,,Holla, du, wie geht's dir?"
,,Was hast du da?"
,,Ne tote Katze."
,,Laß sehen, Huck. Donnerwetter, wie steif sie ist! Woher hast du die?"
,,Von 'nem Jungen gekauft."
,,Was hast du dafür gegeben?"
,,Einen blauen Zettel und eine Schweinsblase aus dem Schlachthaus."
,,Und woher hattest du den blauen Zettel?"
,,Vor zwei Wochen von Ben Rogers für einen Stock gekauft."
,,Sag -- was machst du mit der toten Katze?"
,,Was? Warzen heilen."
,,So. Wirklich? Ich weiß was Besseres."
,,Wird was sein! Was _ist's_ denn?"
,,Na -- faules Wasser!"
,,Faules Wasser! Geb dir keinen Heller für dein faules Wasser!"
,,So, nicht? Hast du's vielleicht probiert?"
,,Ich nicht, Bob Tanner."
,,Wer hat dir das gesagt?"
,,Na, _er_ hat's Jeff Thatcher gesagt, und Jeff hat's Johnny Baker gesagt,
und Johnny dem Jim Hollis, und Jim Hollis dem Ben Rogers, und Ben sagte's
'nem Neger, und _der_ hat's mir gesagt. So, nun weißt du's!"
,,Na, weißt du, die haben alle gelogen. Alle, bis auf den Neger, _den_ kenn
ich nicht. Aber ich hab' nie einen Neger gesehen, der _nicht_ gelogen
hätte. Aber sag' doch, wie macht's Bob Tanner denn, Huck?"
,,Na, er nimmt seine Hand und taucht sie in einen verfaulten Baumstumpf,
worin faules Wasser ist."
,,Am Tage?"
,,Natürlich!"
,,Mit dem Gesicht nach dem Baum?"
,,Ja -- das heißt, ich glaube."
,,_Sagte_ er was?"
,,Ich glaube nicht -- aber ich weiß nicht."
,,Na -- der will darüber sprechen, wie man Warzen heilt -- so ein alter
Schafskopf! Da hätt' er auch sonst was tun können! Also, du mußt mitten in
den Wald gehen, wo du weißt, daß ein Baumstamm mit faulem Wasser ist, und
gerade um Mitternacht mußt du das Gesicht gegen den Baum wenden und die
Hand hineinstecken, und dann sagst du:
,Ist das Wasser faul und dumpf --
Frißt's die Warz' mit Stiel und Stumpf!'
und dann trittst du langsam zurück, elf Schritt, mit geschlossenen Augen,
und dann drehst du dich dreimal herum und gehst nach Hause, ohne mit jemand
zu sprechen. Denn sonst hilft's nichts."
,,Ja, das kann sein; aber Bob Tanner hat's anders gesagt."
,,Na, weißt du, dann versteht er's halt nicht. Darum hat er auch am meisten
Warzen von allen im Dorf, und er hätte nicht _eine_, wenn er das mit dem
faulen Wasser wüßte, wie's ist. Ich hab' auf diese Weise tausend Warzen
fortgekriegt, Huck. Ich bekomme so viel Frösche in die Hand, daß ich immer
eine Masse Warzen habe. -- Zuweilen mach' ich sie mit 'ner Bohne ab."
,,Ja, Bohne ist gut, damit hab' ich's auch schon gemacht."
,,So? Wie machst du's denn?"
,,Na, man nimmt die Bohne und schneidet sie durch, und dann schneidet man
die Warze, bis Blut herauskommt, und dann läßt man das auf die eine Hälfte
der Bohne tropfen, und dann nimmt man die und gräbt bei Vollmond am
Kreuzweg ein Grab, und da tut man sie dann hinein. Dann, weißt du, zieht
die eine Hälfte der Bohne, wo das Blut darauf ist, die andere Hälfte an,
und so hilft das Blut, um die Warze fortzuziehen, so lang, bis sie fort
ist."
,,Ja, Huck, das ist ganz richtig. Nur, wenn du sie begräbst und dazu sagst:
,Bohne fort -- komm nicht mehr an diesen Ort,' ist's noch besser. So
macht's John Harper, und der ist schon mal bis Coonville und überall
gewesen. Aber sag' -- wie heilst du sie denn mit 'ner toten Katze?"
,,Weißt du, du nimmst die Katze und gehst auf den Kirchhof gegen
Mitternacht, dahin, wo ein Gottloser begraben ist. Wenn's dann Mitternacht
ist, kommt ein Teufel -- oder auch zwei oder drei -- du kannst ihn aber
nicht sehen, sondern hörst nur so was wie den Wind, oder hörst ihn
sprechen. Und wenn sie dann den Kerl fortschleppen, wirfst du die Katze
hinterher und rufst:
,Teufel hinterm Leichnam her,
Katze hinterm Teufel her,
Warze hinter der Katze her --
Seh' euch alle drei nicht mehr!'