Zwei Reiter am Meer

Einige Gäste erhoben sich und verabschiedeten sich von der in Trauer

gekleideten Hausfrau und vom Hausherrn, der die Abschiednehmenden durch

die Diele zum Vorzimmer begleitete.

Ein Herr und ich waren allein die Letzten in dem großen

Bibliothekzimmer, wo wir nach dem Abendessen, zu dem wir geladen

gewesen, alle um einen runden Mahagonitisch beim Licht einer

grünverschleierten elektrischen Hängelampe plaudernd gesessen hatten.

Ich hatte mich an diesem Abend nicht viel am Gespräch beteiligen können.

Die weitgeöffneten Türen in die erleuchteten Nebenräume, in das

Musikzimmer, in den Speisesaal und in das Teezimmer, in denen überall

sanftes Licht und eine unendliche Ruhe sich ausbreiteten, hatten meine

Gedanken immer weiter von mir fortgezogen, und es war mir, als stünde

mein Stuhl nicht im Bibliothekzimmer eines vornehmen Landhauses draußen

im Waldhäuserviertel am Rande einer Weltstadt, sondern am Rande eines

Weltteils stand ich und sah auf ein Weltmeer, auf einen grauen Ozean,

dessen Wasserlinie in der Ferne zu Himmelswolken wurde, zu Nebelbrodem;

und nur in weiten Abständen warf manches Mal eine langgezogene

Strandwelle eine weiße Sprühschaumwolke in die Luft. Nur diese eine

große Wellenzuckung zeigte Leben auf jenem Wasserweltteil. Sonst waren

Himmel und Wasserfläche atemlos ausgebreitet und verschwanden weit

draußen im Nichts der Unendlichkeit.

Vor mir aber, ganz nahe am Wasserrand im Dünensande, lebte das rassige

Gliederspiel zweier vorüberschreitender Reitpferde, die von zwei

Menschen geritten wurden, die ich aber nicht näher beachtete, weil

vorerst nur die beiden Pferde und das einheitliche ungeheuerliche

Weltalleben von Meer und Himmel meine Aufmerksamkeit anzogen.

Der Glanz von den Flanken der spiegelglatten Tiere und hie und da der

Glanz im Meer, der von den weithin streichenden Linienwellen angeregt

auf- und abzuckte, machten Pferde und Reiter wie zu Spiegelgebilden, zu

Schattentänzern vor dem weiten Luft- und Wasserraum.

Es war ein hoheitsvolles Schreiten in den Beinen und Fesseln der

spielend und tänzelnd auftretenden Pferdegestalten. Es war wie ein

Musizieren in der Luft, ein gaukelndes Tönespiel in der adligen

Beweglichkeit der Tiere, als müßten das Meer und der Himmel zu einem

riesigen Instrument werden, auf dem Melodien geboren wurden beim

rhythmischen Vorwärtsschreiten beider Reitpferde.

Es kam mir nicht zum Bewußtsein, daß der lautlose Dünensand alle

Geräusche verschlucken könnte. Auch der Sand, schien mir, wurde zu

rieselnden Tönen unter der Berührung der zierlichen und rassigen Glieder

der Pferde.

Das Weltall um die Reitenden tönte bald gedämpft jauchzend auf, bald

klang es schneidend weh zu mir her wie die Geräusche der langen

schneidenden Linien der flachen Strandwellen.

Dieses Bild, das ich so lebendig sah, das Bild der zwei Reiter am Meer,

hing im nächsten Zimmer, im Musiksaal, in goldenem Rahmen über dem

Flügel. Ich konnte es vom Bibliothekzimmer aus nicht mehr sehen, aber

das Bild kam immer wieder zu mir.

Der Hausherr hatte mich, als wir nach dem Abendessen aus dem Speisesaal

kamen, auf das Bild, das ihm das Lieblingsgemälde seines Hauses war,

aufmerksam gemacht. Und ich hatte mich einen Augenblick auf eine

Sessellehne gestützt und hatte meinen Körper am Sessel verlassen und war

mit meinem Geist durch den Rahmen des Bildes aus dem Haus, aus dem Land

weit fort gegangen und an den Meerrand getreten. Als wir dann später im

Bibliothekzimmer um den runden Tisch saßen, war es, wie ich es eben

beschrieb. Das Bild kam immer wieder zu mir. Es hob die Wände der Zimmer

fort. Die Ruhe der beleuchteten Nebensäle wurde zur Ruhe des Weltmeeres,

das gedämpfte Licht in den Räumen zur Ruhe des Himmelslichtes über den

Urwassern.

So wußte ich, als ich mechanisch aufgestanden war und der Hausherr mit

einigen Gästen das Zimmer verließ, bald nicht mehr, was Wirklichkeit und

was Unwirklichkeit war.

Es stand eine weite gedämpfte Festlichkeit um mich, von der ich mich

halb nicht trennen konnte, und halb wieder getrennt fühlte, da diese

Festlichkeit nicht mir gehörte. Denn es war die Festlichkeit der Schmerz

und Freude ausgleichenden Todesstunde, die aus den Zimmern dieses Hauses

noch nicht gewichen war, die den Alltagsräumen eine höhere Verklärung

hatte geben können, als es sonst hier laute Feste vermocht hatten.

Ich war in demselben Hause vor Jahren zu einem großen Abendfest gewesen,

aber die erlesen geschmückten Frauen und geistesgewandten Männer hatten

bei Tanzschritten, Witz und Fröhlichkeit, bei Wein und Musik keine

ähnliche Größe der Festlichkeit schaffen können, keine ähnliche Erhöhung

des Hauses, wie es jetzt ein einziger Mensch getan, ein junger Mensch,

der einzige Sohn, der durch seinen Todesschritt das Haus an den Rand der

Unendlichkeit gestellt hatte. Wie diesem war es nur dem Künstler

gelungen, das Haus fortzuheben, ihm, der jenes Gemälde geschaffen, das

nicht bloß über dem Flügel im Nebenzimmer hing, sondern das die Kraft

hatte, Haus und Beschauer an das Erdende zu entrücken, dorthin, wo das

Reich der fliehenden Wasser, das menschenleere Reich der Ozeane beginnt,

darauf der Mensch nur zeitweiliger Gast sein, aber nicht Fuß fassen

kann, wo ihn Tiefe und Weite verschlängen, wenn er die Grenze von der

Wirklichkeit zum Nichts überschreiten würde.

Ich stand noch unschlüssig, überlegend, ob ich den Gästen, die gegangen

waren, folgen sollte, oder ob ich noch bei der Todesfestlichkeit, die in

diesen Räumen lag und mich anzog, verweilen durfte.

Der Gestorbene war ein junger Musiker gewesen. Drüben am Flügel hatten

Mutter und Sohn oft Stunden verbracht, wenn sie sang, was der junge Mann

erdacht; wenn er ihr vorspielte, was die Stimme seiner Jünglingsgefühle,

seines Jünglingsernstes und seiner Jünglingseinsamkeit auftönen lassen

mußte.

Damals waren beider Herzen, das der Mutter und das des Sohnes, wie die

zwei Reiter am Meer gewesen, deren Pferde im gleichen Takt schritten,

und die melodisch vor der Unendlichkeit des Himmels und des Meeres, vor

der Zukunft und vor der Vergangenheit hinzogen.

Nun war die Einheit zerrissen. Die zarte und zierliche, tief getroffene

Mutter stand noch fassungslos vor dem unfaßbaren Schmerz. Die Melodie

der Einheit war abgebrochen. Das Leben gab keinen Klang mehr als den des

Schluchzens. Schluchzen noch nachts in den Träumen, Schluchzen morgens

beim Erwachen, Schluchzen am Tage beim Schreiten durch die lautlosen

Räume des Hauses und durch den noch lautloseren Raum des eigenen

Herzens.

In den letzten Sommertagen war der junge Mann noch Leben und Lebenslust

gewesen. Dann war er erkrankt. Seine Lunge fieberte. Die Sprache, seine

Stimme, starb zuerst. Dann entglitt der Blick, die Augen erlöschten, und

der warme Körper, den die Mutter umschlang, entfremdete sich selbst dem

Mutterherzen und verschwand in der Kälte des Todes.

Nun waren Monate vergangen. Niemals mehr hatte die Mutter den Flügel im

Musikzimmer öffnen können. Sie hatte den Sohn immer noch begraben

müssen, den Gestorbenen immer wieder begraben. Sie hatte noch nicht die

Kraft gehabt, den Sohn verklärt vor sich auferstehen zu lassen. Aber

alles Abschiednehmen muß von einem Wiederkommen abgelöst werden. Auf die

Trennung, die das Sterben bringt, folgt die Wiederkehr, die Stunde der

Auferstehung. Das Leben läßt sich nicht bis ins Unendliche begraben,

auch das tote Leben nicht. Auch im Tod ist ein Wellenschlag. Das Land

hat seine Berge und Hügel, das Meer seine Wellen und Wogen, der Himmel

seine Wolken und seine Glätte. Und auch das vergangene Leben hat sein

Gehen und Wiederkehren.

An diesem Abend war mir unbewußt klar geworden: der Tote war zu seiner

Mutter und zu seinem Vater verklärt wiedergekehrt. Er war wieder

auferstanden in den Räumen des Hauses. Der junge Mann stand neben uns

und wollte uns von seiner Übersinnlichkeit einen Ausdruck geben. Seine

Todeswelle, raumloser als die räumlichen Wellen, die wir Lebenden

fühlen, wollte sich vor uns verkörpern.

Dieser feierliche Schauder berührte mich noch, als die trauernde Frau

des Hauses zu mir sagte und auf den Gast deutete, der außer mir noch im

Zimmer geblieben war:

»Sie gehen doch noch nicht? Ich dachte, wir wollten heute abend noch ein

wenig Musik hören. Sie wissen, es ist seit Monaten kein Ton in diesem

Hause gespielt worden.«

Der junge Mann, den sie zum Spielen aufforderte, war ein sehr feiner,

künstlerisch ernster und gewandter Klavierspieler. Er spielte uns dann

gute Werke großer Komponisten vor, verabschiedete sich aber bald.

Mich jedoch hielt eine Spannung fest, eine Erwartung, eine Sehnsucht

nach der Verkörperung der überirdischen Festlichkeit des Todes, die mich

in diesen Räumen nicht verließ.

Die beiden Klavierlampen brannten noch am offenstehenden Flügel. Unweit

von mir auf einem kleinen Damenschreibtisch stand die Photographie des

jungen Verstorbenen.

Draußen vor den weißverschleierten Fenstern des Hauses lehnte das

Schweigen des dunkeln Gartens, des dunkeln Waldes. Ich wußte, die

Nachtlandschaft draußen war schneelos und winterlich düster. Es war

Februar, und das Grab des Toten lag fern irgendwo in einem der mächtigen

Großstadtfriedhöfe. Und jenes Grab unterschied sich in nichts von der

Wintererde und in nichts von den andern Millionen Grabhügeln, die

überall auf der Welt jahraus, jahrein hervorwachsen, die im Sommer

begrünt sind wie die Wälder und Wiesen und im Winter verlassen scheinen

wie die Wälder und Wiesen.

Der Geist der Toten aber lebt Sommer und Winter in einer verklärten

Jahreszeit, die wir auf Erden nicht kennen, die sich aber auf uns

herabsenkt, wenn sich ein Toter uns mitteilen will. Beim Gemisch der

eisigen Wellen des Toten und der Wärmewellen unseres Herzens entsteht

jene schauersüße Stimmung, in der wir fröstelnd fühlen, der Tote ist

auferstanden und kehrt verklärt bei uns ein.

Ich wagte unter dem Bann dieser Stimmung die Frage an die trauernde

Mutter, ob sie nicht ein Lied ihres verstorbenen Sohnes singen oder ein

Musikstück von ihm spielen möchte.

Sie lächelte schmerzlich und ging zum Flügel. Aber als wenn sie sich

selbst vom gleichen Wunsch zum Klavier hingezogen gefühlt hätte, schien

sie mir dabei freudiger im Gang, von einer verhaltenen Freude umgeben.

Allein im Hause, hätte sie es vielleicht nicht gewagt, jetzt schon vor

dem Vater des Verstorbenen Lieder und Töne aufleben zu lassen.

Als die Trauernde sich zwischen die zwei hellen verschleierten Lampen an

den schwarzglänzenden Flügel setzte und ihre schwarz eingehüllten

schmalen Schultern sich von den schneeweißen Tüllvorhängen abhoben, die

senkrecht vor den Fenstern hinter ihr herabhingen, da war es mir noch

nicht gewiß, ob Leben aus dem Flügel erwachen würde. Ich mußte immer

noch denken, daß diese in tiefe Trauer gehüllte Mutter den Sohn immer

noch begrub. Der Flügel vor ihr wurde mir wie zum glänzend schwarzen

Sarg, an dem sie sich, wie mir schien, niederlassen mußte, um zu

schluchzen, um zu weinen und zu begraben.

Ich wußte nicht, ob die Trauernde schon reif war, den Toten auferstehen

zu lassen, in jener Verklärung, in der ich als Fremder ihn bereits in

den Räumen eingetreten fühlte.

Es würde mich nicht verwundert haben, wenn die noch schwer Erschütterte

nach den ersten Tönen das Spiel abgebrochen und ihr Gesicht in die Hände

vergraben hätte.

Aber sie war reif zum Empfang des Zurückkehrenden. Mit einem wunderbaren

Mut, als überschritte sie selbst freudig die Schwelle vom Leben zum Tod,

entlockte sie dem Flügel die alten Wohllaute, die nur ihr vertrauten

einsamen Jünglingsgefühle des Sohnes, die männlich junge Lust und die

männlich jungen Zweifel, die einst in ihm gerungen hatten.

Und als sie eines der letzten seiner Lieder sang, geschah vor meinen

Augen das Wunderbare: die reife schöne Frau sang sich an den

jugendlichen Weisen ihres Sohnes zur eigenen frühesten Jugend zurück.

Und ihr Frauengesicht wurde mädchenhaft, aller Enttäuschungen bar.

Mädchenhaft gläubig und vertrauend wurden die Augen beim Aus- und

Einatmen der Musik. Die Vergrämte verklärte sich unter der Verklärung

des Toten. Und ich sah Mutter und Sohn auf zwei großen, überweltlich

großen, jugendlichen Rossen, von denen jedes die Verkörperung eines

Schicksals zu sein schien, am Meer der Unendlichkeit hinreiten.

So sehe ich beide dort heute noch und in Ewigkeit als zwei Reiter am

ungeheuren Meer am Rand der Welt.

Und wenn ich in neuen Stunden und in anderen Räumen dieser Frau

wiederbegegnen werde, sie wird für mich immer die vom Todesschmerz

mädchenhaft verklärte Mutter sein, die, auf der Linie zwischen Leben und

Tod, lebender in der Entrückung auflebt als im Irdischen.

Von den in diesem Auswahlband abgedruckten Novellen sind »Der Garten

ohne Jahreszeiten«, »Im blauen Licht von Penang«, »Likse und Panulla«,

»Der unbeerdigte Vater« und »Eingeschlossene Tiere« der Novellensammlung

»_Lingam_« entnommen, »Der Wildgänse Flug in Katata nachschauen«, »Das

Abendrot zu Seta«, »Die Abendglocke vom Mijderatempel hören«, und »Den

Abendschnee am Hirayama sehen« dem Buche »_Die acht Gesichter am

Biwasee_«, »Zur Stunde der Maus«, »Himalayafinsternis« und »Zwei Reiter

am Meer« den »_Geschichten aus den vier Winden_«. »Die Leiern der

Wollust« sind ein Stück aus der großen Dichtung »_Die geflügelte Erde_«,

die übrigen Gedichte des Auswahlbandes entstammen den Gedichtbänden

»_Lusamgärtlein_«, »_Der weiße Schlaf_«, »_In sich versunkene Lieder im

Laub_«, »_Weltspuk_«, »_Des großen Krieges Not_«.

* * * * *

Von _Max Dauthendey_ sind ferner bei Albert Langen erschienen:

_Romane:_

Gedankengut aus meinen Wanderjahren

Der Geist meines Vaters

Raubmenschen

_Novellen:_

Geschichten aus den vier Winden

Die acht Gesichter am Biwasee

Lingam

_Gedichtbücher:_

Die geflügelte Erde

Lusamgärtlein

In sich versunkene Lieder im Laub

Weltspuk

Der weiße Schlaf

Die ewige Hochzeit -- Der brennende Kalender

Des großen Krieges Not

Bänkelsang vom Balzer auf der Balz

Ausgewählte Lieder aus sieben Büchern

_Dramen:_

Die Spielereien einer Kaiserin

Der Drache Grauli

Die Heidin Geilane

_Werke von Max Dauthendey_

_Romane_

Gedankengut aus meinen Wanderjahren

Zwei Bände

_Dritte Auflage_

Geheftet 10 Mark, gebunden 16 Mark

_Rheinisch-Westfälische Zeitung, Essen a. R.:_ Dieses »Gedankengut

aus meinen Wanderjahren« ist etwas ganz ungewöhnliches, etwas, das

seit langem in so köstlicher Reife nicht mehr hervorgetreten war,

die Beichte nämlich eines bedeutenden Menschen, der den rechten

Augenblick zu ergreifen wußte, um die Jahre seines Anstiegs ruhevoll

zu überblicken und in dankbarer Gesinnung Rechenschaft abzulegen von

den Kräften, die ihn bildeten, und von den Ereignissen, die diesen

ergebnisreichen Weg kennzeichnen.

Der Geist meines Vaters

Aufzeichnungen aus einem begrabenen Jahrhundert

_Dritte Auflage_

Geheftet 5 Mark 50 Pf., gebunden 8 Mark 50 Pf.

_Der Tag, Berlin:_ Ein kleines Wunder ist passiert: ein deutscher

Künstler, bisher nur wenigen vertraut, hat ein Buch geschrieben,

jedermann zur Freude und doch ohne Konzession an jedermanns

Geschmack. ... Ein Einsamer, der plötzlich ein Erfolgsbuch schreibt,

ohne zu kapitulieren -- in Wahrheit, ist's kein Mirakel? Ein Dichter

erzählt. Erzählt nichts anderes als die Geschichte seines Vaters und

seiner eigenen Jugend ... »Aber es liest sich wie ein Roman!«

Raubmenschen

_Roman_

_Fünfte Auflage_

Geheftet 6 Mark 50 Pf., gebunden 9 Mark 50 Pf.

_Hamburgischer Correspondent:_ Dieses Poem ist erfüllt vom Duft der

Urwälder und von tausendtönigen Liedern. ... Dauthendeys Stärke ist

sein unerschöpfliches lyrisches Weltgefühl. Sein lyrisches

Malerauge -- um mich präziser auszudrücken. Er stellt es jeden Tag

schier vor neue Aufgaben. Zufälligkeiten -- reale und imaginäre

Wanderbilder -- werden von ihm zu grandiosen Symbolen verdichtet.

Seine Sprache ist getränkt mit heißen Sonnenstrahlen. Sie ist bunt

und prächtig wie das Fell eines Jaguars. Sie ist wie ein tropischer

Wald, wie diese ganze wilde =tierra caliente=.

_Novellen_

Lingam

_Asiatische Novellen_

_Siebente Auflage_

Geheftet 3 Mark, gebunden 5 Mark 50 Pf.

_Frankfurter Zeitung:_ Seit den Asiatischen Novellen des Grafen

Gobineau ist mir kein Buch begegnet, das den eigentümlich

narkotischen Zauber jener exotischen Welt so echt ausströmen ließe

wie die Sammlung »_Lingam_« von Max Dauthendey.

Die acht Gesichter am Biwasee

_Japanische Liebesgeschichten_

_Elfte Auflage_

Geheftet 4 Mark 50 Pf., gebunden 7 Mark 50 Pf.

_Neue Freie Presse, Wien:_ ... Der feinen, seltenen Kunst

Dauthendeys gelingt es, uns ganz in dieses fremde Geistesleben

einzuführen. Und es ist ein so einfaches Leben in den stillen

Landschaften, die doch alle Leidenschaften der Erde bergen, so

einfach und so kompliziert wie die Wirklichkeit. Gedichte in Prosa

sind es, wie fremdartige Volkslieder klingen sie, wie ein Gruß aus

der fernen Welt der Sehnsüchtigen.

Geschichten aus den vier Winden

_Fünfte Auflage_

Geheftet 5 Mark, gebunden 8 Mark

_Leipziger Tageblatt:_ ... Der erzählende Mensch, der eine so

wohltönende Stimme und -- ich finde kein anderes Wort -- eine so

riesig anständige Gesinnung hat, steht für mich sichtbar zwischen

allen diesen Geschichten, so daß in der Rückerinnerung fast alle

gleich starke sympathische Kraft behalten. Gerade ein paar leichte

Skizzen, Erlebnisse eines Nachtspazierganges, eines Besuches, einer

Abendgesellschaft, geben immer den ganzen Menschen und damit die

ganze Welt. Und auch die grotesken Geschichten sind bei aller

Lustigkeit voller Güte, voll eines Lachens, das nicht nur ein

Eckchen des Daseins bescheint, sondern immer das Ganze ... Zwischen

alledem stehen ein paar Liebesnovellen im Sinne des Boccaccio,

höchst persönlich vorgetragen, aber in streng geschlossener

Arabeske, -- höchst würdige Stücke eines noch ungeschriebenen

nordischen Dekamerone.

_Gedichtbücher_

Ausgewählte Lieder aus sieben Büchern

Mit dem Porträt des Dichters

_Fünfte Auflage_

Geheftet 1 Mark, gebunden 2 Mark

_Neue Würzburger Zeitung:_ Das kleine Büchlein ist ein Geschenk, so

überreich an Wundern und Schönheiten, wie mir lange keines begegnet

ist. Dauthendey ist ein Meister der Sprache, ein Führer auf neuen

Wegen; er besitzt eine lohende Phantasie und eine Bildkraft von

titanenhafter Stärke und höchster Eigenart.

Die geflügelte Erde

_Ein Lied der Liebe und der Wunder um sieben Meere_

Geheftet 10 Mark, gebunden 15 Mark

_Die Gegenwart, Berlin:_ Ich halte das Buch für ein bleibendes

Denkmal unsrer gegenwärtigen Kultur.

_Fremdenblatt, Wien:_ »Die geflügelte Erde« ist ein Weltengesang von

hinreißendem Schwung und eine der grandiosesten Huldigungen, die je

ein Dichter der Geliebten dargebracht hat.

Lusamgärtlein

_Frühlingslieder aus Franken_

Geheftet 2 Mark 50 Pf., gebunden 4 Mark 50 Pf.

_Die Zeit, Wien:_ Er ist einer der größten Minnesänger, die in

deutscher Sprache geflüstert, geseufzt, geschwärmt, gesungen,

gejubelt haben. Aber ein Troubadour von Anno dazumal ist er nicht.

Keine Spur von Kniehosengeziertheit, von falscher Süße ist an ihm,

kein Geklimper unzeitlicher Instrumente girrt in seinen Versen. Ein

brausend junges Temperament durchflutet sie, und wie das Ohr an der

Melodie; so hat das Auge an den Farbenbuketts sich gefreut. Alle

Blumen tragen ihre realen Namen, alle Dinge sind wirklichkeitsgemäß

bestimmt. Die Liebe allein verklärt ihm die Welt, erfüllt ihm die

Welt, lehrt ihn, sie lieb zu haben.

In sich versunkene Lieder im Laub

_Zweite Auflage_

Geheftet 2 Mark 50 Pf., gebunden 4 Mark 50 Pf.

_Österreichische Rundschau:_ Max Dauthendeys Kunst prangt nun in

sommerlicher Reife. Liebe ist sein Wesen und sein Schaffen ... Die

Mannigfaltigkeit seiner Gleichnisse hat kaum irgendwo ihresgleichen:

so angefüllt mit Wunderworten ist sein Buch. Möchten die keuschen

Gesänge hinausschallen, möchten sie in die Ohren der Menschen

eingehen und den Seelen sagen, daß die Quellen deutscher Dichtung

heute noch so üppig springen und lieblich rauschen wie jemals ...

Weltspuk

_Lieder der Vergänglichkeit_

_Zweite Auflage_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark 50 Pf.

_Nationalzeitung, Berlin:_ Mit diesem Werk krönt sich Dauthendeys

Schaffen. Fast kein Gedicht, das man nicht zweimal lesen müßte.

Jedes voller Schönheit, bestrickend mit der Süße des Klangs,

ergreifend mit der Glut des Gefühls, mit unerschöpflichem Reichtum

an Bildern, köstlichen, immer wieder neuen Vergleichen.

Der weiße Schlaf

_Lieder der langen Nächte_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark

_Pester Lloyd:_ In der Liedersammlung »Der weiße Schlaf« schillert

es von schneebedeckten Fluren, Geäst, Sonnenbleiche, Nebelbrauen,

alles Ton in Ton, indes der Wind auf allen Orgelpfeifen bläst. Ein

immenses Leben ahnt Dauthendey in dieser Winterstille, und seine

Lust stimmt sich herab auf das große Warten der Natur. Das Kommende

ist voller Hoffnung und Verheißung. Ein japanischer Holzschnitt oder

Whistlers zarte Sinfonien in zwei Farben sind da zu einem

durchsichtigen Wortgewebe geworden.

Die ewige Hochzeit

Der brennende Kalender

_Zweite Auflage_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark

_Literarisches Echo:_ »Die ewige Hochzeit« ist das Hohelied

Dauthendeys, von einer in unserer ganzen Literatur einzigen Glut der

Verliebtheit. Den ganzen Leib der Geliebten, ihre Hand, ihr Herz,

ihren Mund bedeckt er mit Liedern wie mit Küssen.

Bänkelsang vom Balzer auf der Balz

Geheftet 3 Mark, gebunden 5 Mark

_Literarisches Echo:_ Dieser Humor der höchsten Weisheit, der mit

einem fröhlichen Trotz alle Schwerkraft und alle dunklen

Erkenntnisse überwindet, macht den »Bänkelsang vom Balzer auf der

Balz« zu einem klassischen Werk. Man hat den Bänkelsang zu Unrecht

mit Wilhelm Busch verglichen; er ist viel wärmer, farbiger und

dichterischer. Auch dies Werk dreht sich um die Liebe, und allen an

der Liebe Leidenden wüßte ich kein tröstlicheres Buch als dieses

Balzers Gesang.

Des großen Krieges Not

_Zweite Auflage_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark

_Tägliche Rundschau, Berlin:_ Man muß diese lyrischen

Bleistiftnotizen lesen wie das Tagebuch eines teuren Menschen, wie

das Bekenntnis eines Herzens, das uns nahesteht und uns nun durch

das Schicksal noch brüderlicher verbunden ist. Ein paar Stücke aber,

wie »Vom großen Krieg ein Schatten«, »Daheim, wo die Schneeflocken

fliegen«, »Es regnet Tränen«, sind unverwelkliche Blumen im Kranze,

den die Dichter um Deutschlands Heldenmäler gewunden.

_Dramen_

Die Spielereien einer Kaiserin

Drama in vier Akten, einem Vorspiel und einem Epilog

_Zweite Auflage_

Geheftet 3 Mark, gebunden 5 Mark 50 Pf.

_Leipziger Neueste Nachrichten:_ Die Konzeption dieser Szenen, in

denen sich vor uns das Leben der Kaiserin Katharina I. von Rußland

abrollt, ist bedeutend, im einzelnen oft großartig. In jedem der

sechs Bühnenbilder offenbart der Lyriker Dauthendey viel dramatische

Kraft und szenische Phantasie. Die Charaktere sind prachtvoll

gesehen, wie auch das ganze kulturhistorische Milieu.

Der Drache Grauli

_Drama_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark

_Berner Bund:_ Dauthendeys neues Opus führt uns in eine andere,

beinahe märchenhafte Welt, weit hinaus aufs Meer, in die öde

Behausung von Leuchtturmwächtern oder auf das Deck eines

Segelschiffes. Und mit großer Stimmungskunst weiß der Dichter das

Leben auf meerumrauschter Klippe zu schildern, die Menschen zu

zeichnen, die nie eine blühende Blume zu Gesicht bekommen, denen nur

das Meer zu eigen ist, die große ruhige Fläche oder die donnernden

Wogen, und die darüber närrisch oder gespenstergläubig werden.

Die Heidin Geilane

_Tragödie_

Geheftet 2 Mark, gebunden 4 Mark

_Tagesbote, Brünn:_ Jedes neue Werk Dauthendeys steigert unsere

Verwunderung und Bewunderung angesichts der Fruchtbarkeit,

Vielseitigkeit und Stil- wie Sprachmeisterschaft des Dichters. Im

Drama von der »_Heidin Geilane_«, das am 8. Juli 689 in Würzburg vor

der Hütte des Christenapostels St. Kilian spielt, hat sich

Dauthendey auf das Gebiet des Legendenhaften, Primitiven,

Halbbarbarischen, Kindlich-Naiven begeben, und er stellt auch da

seinen Mann ...

_Langens Auswahlbände_

Das Schönste von Max Dauthendey · 第 70 / 74 题