(quecksilber. linda.)
linda. Was hör ich denn da für einen Lärm herinnen? Wer
liegt denn da auf dem Boden? Der Fremde!--Ach, der
arme Narr, er rührt sich gar nicht. Er wird doch nicht tot
sein? Mir wird völlig angst. (Rüttelt ihn.) Sie, Gnädiger
Herr!--Leben Sie noch?--Machen S einem doch nicht so
angst. Wenn S tot sind, so sagen Sies.
quecksilber (richtet sich auf.) Wo bin ich, leb ich noch?
linda (ängstlich). Ich weiß nicht.
quecksilber. Wer ist hier? Ha, ein Frauenzimmer? Aus
meinen Augen, Schlange!
linda. Du lieber Himmel, er hat den Verstand verloren.
quecksilber. Verstand, ich? Ha, ha, ha! Kann der Elefant
seine Flügel verlieren? Die Katze ihre Aufrichtigkeit?
Der Hase seinen Mut? Das Kamel seine schlanke Taille?
linda. Gehen S, richten S die Tier nicht so aus.
quecksilber. Kannst du einem Sesselträger seine Zartheit,
einem Kipfelweib ihre Verschwiegenheit und einem
Schusterbuben seine Bescheidenheit rauben? Kannst du
einem Menschen seine Zufriedenheit entreißen, der
gerade fünfundzwanzig bekommen soll?
linda. Nein, was Sie zusammenreden--
quecksilber. Eh ich einen Verstand verliere, ehe wird sich
der Mond einen Karbonari und die Sonne einen
Wildschur machen lassen.
linda. Ich bitte Sie, hören S einmal auf von dem unsinnigen
Diskurs. Ich hab Ihnen für einen so guten Menschen
ghalten.
quecksilber. Oh, ich hab sie auch für gut gehalten.
linda. Wen?
quecksilber. Wen? Deine Gebieterin! Die saubere Mamsell.
linda. Was hat s Ihnen denn getan?
quecksilber. Sie hat mich bestohlen um mein Zauberhorn.
linda. Nun, da haben wirs. So bin ich schon zu spät
gekommen. Ich hab Sie warnen wollen vor ihrer List. Sie
machts allen so. Hätten Sie sich nur nicht in sie verliebt,
wären S gleich zu mir gekommen.
quecksilber. Lassen Sie mich gehen, ich bin zu desperat.
linda. Sein S gut, ich bitte Ihnen!--Hören S!
quecksilber. Mich so zu betrügen! (Sieht Linda an.) Sie is ein
sauberes Mädel!--So zu hintergehen! (Sieht Linda an.)
Schöne Augen hat S!--(Heftig.) Nein, nein! (Sieht Linda
an, schnell verändert.) Das Mädel gfallt mir, bei der bleib
ich.
linda. ich werde Sie gewiß recht gern haben. Sie haben Ihr
Horn verloren? Machen Sie sich nichts daraus.
quecksilber. Wollen Sie mir vielleicht dafür ein anderes
aufsetzen?
linda. Ich will Ihnen mein Herz dafür schenken. Sie können
freilich damit keine Armee herblasen, aber einen
einzelnen Verteidiger werden S ewig an ihm haben.
Tausend Getreue werden Ihnen nimmermehr zu Diensten
stehen, aber wenn Sie an das Herzenstürl da anklopfen,
so wird Ihnen eine treue Person entgegenkommen, und
Sie werden sehen, wenn Sie mich heiraten, so werden Sie
recht glücklich werden, und Sie werden auf alle Hörner
vergessen.
quecksilber. Oh, du liebs Maderl du! Wie heißtst denn?
linda. Linda.
quecksilber. Oh, du lieber Narr! Linda--der Name ist schon
so lind, wie eine samtene Schlafhauben. Ja gut, du sollst
mein werden; aber Rache muß ich haben! Mein Horn
muß ich erobern. Der Stab soll mir helfen. Rufe mir
meine Bedienten und alles, was du im Palast von
Männern findest, zusammen. Jedem will ich eine Million
zum Präsent machen, wenn sie mir durch List oder
Gewalt mein Horn erobern, und dir verspreche ich
goldene Berg zur Belohnung.
linda. Vivat! Ich krieg einen Mann. Oh, du goldener Mann.
Den laß ich nimmermehr aus. Ich bin gleich wieder da.
(Ab.)