,,Mit Huckleberry Finn sprechen."
Ein Irrtum war nicht mehr denkbar.
,,Thomas Sawyer, das ist die staunenerregendste Antwort, die ich je
erhalten habe. _Darauf_ kann nur die Rute antworten. Zieh die Jacke aus!"
Des Lehrers Arm arbeitete, bis er völlig ermattet und die Rute kaput war.
Dann hieß es: ,,So, nun geh, und setz dich zu den _Mädchen_! Und laß dir
das zur Warnung dienen!"
Das Kichern, welches jetzt durch das Schulzimmer ging, schien Tom in
Verlegenheit zu bringen, in Wahrheit aber war es vielmehr die wundervolle
Nähe seines unbekannten Idols und die mit Ehrfurcht gemischte Freude dieses
Glücksfalls. Er ließ sich auf dem Ende der Bank nieder, und das Mädchen
wandte sich ab, indem es ostentativ den Kopf drehte. Kichern, Flüstern und
Tuscheln erfüllten das Zimmer, aber Tom saß mäuschenstill, die Arme auf das
lange Pult vor sich gelegt, und schien eifrig zu lernen. Nach und nach
legte sich die allgemeine Beschäftigung mit ihm, und das gewöhnliche
Schulsummen füllte wieder die Luft. Sofort begann Tom verstohlen glänzende
Blicke auf das Mädchen zu werfen. Dieses merkte es, schnitt ihm 'ne
Grimasse und drehte für die Zeit einer Minute den Kopf von ihm ab. Als sie
vorsichtig wieder herumsah, lag ein Pfirsich vor ihr. Sie stieß ihn weg.
Tom schob ihn ihr liebenswürdig wieder zu; sie schob ihn nochmals fort,
aber weniger heftig. Tom legte ihn geduldig zum dritten Mal auf ihren
Platz. ,,Bitte -- nimm, ich hab' noch mehr!" Das Mädchen lächelte bei
dieser Anrede, machte aber sonst kein Zeichen des Einverständnisses. Nun
begann der Bursche etwas auf seine Tafel zu zeichnen, wobei er sein Werk
sorgfältig mit der Hand bedeckte. Eine Zeitlang tat das Mädel gleichgültig;
aber ihre Neugier begann sich doch bald bemerkbar zu machen durch
begehrliche Blicke. Tom arbeitete weiter, ohne eine Ahnung davon. Das Mädel
bewerkstelligte eine Art Verrenkung, um einen Blick auf Toms Werk werfen zu
können, der aber merkte noch immer nichts.