1) Allgemeine Regeln.

Abgesehen von den im letzten Abschnitt besprochenen Processen der

Kernsegmentirung, der Kernzerschnürung und endogenen Kernbildung

kann die Zellvermehrung noch ein sehr verschiedenartiges Aussehen

gewinnen, je nach der Art und Weise, wie sich der Protoplasmakörper

bei der Theilung verhält. Ehe wir uns mit den hierdurch bedingten

Hauptarten und Unterarten der Zellvermehrung bekannt machen, wird es

zuvor nothwendig sein, auf einige allgemeine Beziehungen zwischen

Kern und Protoplasma einzugehen, auf welche ich in meiner Schrift

„Welchen Einfluss übt die Schwerkraft auf die Theilung der Zellen“

(VI. 31) die Aufmerksamkeit gelenkt habe.

In der ruhenden Zelle kann der Kern bald diese, bald jene Lage

einnehmen, auch seinen Ort verändern, wie er denn zum Beispiel

in Pflanzenzellen durch die Protoplasmaströmung hierin und dahin

mitgenommen wird. Unter besonderen Verhältnissen aber, von denen

hier nur die zur Zelltheilung in Beziehung stehenden erörtert werden

sollen, während andere uns in Capitel VIII beschäftigen werden, tritt

der Kern zum Protoplasmakörper in ganz bestimmte, gesetzmässige

Lagebeziehungen.

Zwischen Protoplasma und Kern finden während der Theilung

Wechselwirkungen statt, um mich eines Gleichnisses zu bedienen, wie

zwischen Eisentheilchen und einem beweglich aufgehängten Magneten.

Durch die magnetische Kraft werden die Eisentheilchen polarisirt und

dadurch veranlasst, sich in Radien um die Pole herum zu gruppiren.

Auf der anderen Seite aber übt die Massenvertheilung des Eisens auf

die Stellung des Magneten auch wieder einen richtenden Einfluss aus.

In der Zelle erhalten die Wechselwirkungen zwischen Protoplasma und

Kern ihren sinnenfälligen Ausdruck in der Entstehung der Polcentren

und der früher beschriebenen Strahlenfiguren. +Die Folge dieser

Wechselwirkungen aber ist, dass der Kern stets die Mitte seiner

Wirkungssphäre einzunehmen sucht.+

Um diesen Satz zu beweisen, giebt es wohl keine geeigneteren Objecte

als die thierischen Eizellen, die uns ja in ihrer Grösse, Form und

inneren Organisation sehr zahlreiche, interessante Verschiedenheiten

darbieten.

Bei den meist kleinen Eiern, in denen Protoplasma und

Dotterbestandtheile mehr oder weniger gleichmässig vertheilt sind,

nimmt der Eikern +vor der Befruchtung+ (Fig. 106 _A_) keine

fest bestimmte Lage ein. Wenn er dagegen +nach der Befruchtung+

als Theilkern in Thätigkeit zu treten beginnt (Fig. 106 _B_),

stellt er sich genau in den +geometrischen Mittelpunkt ein+,

also, wenn das Ei eine Kugel darstellt, in das Centrum derselben,

wenn es dagegen eine ovale Form hat (Fig. 110), in die Mitte der die

beiden Pole verbindenden Längsaxe. Von einer Strahlensphäre umgeben,

sieht man den Kern durch das Protoplasma nach dem im Voraus zu

bestimmenden Ort hinwandern.

+Abweichungen von der Normalstellung treten ein, wenn Protoplasma

und Dotterbestandtheile, von denen die letztern meist ein grösseres

specifisches Gewicht, als das erstere besitzen, ungleichmässig im

Eiraum vertheilt sind.+ Sehr häufig nehmen dann die Eier eine

+polare Differenzirung+ an, die theils eine directe Folge

der Schwerkraft ist, unter deren Einfluss sich eine Sonderung

der verschiedenen Substanzen nach ihrer Schwere vollzieht,

theils aber auch durch andere Vorgänge wie durch die Reife- und

Befruchtungserscheinungen hervorgerufen wird.

[Illustration: =Fig. 106. _A_ Reifes Ei eines Echinoderms.=

Dasselbe schliesst im Dotter den sehr kleinen Eikern (_ek_) ein.

~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 14.

=_B_ Ei eines Seeigels gleich nach beendeter Befruchtung.=

_fk_ Ei- und Samenkern sind zum Theilkern verschmolzen, der

im Centrum einer Protoplasmastrahlung liegt. ~O. Hertwig~,

Entwicklungsgesch. Fig. 20.]

Die polare Differenzirung besteht darin (Fig. 107 u. 108), dass sich

nach dem einen Pol zu das leichtere Protoplasma, nach dem anderen

Pol dagegen das schwerere Dottermaterial ansammelt. Die Sonderung

kann bald weniger, bald schärfer durchgeführt sein. Bei den Eiern der

Amphibien z. B. ist sie an Durchschnitten durch ein Ei sehr wenig

auffällig, indem nur in der einen Hälfte die Dotterplättchen etwas

kleiner und durch mehr Protoplasma voneinander getrennt sind, in der

anderen Hälfte aber grösser werden und dichter zusammenliegen.

[Illustration: Fig. 107.]

[Illustration: Fig. 108.]

=Fig. 107. Schema eines Eies mit polständigem Nahrungsdotter.=

~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 3.

Der Bildungsdotter bildet am animalen Pole _A.P_ eine

Keimscheibe _k.sch_, in welcher das Keimbläschen _k.b_

eingeschlossen ist. Der Nahrungsdotter _n.d_ füllt den übrigen

Eiraum nach dem vegetativen Pol (_V.P_) zu aus.

=Fig. 108. Eizelle (Eidotter) des Huhns aus dem Eierstock.=

~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 6a.

_k.sch_ Keimscheibe, _k.b_ Keimbläschen, _w.d_ weisser

Dotter, _g.d_ gelber Dotter, _d.h_ Dotterhaut.

In anderen Fällen hat sich vom dotterhaltigen Theil des Eies

eine kleine Menge von mehr oder minder dotterfreiem Protoplasma

abgesondert und wie bei den Reptilien und Vögeln (Fig. 108 k.sch) die

Form einer Scheibe angenommen.

+Die beiden Pole des Eies unterscheidet man voneinander als den

animalen und den vegetativen+; an jenem ist mehr Protoplasma,

an diesem mehr Dottermaterial angesammelt, jener hat daher ein

geringeres, dieser ein grösseres specifisches Gewicht. +In Folge

dessen müssen polar differenzirte Eier stets ein und dieselbe

Gleichgewichtslage einzunehmen suchen.+ Während bei kleinen

Eiern mit gleichmässig vertheiltem Material der Schwerpunkt mit

dem Mittelpunkt der Kugel zusammenfällt und ihre Lage daher eine

wechselnde sein kann, +ist bei polar differenzirten Eiern der

Schwerpunkt excentrisch geworden+ und zwar hat er sich mehr oder

minder weit nach dem vegetativen Pole zu verschoben. Es wird daher

stets eine solche Orientirung im Raume eintreten, dass der vegetative

Pol nach abwärts, der animale nach oben gekehrt ist. Eine Linie,

welche die beiden Pole verbindet und als +Eiaxe+ bezeichnet

wird, muss sich, wenn keine Hindernisse der freien Bewegung der

Eikugel entgegentreten, stets +lothrecht+ einzustellen suchen.

Lehrreiche Beispiele hierfür bieten das Froschei und das Hühnerei.

Am Froschei (Fig. 115) sind die ungleichen Hälften schon äusserlich

leicht dadurch kenntlich gemacht, dass die animale Hälfte

dunkelschwarz pigmentirt ist, die vegetative weissgelb aussieht. Wird

ein solches Ei nach der Befruchtung in das Wasser gebracht, so nimmt

es in wenigen Secunden eine feste Ruhelage ein, indem sich stets

die schwarze Seite nach oben, die helle Seite, weil sie specifisch

schwerer ist, nach abwärts kehrt.

Ebenso mag man das Hühnerei (Fig. 108) drehen, wie man will, stets

wird man die Keimscheibe (_k.sch_) den höchsten Punkt der

Dotterkugel einnehmen sehen, weil letztere bei jeder Bewegung in

ihrer Eiweisshülle mit rotirt und sich mit dem vegetativen Pol nach

abwärts einstellt.

Polare Differenzirung kommt ebenso wie bei kugligen, auch bei ovalen

Eiern vor. Als Beispiel diene uns das Ei eines Wurmes Fabricia (Fig.

109). Hier ist am einen Ende des ovalen Körpers mehr Protoplasma, am

entgegengesetzten mehr Dottermaterial angehäuft.

[Illustration: =Fig. 109. Ei von Fabricia.= Nach

~Haeckel~.

_A_ animaler Theil.

_V_ vegetativer Theil.]

Bei polar differenzirten Eiern wird man nun den befruchteten Kern

vergebens an den Stellen, wo er bei dotterarmen Eiern liegen würde,

suchen. Nur einer oberflächlichen Betrachtung wird dies als eine

Ausnahme von dem oben aufgestellten Gesetz erscheinen; bei tieferem

Nachdenken dagegen bilden solche Fälle eher eine Bestätigung

des Satzes, dass der Kern stets die Mitte seiner Wirkungssphäre

einzunehmen sucht. +Wechselwirkungen finden zwischen dem Kern und

dem Protoplasma, nicht aber zwischen ihm und dem Dottermaterial

statt, welches bei allen Theilungsprocessen sich wie eine passive

Masse verhält. Ungleichmässigkeiten in der Protoplasmavertheilung

müssen sich daher auch auf Grund des obigen Satzes in der Lage des

Kerns geltend machen, und zwar muss derselbe nach den Orten der

grösseren Protoplasmaansammlung hinrücken+, sich also gerade in

entgegengesetzter Richtung wie der Schwerpunkt bewegen. Je mehr der

letztere nach dem vegetativen Pole, um so mehr wird der Theilkern

nach dem animalen Pole zu liegen kommen.

Und so lehrt es uns auch die Untersuchung in der That. Im

Froschei (Fig. 115) findet sich der Theilkern etwas oberhalb der

Aequatorialebene der Kugel in ihrer animalen Hälfte; in den Eiern,

an denen sich das Protoplasma als Keimscheibe noch schärfer vom

Dotter gesondert hat (Fig. 108), ist der Theilkern in nächste Nähe

des animalen Poles emporgestiegen und in die Keimscheibe selbst

aufgenommen worden (Reptilien, Vögel, Fische etc.). Ebenso ist im Ei

von Fabricia (Fig. 109) der Theilkern nach der protoplasmareicheren

Hälfte des ovalen Körpers verschoben.

Noch mehr tritt die Wechselwirkung zwischen Protoplasma und Kern,

durch welche die Lage des letzteren bedingt wird, während der

Theilung selbst hervor, von dem Moment an, wo sich die beiden

Pole bilden. Es lässt sich hier das +zweite allgemeine Gesetz

aufstellen, dass die beiden Pole der Theilungsfigur in die

Richtung der grössten Protoplasmamassen zu liegen kommen+, etwa

in derselben Weise, wie die Lage der Pole eines Magneten durch

Eisentheile in seiner Umgebung beeinflusst wird.

Nach dem zweiten Gesetz kann z. B. in einem kugligen Ei, in welchem

Protoplasma und Dotter gleichmässig vertheilt sind, die Axe der

central gelegenen Kernspindel mit der Richtung eines beliebigen

Radius, dagegen in einem ovalen Protoplasmakörper nur mit dem

längsten Durchmesser desselben zusammenfallen. In einer kreisrunden

Protoplasmascheibe stellt sich die Spindelaxe parallel zur Oberfläche

in einen beliebigen Durchmesser, in einer ovalen Scheibe dagegen

wieder nur in den längsten Durchmesser ein.

Mit diesen Regeln stimmen die Erscheinungen, wie sie bei der

Zelltheilung und insbesondere bei der Eifurchung beobachtet werden,

fast ausnahmslos überein. Namentlich aber sprechen für die Gültigkeit

des an zweiter Stelle aufgestellten Gesetzes zwei Thatsachen: eine

Beobachtung von Auerbach an den Eiern von Ascaris nigrovenosa und

Strongylus auricularis (VI. 2) und ein Experiment von Pflüger.

Die Eier der beiden von Auerbach untersuchten Nematoden (Fig. 110)

haben eine ovale Gestalt, so dass 2 Pole an ihnen zu unterscheiden

sind, welche bei der Befruchtung eine verschiedene Rolle spielen.

An dem einen Pole nämlich, welcher der Keimstätte des Eischlauches

zugewendet ist, bilden sich die Polzellen und entsteht der Eikern, an

dem anderen, nach dem Uterusausgang zu gelegenen Pol dagegen findet

die Befruchtung und das Eindringen eines Samenkörpers statt; hier

erscheint der Samenkern (siehe Capitel VII).

Beide Kerne wandern dann unter gleichmässiger Grössenzunahme und in

gerader Richtung, welche mit der Eiaxe zusammenfällt, aufeinander

zu, treffen sich in der Mitte der letzteren, nachdem sie zu zwei

ansehnlichen Bläschen angewachsen sind, legen sich fest zusammen und

platten sich an den Berührungsflächen ab (Fig. 110 _A_).

Bei der Copulation der Geschlechtskerne pflegt nun in ihre

Berührungsfläche oder die Copulationsebene die Axe der sich

ausbildenden Spindel, an deren Enden die Polkörperchen liegen, zu

fallen. Würde dies auch hier erfolgen, so würde die Spindelaxe

entgegen der oben aufgestellten Regel die Längsaxe des Eies unter

rechtem Winkel schneiden, es würden die Polkörperchen in der Richtung

der kleinsten Protoplasmamengen eingestellt sein und es müsste

schliesslich die erste Theilungsebene das Ei seiner Länge nach

halbiren.

Ein derartiger, der Regel zuwiderlaufender Fall tritt nun aber hier

nicht ein, +weil Protoplasma und Kern, indem sie aufeinander

einwirken, ihr Lageverhältniss zu einander, den gegebenen

Bedingungen entsprechend, nachträglich reguliren+. Die durch

den Befruchtungsverlauf bedingte Ausgangsstellung des copulirten

Kernpaares, welche eine für die Theilung durchaus unzweckmässige

ist, ändert sich, sowie sich die zwei Pole schärfer ausbilden. Das

Kernpaar fängt an, sich um einen rechten Winkel zu drehen (Fig. 110

_B_) und zwar solange und der Art, dass die Copulationsebene mit

der Längsaxe des Eies zusammenfällt (Fig. 110 _C_).

[Illustration: =Fig. 110. Eier von Ascaris nigrovenosa in

stark comprimirtem Zustand auf vier verschiedenen Stadien der

Befruchtung.= Nach ~Auerbach~ Taf. IV, Fig. 8–11.]

„Die Richtung in welcher die Drehung unter dem Mikroskope erfolgt,

geschieht bald im Sinne eines Uhrzeigers, bald im entgegengesetzten.“

(Auerbach.)

In Folge des interessanten Rotationsphänomens kommen wieder, wie

es die Regel verlangt, die beiden Pole der Theilungsfigur in die

Richtung der grössten Protoplasmaansammlungen zu liegen, während

sich die geringste Menge in der Gegend der späteren Theilungsebene

befindet (Fig. 110 _D_).

Ein zweiter Beweis für die Gültigkeit unseres Gesetzes sind die

Experimente, welche Pflüger (VI. 49, 50) am Froschei angestellt

hat. Derselbe presste ein frischbefruchtetes Froschei zwischen zwei

verticale, parallele Glasplatten vorsichtig ein und gab ihm dadurch

ungefähr die Gestalt „eines stark abgeplatteten Ellipsoids, dessen

längste Axe horizontal, dessen mittellange vertical und dessen

kürzeste wieder horizontal und senkrecht auf der längsten ist.“

In fast allen Fällen stand nun die erste Theilebene senkrecht auf

der Oberfläche der komprimirenden Platten und war zugleich eine

lothrechte. Die Kernspindel muss sich daher auch hier unserer Regel

gemäss in der Richtung des längsten Durchmessers des Ellipsoides

eingestellt haben.

Aus dem Gesetz, dass die Lage der Kernaxe bei der Theilung von der

Differenzirung und Form des umhüllenden Protoplasmakörpers bestimmt

wird der Art, dass sich die Pole in der Richtung der grössten

Protoplasmaansammlungen einstellen, +ergiebt sich uns weiter noch

die causale Begründung für ein drittes Gesetz, welches Sachs+

(VI. 64) +beim Studium der Pflanzenanatomie erhalten und als das

Princip der rechtwinkligen Schneidung der Theilungsflächen bei

der Zweitheilung bezeichnet hat+. Denn wenn wir die Ursachen

wissen, durch welche die Lage der Spindelaxen bedingt wird, dann

können wir unter allen Umständen auch im Voraus bestimmen, wie die

Theilungsebenen zu liegen kommen, da diese die Spindelaxen unter

rechtem Winkel schneiden müssen.

+Im Grossen und Ganzen wird nun bei jeder Theilung einer

Mutterzelle, wenn dieselbe nicht in einer Richtung ausserordentlich

in die Länge gestreckt ist, der Fall eintreten, dass in den

Tochterzellen die Axe, welche in der Richtung der früheren Hauptaxe

der Mutterzelle liegt, die kürzeste geworden ist. Die Axe der zweiten

Theilspindel wird sich daher in diesem Falle nie in der Richtung

der vorausgegangenen Theilspindel, vielmehr rechtwinklig zu dieser

Richtung, der Form des Protoplasmakörpers entsprechend, einstellen

müssen. Daher wird die zweite Theilebene die erste rechtwinklig

schneiden müssen.+

Im Allgemeinen werden die aufeinander folgenden Theilflächen einer

Mutterzelle, die in 2, 4, 8 und mehr Tochterzellen durch successive

Zweitheilungen zerlegt wird, +in den drei Richtungen des Raumes

alternirend erfolgen und dabei mehr oder weniger genau senkrecht auf

einander stehen+.

Bei pflanzlichen Geweben ist dies oft sehr schön zu erkennen, weil

sich hier rasch ein festes Zellhautgerüst den Theilungsebenen der

Zellen entsprechend ausbildet und so dieselben gewissermaassen

dauernd fixirt. Bei thierischen Zellen ist es viel weniger der

Fall, weil ihre Form beim Fehlen einer festen Membran sich zwischen

den Theilungen häufig verändert; auch die Lage der Zellen zu

einander ist dem Wechsel unterworfen. Es treten „+Brechungen und

Verschiebungen+“ der ursprünglichen Theilstücke einer Mutterzelle

ein, wofür das Studium der Furchungserscheinungen einer jeden Eizelle

Beispiele liefert, über welche auf Seite 181 gehandelt wird.

+In der Botanik werden die in den drei Richtungen des Raumes sich

schneidenden Wandrichtungen als tangentiale oder perikline, als

transversale oder antikline und als radiale bezeichnet+ (Fig.

111 u. 112). Perikline oder tangentiale Wandrichtungen sind in

gleichem Sinne, wie die Oberfläche der Organe orientirt. Antikline

oder transversale Wände schneiden die periklinen und zugleich die

Wachsthumsaxe des Organs unter rechtem Winkel. Radiale Wände endlich

sind solche, welche ebenfalls rechtwinklig zu den periklinen gestellt

sind, aber die Wachsthumsaxe des Organs in sich aufnehmen.

Um dieses Verhältniss an einem Beispiel klar zu machen, wählen

wir gleich ein etwas schwierigeres Objekt, den Vegetationspunkt

eines Sprosses. Für denselben weist Sachs die Gültigkeit seines

Princips in folgenden Sätzen nach, welche seinen Vorlesungen über

Pflanzenphysiologie (II. 33) entnommen sind:

„Die Vegetationspunkte der Wurzeln und Sprosse zeigen auf richtig

geführten Längs- und Querschnitten charakteristische Zellwandnetze

oder Zellenanordnungen, die überall auch bei den verschiedensten

Pflanzenarten typisch übereinstimmen, was im Wesentlichen darauf

beruht, dass auch die embryonale Substanz der Vegetationspunkte,

indem sie überall durch Einlagerung an Volumen zunimmt, durch

Zellwände gekammert und gefächert wird, welche einander rechtwinklig

schneiden. Der Längsschnitt eines Vegetationspunktes lässt jederzeit

ein System von Periklinen erkennen, welches durch Antiklinen,

die ihrerseits die orthogonalen Trajectorien jener darstellen,

geschnitten wird. Haben wir es dabei mit Vegetationspunkten

flächenförmiger Gebilde zu thun, so sind auch nur diese beiden

Systeme von Zellwänden vorhanden; ist dagegen der Vegetationspunkt

halbkuglig oder kegelförmig oder sonst ähnlich gestaltet, also nicht

blos flächenförmig, sondern körperlich gebildet, so ist noch ein

drittes System von Zellwänden vorhanden, nämlich Längswände, welche

von der Längsaxe des Vegetationspunktes aus radial nach Aussen

verlaufen“.

[Illustration: =Fig. 111. Construction des Zellnetzes an einem

Vegetationspunkt.= Nach ~Sachs~ Fig. 284.]

„Es wird jedoch zur Erleichterung des Verständnisses beitragen,

wenn wir auch hier wieder unsere weiteren Betrachtungen an ein nach

bestimmten Grundsätzen, aber willkürlich construirtes Schema anknüpfen

und zunächst für dasselbe nur die Flächenansicht eines Längsschnittes

durch einen Vegetationspunkt (Fig. 111) zu Grunde legen. Halten wir uns

hierbei an unsere Figur, deren Umriss _E_ _E_ dem Längsschnitt eines

kegelförmigen Vegetationspunktes entspricht, und setzen wir voraus,

dass dieser Umriss, wie es auch häufig in der Natur nahezu eintrifft,

die Form einer Parabel habe und dass die Fächerung des Raumes, den

die embryonale Substanz des Vegetationspunktes erfüllt, wieder in der

Art stattfinde, dass anti- und perikline Wände einander rechtwinklig

schneiden. Unter dieser Voraussetzung kann man nun nach einem bekannten

Lehrsatz der Geometrie das Zellnetz in unserer Figur construiren:

vorausgesetzt, dass _x_ _x_ die Axe und _y_ _y_ die Richtung des

Parameters ist, sind alle die mit _P_ _p_ bezeichneten Periklinen eine

Schaar von confocalen Parabeln. Ebenso sind alle Antiklinen _A_ _a_

eine Schaar confocaler Parabeln, welche Brennpunkt und Axe mit den

vorigen gemeinschaftlich haben, aber in der entgegengesetzten Richtung

verlaufen. Zwei solche Systeme confocaler Parabeln schneiden einander

überall rechtwinklig.“

„Sehen wir nun nach, ob ein medianer Längsschnitt durch einen

vorgewölbten, ungefähr parabolisch geformten Vegetationspunkt ein

Zellnetz darbietet, welches in den wesentlichen Eigenschaften mit

unserm geometrisch konstruirten Schema übereinstimmt, da finden

wir z. B. am Vegetationspunkt der Edeltanne (Fig. 112) sofort die

entsprechende innere Structur, wenn man nur beachtet, dass in unserer

Figur die beiden Vorwölbungen _b_ _b_ das Bild einigermaassen

stören; es sind junge Blattanlagen, welche aus dem Vegetationspunkt

hervorsprossen. Im Uebrigen erkennt man sofort die beiden Systeme von

Anti- und Periklinen, deren Krümmungen kaum einen Zweifel darüber

lassen, dass sie einander, wie in unserm obigen Schema, rechtwinklig

schneiden oder die Antiklinen die orthogonalen Trajectorien der

Periklinen sind. So wie in unserm Schema umlaufen auch nur einige

wenige Periklinen unter dem Scheitel _S_ den gemeinschaftlichen

Brennpunkt aller Parabeln, die andern reichen, von unten herkommend,

nur bis in die Nähe des Brennpunktes, d. h. mit andern Worten: die

entsprechenden Zelltheilungen finden immer erst dann statt, wenn

die Periklinen unterhalb des Krümmungscentrums sich weit genug

voneinander entfernt haben, so dass neue Periklinen zwischen ihnen

eingeschaltet werden müssen, und ganz dasselbe gilt von den Antiklinen

_A_ _a_. Man bemerkt leicht an unserm Schema (Fig. 111), dass um den

gemeinschaftlichen Brennpunkt aller Anti- und Periklinen herum die

Krümmungen der Constructionslinien besonders kräftig sind.“

[Illustration: =Fig. 112. Längsschnitt durch den Vegetationspunkt

einer Winterknospe der Edeltanne (Abies pectinata).= Ungefähr 200mal

vergrössert. Nach ~Sachs~ Fig. 285.

_S_ Scheitel des Vegetationspunktes, _b_ _b_ jüngste Blätter, _r_ _r_

Rinde, _m_ _m_ Mark.]

„Viele hunderte von medianen Längsschnitten durch Vegetationspunkte

von Sprossen und Wurzeln, welche die verschiedensten Beobachter

gezeichnet haben, ohne auch nur im Entferntesten das zu Grunde

liegende Princip zu kennen, entsprechen der von mir gegebenen

Construction und beweisen die Richtigkeit ihres Princips.“ --

Um endlich einige Abweichungen von der normalen Zelltheilung

zu verstehen, ist noch ein +viertes Gesetz+ zu beachten,

welches von +Balfour+ (VI. 3) genauer formulirt ist und

welches lautet: +Die Schnelligkeit, mit welcher sich eine Zelle

theilt, ist proportional der Concentration des in ihr befindlichen

Protoplasmas. Protoplasmareiche Zellen theilen sich rascher als

protoplasmaärmere aber dotterreichere.+ Der Satz erklärt sich

daraus, dass beim Theilprocess allein das Protoplasma die active,

das in ihm eingelagerte Dottermaterial die passive Substanz ist,

welche durch die active mit bewältigt werden muss. Die Arbeit für

das Protoplasma bei der Theilung ist um so grösser, je mehr Dotter

vorhanden ist, und sie kann in vielen Fällen sogar eine so grosse

werden, dass sie nicht mehr zu Ende geführt werden kann. Letzteres

tritt häufig bei polar differenzirten Eiern ein, wenn bei ihnen sich

der Haupttheil des Protoplasmas am animalen Pol concentrirt hat.

Dann bleibt die Theilung auf diesen Abschnitt der Zelle beschränkt,

während die vegetative Hälfte nicht mehr in Zellen zerlegt wird.

Aus der totalen ist so eine unvollständige oder partielle Theilung

hervorgegangen. Beide extremen Formen sind in der Natur durch

Uebergänge untereinander verbunden.

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 1/2) · 第 133 / 170 题