Carlos sagte: »Armer, armer Amlet, aber auch armer Polonius!«

Über das Schicksal der Ophelia jedoch waren sie sehr erfreut, Tia Lolita

hatte nämlich, um ihre Gemüter nicht zu sehr zu belasten, es von Grund

aus umgestaltet und einen fröhlichen Ausgang erdacht.

Nicolás sagte: »Beim Märchen vom Swinegel und sine Fru kann man auch

traurig und lustig sein, die Swinegels sind komisch, aber der Hase tut

mir leid.«

Tia Lolita bestätigte das, und Herr Dr. Bürstenfeger lächelte

nachsichtig und milde.

Es wurde zu Tische geläutet, nachher ging Herr Dr. Bürstenfeger in seine

Kabine, um ein Mittagsschläfchen zu halten.

Carlos und Nicolás spielten mit Tia Lolita Fangen, und dann versteckten

sie sich, und sie mußte sie suchen.

Carlos war schlau; er wußte, daß sie schwerlich auf Deck gehen würde,

weil es in Strömen regnete, ging hinauf und duckte sich in eine

Taurolle.

Nach seinem Mittagsschläfchen begab sich Herr Dr. Bürstenfeger in den

Salon; er fand die Knaben nicht, suchte sie und sah sie schließlich oben

auf Deck mit aufgespannten Regenschirmen bei Backbord sitzen, jeder eine

lange Angelrute in der Hand. Die gehörten dem Schiffskommissär. Sie

hatten sie vor seiner Kabine stehen sehen, und auf ihre Frage, ob er

erlaube, daß sie damit Fische für das Abendessen fingen, war er überaus

erfreut darüber gewesen; und nun saßen Carlos und Nicolás bereits

dreiviertel Stunden lang da und fingen nichts.

Der Lehrer legte ihnen die Hand auf die Schulter und belehrte sie, es

sei bei der schnellen Fahrt nicht gut möglich, Fische zu fangen, und der

Schiffskommissär, der weiter hinten unter Dach stand, lachte und meinte,

die Fische müßten lange Beine haben, und warnte sie vor dem Kapitän, der

beleidigt sei, denn sein Schiff sei kein lahmer Klepper.

Bei Tisch sahen Carlos und Nicolás nach der Spitze, wo der Kapitän saß,

und waren nachher furchtbar froh, weil er nichts gesagt hatte.

Heute hatte man frei gehabt, aber morgen war Schule ...

»Wir werden gesattelt«, sagte Carlos zu Nicolás, als Herr Dr.

Bürstenfeger sie zum Unterricht abholte. Sie meinten, so müsse es auch

ihren Ponys zumute sein, wenn die Knaben mit ihren Zäumen kamen.

Übrigens war es ungewiß, wer diesen Witz erdacht hatte, Carlos oder

Nicolás. Der Witz war alt, jeder nahm ihn für sich in Anspruch, und sie

hatten sich manchmal ernstlich darüber gestritten.

Auf Carlos' Vorschlag führten sie seit einiger Zeit ein Notizbuch in der

Tasche, und machte einer von ihnen einen Witz, so wurde er sofort in

beide Hefte eingetragen und darunter geschrieben:

Diesen Witz hat Carlos (oder Nicolás) am 5.

November 18.. um 4 Uhr nachmittags auf

einem Ritt nach Flores gemacht.

Es folgten dann beide Unterschriften.

Aber auch dies lief nicht immer ohne Streitigkeiten ab, denn oft war der

andere geneigt, den Witz zu schlecht zu finden, als daß er notiert

werden sollte, was ihn aber manchmal nicht daran hinderte, später, als

er bereits längst vergessen schien, darauf zurückzukommen und für sich

die Autorschaft zu beanspruchen. --

In Herrn Dr. Bürstenfegers Kabine lag alles fein säuberlich

nebeneinander: das Rechenbuch, das Lesebuch, die französische Grammatik,

zwei Hefte und zwei gespitzte Bleistifte.

Sie setzten sich. Zuerst kam das Rechnen, dann folgte Französisch.

Draußen vor der Tür aber war Geräusch zu hören, ganz sicher stand dort

jemand und horchte.

Carlos wurde unruhig. Herr Dr. Bürstenfeger aber tat, als höre er

nichts. Er öffnete die Grammatik und las:

»_Ma tangt a oublie song parablü_«, und Carlos übersetzte: »Meine Tante

hat ihren Regenschirm vergessen.«

Carlos und Nicolás · 第 24 / 48 题