Die Furcht vor der +Tätigkeit böser Geister und Hexen+, die in der
Weihnachtsnacht ihr Unwesen treiben sollen, spukt noch allenthalben im
Volke. Man sucht sich ihrer auf die verschiedenste Weise zu erwehren.
In Tirol schüttet man die Speiseabfälle ins Feuer, damit die Hexen
kein Zaubermittel daraus anfertigen können, in Ungarn in den Brunnen.
Außerdem stellt man aus ihnen mit Hilfe von Mehl ein Gebäck in Gestalt
einer menschlichen Figur her und schiebt dieses mit den Worten „Esset,
schöne Frau!“ in den Ofen, um die Hexe dadurch gut zu stimmen. Früher
war zur Vertreibung der bösen Geister verschiedentlich auch das
Weihnachtschießen üblich. In Schweden und ebenso in Schleswig-Holstein
hat sich der Glaube an böse Spukgestalten zu einem bestimmten
Hausgeist, dem Niß, verdichtet, den man zu Weihnachten recht gut
behandeln zu müssen glaubt, damit er dem Haushalt Segen bringe. Um ihn
gut zu stimmen, stellt man auch eine Gabe für ihn hin, nämlich Stücke
des Weihnachtsgebäcks, vor allem aber einen Topf mit Buchweizengrütze
und Honig. -- Auch seine und der Hausgenossen sowie des lieben Viehs
Gesundheit kann man fördern, wenn man am Heiligen Abend diese oder
jene Vorschriften beobachtet. In der Nahegegend darf die Frau den
Flachs nicht zu Ende spinnen, sondern muß etwas stehen lassen, damit
die Heilige Jungfrau es in der Nacht benutzen kann, um ihr Kindlein
abzutrocknen. Dieser Flachs gilt dann für ein Heilmittel gegen allerlei
Gebresten, sowohl bei Menschen wie bei Tieren. In der Mark Brandenburg
und in Sachsen darf man während der Weihnachtszeit keine Hülsenfrüchte,
im besonderen keine Erbsen, essen, sonst bekommt man Geschwüre und
andere Krankheiten. In Tirol darf man im Garten kein Stück Wäsche zum
Trocknen hängen lassen, weil man fürchtet, daß sonst das Vieh erkranke.
[Illustration:
Phot. J. Brocherel.