(Feenpalast. fee rosalinde auf einem Blumenthron, der zur Seite
steht. lidi und nymphen gruppieren sich um sie herum. Musik,
Tanz.)
lidi (nach dem Tanze). Vergiß nicht, erhabene Fee, daß heute
wieder hundert Jahre verflossen sind, und daß du dich
entschließen mußt, die Zaubergaben wieder einem der
Sterblichen zu verleihen.
fee. Verdienen denn die Menschen der heutigen Zeit, daß
eine Fee ihrer auch gedenkt?
lidi. Es gibt mitunter noch recht artige Menschen, denen ich
gar nicht feind bin.
fee. Du scheinst mir von jeher mehr Vorliebe für sie zu haben,
als der Feenwelt anzugehören. Ich bedaure dich, denn ich
kenne diese Menschen; uns Feen selbst schont ihre Sucht
zu spotten nicht mehr. Müßte ich nicht den Spruch des
Schicksals erfüllen, ich würde die Zaubergaben auf ewig
in ihrer Vergessenheit ruhen lassen.
lidi. Wem willst du sie denn zuwenden? Du mußt dich dazu
entschließen.
fee. Ein verhaßter Zwang! Wer verdient noch glücklich zu
werden? Beglückte ich einen Armen, so mißbrauchte er
im frechen Übermut meine Gaben; wandte ich sie einem
Reichen zu, so waren sie für ihn nur eine neue Quelle,
den Armen zu höhnen. Wem soll ich sie verleihen?
lidi. Überlasse es dem Zufall. Lasse sie jenen finden, der in
diesem Augenblicke sich am nächsten bei den Ruinen im
Palmentale, in welchem diese Zaubergaben aufbewahrt
sind, befindet.
fee. Lidi hat recht; nach Zufall will ich meine Gaben spenden.
Ich will sehen, wer in diesem Augenblicke bei den Ruinen
weilt.
(Musik. Die Hinterwand geht auf; man sieht in einer ovalen
Öffnung die nächstkommende Szene en miniature abgebildet,
und Quecksilber, durch einen Knaben repräsentiert, auf einer
Ruine sitzen. Die Musik spielt sehr piano den Gesang von
Quecksilbers nachfolgender Arie. Nach der Musik beginnt die
Prosa).
alle nymphen. Das ist ein spaßiger Mensch.
fee. Wenn mich meine Feenkraft nicht trügt, so ist es ein
lebenslustiger Mensch, der dem Scherze huldigt; solche
Menschen sind in der Regel nicht die schlimmsten.
lidi. Er hat sich just etwas Lustiges gedacht.
fee (winkt und die Erscheinung verschwindet). Schlagt in dem
Lexikon der Menschheit nach, wer der Fremdling
eigentlich sei!
lidi (befolgt es). Er nennt sich Bartholomäus Quecksilber, ist
ein zugrund gegangener Barometermacher, sehr verliebt,
von sehr lustigem Humor, welcher Schiffbruch gelitten
und auf dem Wege ist, sein Glück zu suchen.
fee. Es soll ihm geholfen werden. Umgebt mich; ich wende
dem Fremdling die Gaben zu.
(Musik. Sie zieht mit ihrem Stabe einen Kreis. Melodram.)
Horn, Stab und Schärpe soll er finden,
Du, Lidi, sollst ihm den Gebrauch verkünden;
Empfiehl ihm wohl, sie weise zu benützen,
Will er sie lang und vorteilhaft besitzen.
(Die Fee, Lidi und die Nymphen entfernen sich.)