Abb. 270. Sennerinnen von Champery in ihrer bequemen Männertracht.]

Die Furcht vor der +Tätigkeit böser Geister und Hexen+, die in der

Weihnachtsnacht ihr Unwesen treiben sollen, spukt noch allenthalben im

Volke. Man sucht sich ihrer auf die verschiedenste Weise zu erwehren.

In Tirol schüttet man die Speiseabfälle ins Feuer, damit die Hexen

kein Zaubermittel daraus anfertigen können, in Ungarn in den Brunnen.

Außerdem stellt man aus ihnen mit Hilfe von Mehl ein Gebäck in Gestalt

einer menschlichen Figur her und schiebt dieses mit den Worten „Esset,

schöne Frau!“ in den Ofen, um die Hexe dadurch gut zu stimmen. Früher

war zur Vertreibung der bösen Geister verschiedentlich auch das

Weihnachtschießen üblich. In Schweden und ebenso in Schleswig-Holstein

hat sich der Glaube an böse Spukgestalten zu einem bestimmten

Hausgeist, dem Niß, verdichtet, den man zu Weihnachten recht gut

behandeln zu müssen glaubt, damit er dem Haushalt Segen bringe. Um ihn

gut zu stimmen, stellt man auch eine Gabe für ihn hin, nämlich Stücke

des Weihnachtsgebäcks, vor allem aber einen Topf mit Buchweizengrütze

und Honig. -- Auch seine und der Hausgenossen sowie des lieben Viehs

Gesundheit kann man fördern, wenn man am Heiligen Abend diese oder

jene Vorschriften beobachtet. In der Nahegegend darf die Frau den

Flachs nicht zu Ende spinnen, sondern muß etwas stehen lassen, damit

die Heilige Jungfrau es in der Nacht benutzen kann, um ihr Kindlein

abzutrocknen. Dieser Flachs gilt dann für ein Heilmittel gegen allerlei

Gebresten, sowohl bei Menschen wie bei Tieren. In der Mark Brandenburg

und in Sachsen darf man während der Weihnachtszeit keine Hülsenfrüchte,

im besonderen keine Erbsen, essen, sonst bekommt man Geschwüre und

andere Krankheiten. In Tirol darf man im Garten kein Stück Wäsche zum

Trocknen hängen lassen, weil man fürchtet, daß sonst das Vieh erkranke.

[Illustration:

Phot. J. Brocherel.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 128 / 203 题