Prag im Juli

gezeichnet

Dr. Freiherr von Leisetreter.«

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Der Boden schwankte unter meinen Füßen, und ich verlor eine Minute das

Bewußtsein.

Als ich erwachte, saß ich auf einem Stuhl, und der Gefangenwärter

klopfte mir freundlich auf die Schulter.

Der Schreiber war vollkommen ruhig geblieben, schnupfte, schneuzte sich

und sagte zu mir:

»Die Verlesung der Verfügung hat sich bis heute hinausgezogen, weil Ihr

Name mit einem >Päh< beginnt und naturgemäß im Alphabet erst gegen

Schluß vorkommen kann.« -- Dann las er weiter:

Ȇberdies ist der Athanasius Pernath, Gemmenschneider, in Kenntnis zu

setzen, daß ihm laut testamentarischer Verfügung des im Mai mit Tod

abgegangenen ^stud. med.^ Innocenz Charousek ein Drittel von dessen

gesamter Verlassenschaft ins Erbe zugefallen ist, und ist er zur

Unterfertigung des Protokolles hiermit anzuhalten.«

Der Schreiber hatte bei dem letzten Wort die Feder eingetunkt und fing

an zu schmieren.

Ich erwartete gewohnheitsmäßig, daß er meckern würde, aber er meckerte

nicht.

»Innocenz Charousek«, murmelte ich ihm wie geistesabwesend nach.

Der Gefangenwärter beugte sich über mich und flüsterte mir ins Ohr:

»Kurz vor seinem Tode war er bei mir, der Herr Dr. Charousek, und hat

sich nach Ihnen erkundigt. Er läßt Sie viel--vielmals grüßen, hat er

g'sagt. Ich hab's natürlich damals nicht ausrichten dürfen. Es ist

streng verboten. Ein schreckliches Ende hat er übrigens genommen, der

Herr Dr. Charousek. Er hat sich selbst entleibt. Man hat ihn tot auf dem

Grabhügel des Aaron Wassertrum, auf der Brust liegend, gefunden. -- Er

hat zwei tiefe Löcher in die Erde gegraben gehabt, sich die Pulsadern

aufgeschnitten und dann die Arme in die Löcher gesteckt. So ist er

verblutet. Er ist wahrscheinlich wahnsinnig gewesen, der Herr Dr. Char

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Der Schreiber schob geräuschvoll seinen Stuhl zurück und reichte mir die

Feder zum Unterschreiben.

Dann richtete er sich stolz auf und sagte genau im Tonfall seines

freiherrlichen Vorgesetzten:

»Gefangenwärter, führen Sie den Mann hinaus.«

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Wie vor langer, langer Zeit hatte wiederum der Mann mit Säbel und

Unterhosen im Torzimmer seine Kaffeemühle vom Schoß genommen; nur daß er

mich diesmal nicht untersuchte und mir meine Edelsteine, das

Portemonnaie mit den zehn Gulden darin, meinen Mantel und alles übrige

zurückgab.

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Dann stand ich auf der Straße.

»Mirjam! Mirjam! Jetzt endlich naht das Wiedersehen!« -- Ich

unterdrückte einen Schrei wildesten Entzückens.

Es mußte Mitternacht sein. Der Vollmond schwebte glanzlos wie ein fahler

Messingteller hinter Dunstschleiern.

Das Pflaster war mit einer zähen Schicht von Schmutz bedeckt.

Ich wankte auf eine Droschke zu, die im Nebel aussah wie ein

zusammengebrochenes vorsintflutliches Ungeheuer. Meine Beine versagten

fast den Dienst; ich hatte das Gehen verlernt und taumelte -- auf

empfindungslosen Sohlen wie ein Rückenmarkskranker. -- --

»Kutscher, fahren Sie mich, so rasch Sie können, in die Hahnpaßgasse 7!

-- Haben Sie mich verstanden?: -- Hahnpaßgasse 7.«

Der Golem · 第 59 / 70 题