Kern im Anfangsstadium der Sternform.]

[Illustration: Fig. 29.

Die Sternform; von den Polkörperchen aus strahlen die feinen Fäden der

Kernspindel zu.]

Von einer im Mittelpunkt der Kernkugel wirkenden Kraft werden all

diese gebogenen Fadenstücke oder „Schleifen“ mit ihrer Winkelspitze

nach dem Zentrum gerichtet; man nennt dies die „Sonnenform“ (Fig. 27).

Auch im umgebenden Zellplasma macht sich die Anziehungskraft bemerkbar

und erhält ihren Ausdruck in feinen Linien, welche radiär auf den

Umfang des Kernes zustrahlen (Fig. 19). Während des Sonnenstadiums

macht der Kern allerlei Bewegungen und verliert dann die Kugelform,

um sich an den Polen abzuflachen (Fig. 28). Zugleich erscheinen hier

zwei neue Attraktionszentren und zwar in Gestalt kleiner kegelförmiger

Körper, der sogenannten Polkörperchen oder, wie sie neuerdings genannt

werden, Centrosomen. Ihnen streben jetzt die Linien im umgebenden

Plasma zu (Fig. 29) und die Anziehungskraft im Mittelpunkt des Kernes

hört auf; die Schleifen, welche in der auf die Sonnenform folgenden

sogenannten „Sternform“ (Fig. 28 u. 29) regelmässig um den Äquator

angeordnet waren, werden nun nach den Polen gezogen, sie kehren

sich um und wenden die Spitze vom Zentrum ab. Während der Kern nun

in umgekehrter Richtung sich am Äquator abflacht, haben sich feine

blasse Fäden ausgebildet, welche von Pol zu Pol ziehend die zierliche

sogen. Kernspindel darstellen (Fig. 29). Diese Spindelfäden sind es,

welche die Schleifen den Centrosomen zuleiten. Vorher aber spielt

sich der für die Kernteilung bedeutendste Vorgang ab, die Spaltung

der Schleifen: Der ganze Kernfaden und damit auch die aus ihm

entstandenen Schleifen besteht nämlich aus kleinsten Körnchen, die

in regelmässigen Abständen hintereinander aufgereiht liegen. Alle

diese Körnchen werden mit einem Male der Länge nach zerteilt und so

die ganze Schleife längsgespalten; damit erhalten wir im Kerne also

doppelt so viel Schleifen als vorher (Fig. 30). Von jeder gespaltenen

Schleife aber gleitet nun die eine Hälfte links, die andere rechts

vom Äquator weg oder, anders ausgedrückt, die eine nach dem Nord-,

die andere nach dem Südpol den Spindelfasern entlang. Das Resultat

ist klar: Die färbbare Kernsubstanz, denn diese ist es, welche die

Schleifen bildet, wird auf das genaueste in zwei Teile zerlegt, die

uns quantitativ als Hälften des Ganzen erscheinen. Jede Hälfte ist für

einen der Tochterkerne bestimmt. Nachdem diese sorgfältige Zerteilung

der Kernsubstanz beendet, zieht sich der Kern im Äquator immer mehr

zusammen, die Schleifen drängen sich um die Pole her, die blassen

Spindelfäden reissen durch (Fig. 31) und endlich schnürt sich der

Kern in zwei Hälften aus einander (Fig. 32 S. 152). Nun machen die

Tochterkerne rückwärts dieselben Veränderungen wieder durch, die wir

am Mutterkern ablaufen sahen, bis sie wieder die Gestalt und Struktur

des sogenannten „ruhenden Kerns“ angenommen haben. Damit ist der

Teilungsvorgang vollendet. Die Teilung der Euglypha bedeutet ihre

Vermehrung. Bei höheren Tieren und Pflanzen geht der Vermehrung die

Befruchtung voraus. Sie besteht in der Verschmelzung zweier Zellen

verschiedenen Ursprungs, der Ei- und Samenzelle. Hier müsste sie

also in der Verschmelzung zweier ganzer Individuen bestehen. Dies

ist auch bei den meisten Urtieren der Fall und auch bei Euglypha ist

ein solcher Befruchtungsakt beobachtet worden[67 l]: Zwei Tiere legen

sich mit ihren Schalenmündungen neben einander, aus der doppelten

Menge von Reserveplättchen entsteht eine neue Schale, in welcher

die zwei Plasmakörper und die zwei Kerne in eins verschmolzen zu

liegen kommen. Es ist also durch Vermischung zweier Individuen ein

einziges entstanden. In welchen Zwischenräumen diese „Kopulation“

eintritt, wie viele Teilungen hintereinander folgen können bis wieder

eine Befruchtung eintritt, darüber sind für unsere Art noch keine

Beobachtungen angestellt worden.

[Illustration: Fig. 30.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 34 / 112 题