BEGEGNUNG DER BRÜDER

Der eine, eng eingereiht in die Scharen

des weißen Zaren,

brach in Galizien ein.

Die Wege kennt er,

die, von Güssen geschwollen, vom Lichte geschwächt,

über die Grenze gehn.

In einem Gefecht

verbrennt er

mit zwein oder drein

eine von Polen in der Uniform der neuen Insurgentenregimenter

besetzte Scheune. Geblendet bleibt er stehn,

überzuckt erkennt er

im Schein, im Schrein

unter den Wankenden der Legion

seiner Eltern jüngeren Sohn.

Eigensinnig stoßen die russischen Soldaten

gegen das Tor

der brennenden Scheune vor.

Die wenigen Legionäre suchen sich mit Handgranaten

einen Weg durch die Angreifer zu bahnen.

Auf allen Seiten flattern höher die Flammenfahnen.

Die Gesichter quellen unterm roten Puder

des Brandes. Die von der Legion

brüllen: »Polen! Ewiges Element,

Polen, das wartet, Polen, das brennt,

Du Element der Rebellion,

gegen den Kaiser, gegen die Welt!«

Einer, der die Granate schwingt,

der am lautesten mit allen Poren

»Noch ist Polen nicht verloren«

singt,

nun erkennt auch er den Bruder.

Sie hören beide an ihren Armen die angerissnen Sehnen klingen.

Die Handgranaten zerspringen.

Als der Legionär stolpert und fällt,

laufen seine Augen, von Brand und Blut vewirrt,

ein. »Polen! Polen in dieser Welt!

Wir müssen sterben, daß für Dich Friede wird.«

Doch über der Wunde in seiner Schläfe schwebt

seines Bruders verwundete Hand,

der näher kam,

schwebt, ein geröteter Vogel, über ein ganzes Land.

Über ihn schluchzt ins Blut einer blutenden Stimme Scham:

»Wir müssen leben, daß Polen lebt!«

Polnische Gedichte · 第 12 / 33 题