Von den Verteilern erhält nicht jeder gleiches Maß. Wie aber, wenn, der
geringstes erhielt, noch mit seinem Hunde teilt, oder meinen Vögeln ein
kleines streut?
Gütig ist der Grund Deines Herzens, Mensch, der Du täglich mir von
Deinem Brote sprichst, mich bittest, und mir dankst. Um Brot, für Brot.
Und der Weizen steht und prangt, und die Mühlen gehen und mahlen und Ihr
backt und verteilt.
Und Ihr praßt und Ihr hungert. Zu diesem Allem schweigt Gott.
Gott nenne ich EUCH, da Ihr mich entsetzt. Unermeßlich seid Ihr, und
auch darum nenne ich Euch Gott: Unermeßlich ist Eure Menge.
Ihr seid zu groß, um meiner zu gedenken. Zu erfüllt seid Ihr.
So erfüllt, daß es aus Euch quillt.
Was aus Euch dringt, kenne ich nicht mehr, aber fruchtbarer scheint Ihr
mir als Wiesen an Wurzeln, als Meere an Muscheln, als Wolken an Tropfen.
Sprache nennt Ihr, was aus Euch quillt, Werke, was Eure Hände verläßt,
Weg, was Eure Fußtapfen verdrängten.
Ich aber nenne Euch untätig und redesüchtig.
Ward ich Euch Kreatur? Und seid Ihr Gott? Bin ich erblindet?
Um ein Nichts seid Ihr in ein Meer von Angst versetzt.
Was zeigt Ihr nicht wie die Pferde, Eine Linie, Ein Verhalten, essend,
gehend, horchend, Eine durchgehende Windung ohne Unterbrechen?
Warum seid Ihr nicht mehr ein Stiel mit Blüten und Früchten?
Wer gab Euch die runden Schädel ohne Seiten?
Wer zog die ausgeschweiften Münder?
Wer gab Euch die umgestellten Beine? Die schweren, blutigen Hände?
O, was wurde aus dem Werk?
Stündlich entreißet Ihr Euch meiner Zärtlichkeit.
So weit seid Ihr von Gottes Hand geraten.
Ihr findet ihre Ufer niemals wieder.
Weil Ihr die Schönheit meidet.
So stellt Euch der Tod.
Ich nenne Euch Gott, weil Ihr unermeßlich seid in Eurer Menge.
Du aber, göttlich geliebter Mensch, meines Herzens, sollst den Hauch
meiner Liebe spüren.
Mir sind Deine täglichen Wege vertraut. Ich kenne Deine Müdigkeit, auch
Deine Mutlosigkeit, die Dich stumm werden ließ.
Nun sollst Du nicht nur sprechen, ich will Dich singen lehren.
Nun sollen geöffnet werden für Dich die Jahreszeiten, die Halme mit
ihren Knospen, die friedlichen Augen der Tiere, alle Pfeifen meiner
Orgel, alle Felsen, woraus Quellen springen.
Nun sollen auch geöffnet werden die Hände eines zweiten Menschen.
Vereint wollen wir zu Dir beten, der Zweite und ich, Dein Gott.
Vereint wollen wir Dich in Glück betten.
Und nie sollst Du wissen, ob Dein Gott gesprochen oder Dein zweiter
Mensch.
Und Du sollst an uns glauben ohne Furcht.
Nie soll der Schatten des Unwahren Deine Schwelle kreuzen.
Siehe, die Liebe ist wahr wie Gott.