Abb. 6. Ein Mendihäuptling

in reichbesticktem Gewand, das im Lande selbst hergestellt wurde. Man

beachte die Fetische an den Fußgelenken.]

Was die +religiösen Verhältnisse+ der Westafrikaner anbetrifft, so

hat vielfach unter ihnen, besonders im Sudan, der Mohammedanismus

seit langem Anhänger gefunden, wodurch natürlicherweise die Gebräuche

des einheimischen Kultus im allgemeinen dem Untergange geweiht

sind. Dessenungeachtet haben sich dieselben verschiedentlich meist

im geheimen, aber auch öffentlich, weitererhalten. Sogar für den

zum Islam bekehrten Haussa ist die Welt mit allerlei Geistern oder

Bori bevölkert, die seiner Ansicht nach meistens bösartig sind oder

doch immerhin bei der geringsten Herausforderung Unheil anrichten,

weswegen er bemüht ist, sie zu versöhnen (Abb. 1), oder wenigstens

darauf bedacht, alles zu vermeiden, was ihre Aufmerksamkeit auf ihn

lenken könnte. Die meisten dieser Bori sind Krankheitsgeister, manche

von ihnen möglicherweise durch die Araber eingeführt, viele dagegen

altheidnischen Ursprungs. Eine große Rolle spielten unter ihnen

der Geist, der das Fieber, sowie der, der die Pocken schickt oder

mitbringt. Die Abwehrmaßregeln (Abb. 33), die zum Beispiel die Neger

der Goldküste gegen die Einführung der Pocken anwenden, sind besonders

interessant. Zum Schutze gegen diesen Geist, der wie ein schleichendes

Tier die Krankheit besonders bei Nacht ins Dorf bringt, stellen sie

am Eingang desselben einen Wächter auf, aber nicht in Gestalt einer

lebenden Person, sondern eines Amaga, das ist eines Idols, das ein

auswärtiger Künstler der Dorfgemeinde auf ihre Kosten anfertigt. Kommt

das Pockengespenst nun bei Nacht daher, dann stößt es auf diesen

unter einem kleinen Dache sitzenden Wächter, erschrickt und kehrt um.

Außerdem stellt man am Eingang zum Dorfe einen oder mehrere, etwa einen

Drittelmeter hohe Zäune quer über den Weg, über die der Geist stolpern

und gleichfalls durch Schreck zum Rückzug gezwungen werden soll. Auch

kommt es vor, daß man allen mit tiefer Stimme krähenden Hähnen des

Dorfes den Hals umdreht in der Meinung, daß dann der Pockengeist, wenn

er am frühen Morgen beim Dorfe vorbeikommt, nicht mehr durch das Krähen

auf dasselbe aufmerksam gemacht werden könne. Noch kindischer ist

ein anderes Mittel, um die Aufmerksamkeit des Gespenstes abzuwenden,

nämlich das Wuchernlassen des Grases auf den Hauptwegen, die zum

Dorfe führen. Auf jedem vielbegangenen Wege pflegt der Graswuchs nur

sehr gering zu sein. Findet der Pockengeist nun, daß ein Weg mit Gras

bewachsen ist, dann nimmt er an, daß derselbe nicht begangen worden

sei, somit auch zu keiner Ortschaft führen könne; er geht also vorüber.

[Illustration:

Aus „The Tailed Head-Hunters of Nigeria“.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 44 / 203 题