Alle Stämme Westafrikas haben bereits eine seßhafte +Lebensweise+
angenommen. Sie wohnen entweder in runden Hütten, die aus
aufeinandergeschichteten kreisförmigen Ringen aus Lehm aufgebaut
sind und ein Kegeldach tragen (Abb. 30), oder in rechtwinkligen
Giebeldachhäusern beziehungsweise in Übergangsformen zwischen
beiden. In einzelnen Gebieten finden sich die Gehöfte (Hütten und
Wirtschaftsgebäude) durch eine gemeinsame Umfassungsmauer zu einer Art
Festung umgewandelt (Abb. 29). Die einzelnen so in sich geschlossenen
Gehöfte sind wieder durch Löcher in den Mauern miteinander verbunden,
so daß auf diese Weise wirkliche Labyrinthe entstehen. In Togo haben
diese festungsähnlichen Anlagen eine besondere Form angenommen, die
der Tambermaburgen. Dieselben sind dadurch gekennzeichnet, daß man
zwei solcher umfriedigter Gehöfte aufeinander gesetzt hat, von denen
das untere die Wirtschafts-, das obere die Wohnräume enthält (Abb.
28). Der Aufgang zu den Plattformen erfolgt auf Stiegen aus Lehm oder
auf ausgehauenen Baumstämmen. -- Als +Erwerbsquelle+ der Neger steht
der Feldbau im Vordergrund, daneben wird aber auch vielfach noch
Viehzucht getrieben und ganz allgemein die Jagd (Abb. 31). An der Küste
erstreckt sich diese auch auf das Wasser. Jedoch entwickeln die Neger
auch eine gewerbliche Tätigkeit. Ehe europäische Erzeugnisse Eingang
fanden, war die Hausindustrie in hoher Blüte, aber auch jetzt noch wird
in mancher Hinsicht Bemerkenswertes geleistet. Die Eisengewinnung
und Schmiedekunst ist ein in Afrika bodenständiges Handwerk; ebenso
erfreuen sich Weberei und Töpferei ziemlicher Verbreitung. --
Auch auf gewissen Gebieten der bildnerischen Kunst besitzen die
westafrikanischen Neger eine große Geschicklichkeit. Berühmt sind die
Bronzearbeiten und Elfenbeinschnitzereien aus Benin; die Aschanti sind
vorzügliche Goldschmiede, die Yoruba Elfenbeinschnitzer.
Die +Nahrung+ bieten den westafrikanischen Negern die Erträge des
Feldbaus und der Jagd. In früheren Zeiten war auch +Menschenfleisch+
eine wichtige Nahrungsquelle verschiedener Stämme, im besonderen der
Wute und der Maka Kameruns. Während die meisten Kannibalen sich auf
das Verzehren erschlagener Feinde beschränkten, mästeten die Maka
ihre Opfer planmäßig, ja sie verkauften sogar ihre eigenen Eltern,
wenn sie alt und arbeitsunfähig geworden waren, an Stammesgenossen.
Sie wurden von diesen wie ein Stück Vieh gemästet und, wenn sie
genügend Fett angesetzt hatten, zur Schlachtbank geführt, geköpft und
sodann mit Wohlbehagen verzehrt. Als besondere Leckerei galten das
Gehirn und die Augen. Die fetten Fleischteile wurden am offenen Feuer
geröstet, die mehr trockenen dagegen geräuchert und aufbewahrt. In
Sierra Leone bestand in früheren Zeiten eine geheime Gesellschaft,
die bei ihren Zusammenkünften den Kannibalismus ausübte. Zu diesen
wurde von den Mitgliedern irgendein harmloser Nachbar, Verwandter
oder Sklave mitgebracht, in der Versammlung getötet und verspeist.
Die Zusammenkünfte fanden zu Ehren des Fetischs Boffima statt, der in
Gestalt einer großen Fruchtknolle (von der Form eines Straußeneis)
verehrt wurde. Diese war mit einer geheimnisvollen Masse angefüllt und
mit Leopardenhaut überzogen, die von Zeit zu Zeit mit Menschenfett
eingesalbt werden mußte, damit der Fetisch seine Wunderkraft behalte.
[Illustration:
Aus „Stratz, die Rassenschönheit des Weibes“.