7. szene

(quecksilber. linda.)

linda. Was hör’ ich denn da für einen Lärm herinnen? Wer

liegt denn da auf dem Boden? Der Fremde!--Ach, der

arme Narr, er rührt sich gar nicht. Er wird doch nicht tot

sein? Mir wird völlig angst. (Rüttelt ihn.) Sie, Gnädiger

Herr!--Leben Sie noch?--Machen S’ einem doch nicht so

angst. Wenn S’ tot sind, so sagen Sie’s.

quecksilber (richtet sich auf.) Wo bin ich, leb’ ich noch?

linda (ängstlich). Ich weiß nicht.

quecksilber. Wer ist hier? Ha, ein Frauenzimmer? Aus

meinen Augen, Schlange!

linda. Du lieber Himmel, er hat den Verstand verloren.

quecksilber. Verstand, ich? Ha, ha, ha! Kann der Elefant

seine Flügel verlieren? Die Katze ihre Aufrichtigkeit?

Der Hase seinen Mut? Das Kamel seine schlanke Taille?

linda. Gehen S’, richten S’ die Tier’ nicht so aus.

quecksilber. Kannst du einem Sesselträger seine Zartheit,

einem Kipfelweib ihre Verschwiegenheit und einem

Schusterbuben seine Bescheidenheit rauben? Kannst du

einem Menschen seine Zufriedenheit entreißen, der

gerade fünfundzwanzig bekommen soll?

linda. Nein, was Sie zusammenreden--

quecksilber. Eh’ ich einen Verstand verliere, ehe wird sich

der Mond einen Karbonari und die Sonne einen

Wildschur machen lassen.

linda. Ich bitte Sie, hören S’ einmal auf von dem unsinnigen

Diskurs. Ich hab’ Ihnen für einen so guten Menschen

g’halten.

quecksilber. Oh, ich hab’ sie auch für gut gehalten.

linda. Wen?

quecksilber. Wen? Deine Gebieterin! Die saubere Mamsell.

linda. Was hat s’ Ihnen denn getan?

quecksilber. Sie hat mich bestohlen um mein Zauberhorn.

linda. Nun, da haben wir’s. So bin ich schon zu spät

gekommen. Ich hab’ Sie warnen wollen vor ihrer List. Sie

macht’s allen so. Hätten Sie sich nur nicht in sie verliebt,

wären S’ gleich zu mir gekommen.

quecksilber. Lassen Sie mich gehen, ich bin zu desperat.

linda. Sein S’ gut, ich bitte Ihnen!--Hören S’!

quecksilber. Mich so zu betrügen! (Sieht Linda an.) Sie is ein

sauberes Mädel!--So zu hintergehen! (Sieht Linda an.)

Schöne Augen hat S’!--(Heftig.) Nein, nein! (Sieht Linda

an, schnell verändert.) Das Mädel g’fallt mir, bei der bleib’

ich.

linda. ich werde Sie gewiß recht gern haben. Sie haben Ihr

Horn verloren? Machen Sie sich nichts daraus.

quecksilber. Wollen Sie mir vielleicht dafür ein anderes

aufsetzen?

linda. Ich will Ihnen mein Herz dafür schenken. Sie können

freilich damit keine Armee herblasen, aber einen

einzelnen Verteidiger werden S’ ewig an ihm haben.

Tausend Getreue werden Ihnen nimmermehr zu Diensten

stehen, aber wenn Sie an das Herzenstürl da anklopfen,

so wird Ihnen eine treue Person entgegenkommen, und

Sie werden sehen, wenn Sie mich heiraten, so werden Sie

recht glücklich werden, und Sie werden auf alle Hörner

vergessen.

quecksilber. Oh, du lieb’s Maderl du! Wie heißt’st denn?

linda. Linda.

quecksilber. Oh, du lieber Narr! Linda--der Name ist schon

so lind, wie eine samtene Schlafhauben. Ja gut, du sollst

mein werden; aber Rache muß ich haben! Mein Horn

muß ich erobern. Der Stab soll mir helfen. Rufe mir

meine Bedienten und alles, was du im Palast von

Männern findest, zusammen. Jedem will ich eine Million

zum Präsent machen, wenn sie mir durch List oder

Gewalt mein Horn erobern, und dir verspreche ich

goldene Berg’ zur Belohnung.

linda. Vivat! Ich krieg’ einen Mann. Oh, du goldener Mann.

Den laß ich nimmermehr aus. Ich bin gleich wieder da.

(Ab.)

Der Barometermacher auf der Zauberinsel · 第 29 / 49 题