Nun wußte ich, wie der Fremde war, und ich hätte ihn wieder in mir
fühlen können -- jeden Augenblick --, wenn ich nur gewollt hätte; aber
sein Bild mir vorstellen, daß ich es vor mir _sehen_ würde Auge in Auge
-- das vermochte ich noch immer nicht und werde es auch nie können.
Er ist wie ein Negativ, eine unsichtbare Hohlform, erkannte ich, deren
Linien ich nicht erfassen kann -- in die ich selber hineinschlüpfen muß,
wenn ich mir ihrer Gestalt und ihres Ausdrucks im eigenen Ich bewußt
werden will -- --
In der Schublade meines Tisches stand eine eiserne Kassette; -- in diese
wollte ich das Buch sperren und erst, bis der Zustand der geistigen
Krankheit von mir gewichen sein würde, wollte ich es wieder hervorholen
und an die Ausbesserung des zerbrochenen Initialen »I« gehen.
Und ich nahm das Buch vom Tisch.
Da war mir, als hätte ich es gar nicht angefaßt; ich griff die Kassette
an: dasselbe Gefühl. Als müßte das Tastempfinden eine lange, lange
Strecke voll tiefer Dunkelheit durchlaufen, ehe es in meinem Bewußtsein
mündete, als seien die Dinge durch eine jahresgroße Zeitschicht von mir
entfernt und gehörten einer Vergangenheit an, die längst an mir
vorübergezogen!
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Die Stimme, die nach mir suchend in der Finsternis kreist, um mich mit
dem fettigen Stein zu quälen, ist an mir vorbeigekommen und hat mich
nicht gesehen. Und ich weiß, daß sie aus dem Reiche des Schlafes stammt.
Aber was ich erlebt, das war wirkliches Leben, -- darum konnte sie mich
nicht sehen und sucht vergeblich nach mir, fühle ich.