Wir wenden uns zuerst den Gliedern der ersten Abteilung, den

Entomostraken,

zu, da sie in ihrem Bau einfacher angelegt und leichter zu übersehen

sind, als die „höheren Krebse“.

Es fällt schwer, nur einige gemeinsame Kennzeichen für alle hierher

gehörigen Tiere nachzuweisen; denn nicht einmal immer kann man ohne

weiteres einen Kopf- und einen Schwanzteil unterscheiden. Am besten

wird die Abteilung der Entomostraken dadurch charakterisiert, dass

sie ausserordentlich reich an verschiedenen Krebsformen ist, deren

Gliedmassen sowohl in der Zahl als auch Gestaltung ebenso wie die

Segmente des Körpers sehr variieren. Alle Entomostraken besitzen,

wie auch die höheren Krebse, zwei Paar Fühler. Ferner herrscht

unter den nachher zu besprechenden Ordnungen mit Ausnahme nur einer

Unterordnung annähernde Übereinstimmung in der Körpergestalt während

der ersten Entwickelungsstadien nach dem Verlassen des Eies. Nicht

alle Entomostraken-Familien sind im süssen Wasser vertreten, eine

derselben, die der Rankenfüsser (Cirripedien), findet sich nur im Meere

vor. Die Zahl der Gattungen und Arten, welche einer Familie angehören,

bewegt sich in weiten Grenzen. Von Entomostraken sind gegenwärtig

weit über 2000 Arten bekannt. Von dieser Summe zählt etwa die Hälfte

zu den Copepoden, ¼ zu den Ostrakoden, ⅐ zu den Phyllopoden und nur ⅛

zu den im Meere lebenden Cirripedien. Die Mehrzahl der Arten auch der

übrigen Familien ausser den Cirripedien lebt ebenfalls im Meere. Aus

der umfangreichen Familie der Copepoden lebt nur der +zehnte+ Teil im

süssen Wasser. Wohl die bedeutendste Rolle von allen niederen Krebsen

spielen in unseren Gewässern die

Copepoden oder Ruderfüsser.

In dieser zahlreichen Familie unterscheiden wir drei Gruppen, von denen

zwei allerdings für das praktische Leben nur wenig Bedeutung haben,

allein nichtsdestoweniger ausserordentlich interessant sind wegen

der enormen Umbildung des Körpers. Die Tiere, welche diesen Gruppen

angehören, leben nämlich parasitisch und haben sich dieser Lebensweise

so angepasst, dass sie als Ruderfüsser kaum mehr zu erkennen sind und

lange falsch beurteilt wurden. Ehe wir uns diese Schmarotzerkrebse,

welche ihrer saugenden Mundteile wegen _Siphonostomata_ genannt

werden, näher betrachten, wollen wir die freilebenden Ruderfüsser,

welche beissende Mundteile besitzen und als _Gnathostomata_ bezeichnet

werden, kennen lernen. Schmarotzende und freilebende Ruderfüsser werden

zusammen als echte +Copepoden+ oder +Eucopepoden+ den sogenannten

+Karpfenläusen+ (_Branchiura_ oder +Kiemenschwänzen+) gegenübergestellt.

+Freilebende Ruderfüsser+ (_Gnathostomata_).

Die erste Nachricht über das Vorkommen von Ruderfüssern (auch

Spaltfüsser genannt) verdanken wir +Leeuwenhoek+; sie stammt aus

dem Jahre 1690. Allein erst von der Mitte unseres Jahrhunderts an

wurden sie eigentlich genauer studiert, besonders von +Fischer+[108]

in Petersburg und C. +Claus+[109][110][111]. Die Bedeutung des dem

Griechischen entstammenden wissenschaftlichen Namens ist bereits

angegeben worden. Die Tiere, welche unter diese Familie zu rechnen

sind, besitzen eine nur geringe Körpergrösse, gewöhnlich ½-3 _mm_,

höchst selten misst eine Art 5 _mm_ oder gar, wie einige im Meer

lebende Formen, 9 _mm_. Der Körper kann bei den meisten etwa mit einer

halbierten Birne verglichen werden. Die Wölbung würde dem Rücken,

die Schnittfläche der Bauchseite entsprechen. Der grössere, dickere

Teil stellt dann den Vorderleib, der dünnere den Hinterleib dar. Der

Vorderleib ist aus fünf Teilen zusammengesetzt, welche an und für

sich starr, dennoch gegen einander beweglich sind durch dünnhäutige

Einschnitte, wie sie auch dem Hinterleib und den Gliedmassen die

Beweglichkeit verleihen. Das grösste Stück des Vorderleibes ist oft

allein so lang wie die übrigen zusammen. In ihm ist Kopf und Brust

vereinigt, weshalb es Kopfbruststück oder Cephalothorax genannt wird.

Da bei den Kerftieren gewöhnlich jeder Körperring der ersten Anlage

nach mit einem Paar Gliedmassen versehen ist, so lässt sich aus der am

Kopfbruststück der Copepoden vorhandenen Summe derselben schliessen,

dass mehrere Ringe zur Bildung dieses verschmolzen sind. Die nächsten

vier, immer noch zum Vorderleib zählenden Ringe nehmen allmählich an

Grösse ab und tragen Beinpaare. Der auf den letzten folgende Hinterleib

zählt fünf Ringe. Diese sind beim Männchen getrennt erhalten, während

beim Weibchen der erste mit dem zweiten zu einem einzigen Segment

(Ring) verschmilzt. Im hintersten Segmente mündet der Darm nach aussen.

Eine Art Steuerruder bildet den Abschluss des Körpers. Dieses wird, da

es aus zwei nebeneinander dem letzten Hinterleibsringe aufsitzenden

Teilen besteht, welche etwa mit den Zinken einer Gabel verglichen

werden können, „Schwanzgabel“ oder „Furca“ genannt. Beide Zinken tragen

am Ende lange Borsten. Länge und Breite der Körpersegmente sind je nach

der Art des Tieres manchem Wechsel unterworfen. Während bei einigen

Familien der Hinterleib so lang ist wie der Vorderleib, ist bei anderen

dieser bedeutend länger als jener.

Die Copepoden sind, wie die meisten Krebstiere, reichlich mit

Gliedmassen versehen und zwar im ganzen mit etwa elf Paaren, welche

dreierlei Verrichtungen zu erfüllen haben. Zum Tasten und Schwimmen

dienen zwei Fühlerpaare, der Ernährung vier Paar Mundwerkzeuge, auf

welche fünf Beinpaare gleichzeitig mit den Fühlern das Schwimmen

vermittelnd folgen. Von den letzteren ist gewöhnlich das hinterste

verkümmert oder zu einem Greiforgan bei den Männchen umgewandelt.

Wie der Körper und die übrigen Gliedmassen, sind auch die Fühler aus

hintereinander liegenden Segmenten oder Ringen zusammengesetzt. Die

Zahl dieser Ringe ist eine je nach der Art, dem Geschlecht und Alter

verschiedene, sie kann sogar innerhalb +einer+ Art variieren. Von

den drei bei uns vorkommenden Familien von Ruderfüssern haben die

Harpactiden die geringste Zahl von Gliedern, an den Fühlern nämlich

höchstens acht; die Cyclopiden besitzen 6-18, die Calaniden gar 25.

Die Antennen aller Copepoden sind reichlich mit Borsten und kleinen

Sinnesorganen, welche später besprochen werden sollen, versehen.

Wie schon gesagt, dienen diese Fühler wesentlich mit zur Bewegung.

Seltsame Umbildungen erfahren sie bei den Männchen. Während die

weibliche Antenne gewöhnlich fadenförmig ist und gegen das Ende zu

gleichmässig an Dicke abnimmt, wobei die verschiedene Länge der

einzelnen Glieder keine Rolle spielt, ist die des Männchens zu einem

ganz komplizierten Greiforgan umgestaltet. Diese Funktionsvermehrung

trifft bei Harpactiden und Cyclopiden die beiden Antennen, bei den

Calaniden nur die der rechten Seite. Bei der letzteren Familie ist

der fünfte Fuss auf der entsprechenden Seite ebenfalls zu einem

Greiforgan verwandelt. Alle diese geschlechtlich differenzierten

Antennen sind zweimal geknickt (Fig. 70, _am_) und können nach vorn

einwärtsgeschlagen werden, so dass eine Art Schlinge entsteht, mit der

die Weibchen gefangen und während der Begattung festgehalten werden.

Die zweiten Antennen sind meistens bedeutend kürzer und setzen sich

bei Cyclopiden und Harpactiden aus vier Gliedern zusammen. Bei den

Calaniden sind sie in zwei Äste gespalten, deren einer vier, der andere

sieben Glieder besitzt.

Der Mund ist von einer als Oberlippe bezeichneten bezahnten Platte

überdeckt. An seinen Seiten sitzen zwei Paar Kiefern und ebenso viele

Kieferfüsse, welche in stetiger Bewegung sind und viele Borsten und

Stacheln tragen.

[Illustration: Fig. 70.

_Cyclops tenuicornis_ Claus (Weibchen, von oben gesehen). _a′_ Erste

Antenne -- _a″_ Zweite Antenne -- _am_ Antenne des Männchens -- _au_

Auge -- _m_ Längsmuskel -- _M_ Magen -- _D_ Darm -- _E_ Eiersäckchen --

_Ee_ Eileiter, mit Eiern gefüllt.]

Von den nun folgenden vier Schwimmfusspaaren ist das erste noch am

Kopfbruststück angeheftet und gewöhnlich das kleinste. Alle sitzen

noch am Vorderleib. Sie bestehen aus einem breiten Grundgliede, auf

welchem zwei Äste mit je zwei bis drei Gliedern entspringen; sie werden

als Spaltbeine bezeichnet. Wie die Mundwerkzeuge sind auch besonders

die Endglieder der Beine reichlich mit Borsten und Dornen ausgestattet.

Es wäre nun noch eines fünften, rudimentär gewordenen Fusspaares zu

gedenken, welches dem kleinsten (fünften) Vorderleibssegment aufsitzt,

oft nur durch Borsten angedeutet, oft 1-2gliederig ist oder gar noch

aus einem Grundgliede und zwei kleinen Ästen (Calaniden) besteht. So

unscheinbar es ist, so gross ist seine Bedeutung für die Unterscheidung

der Arten. Wie oben erwähnt wurde, ist der rechte Fuss des rudimentären

Paares bei den Calaniden zu einem Greiforgan umgewandelt und trägt

einen sehr starken langen Dorn am Ende. Bei den Harpactiden erleidet

das dritte Schwimmfusspaar eine entsprechende Umwandlung zum gleichen

Zweck.

Es mögen hier einige Bemerkungen über den Bau der Körperbedeckung

eingefügt werden, welche das Tier gegen die Umgebung abgrenzt und ihm

Schutz verleiht. Bei allen Kerftieren besteht die Haut aus zwei Lagen,

von denen die eine die andere erzeugt. Die äusserste Lage besteht aus

einem „Chitin“ genannten Stoff und ist von sehr wechselnder Dicke.

Während manche Käfer vom Sammler kaum mit der Nadel durchbohrt werden

können, hat die Stubenfliege nur eine dünne Chitindecke und kann

daher leicht zerdrückt werden. Von dieser +Chitinhaut+ sind alle die

weicheren inneren Organe schützend umschlossen; an ihr setzen sich auch

die Muskeln und Sehnen an. Da nun der äussersten Körperschicht die

Aufgabe zufällt, den Körper zu stützen und Ansatzstellen für alle die

Muskeln abzugeben, welche die Gliedmassen etc. bewegen, so kann man

bei den Kerftieren und also auch bei den Krebsen von einem äusseren

Skelett reden. Dieses wird von einer darunter liegenden ganz weichen

Schicht, der Matrix oder Hypodermis, deren Elemente kleine, vielseitige

platte Zellen darstellen, abgesondert. Doch geschieht die Absonderung

nicht immerfort gleichmässig, sondern sie findet nur nach bestimmten

Zwischenpausen bei noch nicht ausgewachsenen Tieren statt. Jeder neuen

Absonderung geht ein Abwerfen der alten Chitinhaut vorauf.

Ähnlich ist auch die Haut, welche den Anfang und das Ende des

Darmrohres auskleidet, zusammengesetzt und wird ebenfalls bei der

Häutung abgestossen.

Da wir nun das Äussere der Copepoden einigermassen kennen, wenden wir

uns zu dem Bau und der Zusammensetzung der inneren Organe und Systeme.

Dieselben sind, trotz ihrer Einfachheit, ihrer Struktur und Funktion

nach doch oft recht schwierig zu erkennen.

Gleich das +Nervensystem+, von dem ja alle Lebensäusserungen,

willkürliche wie unwillkürliche, ausgehen, ist bei der Kleinheit der

Tiere, zu der sich noch andere Hindernisse gesellen, so schwer zu

entdecken, dass bei mancher Art noch nicht einmal die äussere Form

mit voller Sicherheit festgestellt ist. Von vornherein lässt sich

ja annehmen, dass es sich vom Bau nahe verwandter Arten, von deren

zentralem Nervensystem man genaue Kenntnis hat, nicht allzuweit

entfernen werde. Gewöhnlich lagert sich der Hauptteil, den man als

Hirn bezeichnen kann, wie bei allen Kerftieren, über dem Schlund und

zwar in Form von Ganglien, d. h. Anschwellungen von Nervensträngen, in

denen die Elemente des Nervensystems, Fasern und Zellen, bei einander

liegen. Solche Ganglien sind, der bilateralen Symmetrie des Körpers

entsprechend, gewöhnlich paarweise angelegt. Die Paare selbst treten

ursprünglich in jedem Segment in der Einzahl auf, können aber sowohl

seitlich verwachsen, als auch, wenn Segmente mit einander verschmelzen,

zusammenrücken, so dass mehrere hintereinander gelegene Paare durch

Verwachsung nur noch ein einziges darstellen. Um wieder auf das „obere

Schlundganglion“ (so lautet die wissenschaftliche Bezeichnung des

Hirns) zurückzukommen, so ist es meistens auch durch seine Grösse

vor den anderen ausgezeichnet. Von ihm gehen rechts und links an den

Seiten des Schlundes Nerven (Kommissuren) hin, welche in ein unter dem

Schlunde liegendes Ganglienpaar eintreten. Auf diese Weise entsteht

eine Art Ring, welcher sich eng um das Rohr des Schlundes herumlegt

und „Schlundring“ genannt wird. Dieses „untere Schlundganglion“ ist

mit den weiter nach hinten liegenden segmentalen Ganglien durch

zwei Nervenstränge, wie jene unter sich, verbunden. Das Bild dieses

„Bauchstranges“ gleicht einer Strickleiter. Wie schon der Name besagt,

liegt dieser Bauchstrang, welcher unserem Rückenmark entspricht,

an der Bauchseite unter dem Darm. Ob überall bei unseren Copepoden

auch im Hinterleib solche durch Nerven mit einander verbundene

Ganglien zu finden sind, ist nicht ganz sicher festgestellt. Bei

den Cyclopiden fehlen sie dort, was natürlich nicht ausschliesst,

dass derselbe dennoch reichlich mit Nerven versorgt ist. Von diesem

Zentralnervensystem, welches, wie wir gesehen haben, aus einem

Schlundring und einer Bauchganglienkette sich zusammensetzt, gehen nun

gröbere und feinere sich reichlich verzweigende Nervenäste zu allen

Teilen und Organen des Körpers und vor allem zu den +Sinnesorganen+.

Obgleich diese im Vergleich mit anderen Kerftieren nur schwach

entwickelt sind, scheinen die Copepoden dennoch für die meisten

Eindrücke recht empfänglich zu sein. Am leichtesten sichtbar und keiner

Art fehlend ist das +Auge+. Es ist bei grösseren Arten, namentlich bei

den fast farblosen pelagischen Tieren, ohne weitere Hilfsmittel durch

seine gewöhnlich rot bis rotbraune Färbung kenntlich. Häufig glänzt es

sehr schön.

Ausnahmslos müssen sich die Copepoden mit einem einzigen +Auge+

behelfen und dieser Umstand hat der Gattung Cyclops mit einer

Anspielung auf den einäugigen Schmiedeknecht Vulcans im Ätna zu ihrem

Namen verholfen. Dieses eine Auge ist so primitiv gebaut, dass wir

ruhig annehmen können, es werde seinem Besitzer zu keiner besonders

vollkommenen Erkenntnis der Umgebung verhelfen und nicht viel mehr

als die Unterscheidung von hell und dunkel ermöglichen. Es sitzt bei

allen Arten mitten auf der Stirn zwischen den beiden Fühlern und ist

bloss bei den Calaniden ein wenig beweglich, sonst aber fest. Mit

einem Vergrösserungsglas sieht man dem schon erwähnten Pigmentfleck

zwei kleine glashelle Linsen aufsitzen, welche meistens den Glanz

verursachen. Denkt man sich nun hierzu einen Nerv, der vom Hirn zum

Auge zieht und unter demselben eine kleine gangliöse Anschwellung

zeigt, so kennen wir die ganze Einrichtung, wie sie einfacher kaum

gedacht werden kann. Die nächstniedere Entwickelungsstufe des Auges

kommt schon sehr früh in der Tierreihe vor bei wirbellosen Tieren und

stellt einen mit Nerven versehenen Pigmentfleck dar, ist also um das

optische Hilfsmittel der beiden Linsen ärmer. Die Linsen selbst sind

aus der Chitinschicht der Haut gebildet und werden bei jeder Häutung

durch neue ersetzt.

Wenn wir somit dem Formen- und Farbensinn der kleinen Hüpferlinge keine

besondere Hochachtung zollen dürfen, so kann man doch aus manchen

Beobachtungen schliessen, dass nicht alle Sinne gleich schlecht

entwickelt sind. Namentlich scheinen der +Geruch+ und +Geschmack+

gut ausgebildet zu sein. Nur fehlen uns vorderhand die Mittel,

genau zu unterscheiden, welche Organe dem einen, welche dem anderen

Sinne dienen. Es ist ja nicht unmöglich, dass bei den im Wasser

lebenden Tieren ein und dieselbe Vorrichtung beiderlei Perceptionen

ermöglicht, da nur ein Medium vorhanden ist, um die erregenden Stoffe

zu übermitteln -- das Wasser. Ob nun die Stoffe gasförmig oder fest

sind, bleibt sich gleich. Da nicht wohl anzunehmen ist, dass unlösliche

Stoffe einen Eindruck auf andere als Seh- und Tastorgane machen, so

ist von diesen abzusehen. Lösliche Stoffe jedoch können nach unseren

Anschauungen von +einem+ Sinnesorgan wahrgenommen werden. Wie bei den

höheren Wirbeltieren ist der Geruchs-Geschmackssinn auf bestimmte

Körperteile beschränkt und zwar wohl ausnahmslos auf die Antennen.

Am ersten Paare derselben sitzen neben einer bedeutenden Anzahl von

Borsten verschiedener Grösse und Form je nach Art, Geschlecht und

Alter wechselnde Mengen äusserst zarter Gebilde auf, welche kaum

einem anderen Zweck dienen dürften, als die nächste Umgebung auf

ihre chemische Beschaffenheit zu prüfen. Es sind dies die bei den

Cyclopiden und Harpactiden von +Leydig+ beschriebenen sogenannten

„blassen Kolben und Cylinder“, welchen bei unserem Calaniden Diaptomus

(s. S. 338) feine und lange verborgen gebliebene Gebilde entsprechen,

die zuerst von +Imhof+[112] beschrieben und von mir[113] abgebildet

wurden. Besonders auffallend ist die Verschiedenheit der Form

dieser Sinnesorgane bei den Cyclopiden, und wohl wert, mit einigen

Worten beschrieben zu werden. Vor allem ist hervorzuheben, dass die

männlichen Antennen stets reichlich mit solchen Kolben und Cylindern

versehen sind, während sie bei den Weibchen entweder gar nicht oder

nur in der Einzahl angetroffen werden. Der letztere Fall ist um so

interessanter, als die Lebensäusserungen der Tiere keineswegs die

Vermutung aufkommen lassen, als fehle diesen der Geruchssinn überhaupt;

man kann somit schliessen, dass auch noch auf andere, bis jetzt noch

nicht ermittelte Weise geschmeckt bezw. gerochen wird. Diejenigen,

welche ein Sinnesorgan besitzen, tragen dasselbe am zwölften Gliede der

ersten Antenne in Form eines auf einem Stiele sitzenden Kölbchens. Ganz

ähnlich in der Form, nur grösser und zahlreicher sind die Kölbchen, mit

welchen die Männchen dieser Weibchen an den Klammerantennen ausgerüstet

sind. Die übrigen Männchen dagegen schmecken mit den „blassen

Cylindern“, welche morphologisch den eben geschilderten Kölbchen

entsprechen. Diese Cylinder sind im letzten Drittel fein behaart und

kommen auch bei unserem Harpactiden Canthocamptus vor. An den langen

Fühlern unseres gemeinsten Calaniden Diaptomus treten beim Weibchen wie

Männchen ganz kleine, äusserst zarte und darum kaum sichtbare Organe

auf, welche etwa die Form einer Lanzenspitze haben. Einen deutlichen

Übergang von den Borsten zu dem Schmeckorgan weisen die an der Antenne

der Heterocope, eines nahen Verwandten des Diaptomus, auf. Viele

derselben entfernen sich mit Ausnahme einer blasigen Auftreibung am

Grunde kaum vom Bau einer Borste.

Es mag hier erwähnt werden, dass alle die genannten Sinnesorgane, so

verschieden ihre Form und Grösse ist, ganz den so zahlreich an allen

Gliedmassen der Copepoden vorkommenden Borsten, welche an den Antennen

sicher mit die Tastempfindung vermitteln, entsprechen und aus diesen

sich entwickelt haben. Nicht allein die Anordnung der „blassen Kolben

und Cylinder“ auf den Gliedern der Antenne dient uns als Beweis dafür,

sondern auch der Umstand, dass, wie beim ebenerwähnten Falle, nicht

selten solche Sinnesorgane angetroffen werden, welche ein Mittelding

zwischen Borste und Kolben (oder Cylinder) darstellen. Es ist dies

ein Beispiel, dass eigentlich Geschmack und Geruch nur verfeinerte

Tastempfindungen sind. Weitere Bemerkungen über die Thätigkeit der

vermutlichen Organe des Geschmacks- und Geruchssinnes werden in dem

Abschnitt über die Lebensweise der kleinen Kruster folgen und wir

wenden uns zur Besprechung des +Gehörs+, sofern man überhaupt von

einem solchen reden kann. Es ist nämlich bis jetzt nicht gelungen

an Süsswasser-Copepoden auch nur in Spuren ein Organ nachzuweisen,

welches zur Aufnahme von Schallwellen im Wasser spezifiziert wäre.

Wollen wir nicht annehmen, dass die oben geschilderten Sinnesorgane

der Antennen -- zu denen ja schliesslich noch alle die feineren

Borsten, namentlich die mit feinen Härchen versehenen zu rechnen sind

-- neben den angegebenen Funktionen noch die des Hörens übernehmen, so

können wir nur vermuten, dass Schallwellen, die ja im Wasser ohnedies

viel besser geleitet werden als in der Luft, vom ganzen Körper des

Tieres empfunden werden und somit ebenso wirken, wie ein Reiz auf den

Tastsinn. Da nicht einzusehen ist, von welchem Vorteil eine auch nur

annähernd genaue Unterscheidung der Töne für das Wohlbefinden eines so

niedrig organisierten Wesens sein soll, so wird man wohl begreifen,

dass die geschilderte Art der Schallempfindung ihren Zweck ausreichend

erfüllt. Auch wir empfinden ja den Schall viel öfter als wir es ahnen

zumteil mittels des Tastsinnes. Jeder kann sich davon überzeugen, wenn

er während des Vortrages eines kräftigen Gesangsstückes oder einer

schmetternden Kapelle die Fingerspitzen auf den Deckel eines frei

gehaltenen Buches oder einer kleinen Zigarrenkiste legt. Dass aber die

Copepoden einen gut entwickelten +Tastsinn+ haben, wird jeder Freund

derselben, welcher etwa mit einer Pipette die gewandteren Schwimmer,

wie Diaptomus und Cyclops, aus einem grösseren Gefäss herausfangen

will, zu seinem Ärger erfahren. Mit einer oft geradezu bewundernswerten

Geschicklichkeit wissen die Tiere dem gefahrbringenden Instrumente,

dessen Nähe sie offenbar nicht sehen, sondern lange, ehe es den Körper

berührt, fühlen, auszuweichen, und je öfter und sorgfältiger man ihnen

nahe zu kommen sucht, desto sicherer entfliehen sie -- einmal scheu

gemacht -- durch einen schnellen Sprung.

Von den Eingeweiden ist am leichtesten der +Darmtraktus+, besonders

am lebenden Tiere -- allerdings so wenig wie das Nervensystem mit

blossem Auge -- zu verfolgen. Wir teilen denselben in einen vordern

(Schlund-)Teil, Mittel-(Magen) und Enddarm. Der erste beginnt mit dem

Munde. Von der Mundöffnung an steigt der Schlund beinahe senkrecht in

die Höhe, biegt ein wenig nach vorn der Stirn zu um, erleidet dort eine

Knickung und geht allmählich in eine Erweiterung des Darmrohres, den

Mitteldarm oder Magen, über, welcher sich annähernd durch den ganzen

Vorderleib erstreckt. Mit dem Beginn des Hinterleibs fängt der wieder

dünnere Enddarm an und mündet an der Oberseite des letzten Segmentes

vor der Furca nach aussen. Der Darmtraktus geht somit wie ein gerader

Schlauch mitten durch den Körper. Am Enddarm besonders kann man leicht

eine eigentümliche Erscheinung beobachten, welche dem Darm aller Tiere,

den Menschen nicht ausgenommen, eigen ist. Häufig treten nämlich an

demselben Einschnürungen auf, welche weiter wandern und, da sie rasch

auf einander folgen, wie Wellen sich fortzupflanzen scheinen. Es sind

dies die sogenannten „peristaltischen Bewegungen“, welche, durch die

in der Darmwand liegenden Muskeln erzeugt, der Weiterbeförderung des

Inhalts dienen.

Vergebens würden wir nach +Leber+ und +Niere+, zwei so hochwichtigen

Organen im tierischen Körper, suchen, wollten wir sie als gesonderte

Teile der Eingeweide vermuten. Nach mühsamen Versuchen erst ist es

gelungen nachzuweisen, dass Zellen, auf dem Magenstück liegend, die

Verrichtung der erwähnten Drüsen übernommen haben. Etwa innerhalb des

Kopfbruststückes ist der Darm von drüsigen Zellen umgeben, welche mit

gelb gefärbten Fettkügelchen erfüllt und ihrem Bau nach als Leberzellen

zu deuten sind. Weiter nach hinten, dem Ende des Magens zu, enthalten

ähnlich geformte Zellen die Stoffe, welche bei den höheren Tieren von

den Nieren abgesondert werden. Durch Einwirkung chemischer Reagentien

lässt sich ihre Zusammensetzung erkennen. Diese Nierenzellen geben

ihren Inhalt am Anfang des Enddarms an diesen zur Weiterbeförderung

nach aussen ab.

Selbst unser Regenwurm ist in dieser Beziehung, so niedrig er sonst

steht, besser eingerichtet, als der Copepode, indem er wenigstens

gesonderte Organe, welche die Funktion der Niere verrichten, besitzt.

Allein nicht nur in diesem einen Falle können wir am Copepoden die

Einfachheit der Mittel bewundern, mit denen die Natur so unendlich

verschiedenes zweckmässig einzurichten weiss. Gleich die Art und

Weise, wie das Blut im Körper der kleinen Geschöpfe zu allen Organen

hingeführt wird, ist bei den Cyclopiden und Harpactiden so originell

und zugleich so primitiv, dass wir kaum begreifen können, wie dadurch

die Thätigkeit eines komplizierten Apparates, wie es das Herz anderer

Tiere ist, vollkommen ersetzt werden kann.

Die beiden eben erwähnten Familien besitzen nämlich nicht einmal

die Andeutung eines +Herzens+ und bei diesen Tieren übernimmt nun

wunderbarerweise der Darm einen Teil der Funktion eines solchen,

ist also in dreifacher Weise beschäftigt. Dadurch, dass er sich in

bestimmter Richtung (vorwiegend in der Vertikalebene auf und ab)

bewegt, wird das Blut wenigstens ordentlich untereinandergeschüttelt,

wenn auch nicht in vorgeschriebenen Bahnen oder Adern herumgeleitet.

Die Lage und der Verlauf des Darmes wurde vorhin geschildert. An der

erwähnten Umbiegung, wo der Schlund in den Magen übergeht, setzen sich

an der Oberseite feine Muskeln an, welche nach vorn und oben gegen

die Stirne zu verlaufen. Diese bewegen bei ihrer Zusammenziehung den

Darm in dieser Richtung. Sehr ausgiebig und regelmässig ist diese

Bewegung nicht. Eine zweite Art von „Darmpulsationen“ vollzieht sich

durch die Thätigkeit anderer Muskeln, welche sich einerseits am Darm

beim Übergang des Magens in den Enddarm ansetzen, anderseits an der

innern Bauchwand des Hinterleibes. Durch diese Muskulatur wird der

Darm gewaltsam nach abwärts und zugleich nach hinten gerissen und

alles Blut, das sich unter ihm befand, nach oben an den Seiten des

Darmes vorbei unter die Rückenhaut getrieben. Gleich darauf kehrt

alles in seine vorige Lage zurück. Die Zahl dieser Bewegungen in einer

bestimmten Zeit ist manchem Wechsel unterworfen und scheint zumteil

willkürlich ausgeführt zu werden. Die Gliedmassen sorgen ausserdem

durch ihre fast immerwährende Bewegung jedenfalls mit dafür, dass das

Blut keinen Augenblick ruhig im Körper verweilt.

Eine viel vollkommenere Blutzirkulation findet bei den Calaniden

statt, da diese ein Herz besitzen. Dieses ist bei unserm Diaptomus

in einer ausserordentlich lebhaften Bewegung und schlägt etwa 150mal

in der Minute, so rasch, dass es beinahe zu vibrieren scheint. Durch

seine energische Thätigkeit werden die in seiner Umgebung liegenden

Organe ebenfalls in einem beständigen Zittern erhalten. Beobachtet

man einen Diaptomus längere Zeit unter dem Mikroskop von einem

dünnen Gläschen bedeckt, so verbraucht er allmählich den in dem

umgebenden Wassertropfen enthaltenen Sauerstoff und dann schlägt das

Herz des absterbenden Tieres immer langsamer, so dass es sich leicht

genau besehen lässt. Man wird dann finden, dass es einem kleinen

Balle gleicht, welcher in der Mitte des Rückens und zwar im dritten

Vorderleibssegment direkt unter der Haut liegt. Feine blasse Fädchen

ziehen von ihm an die umgebenden Teile (Haut, Darm) und halten es in

seiner Lage fest. Es ist mit einigen Öffnungen versehen. Am sichersten

ist eine hintere und vordere, weniger bestimmt solche an den Seiten

beobachtet worden. Blutgefässe fehlen auch hier. Wie bei den zwei

anderen Familien ist auch bei den Calaniden die ganze Körperhöhle mit

Blut erfüllt, so dass die Organe sozusagen darin schwimmen. Zieht

das Herz sich zusammen, so strömt das Blut gegen den Kopf zu aus der

vordern Öffnung, welche demnach als „arterielle“ angesehen werden kann.

Die bei der Kontraktion sich schliessende hintere oder „venöse“ Öffnung

lässt bei der Ausdehnung Blut einströmen, welches von seiner Wanderung

durch den Körper und die Gliedmassen zurückkehrt.

Das +Blut+ selbst ist farblos oder schwach gelblich. Feste

Bestandteile, etwa den Blutkörperchen anderer Tiere entsprechend,

lassen sich nur sehr schwer darin entdecken und wurden früher ganz

vermisst.

Gesonderte Verrichtungen, welche zur +Atmung+ dienen könnten, fehlen

allen echten Copepoden vollständig. Man muss demnach annehmen, dass

der im Wasser gelöste Sauerstoff, der auch diesen kleinen Wesen

unentbehrlich ist, einfach durch die Haut aufgenommen und auf demselben

Wege die Kohlensäure abgeschieden wird. Man wird diese scheinbare

Unvollkommenheit verstehen, wenn man bedenkt, wie leicht sich ein

Gasaustausch durch eine Haut, welche in allen Teilen dünner ist als die

Kiemenhaut grösserer Krebse, vollziehen kann. Es wirkt somit die ganze

Körperoberfläche als Atemorgan, sozusagen als Kieme. Das Bedürfnis

nach Sauerstoff entspricht der Grösse der Tiere und der Lebhaftigkeit

derselben.

Alle Bewegungen im und am Körper werden durch hochentwickelte +Muskeln+

ausgeführt. Vor allem sind zwei Stränge derselben, je einer links und

rechts von der Mittellinie des Körpers, stark ausgeprägt und leicht

zu sehen. Diese vermitteln die Verschiebung der Körpersegmente gegen

einander. An den Seiten des Körpers und am Bauche setzen sich die

Muskeln der Gliedmassen an. Von der eigentümlichen Thätigkeit der Darm-

und Herzmuskulatur war schon früher die Rede.

Es bliebe uns jetzt noch übrig, da ja nur die wichtigeren Organe hier

Raum finden können, die +Fortpflanzungsorgane+ und daran anknüpfend die

+Entwickelung+ der Copepoden zu besprechen.

Schon bei der Beschreibung der Gliedmassen wurde erwähnt, dass alle

Copepoden getrennten Geschlechts seien, und die äusseren Merkmale,

welche beide Geschlechter trennen, hervorgehoben.

Die +Fortpflanzungsorgane+ nehmen bei den reifen Tieren einen grossen

Teil der Leibeshöhle ein und schimmern namentlich bei den Cyclopiden

durch die dünne Körperwand durch. Da der Inhalt derselben oft genug

eine bläuliche bis grüne Färbung besitzt, erscheinen die Tiere in

dem entsprechenden Tone gefärbt. Die Männchen sind sofort an ihrem

schlankeren Körper und den umgeformten Antennen zu erkennen. Junge

Tiere sind nicht immer leicht zu unterscheiden. Die Weibchen sind

gewöhnlich grösser als die Männchen derselben Art und der Hinterleib

derselben besitzt ein Segment mehr als bei jenen, da das erste und

zweite nicht mit einander verwachsen sind. Bei beiden Geschlechtern

liegen die Fortpflanzungsorgane über dem Darm und unter der Rückenhaut.

Wo ein Herz, wie bei den Calaniden, vorhanden ist, befindet sich dieses

über den Geschlechtsorganen. Sind letztere bei den Weibchen stark

entwickelt und mit Eiern erfüllt, so erstrecken sie sich etwas an den

Seiten des Darmes nach dem Bauche zu abwärts. Die Keime werden in einer

sackähnlichen Drüse erzeugt. Von dieser Drüse treten sie nach rechts

und links in die Eileiter über, welche bei grossen Weibchen durch ihre

eigentümliche Form (Fig. 70 _Ee_) und den gefärbten Inhalt leicht

sichtbar werden. Die Eileiter reichen weit nach vorn und hinten bis zum

ersten Segment des Hinterleibes, wo sie nach aussen münden. Nach den

Seiten senden dieselben ebenfalls mit Eiern erfüllte Lappen aus. In den

Eileitern werden die Keime (Eier) mit Dotter versehen und erhalten auch

eine zarte Hülle. Die Eier geniessen bis zum Auskriechen der Jungen die

mütterliche Fürsorge und werden nicht einfach in das Wasser entleert.

Vor dem Verlassen des mütterlichen Körpers werden sie nämlich aus einer

Drüse mit einem Klebstoff umhüllt, welcher im Wasser erhärtet und die

Eier unter einander sowohl, als auch mit den Seiten des mütterlichen

Körpers am ersten Ringe des Hinterleibes verkittet. Solche Säckchen

tragen die Cyclopiden zwei, deren jedes etwa mit zwanzig Eiern erfüllt

ist, die Harpactiden und Calaniden dagegen nur eines. Bei ersteren

sind sie oval und links und rechts am Hinterleib, bei letzteren mehr

rundlich und an der Unterseite befestigt. Diese Säckchen sind bei den

Copepoden, die der pelagischen Fauna angehören, stets kleiner als bei

den Uferformen.

Die +männlichen+ Organe sind bei den Cyclopiden mit Ausnahme der

Keimdrüse ebenfalls paarig angelegt, bei den Calaniden und Harpactiden

dagegen nicht. Die Geschlechtsprodukte werden in sogenannten

Spermatophoren an das Weibchen angeheftet. Den Cyclopiden sind solche

Gebilde von rundlicher Form eigen, bei den Calaniden und Harpactiden

stellen sie jedoch langgezogene Flaschen von sehr komplizierter

Einrichtung dar. Ihre Entstehung und Funktion wurde von +A. Gruber+

vorzüglich geschildert.

Die Befruchtung der Eier findet am Ende der Eileiter während des

Ablegens statt.

In den Säckchen sind, wie im Körper, die Eier von grünlicher bis

bläulicher, selten gelber Farbe. Eine dünne Haut umschliesst den

körnigen fetthaltigen Inhalt. Bald nach der Bildung der Eiersäckchen

beginnt die im Ei schlummernde geheimnisvolle Kraft in der Umbildung

des Dotters zu einem neuen Wesen ihre Wirkung zu entfalten. So

interessant die hierbei sich abspielenden Vorgänge sind, so können

sie hier nicht weiter geschildert werden. +C. Claus+[110] hat uns

schon vor langen Jahren mit denselben bekannt gemacht. Nach einer,

je nach der Jahreszeit, zwei bis zehn Tage dauernden embryonalen

Entwicklung entschlüpft dem Ei der junge Copepode, welcher zunächst

mit seinen Eltern so wenig Ähnlichkeit hat, dass man ihn lange für ein

ganz besonderes Tier hielt und ihn „Nauplius“ benannte. Alle jungen

Copepoden und auch die meisten übrigen niederen Krebse haben diese

Entwickelungsform des „Nauplius-Stadiums“ gemeinsam, so verschieden

im erwachsenen Zustande die Tiere auch aussehen mögen. In diesem

Jugendkleide stellt sich das kleine Wesen als rundlicher Körper mit nur

drei Gliedmassenpaaren dar, welche an der Bauchseite entspringen und

in der Form ebenfalls wesentlich von denen der Alten abweichen. Die

weitere Entwickelung vom Nauplius zum vollkommenen Tiere geht sozusagen

ruckweise vor sich. Die kleinen Kruster wachsen so wenig wie andere

Kerftiere etwa ähnlich den höheren Tieren allmählich heran, wobei der

schon in seiner Gestaltung fertige Körper eigentlich nur an Grösse

zunimmt, sondern in Pausen. Von Zeit zu Zeit wird, wie bereits früher

beschrieben wurde, den Jungen die Haut zu enge, deren Beschaffenheit

eine Dehnung nur bis zu einem gewissen Grade zulässt. Sie, d. h. die

unbelebte äussere Schicht derselben, wird deshalb abgeworfen und durch

eine neue ersetzt. Mit jedem Wechsel der Haut treten am Körper mehr

Segmente und Gliedmassen, an diesen aber, so weit sie nicht schon

früher vorhanden waren, neue Bestandteile auf. Das Auge, den Darm und

-- wo ein solches vorkommt -- auch das Herz bringen die Copepoden, wie

die erste Anlage der Fortpflanzungsorgane, mit auf die Welt. Mit dem

Verlassen des Eies entzieht sich der Nauplius der mütterlichen Obhut

und geht von nun an selbständig seinen Weg durchs Leben.

Es ist dieses Nauplius-Stadium für die Systematik der niederen

Krebse um so wichtiger, als manche erwachsene Formen selbst für das

geübte Auge so wenig Ähnlichkeit mit den nächsten Verwandten haben,

dass man ohne Kenntnis der Entwickelung sie lange mit ganz anderen

Tieren zusammenstellte. Es sind solche weitgehenden Veränderungen der

äussern Gestalt namentlich bei den Rankenfüssern und den parasitischen

Copepoden beobachtet und auf eine Anpassung an die Lebensweise

zurückzuführen. Einige Rankenfüsser setzen sich fest, werden mit

einer harten Kalkschale umschlossen und scheinen in dieser Form alle

Anschauungen über den Bau eines Krebses über den Haufen werfen zu

wollen. In der That wird jeder, welcher zum ersten Mal eine sogenannte

Entenmuschel oder die Seepocken zu Gesicht bekommt, Mühe haben, sie als

Krebse zu erkennen. Von den +parasitischen+ Copepoden werden wir später

noch einiges erfahren.

Nach einer bestimmten Zahl von Häutungen hat das Tier seine endgültige

Grösse und Form erreicht und ist fortpflanzungsfähig geworden. Die

Zeit, die es vom Verlassen des Eies an zu seiner weiteren Entwickelung

nötig hat, ist je nach den äusseren Einflüssen verschieden. Im Sommer

genügen nach +Jurines+[114] Beobachtungen zwei bis drei Wochen, während

in der kälteren Jahreszeit unter Umständen ebensoviele Monate nötig

sind, bis das Tier fertig ist. Die erreichte Grösse ist bei Individuen

einer Art meist annähernd gleich. Nur ausnahmsweise findet man solche,

welche das normale Mass um vieles (fast ⅓) übersteigen, ohne dass eine

besondere Ursache für ein so auffallendes Wachstum sich nachweisen

liesse.

So interessant das Studium der einzelnen Familien, Gattungen und

Arten, welche unsere süssen Wasser bewohnen, ist, so muss dennoch

auf eine Aufzählung aller bis jetzt beschriebenen Formen verzichtet

werden. In dem angefügten Litteraturverzeichnis sind jedoch für solche,

welche sich eingehender mit den interessanten Tieren abgeben wollen,

die wichtigsten Werke namhaft gemacht, in denen die Beschreibung

und Klassifikation der Copepoden behandelt wird. Wir wenden uns zu

der am niedersten stehenden Familie der Eucopepoden mit kauenden

Mundwerkzeugen, den

Cyclopiden.

Der ganze Körper (Fig. 70) setzt sich (ohne die Furca) aus zehn Ringen

zusammen, von denen fünf auf den Vorderleib, ebensoviele (beim Weibchen

verwachsen die zwei ersten) auf den Hinterleib kommen. Der Vorderleib

ist meistens beträchtlich breiter als der Hinterleib und eiförmig. Die

ersten Antennen setzen sich aus 8-17 (selten 18) Gliedern zusammen und

sind beim Männchen beide zu Greiforganen umgewandelt. Das Auge ist in

der Mitte der Stirne gelegen und hat zwei Linsen. Das Weibchen trägt

seine Eier in zwei gewöhnlich etwas abstehenden Säckchen an beiden

Seiten des Hinterleibs.

Am gemeinsten von allen den Arten, deren Antennen 17gliederige Fühler

besitzen, ist der _Cyclops viridis_ Fischer. Die Fühler dieser grossen

Art sind kaum länger als das erste Vorderleibssegment und gedrungen;

sie tragen am zwölften Gliede ein feines Sinneskölbchen. Fast gleich

häufig trifft man den kleinen _Cyclops agilis_ Koch an, welchem von

+Claus+, da er am Aussenrande der Furca eine kleine Säge trägt, der

Name _serrulatus_ beigelegt wurde. Seine Fühler sind schlank und

reichen bis zum vierten Segment des Vorderleibs. Sie besitzen zwölf

Glieder, ermangeln aber eines Sinneskölbchens. Die Eiersäckchen werden

sehr abstehend getragen. Von grossen Cyclopiden mit langen Antennen

(viel länger als das erste Vorderleibssegment) sind etwa noch _Cycl.

tenuicornis_ Claus und _signatus_ Koch zu erwähnen. Diese sehen sich

im allgemeinen ähnlich, allein während _C. tenuicornis_ wie _C.

viridis_ ein Sinneskölbchen an den ersten Antennen trägt, fehlt dieses

dem _C. signatus_ stets. Die Länge von diesen beiden Arten und von

_viridis_ beträgt etwa 3.5 _mm_. Ein naher Verwandter des _C. agilis_

interessiert uns durch sein beschränktes Vorkommen. Er wurde in den

Maaren der Eifel von Dr. +Otto Zacharias+ gefunden und erhielt bei

der Beschreibung[115] den Namen _C. maarensis_[XVII]. Es giebt noch eine

bedeutende Anzahl von meist kleinen Arten mit 17gliederigen Antennen,

welche kaum länger als das Kopfbruststück sind. Alle sind aber sehr

schwer zu bestimmen, da die Merkmale nur mit Mühe aufgefunden werden

können. Viel seltener trifft man Cyclopiden an, deren Antennen weniger

als zwölf Glieder besitzen. Einer derselben, _C. canthocarpoides_,

kommt auch im Meere vor.

[XVII] Es ist diese Art nach neueren Untersuchungen vielleicht mit

_C. macrurus_ Sars identisch.

[Illustration: Fig. 71.

_Canthocamptus minutus_ Müller, nach Brady (Weibchen von der Seite).]

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 99 / 112 题