ICH DENKE EINEN FREUND

Schon will der Tag im Zimmer untergehn.

Mein Freund erzählt, in weite Linien blickend,

Von Wandernächten zu erwachten Höh'n,

Zeit überwindend, Räume überbrückend.

Wir gehen aus und treffen in den Straßen

So viele Menschen, die uns nicht verstehn.

Wir wollen nicht in enger Hürde grasen,

Komm, laß uns zu den großen Bäumen gehn.

Ich fahr' mit dir in den Botanischen Garten --

Doch ist nicht jeder Weg ein Doppelsinn?

Fühl' ich nicht hinter mir Verlassne warten?

Mein Blut ist Flut in weiten Weltbeginn!

Wir gehen zwischen großen Baumkulissen.

Hoch werden Wolken in die Nacht geschwemmt,

Um uns ist alles willenlos umrissen.

Wir sprechen laut und heiß und ungehemmt.

Ich weiß, daß wir uns alles Dasein gönnen.

Die kleinsten Qualen darf ich dir erwähnen.

Wenn wir am innigsten uns finden können,

Ist das Beisammensein voll Sturm und Tränen.

Den heißen Kopf in kühle Nacht geschmiegt,

Erdenkt ein neuer Mut sein Weltsignal.

Und wo der düsterhafte Druck zerfliegt,

Strahlt eine Weite auf wie ein Choral.

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 52 / 79 题