Der Schwamm bildet gewöhnlich baum- oder buschförmig verzweigte
Massen auf einer krustenförmigen Basis von geringerer (Fig. 36)
oder grösserer (Fig. 37 S. 212) Ausdehnung. Unter Umständen, z. B.
an stark fliessenden Stellen, kommt es nicht zur Ausbildung der
charakteristischen fingerförmigen Fortsätze und Zweige, sodass
klumpenförmige Massen entstehen (Fig. 38). Kleinere Exemplare sind
einfach krustenförmig, ebenso gestaltete Exemplare von nicht
unbeträchtlicher Grösse findet man selbst in ruhigen Gewässern um
Teichrohrstengel gewachsen; an solchen Exemplaren in ruhigem Wasser
tritt aber früher oder später die Bildung von Ästen auf. Die Farbe
ist grasgrün, gelblich, grauweiss oder braun. Das Skelett besteht
aus Gerüst- und Fleischnadeln. Die Gerüstnadeln sind gerade oder
leicht gekrümmt, scharf, aber allmählich zugespitzt und glatt. Sie
sind zu Bündeln mit einander vereinigt, welche durch stark entwickelte
Spongiolinsubstanz ganz eingehüllt werden und lange, starke Stäbe
bilden (Hauptfasern), welche die Zweige der Länge nach durchziehen
und nach der Peripherie derselben dünnere Äste aussenden. An ihren
Enden laufen diese Hauptfasern dünn aus. Die stärkeren Bündel in
der Achse eines Zweiges am Schwamme bestehen aus 20-30 vollständig
in der Kittsubstanz liegenden Nadeln. Diese Längsfaserzüge oder
Hauptfasern sind durch wenige kurze Nadelbrücken mit einander
verbunden, welche in unregelmässigen Abständen von einander entfernt
sind. Diese Verbindungsfasern sind meist nur an ihren Enden durch
Spongiolinsubstanz an die Hauptfasern angekittet oder sie liegen
ganz in der Kittmasse eingeschlossen. Bei solchen Exemplaren, welche
einfache Krusten bilden, stehen die Hauptfasern senkrecht auf der
Unterlage. -- Durch den geschilderten Bau des Gerüstes erlangt der
Schwamm eine gewisse Festigkeit und ist schwieriger zerreissbar als
_Sp. fragilis_ und _Eph. fluviatilis_. -- Die Spongiolinsubstanz ist
in Kalilauge unlöslich, wodurch sich _Eusp. lac._ von allen anderen
Arten unterscheiden lässt (+Dybowski+). -- Die Fleischnadeln sind
in wechselnder Anzahl vorhanden; sie können in einem Schwamm in
ungeheuerer Menge auftreten (_var. Lieberkühnii_ Noll), in anderen
häufig, in noch anderen sehr sparsam sein. Sie sind meist leicht
gekrümmt und vollständig mit feinen Dörnchen besetzt, selten sind
sie glatt. Die Gemmulae treten in verschiedenen Formen auf. Es giebt
nackte, d. h. einer äusseren Luftkammerschicht entbehrende, die nur
wenige oder gar keine Nadeln tragen. Andere Gemmulae sind mit einer
dünneren oder dickeren Luftkammerschicht bedeckt, welche nach aussen
durch eine deutliche Membran abgeschlossen ist, in anderen Fällen fehlt
dieselbe. In dieser Luftkammerschicht liegen die Belagsnadeln entweder
in radiärer oder in tangentialer Lage auf der Gemmula oder sie sind
auf ihr ohne alle Ordnung zerstreut. Sie stellen kurze, weniger oder
mehr, mitunter bis zum Kreise gekrümmte und mit dicken Dornen versehene
Spikula dar, und sind nur selten ganz glatt. Die Gemmulae liegen im
ganzen Schwamme zerstreut, dessen Weichteil nach ihrer Ausbildung
vollständig zu Grunde geht, während das Skelettgerüst mit den Gemmulae
in seinen Maschen oft den Winter hindurch erhalten bleibt. In anderen
Fällen zerfällt auch dieses. -- In stehendem und fliessendem Wasser in
ganz Deutschland. Es scheint die gemeinste Art zu sein und ist auch im
finnischen Meerbusen im Brackwasser gefunden worden (+Dybowski+).
[Illustration: Fig. 36.
_Euspongilla lacustris_ (Autt.). ½ nat. Grösse. Nach dem Leben. An
einem Mauersteine. (19. Juli 1890 gefunden in der Spree, Berlin:
Jannowitzbrücke, Stadtbahnbögen.)]
[Illustration: Fig. 37.
_Euspongilla lacustris_ (Autt.). Nach dem Leben. ½ natürlicher Grösse.
(6. Juni 1890 Tegelsee.)]
[Illustration: Fig. 38.
_Euspongilla lacustris._ Auf einem dicken Wollenfaden gewachsen, der
an einer Seite an einem Brückenpfahl eingeklemmt an der Oberfläche
des Wassers flottierte. Spree, Berlin: Waisenbrücke, 26. Aug. 1886. ½
natürlicher Grösse. (Alkoholexemplar.)]
Als eine Lokalform von dieser Art betrachten wir die von +Retzer+
beschriebene „_Spongilla rhenana_“. Dieser bisher nur am
Faschinengesträuch im Altrhein bei Eggenstein unweit Karlsruhe
gefundene Schwamm überzieht als dünne Kruste Holzstücke, Gesträuch
und dergl. und sendet wenige, kleine Fortsätze aus oder wächst auch
an manchen Stellen zu dicken Klumpen an. Seine Farbe ist grün. Die
Skelettnadeln sind gerade oder leicht gebogen und gehen entweder
plötzlich in eine scharfe oder allmählich in eine weniger scharfe
Spitze über. Sie bilden zu Bündeln vereinigt ein dichtes Netz. Die
Gemmulae haben die Form und Grösse derjenigen von _Eusp. lacustris_,
der Porus zeigt aber einen breiten flachen Trichter. Auf der inneren
Hülle der Gemmulaschale liegt eine sehr dünne Luftkammerschicht, in
welcher die Zellen in zwei- bis dreifacher Lage übereinander liegen.
In dieser Schicht sind die Belagsnadeln gewöhnlich tangential, wenige
radiär angeordnet. Die sehr variable Gestalt lässt drei Hauptformen
unterscheiden. Die häufigsten sind solche, welche den Skelettnadeln
ähneln, andere, in geringer Anzahl vorhandene, die sich auch einzeln
im Weichteil finden, sind glatt und in gleichen, nicht sehr grossen
Abständen an den Enden zweimal geknickt, drittens giebt es leicht
gebogene, in der Mitte verdickte Nadeln. Die Gemmulae liegen überall
im Schwamm zerstreut. Bemerkenswert ist, dass an ihnen Nebenpori
vorkommen, deren drei bis sechs gesehen wurden. Ungefähr jede zehnte
Gemmula hat neben dem Hauptporus einige seitliche Trichter.
Dieser aus +Vejdovsky+ und +Retzer+ entnommenen Beschreibung fügen wir
nur hinzu, dass der Schwamm auch grössere, verzweigte Äste treibt und
dass unter den doppelt geknickten Gemmulaenadeln auch fein bedornte
vorkommen. -- +Vejdovsky+ hat diese Retzersche Art beibehalten.
+Wierzejski+[80] betrachtet dieselbe nur als eine „lokale Form,
vielleicht eine Abnormität der _Euspongilla lacustris_“. Wir schliessen
uns der Auffassung, dass man es hier mit einer Lokalform zu thun habe,
an.
b) Untergattung _Spongilla_ (+Wierzejski+).
Zwei bis dreissig Gemmulae liegen in einer stark entwickelten, deutlich
zelligen Luftkammerschicht eingebettet oder die Gemmulae bilden eine
pflastersteinartige Kruste in ebenso gestalteter Luftkammerschicht an
der Basis des Schwammes. In der Luftkammerschicht liegen rauhe und
glatte Nadeln zerstreut.