Verteilung der Preise.]

Die Weihnachtsgebräuche nehmen vielfach ihre Fortsetzung in den

+Zwölften+ oder Zwölfnächten, der Zeit zwischen Weihnachten und dem

Tage der Drei Könige, während deren die Tage zwar fortlaufend, aber nur

sehr langsam an Länge schon etwas zunehmen, also nach der heidnischen

Anschauung unserer Vorfahren der Kampf zwischen Licht und Finsternis

gleichsam noch unentschieden ist; erst mit dem Dreikönigstage werden

sie sichtlich länger, und der Sieg des Lichtes tritt nun deutlich in

die Erscheinung. Die Zwölften sind die unheimlichste Zeit im Jahre,

während deren nach dem Volksglauben den Geistern und den in Unholde

verwandelten Gottheiten der Vorzeit die Macht gelassen ist, ihren Spuk

zu treiben. Besonders sind es zwei Persönlichkeiten: Wode (Wodan), der

wilde Jäger, und seine Gattin, vom Volke Frau Holle, auch Frau Harke

oder Fru Gode genannt, die beide an der Spitze eines wilden Heeres,

letztere mit ihren Hunden, die die Seelen der ungetauften Kinder sein

sollen, nachts durch die Lüfte brausen und dabei den Menschen, die

ihnen begegnen, allerlei Schaden zufügen. Diesen heidnischen Gottheiten

zu Ehren wurden in der Vorzeit während der Wintersonnenwende +Umzüge+

veranstaltet, deren Überreste (Abb. 298) sich bis auf unsere Tage

forterhalten haben. Allerdings haben wir sie bei uns nur noch in

bescheidenem Umfange in Gestalt der Dreikönigsänger, die in den Dörfern

von Haus zu Haus ziehen und „Sternlieder“ singen, die vorzugsweise

die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenlande zum Gegenstand

haben. In der Hauptsache handelt es sich dabei um drei phantastisch

ausgeputzte Männer, von denen zwei mit langen vergoldeten Spießen, der

dritte mit einem Stern ausgestattet ist, weswegen man sie auch die

Sternsänger nennt. Ferner begegnen wir solchen Umzügen am Dreikönigstag

noch im Pinzgau und im Pongau in Österreich in den Berchtentänzen mit

ihrem lustigen Treiben. Der Name stammt von der Göttin Berchta oder

Perahta (das heißt der Glänzenden, Prächtigen), einer Bezeichnung für

Wodans Gemahlin. Es beteiligen sich an diesen Umzügen viele Leute,

alle in ebenso phantastischer wie eigenartiger Maskierung. Im Sarntal

(Schweiz) ziehen die „Glöckelsinger“ mit dem sogenannten „Weibl“, einem

als Strohpuppe verkleideten Manne, durch das Dorf und bitten unter

Gesang um eine Gabe (Abb. 297). Nach dem jedesmaligen Vortrag wird

das Weibl verprügelt. -- In Skandinavien, England und Nordfrankreich

finden die Weihnachtsgebräuche ihren Abschluß mit dem Bohnenfest am

Dreikönigstage. Die Hausfrau bäckt zu diesem Zwecke einen Kuchen und

mischt eine Bohne in den Teig hinein. Wenn die Gäste sich abends

versammelt und um den Tisch Platz genommen haben, wird der Kuchen in

so viel Stücke, als Teilnehmer vorhanden sind, zerschnitten, worauf

eines der Kinder sich unter dem Tisch versteckt und der Reihe nach

bestimmt, welches Stück jeder von dem Kuchen erhalten soll; das erste

Stück wird dem „guten Gotte“ geweiht. Wem das Stück mit der Bohne

zufällt, der wird König (Abb. 302) beziehungsweise Königin und wählt

sich seinen Partner aus der Gesellschaft. Beide umgeben sich mit einer

Art Hofstaat, dessen Mitglieder bestimmte ihnen zufallende Pflichten

diesen Abend über erfüllen müssen. Sobald der König trinken will, ist

die ganze Gesellschaft verpflichtet, das gleiche zu tun; wer sich

weigert mitzumachen, muß ein Pfand an den Hofnarren zahlen. In England

verteilt man jetzt die einzelnen Rollen des Hofstaates durch Lose, die

in einigen Gegenden scherzhafte Verse enthalten. Diese Sitte hat in

Holland und dem Marschlande die Form angenommen, daß die Bäcker ihre

Waren am Dreikönigstage mit solchen, manchmal recht derben, Versen

bekleben.

Der Umstand, daß in der heidnischen Vorzeit während der ganzen Dauer

des Julfestes, also während der Zeit der Zwölf Nächte jegliche Arbeit

ruhte, hat den Volksglauben entstehen lassen, daß man während dieser

Zeit bestimmte Beschäftigungen, zum Beispiel Waschen, nicht vornehmen

dürfe, weil dies sonst Unglück bringen würde.

[Illustration: Abb. 273. Vom Cannstatter Volksfest.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 130 / 203 题