feige und ich verleugne die Wahrheit nicht. Ja, ich liebe.«
»Und wen, Unselige?«
»Das wird mir kein Gott entreißen.«
Und so entschieden sah sie dabei aus, daß Amalaswintha keinen Versuch
machte, es zu erfahren.
»Wohlan,« sagte sie, »meine Tochter ist kein gewöhnlich Wesen. So fordere
ich das Ungewöhnliche von dir: dein alles dem Höchsten zu opfern.«
»Ja, Mutter, ich trage im Herzen einen hohen Traum. Er ist mein Höchstes.
Ihm will ich alles opfern.«
»Mataswintha,« sprach die Regentin, »wie unköniglich! Sieh, dich hat Gott
vor Tausenden gesegnet an Herrlichkeit des Leibes und der Seele: du bist
zur Königin geboren.«
»Eine Königin der Liebe will ich werden. Sie preisen mich alle um meine
Weibesschönheit: wohlan: ich hab’ mir’s vorgesteckt, liebend und geliebt,
beglückend und beglückt, ein Weib zu sein.«
»Ein Weib! ist das dein ganzer Ehrgeiz!«
»Mein ganzer. O wär’ es auch der deine gewesen!«
»Und der Enkelin Theoderichs gilt das Reich und die Krone nichts? Und
nichts dein Volk, die Goten?«
»Nein, Mutter,« sagte Mataswintha ernst: »es schmerzt mich beinahe, es
beschämt mich: aber ich kann mich nicht zwingen zu dem, was ich nicht
fühle: ich empfinde nichts bei dem Worte »Goten«: vielleicht ist es nicht
meine Schuld: du hast von jeher diese Goten verachtet, diese Barbaren
gering geschätzt: das waren die ersten Eindrücke: sie sind geblieben. Und
ich hasse diese Krone, dieses Gotenreich: es hat in deiner Brust dem
Vater, dem Bruder, mir den Platz fortgenommen. Diese Gotenkrone, nichts
ist sie mir von je gewesen und geblieben als eine verhaßte, feindliche
Macht.«
»O mein Kind, weh’ mir, wenn ich das verschuldet hätte! Und thust du’s
nicht um des Reiches, o thu’s um meinetwillen. Ich bin so gut wie verloren
ohne die Wölsungen. Thu’s um meiner Liebe willen.«