Pamphilius. Bleiben Sie mir nur mit Ihrem Pech vom Leibe, ich
picke schon am ganzen Körper.
Zweiter Zauberer. Er muß glauben, wir sind Schuster.
Feuergeist. Nun also, potz Schwefel und Phosphorus!
Pamphilius. Den Schwefel kann ich auch nicht vertragen, ich habe
eine schwache Brust.
Feuergeist. Nun, so hören Sie ohne Pech und Schwefel, daß diese
ehrbare Versammlung ein schlechtes Gesindel ist, das über den
Geisterfürsten schimpft und ihm vorwirft, daß er alles den Menschen
anhängt.
Alle. Das ist nicht wahr.
Feuergeist. Was? Ich schwör's bei allen Zündmaschinen von England.
Pamphilius. Und ich bei allen Löschmaschinen von Frankreich, wenn
Er sein unsinniges Feuer nicht moderiert, laß ich Ihn so
durchwässern, daß Er an mich denken soll. Hinaus mit Ihm!
Alle. Hinaus mit Ihm!
Feuergeist. Ich gehe! Aber, bei dem griechischen Feuer des
Cardanus, das melde ich dem Zauberkönig. Potz Feuerzeug und
Zündbüchsen! Schwefelgeist und Salmiak! (Geht ab.)
Vierte Szene.
Vorige ohne Feuergeist.
Pamphilius. Reden Sie, einer nach dem andern. Was hat's gegeben?
Erster Zauberer. Gepriesener Pamphilius, Sie sind nun schon eine
lange Zeit in den Diensten des Geisterkönigs.
Pamphilius. Auf Martini sind's 2000 Jahr.
Erster Zauberer. Haben Sie nicht selbst bemerkt, daß er Menschen
mit Wohltaten überhäuft, die sie mißbrauchen und ihm mit Undank
lohnen, und uns versagt er so vieles?
Pamphilius. Da haben Sie recht.
Zweiter Zauberer. Ja, und wär's nicht besser, wenn er sich von uns
undankbar und schlecht behandeln ließe als von andern?
Erster Zauberer. Schweigen Sie.
Zweiter Zauberer. Ich kann auch meine Meinung sagen; ich war auch
einmal ein starker Geist, jetzt bin ich ausgeraucht.
Fee Aprikosa. An allem ist die Fee Diskantine schuld, ihre schöne
Stimme hat ihn bezaubert.
Pamphilius. Also das ist die einzige Klage gegen den Zauberkönig?
Nun, da muß ich Ihnen schon aus dem Traum helfen. Es ist wahr,
Diskantine hat durch ihren Gesang vieles für die Menschen von ihm
erwirkt; da sie aber mit ihrer Protektion auf lauter Unwürdige
stieß, so ist er darüber so erzürnt, daß er sie auf die Spitze
eines Berges verbannt und dort in einen Baum verwandelt hat.
Zweiter Zauberer. Was Sie sagen!
Pamphilius. Weil aber ihre herrliche Stimme ihn so oft entzückte,
so wollte er ihr dieselbe auch als Baum nicht entreißen.
Erster Zauberer. Also singt dieser Baum?
Pamphilius. Alles vom Blatt. Damit jedoch der Geisterfürst nicht
mehr so belästigt werde, hat er den Ausspruch getan, daß von dem
Augenblicke an kein Sterblicher sich seinem Palaste nähern dürfe,
ehe er nicht diesen Berg erstiegen und, ohne sich umzusehen, einen
Zweig von dem singenden Baume abgebrochen hat.
Fee Amarillis. Und was nützt dieser Zweig?
Pamphilius. Er ist ein Talisman, der vor allen Gefahren schützt
und sicher in das Reich des Zauberkönigs geleitet.
Zweiter Zauberer. Wollen Sie mir nicht sagen, mein Scharmantester,
wenn sich einer umschaut, was ihm geschieht?
Pamphilius. Er wird sogleich, mein Stupidester, entweder in ein
Tier oder in eine Blume verwandelt; der böse Genius Koliphonius ist
dort angestellt mit 2000 Rubel jährlich, damit er durch einen
listigen Hokuspokus die Leute zum Umschauen bringt.--Gelingt es ihm,
so sind sie in seiner Macht, und dann läßt er sie auch nicht mehr
aus. Er hat in der kurzen Zeit schon einen prächtigen Tiergarten
beisammen. Und nun, was sagen Sie jetzt von dem Zauberkönig? Ist
er in Ihren Augen gerechtfertiget?
Alle. Hoch lebe der Zauberkönig!
Pamphilius. Also folgen Sie mir, ich will Sie melden.
Chor.
Wie uns die Freude glühend belebt,
Wie sich die Hoffnung mächtig erhebt,
Schnelle Gewährung wird unser Lohn,
Bringen die Bitten wir vor den Thron;
Jauchzet den König aus seiner Ruh,
Ewiges Vivat töne ihm zu
(Alle gehen ab.)
Fünfte Szene.
(Zauberkabinett.)
Longimanus liegt in einer idealen Bettstätte, reich verziert, in
welcher statt dem Bettgewande Wolken eingebettet sind. Vier Genien
sind beschäftigt, seine Kleider zu ordnen und ein Waschbecken
herzurichten, dann bleiben sie in horchender Gruppe stehen, sein
Erwachen abzuwarten. Longimanus regt sich, die Genien entfliehen;
die Musik endet.
Longimanus (im Schlafrock mit goldenen Zaubercharakteren, wirft die
Überdecke aus Wolken von sich, setzt sich im Bette auf und gähnt).
Ach ja! Wieviel Uhr ist's denn schon? (Sieht auf eine Stockuhr,
die neben seinem Bette auf einem goldenen Tische steht.) Siehst
du's! Siehst du's! Schon halb 11 Uhr! Ich habe halt wieder
vergessen, daß ich den Wecker aufgezogen, und der Pamphilius weckt
mich auch nicht auf. (Läutet.) Pamphilius! Wo steckt Er denn?
Sechste Szene.
Pamphilius. Voriger.
Pamphilius (springt schnell herbei). Was steht zu Befehl, Euer
Großmächtigkeit?
Longimanus. Wo schliefst du denn herum? Warum hast du mich nicht
aufgeweckt? Und wer hat mir denn heute nacht aufgebettet?
Pamphilius. Ich, mächtigster Sultan der Welt.
Longimanus. Daß du mir keine so feuchten Wolken mehr einbettest.
Ich will trocken liegen; ich glaub' gar, du hast Regenwolken
erwischt, weil ich heut nacht so in die Nassigkeit geraten bin.
Und was hör' ich denn für einen Rumor draußen im Vorzimmer? Ich
glaub' gar, du haltst dir junge Mäus' oder was.
Pamphilius. Allerhand Feen und verschiedene Zauberer sind draußen;
auch einige Hexen und anderes niederes Geisterg'sindel.
Longimanus. Und was wollen s' denn schon wieder?
Pamphilius. Ihre Bitten und Klagen zu deinen hochmächtigen Füßen
niederlegen.
Longimanus. Das kann nicht sein; ich bin noch zu sehr
vernegligiert. Bring' Er mir nur die Bittschriften herein.
(Pamphilius geht ab.)
Siebente Szene.
Longimanus allein.
Longimanus. Das Volk hat nichts als Streit miteinander! ich kann
mich gar nicht retten. Auf die Letzt werd' ich noch ein eigenes
Zeughaus errichten, wo nichts hineinkommt, als lauter Scheckel und
Haslinger.
Achte Szene.
Pamphilius mit Schriften. Voriger.
(Pamphilius übergibt die Schriften.)
Longimanus. Was hab' ich denn so Wichtiges jetzt sagen wollen?--Ja,
einen Sessel.
(Pamphilius bringt einen Stuhl.)
Longimanus (setzt sich). Das werden wieder schöne G'schichten sein
(liest). Da haben wir's ja! Nichts als schuldig sein s' einander.
"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer Rutschiputschi einen
Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurückgestellt." Er soll
ihn zurückgeben. Ich befiehl's. Auf der Stell'! (Nimmt eine
andere Schrift.) "Die zwölf Himmelszeichen haben untereinander eine
Rauferei gehabt. Der Schütz hat dem Steinbock ein Aug'
ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten
voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und
wären beinahe von dem Löwen zerrissen worden, wenn sie sich nicht
hinter die Jungfrau versteckt hätten. Alle sind beschädigt; der
einzige Krebs hat sich zurückgezogen. Man bittet, sie reparieren
zu lassen." Das wird wieder was Schönes kosten! (Nimmt die dritte
Schrift.) Was ist denn das? Was wollen denn die schon wieder?
"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten für ihr
Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du
verdammte Bagage! Die Druden wollen wieder auf die Welt hinunter!
Den Augenblick laßt du mir s' hereinkommen.
(Pamphilius geht ab.)
Neunte Szene.
Longimanus (allein). Das wär' eine schöne Pastete, wenn die wieder
auf die Erde kämen, die Leut' seckiern! Manchen Menschen drucken
schon seine Schulden genug; er braucht gar keine Drud'--(Von innen
wird geklopft.) Aha! Nur herein! Nur herein!
Zehnte Szene.
Voriger. Pamphilius. Zwei Druden,
grau gekleidet mit offenen Schleiern; das Haupt und die Brust
verhüllt. Das Kleid ist unten mit Zeichen des sogenannten
Drudenfußes garniert; auch tragen sie einen Drudenfuß als Medaillon
auf der Brust; das Gesicht mit alten Weiberlarven bedeckt; sie
stürzen Longimanus zu Füßen.
Die Druden. Mächtiger Herrscher, erbarme dich!
Longimanus. Schau', wie fein! Grad' die säubersten haben s'
ausg'sucht. Womit kann ich dienen, meine schönen Damen?
Erste Drude. Herr! Es sind nun schon fünfzig Jahre, daß du uns
von der Erde zurückberufen hast, und wir wissen nicht, wodurch wir
das verschuldet haben?
Longimanus. Ja, meine lieben Fräulein Drud', mir ist leid, aber es
kann nicht anders sein.
Erste Drude. Hör' unser Flehen! Gib uns wieder unsere Macht; die
Menschen sehnen sich nach uns.
Longimanus. Ob du still bist oder nicht!--Was fällt euch ein? Es
redt gar kein Mensch mehr von ihnen, denkt gar kein Mensch mehr an
sie, und jetzt wollen s' auf einmal wieder ihre vorige
Druckfreiheit haben. Ich lass' die Menschen nicht mehr so
kujonieren. Anno 1837 eine Drud'! Die Leut' müßten einen nur
auslachen.
Erste Drude. Aber hat man uns denn nicht sogar durch eine Oper
verewigt; "Das Neusonntagskind"!
Longimanus. Ah, was Oper! was Neusonntagskind! Die Leut' sind
oft die ganze Woche kindisch, nicht nur an einem Sonntag. Es nutzt
nichts! Ich hab' nichts gegen euch; ein jeder Stand verdient
Achtung, also auch eine Drud'. Meine Mutter war selbst eine, und
ich bin doch Zauberfürst geworden.
Erste Drude. Aber haben wir denn nicht stets unsere Schuldigkeit
getan? Hier sind unsere Attestate von dem Genius der Träume.
Longimanus. Ja, das ist wahr, ihr wart brave Druden, habt die
Leut' gedruckt, daß es eine Schand' und ein Spott war. Aber jetzt
ist's vorbei. Ihr habt's eure Pension und da könnt's zufrieden
sein. Und jetzt hinaus, auf der Stell'!
(Beide Druden küssen ihm weinend das Kleid und gehen ab.)
Elfte Szene.
Longimanus. Pamphilius.
Longimanus. Und jetzt ist's gar für heute mit der Klagerei; ich
zürn' mich zuviel. Die andern sollen übermorgen kommen oder aufs
Jahr. Laß mir jetzt den Zephises herüberkommen, den ich unter die
Geister aufgenommen habe. Was macht er denn?
Pamphilius. Er sitzt mit drei Feuergeistern bei einem Wolkentisch
und spielt Whist mit ihnen.
Longimanus. Whist spielen s'? Ist ein schönes Spiel, das Whist;
wenn nur nicht so viel ausg'macht würde dabei. Mich haben s'
einmal auf der Erde unten aus fünf Kaffeehäusern hinausgeworfen,
weil ich gar so schlecht gespielt hab'. Ja, damals war ich noch
ein rechter Wüstling, aber jetzt freut's mich nicht mehr. Na, so
laß mir ihn nur herüberkommen; wenn er auch ein paar Fisch'
verliert, wegen so ein paar Forellen wird's nicht aus sein, um
Goldfisch spielen s' doch nicht. (Pamphilius geht ab.)
Zwölfte Szene.
Longimanus (allein). Ich hab' ihn recht gern, den Zephises! Wie
ich vor zwanzig Jahren auf der Erde herumgereist bin, so hab' ich
ihn in Ägypten kennen gelernt, wo er die Zauberei studiert hat, er
war just im dritten Jahr Magie. Dann bin ich mit ihm nach
Österreich gereist, hab' ihm ein Haus und einen Garten gekauft und
sein Zauberkabinett eingerichtet. Da ist ihm seine Frau gestorben--
war eine recht hübsche Frau--hernach hab' ich mich auch nicht mehr
lang aufgehalten, und weil er gar so lamentiert hat, hab' ich ihm
versprochen, wenn er stirbt, ihn unter die Geister aufzunehmen; und
jetzt hab' ich auf einmal g'hört, daß ihn der Blitz erschlagen hat;
da hab' ich ihn also durch meine Geister gleich heraufexpedieren
lassen. Da kommt er schon!
Dreizehnte Szene.
Zephises. Voriger.
Zephises (als Geist im weißen Zaubertalar, mit schwarzen
Charakteren). Fürst der Lüfte! Wo soll ich Worte des Dankes
finden?
Longimanus. Ist schon so gut! Nur keine Komplimente unter guten
Freunden. Mich freut's vom Herzen, alter Schwed'! Hat er dich
einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel? Richtig, da auf der
Seiten hat er ihn g'streift, der Blitz; da schwefelt er ein wenig.
Wie g'fallt's dir denn bei mir heroben? Haben wir nicht eine
frische Luft?
Zephises. Herr, darf ich es dir gestehen, daß selbst in dem
Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche
umfließet, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den
es dir nicht verhehlen kann?
Longimanus. Aha! (Fährt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei.)
Hat ihn schon erwischt! Zuckt schon!
Zephises. Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches
gewährtest, hat deine Milde mich mit großen Schätzen beschenkt.
Longimanus. Ja, richtig! Hast du alle angebracht?
Zephises. Nein, Herr! Ich habe sie in meinem Kabinett verborgen
und dieses mit einem Zauber belegt, daß kein Sterblicher es öffnen
kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige.
Longimanus. Nun, in meinem Reich brauchst keine Schätze, da lebt
man von der Luft, daß es nur eine Freud' ist.
Zephises. Hab' ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos
zurückgelassen habe?
Longimanus. Du hast einen Sohn?
Zephises. Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards?
Longimanus. Richtig! Er hat ja zu meinen Füßen gespielt und hat
mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche g'habt
hab'.
Zephises. Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich
konnte meinem Sohn kein Zeichen meines letzten Willens hinterlassen;
darum erhöre mein Flehen! Sende ihm einen deiner Geister, lasse
ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthüllen, und erlaube dann,
daß er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewährung einer
Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergönnt war, an
dich zu wagen.
Longimanus. Das kann nicht sein; zu mir darf er nicht herauf, wenn
er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum. Ich
möcht' ihn recht gern einmal sehen, den kleinen Eduard;--aber ich
kann mein Wort nicht umstoßen.
Zephises. Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu nähern.
Longimanus. Das geht mich nichts an.
Zephises. Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung.
Longimanus. Siehst du's, jetzt wird dir bang'; aber so geht's
manchen Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen.
Geschieht nachher ein Bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch
soll sich selbst etwas verdienen, steht der Dalk da. Da werden wir
gleich helfen.--Pamphilius!
Vierzehnte Szene.
Pamphilius. Vorige.
Longimanus. G'schwind zu dem sein' Sohn ein paar wohltätige
Geister hinunter, ich werd' ihnen schon sagen, was sie zu tun haben.