Mein garstig Zeug gegen Wieland macht mehr Lärm als ich dachte. Er
führt sich gut dabey auf wie ich höre, und so binn ich im Tort.
99.
Goethe an Kestner.
(11. May 1774.)
Es hat mich überrascht, ich erwartete das nicht. Gehofft hatt ichs,
doch da dein Brief nichts davon sagte, beschied ich mich dass die
erstgebornen der Famille gehören. Nun aber -- ich wünsche dass Lotte --
denn getauft ist der Knabe am 11 May da ich das schreibe -- dass Lotte,
alle Ueberlegung möge auffahrend durchgebrochen haben, und gesagt:
~Wolfgang~ heist ~er~! und der Bub soll auch so heisen! -- du
scheinst dahin zu neigen, und ich wünsche dass er diesen Nahmen führe
weil er mein ist. -- Habt ihr ihm den ~andern~ gegeben, so halt
ich mir aus dem nächsten den Nahmen ~Wolfgang~ zu geben, da ihr
doch mehr Gevattern nehmt -- und ich -- wohl all eure Kinder aus der
Taufe heben möchte, weil sie mir all so nah sind wie ihr. -- Schreibt
mir gleich was geschehn ist. -- Ich habe närrische Ahndungen dadrüber,
die ich nicht sage, sondern die Zeit will walten lassen.
Adieu ihr Menschen die ich so liebe (dass ich auch der träumenden
Darstellung des Unglücks unsers Freundes, die Fülle meiner Liebe borgen
und anpassen musste) Die Parenthese bleibt versiegelt bis auf weiters.