[Illustration: Abb. 438. Siebenbürger Rumänin aus dem Komitat Gorgény
in der Landestracht.]
Zu Berlad in Rumänien findet im Frühling immer noch ein richtiger
Heiratsmarkt statt, zu dem Mädchen armer Herkunft von ihren Eltern
gebracht werden, um einen Freier zu finden. Die Männer, die sich
dort einfinden, gehören auch den ärmeren Klassen an, sie müssen aber,
falls sie eine Wahl treffen, den künftigen Schwiegereltern den Nachweis
erbringen, daß sie eine Frau unterhalten können; auch erfordert es die
gute Sitte, daß die Schwiegermutter zur Bekräftigung der getroffenen
Abmachung ein kleines Geldgeschenk von ihnen erhält.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.
Abb. 439. Der Weihnachtstern (Rumänien).
Zwischen Weihnachten und Erscheinungsfest pflegen Knaben mit ihrem
„Stern“ am Abend von Haus zu Haus zu gehen und Weihnachtslieder zu
singen. Dieser Stern ist aus Holz angefertigt, mit buntem Papier sowie
Goldflitter beklebt und mit Papierkrausen und Glöckchen behängt. Das
Mittelstück bildet eine Darstellung der Jungfrau Maria mit dem Kinde
auf durchscheinendem Papier, das durch ein dahinter angebrachtes Licht
beleuchtet wird.]
Die Hochzeit findet bei dem griechischen Volke für gewöhnlich an
einem Sonntag statt, doch beginnen die Hochzeitsfeierlichkeiten
bereits drei, bei den Bewohnern des südlichen Mazedoniens sogar
schon acht Tage vorher. Hier wird nämlich am vorausgehenden Sonntag
dem Bräutigam feierlich eine Abschrift des Ehevertrags übersandt,
der seiner Verlobten dafür einige bescheidene Geschenke überbringen
läßt, wie Süßigkeiten, Henna, Schminke und dergleichen, sowie für
die Schwiegereltern einen Krug Wein. Während der folgenden vier Tage
beschäftigt man sich mit dem Backen des Hochzeitskuchens. Am Freitag
werden die Geschenke, die meistens in nützlichen Haushaltsgegenständen
bestehen, im Zuge durch die Straßen getragen. Am Samstag fertigt man
bei den Rumänen den Brautkranz an; auch pflegt man in Griechenland
dann bereits die Braut für den folgenden Tag anzuputzen (Abb. 440).
An manchen Orten trägt die Braut auch schon an diesem Vortage den
Kranz, wenn der Bräutigam sie besucht. Bei der Ankunft tritt der
Brautführer vor und sagt einen artigen Vers auf die Braut. Diese,
die ein Gefäß mit Wasser und den Hochzeitskuchen neben sich stehen
hat, besprengt zum Scherz die jungen Leute und verteilt an sie von
dem Kuchen. Darauf begibt sich der Bräutigam noch einmal nach Hause
und übersendet der Braut seine Geschenke, unter denen nie die
Gewänder für den nächsten Tag fehlen einschließlich des Schleiers, der
Goldschnüre und Blumen. An manchen Orten werden die Hochzeitsgeschenke
erst am Samstag in feierlichem Zuge nach dem Hause des Bräutigams
geschafft; beim Verlassen des Hauses und bei der Ankunft im neuen Heim
werden Flintenschüsse abgegeben. Der nächste Tag ist der eigentliche
Hochzeitstag. Die Braut wird von den Brautjungfern angezogen
und geschmückt, die ihr auch das Haar kämmen und Orangenblüten
hineinflechten sowie lange, bis an die Knie reichende Goldschnüre,
für gewöhnlich auch heimlich eine silberne Münze, damit sie sich nie
in Geldnot befinde; den Schluß bildet die Anlegung des Schleiers. Bei
den Mazedoniern nimmt die Braut hierauf in einem Winkel des Zimmers,
der besonders schön ausgeputzt ist, Platz, um ihren Bräutigam zu
erwarten. Beim Verlassen des Hauses wird von der Mutter vor diesem
und seinen Freunden ein Gefäß mit Wasser ausgegossen, auch ein Gürtel
über den Weg gelegt, über den er hinwegschreiten muß. Auf dem Weg nach
dem Brauthause wird von den Begleitern gesungen. -- Einen wichtigen
Bestandteil der Trauung bildet die sogenannte Kranzzeremonie oder die
Krönung. Zwei kronenartige Kränze (Abb. 441) von Blumen oder Metall
werden Braut und Bräutigam mit Hilfe der Trauzeugen aufs Haupt gesetzt
und auf ein gegebenes Zeichen gewechselt. Darauf vereinigt der Priester
die Hände des jungen Paares und ihrer Zeugen, und alle gehen dreimal um
den Altar herum. Dabei stimmt der Geistliche einen besonderen Gesang,
„Jesaias tanzt“, an, während dessen alle Anwesenden die jungen Eheleute
mit Süßigkeiten, Weintrauben und Haselnüssen überschütten.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.
Abb. 440. Griechische Braut vom Lande (Gegend von Mandra).
Der Putz ist sehr wertvoll durch die zu ihm verwendeten Münzen und die
reiche Goldstickerei am Leibchen.]
Nach der Trauung begibt sich alles in das neue Heim (Abb. 443). Hier
wird die junge Frau bei den Rumänen von der neuen Schwiegermutter mit
Salz und Brot, manchmal auch mit Honig und Butter bewillkommt. Bei den
Griechen Mazedoniens empfangen die Mutter des Bräutigams und der Vater
der Braut, die der Trauung nicht beigewohnt haben, das junge Paar und
bewerfen es mit Zuckerpflaumen, Reis, Baumwollsamen, Gerste und auch
Geld, das sich die Kinder, die dann nie fehlen, aufsammeln. Wenn die
junge Frau ihr neues Heim betritt, muß sie erst über eine Pflugschar,
die auf der Schwelle liegt, schreiten. Bei den Griechen ist es Sitte,
daß sie bei ihrer Ankunft viermal über den Rücken des Maultieres, auf
dem sie geritten ist, gehoben und dann rückwärts vor die verschlossene
Haustür geführt wird. Auf deren Mitte muß sie eine Stelle mit Honig
bestreichen, darauf wieder ein paar Schritte zurückgehen und einen
Granatapfel gegen die Tür werfen, bis er bricht. Es gilt für eine gute
Vorbedeutung, wenn aller Same am Honig hängen bleibt. Jetzt öffnet der
junge Ehemann endlich die Tür und bietet seiner angetrauten Gattin ein
Stück Brot mit etwas Salz an; diese tupft das Brot in das Salz und
ißt davon. Bevor sie aber das Haus endgültig betritt, muß sie erst
noch Wasser und Öl berühren. Nach diesem allen hebt der Gatte sie über
die Türschwelle und setzt sie in eine Ecke mit dem Rücken gegen die
Wand, worauf ihre ganze Aussteuer und alle anderen Geschenke vor ihr
aufgebaut werden. Dort muß sie ruhig sitzen bleiben, ohne zu sprechen
oder sich zu bewegen, während der Gatte und seine Freunde schmausen.
Am nächsten oder an einem der folgenden Tage muß sie sich mit ihren
Freundinnen zu der nächsten Wasserquelle begeben und ein Gefäß mit
Wasser füllen, um die Najaden der Quelle zu versöhnen, auch eine Münze
in diese fallen lassen. Bei ihrer Rückkehr gießt sie ihrem Gatten
etwas Wasser über die Hände und erhält von ihm gewöhnlich ein kleines
Geschenk.
[Illustration:
Phot. C. Chusseau-Flaviens.
Abb. 441. Rumänisches Brautpaar in der Landestracht.
Vor den Brautleuten liegen die Kronen, die man ihnen bei der Trauung
aufs Haupt setzt. Die bei der Feier verwendeten, mit Blumen verzierten
Kerzen werden von dem jungen Paare das ganze Leben lang aufbewahrt.]
Die Hochzeitszeremonien der Türken ähneln im allgemeinen denen der
Moslems, über die an anderer Stelle dieses Werkes bereits berichtet
wurde. Die +Heirat wird+ meistens durch alte Frauen +vermittelt+,
die von Harem zu Harem ziehen, um mit Gebrauchsgegenständen für
das weibliche Geschlecht Handel zu treiben, dabei aber auch nach
geeigneten Personen, die sie verkuppeln könnten, Umschau halten.
Ist ein Paar, das zusammenzupassen scheint, von einer solchen Frau
ausfindig gemacht worden, dann werden Geschenke zwischen den beiden
Parteien ausgetauscht. Die Mutter des jungen Mannes sucht daraufhin
das Haus ihrer zukünftigen Schwiegertochter auf und bringt rote Seide
sowie einige Zuckerpflaumen mit. Nachdem die Seide auf der Erde
ausgebreitet worden ist, tritt das junge Mädchen darauf und küßt seiner
demnächstigen Schwiegermutter die Hand, die ihm darauf den Segen
erteilt und einige Süßigkeiten überreicht. Ein Stück von diesen beißt
das Mädchen entzwei und behält die eine Hälfte für sich, während sie
die andere der Mutter ihres zukünftigen Gatten für diesen mitgibt. --
Die bürgerliche +Trauung+ findet acht Tage nach diesem Verlöbnis statt.
Nachdem der Ehevertrag vollzogen und unterschrieben worden ist, erklärt
der junge Mann vor dem Imam, dem türkischen Priester, dreimal seinen
Willen, mit dem jungen Mädchen die Ehe einzugehen; die Verlobte gibt
eine entsprechende Erklärung ab, wobei sie aber hinter der Tür des
Frauengemaches steht. Vor dem Schluß der Hochzeitsfeierlichkeiten, die
sich oft genug über einige Wochen und selbst Monate erstrecken, dürfen
sich die beiden jungen Eheleute nicht sehen.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.