GEDICHT IM MAI

Ich dacht' es nicht, nie, daß ich so verzücke,

Wo Wiesen blühn wild in ihr eigenes Meer,

Die junge Sonne an Gesträuchen pflücke,

Die Luft, die Lust umarme und die Brücke

Der Erde leicht mich trage überher;

... und Flügel fühlend tausenden Gehäusen,

Der Unruh Linien findend ihre Bahn,

Entring ich mich, unendlich in den Kreisen,

Will Welt, dich, mich und alles an mich reißen,

Musik, wie Glaube glüht, ist aufgetan!

Weinen vertraut, wo so Versunkenheit

Der Landschaft ist --, viel Farben führen, erwidern

Das Leid. Und Strömung, Jubel ist und weit

Geöffnet Flut großer Gemeinsamkeit;

Herr bin ich von Brüdern, Bruder von Brüdern.

So zieht wie über alle Länder mein Blick,

Friede sinnend; tief in die Brust hinein

Atmet der Raum. Nichts bleibt verarmt zurück --

Denn allen ist und alles Unglücks Glück,

Unter der einigen Sonne zu sein.

Oft ging ich dumpf und blind; und hier ist Kunde,

Brausender Dom, Sieg der Sonne, und Segen!

Ich will nicht grübeln, warum. Meinem Munde

Fühl' ich Küsse entstehn, geweihter Wunde!

Zügle mein Hirn, o Gott, laß mir den Segen!

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 50 / 79 题