IM GESPRÄCH

Man kann gut denken, dass Bilder im Saale sind: tiefe, träumerische in

ruhigen Rahmen. Ein Giorgione vielleicht oder so ein purpurdunkles

Porträt von einem nach Tizian, etwa dem Paris Bordone. Dann weiss man,

dass Blumen da sind. Grosse erstaunte Blumen, die den ganzen Tag in

tiefen, kühlen Bronzeschalen liegen und Düfte singen: müssige Blumen.

Und müssige Menschen. Zwei, drei oder fünf. Immer wieder streckt sich

das Licht aus dem Riesenkamin und beginnt sie zu zählen. Aber es irrt

sich immer wieder.

Ganz vorn an der Feuerstelle lehnt die Prinzessin in Weiss; neben dem

grossen Samowar, der allen Glanz fangen möchte. Sie ist wie eine wilde

Farbenskizze, so hingestrichen im Sturm eines Einfalls oder einer Laune.

Mit Schatten und Licht gemalt aus irgend einer genialen Ungeduld heraus.

Nur die Lippen sind feiner ausgeführt. Als ob alles andere nur um dieses

Mundes willen da wäre. Als ob man ein Buch gemacht hätte, um auf eine

von hundert Seiten die stille Elegie dieses Lächelns zu schreiben.

Der Herr aus Wien neben ihr neigt sich ein wenig vor in dem breiten

Gobelinstuhl: »Durchlaucht« -- sagt er und irgend etwas hinterdrein, was

ihm selber wertlos scheint. Aber die weichen Worte, die nichts bedeuten,

gehen über alle hin, wie eine Wärme, und Jemand sagt dankbar: »Deutsch

sprechen ist fast wie Schweigen.«

Und dann hat man wieder eine Weile Zeit zu denken, dass Bilder da sind,

und welche. Bis Graf Saint-Quentin, der am Kamin steht, fragt: »Haben

Sie die Madonna gesehen, Helena Pawlowna?«

Die Prinzessin senkt die Stirne.

»Sie werden sie nicht kaufen?«

»Es ist ein gutes Bild« -- sagt der Herr aus Wien und vertieft sich in

seine feinen, frauenhaften Hände.

Und ein deutscher Maler, der irgendwo im Dunkel sitzt, fügt hastig an:

»Ja, man könnte es um sich haben. Ich meine in der Wohnstube oder so.«

Und nachdem seine Worte ganz verklungen sind, neigt sich Helena Pawlowna

vor: »Nein« -- sagt sie und dann traurig: »Man müsste ihm einen Altar

bauen.«

Ihre Worte tasten tief in den Saal hinein, wie Suchende. Pause. Da macht

die Prinzessin eine kleine bange Bewegung und will ihnen finden helfen.

»Kasimir, soll ich die Madonna kaufen?«

Weither kommt eine volle slavische Stimme, um sich zu wundern.

»Sie fragen =mich=?«

Pause.

Die Letzten · 第 4 / 21 题