DER KRANKE SÄNGER

Wo nehm' ich die Geduld her für mein Leben?

Der Giftschwamm wuchert und zersaugt die Brust.

Mein Blick ist stumpf und hohl dem Tod gegeben.

Zertreten liegt die heitre Sängerlust.

Wie anders früher! Als sich mir die Bühne

Zur Welt geweitet und die Menschenklänge

Noch voll aus mir erströmten -- wie die kühne

Gewalt des Gottes, siegende Gesänge!

Nun stöhnt so heiser, mühsam, ohne Wert

Mein matter Leib, der kaum sich aufrecht hält.

Vom Fraß der Blutbazillen ausgezehrt

Wankt mein Gerippe im Geröll der Welt.

O könnte ich nochmal die Stunde küssen,

Da sich der Tag hell in den Himmel schwang,

In Segel tauchen, blühend hingerissen

Vom eignen Spiel und liebenden Gesang.

Und könnt' ich einmal noch die Bilder wecken,

Die mich wie milde Farben überliefen --,

Aus meinen Gliedern auf den Aufruhr schrecken

Mit jenen Stimmen, die unendlich riefen.

Doch dieses ganze Sehnen ist vergebens,

Erinnerung bedeutet größere Not.

Die unerfüllte Fülle meines Lebens

Wird immer ausgehöhlter für den Tod.

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 27 / 79 题