Abb. 13. Ibadanmänner mit Tatauierung auf Brust und Vorderarm.]

Auch das Christentum hat verschiedentlich an der ganzen Küste

Westafrikas Fuß gefaßt, und zwar bereits seit einer Reihe von

Jahrhunderten, seitdem nämlich im fünfzehnten Jahrhundert die

Portugiesen von den Kanarischen Inseln aus ihre Entdeckungs- und

Eroberungsfahrten längs der Küste ausdehnten. Dieser Umstand dürfte

auch dazu beigetragen haben, daß wir verschiedentlich in der Religion

der heidnischen Stämme Westafrikas Anklänge an die christliche Lehre

finden, vor allem immer wieder auf die Verehrung eines höchsten Wesens

stoßen, das zumeist für den Schöpfer und Lenker des ganzen Weltalls

gilt, für gewöhnlich mit guten Eigenschaften ausgestattet ist und

als der Herr über andere, mehr oder minder zahlreiche, niedere oder

örtliche Gottheiten angesehen wird. Die Ibo benennen dieses höchste

Wesen mit Chuku, die Edo mit Osa, die südlichen Stämme der Goldküste

mit Bobowissi, die Akposo in Togo mit Uwolowu, die Ewevölker mit

Mawu, die Analeute mit Buku, die Bakoke in Kamerun mit Ololume und so

weiter; die Ekoi verehren sogar zwei höchste Gottheiten: Obassi Osaw

(das heißt der vom Firmament) und Obassi Nsi (das heißt der von der

Erde). Außer diesen Hauptgottheiten werden von den westafrikanischen

Negerstämmen noch niedere Gottheiten, meistens die Vorfahren, auch

besondere Schutzgottheiten, sowie zahlreiche Geister verehrt. Gerade

die Geisterverehrung hat in Westafrika einen solchen Umfang wie wohl

nirgends angenommen (Abb. 32, 34, 35, 36 und 38). Man bezeichnet

diese Art von religiöser Anbetung als Fetischismus. Ein Fetisch (von

dem portugiesischen Worte _feitiço_ = Amulett abgeleitet) ist kein

wirklicher Gott oder Götze, auch keine Seele eines Ahnen, sondern ein

Geist, der in dem betreffenden Gegenstande, der dann auch seinerseits

Fetisch genannt wird, lebt, ein Zaubermittel, das mittels desselben

seine Wirksamkeit entfaltet (Abb. 39). Die westafrikanischen Neger

halten nämlich jeden beliebigen, für uns unbelebten Gegenstand

für beseelt von einem Geiste und treiben mit Hilfe eines solchen

Zauberei. Zu einem Fetisch kann also jeder beliebige Gegenstand

gemacht werden; dementsprechend begegnen wir darunter den nach unseren

Begriffen sinnlosesten Dingen. So bestand der Hauptfetisch der Adele

in Pereu (Togo) aus einem kleinen Holzschemel, an dem mit Hühnerblut

angeklebte Vogelfedern saßen und kleine Metallglocken hingen. Des

Fetischs Boffima in Sierra Leone, einer mit Leopardenhaut überzogenen

Knollenfrucht, gedachten wir bereits auf Seite 4. Der Fetisch Legba,

der vielfach in Dahome und in den Eweländern angetroffen wird und

für ein sehr wirksames Zaubermittel zur Erhöhung der Liebeslust

und der Zeugungskraft gilt, stellt eine ganz roh geformte sitzende

Figur mit auffällig entwickelten Geschlechtsteilen vor. Bei einer

Frau der Goldküste, deren Fetisch die Schuld an dem Tode mehrerer

Verwandten beigemessen wurde, fand sich unter ihrer Haarfrisur eine

kleine kupferne Pfanne mit einem Lehmkloß, in dem Papageienfedern

steckten. Ein besonderes Interesse dürften die Fetische der Loangoküste

beanspruchen. Es sind dies menschliche, auch wohl tierische Figuren

aus Holz, die meistens an ihrer ganzen Oberfläche mit Bandeisenstücken

oder Nägeln gespickt erscheinen (Abb. 40). Dieses Einschlagen der

Nägel verfolgt einen doppelten Zweck. Einmal will derjenige, der diese

Maßnahme an dem Fetisch vornimmt, dadurch seine Unschuld beweisen; er

schwört gleichsam bei seinem Fetisch. Der Geist im Holze soll die durch

das Einschlagen entstehenden Schmerzen genau wie ein Mensch fühlen und

würde sich an dem Betreffenden, der sie ihm zufügte, falls er einen

Meineid geschworen hätte, rächen, weil er ihm dann frevelhafterweise

Schmerzen bereitet hätte. Im anderen Falle, wo es sich darum handelt,

einen Dieb oder Mörder zu bestrafen, will man den Geist durch den ihm

beigebrachten Schmerz dazu zwingen, den Dieb oder Mörder zur Strafe zu

ziehen.

[Illustration:

Phot. The Sudan United Mission.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 50 / 203 题