Das voller Glanz und Strahl in Fürsten Schlösser bricht,
Wird nicht von Prinzen leicht in ihrer Pracht gesehen;
Warum? sie pflegen oft am Mittag aufzustehen.
Jezt aft ein Bürgermann der Fürsten Mode nach,
Wenn um die Mittagszeit die Sonne das Gemach
Mit ihrem Strahl erfüllt, so weltzt man noch die Glieder,
So dehnt man noch die Arm im Bette hin und wieder.
Es macht dem Geist viel Müh, daß er den Willen bricht,
Daher man Thee, Caffee, ja Tobac, Pfeif und Licht
Gar oft ins Bett verlangt. Und wenn man auferstehet,
So heists: O! daß die Nacht so bald, so schnell vergehet.
Man klagt die Müh und Last des Lebens schmerzlich an,
Wenn man der Hände=Paar, den Mund benebst den Zahn
Zur Tischzeit regen soll. Ja was vor bittre Schmerzen
Fühlt man in seiner Brust, empfindet man im Herzen,
Wenn man zu Facultät und Richtstuhl wandern soll;
Wenn man zu Rathe gehn, wenn man drey Finger voll
Von Acten lesen muß. Wenn man auf Red und Fragen
Von Amt und von Beruf soll eine Antwort sagen.
Muß etwa der Client um Rechtliches verziehn,
Bey dem gelehrten Mann sich voller Angst bemühn,
Und um was weniges fast täglich an ihm regen.
So seufzt man: Ist doch Müh und Arbeit allerwegen.
Kein Knabe, wenn man schon die schlanke Birke regt;
Kein Mann, wenn ihn die Frau an ihrem Reichstag schlägt,
Kan sich so jämmerlich geberden oder stellen,
Als ihm die Thränen hier aus seinen Augen quellen.
Da wünscht er, tobt und flucht: Wie wird man nicht geplagt!
Ja wohl, so fährt er fort, hat David recht gesagt,
Daß Arbeit, Müh und Last bey unserm Leben wäre:
Daß Haupt=Schmuck, Rock und Kleid auch seine Last vermehre.
Das grose Licht der Welt theilt sonst die Stunden ein,
Und ordnet wenn es Tag, und wenn es Nacht soll seyn;
Allein der Müßiggang setzt andre Zeit und Gränzen,
Wenn um die Morgenwach Aurorens Strahlen glänzen;
So liegt und schlummert er noch in der ersten Ruh.
Deckt aber alles Fleisch ein stiller Schatten zu,
So pflegen allererst die Augen aufzuwachen,
Da will man erst ein Stück von Schrift und Acten machen,
Und denkt nicht, daß man sich das schönste Licht verblendt,
Wenn man ein Fremdes braucht, und Geld darzu verschwendt.
Ihr Lehrer von Athen! ihr alt berühmte Weisen!
Wie glücklich seyd ihr nicht vor aller Welt zu preisen,
Weil eurer Schüler Geist um Pallas Rauch=Altar
Und um den Musen=Hayn still, klug und emsig war?
Kein ferner Weg, kein Schweiß, kein stark und mühsam Schwitzen,
Kein ungebundner Fleiß, kein weises Stillesitzen,
Noch Lesen ward gespart; man rang nach Kunst und Ruhm,
Und schmückte durch den Fleiß der Musen Heiligthum.
Wo ist der stille Fleiß der Alten hingekommen?
Weint Musen! denn er wird jezt nicht wie vor vernommen.
Kommt Musen! klagt und seufzt, denn euer Helicon
Beschimpft der Trägheit Freund, befleckt der Faulheit Sohn.
Wer hört Aurorens Mund den guten Morgen sagen?
Wer kan das Sitzefleisch biß in die Nacht vertragen?
Wird Sträusand wohl so viel als Schnupftoback verthan?
Wer greift die Federn mehr als lange Pfeiffen an?
Der Karten Menge muß der Bücher Zahl ersetzen;
Den Degen sucht man jezt mehr als den Kiel zu wetzen.
Ein blöckendes Geschrey geht Musen=Liedern für.
Der Lais freche Stirn wird aller Musen Zier,
Ja selbst Eusebien und Themis vorgezogen.
Ja, spricht ein Edelmann: Wer Bürger=Milch gesogen,
Der mag ein Bücher=Wurm und kahler Schulfuchs seyn,
Und an dem todten Mund der Pallas sich erfreun.
Das thut kein Adlicher. An statt der Bürger Grillen,
Soll ein lebendig Buch uns Schooß und Hände füllen.
Wir stellen unserm Geist ein aufgeführtes Thor,
Die Steine in der Stadt als unsere Feinde vor,
Da suchen wir beherzt die Degen abzuwetzen,
Und sie als wie im Krieg, auf ärgste zu zerfetzen.
Und also zeigen wir, eh sich der Krieg noch regt,
Zum voraus wie man kämpft, und auf die Feinde schlägt.
Wer nennt es wohl galant, wenn man im Winkel lebet,
Und wie ein Seidenwurm sich unter Bücher gräbet?
Gescherzt, getanzt, gelacht, gesungen und gespielt,
Auf einer Lais Mund die Hitze abgekühlt,
Getrunken und gefezt, das heist galant gewandelt,
So hat mein Oheim sonst und Ahn=Herr auch gehandelt.
O! schlüge mir mein Wunsch und Sehnen jezt nicht fehl,
Schlöß sich zu dieser Zeit das herrlichste Serail
Des größten Königs auf, wie viele kluge Frauen
Und Jungfern würde man in seinen Mauren schauen.
Wie lobt nicht Salomo des Frauenzimmers Zucht,
Wenn es den Müssiggang mit allen Ernst verflucht.
Wenn Nadel, Zwirn und Flachs und kluges Hausregieren
Der Frauenzimmer Arm mit munterm Fleiße zieren?
O weisester Monarch! jezt würde man dein Haus
Von Arbeit ledig sehn; ich weiß, man rufte aus:
Hat denn der König sich und uns so gar vergessen?
Wie? soll sein Frauenvolk? wie? sollen die Maitressen
Vor Rahm und Rocken stehn? Der König braucht den Leib
Zu seiner Augen=lust, zu seinem Zeitvertreib,
Uns aber will er nicht die kleine Lust vergönnen,
Daß wir spazieren gehn, und uns ergötzen können?
Wie? sollen wir das Brod das unser Mund verzehrt
Verdienen, daß die Hand sich also selber nehrt?
Wer unsern Leib genießt, der mag uns auch versorgen,
Und solt er selbt das Geld zu unsrer Tafel borgen.
Wo ist zu dieser Zeit ein Weib, das groß und reich,
An Wirthschaft und an Fleiß der schönen Sara gleich?
Wo ist ein edles Kind in unsern deutschen Auen
So häußlich, so geschickt als Jacobs Braut zu schauen?
Tabeens nette Hand, ihr künstlich kluger Fleiß,
Erhielt wohl schwerlich jetzt den Thränen=reichen Preiß,
Den noch ihr Toden=Bret und Leichen=Tuch genosse,
Indem ein Zähren=Bach aus vielen Augen flosse;
Es ist nicht mehr die Zeit da man nur wenig schlief,
Und bald nach allen sah, nach allen selber lief,
Den Kindern und Gesind des Fleises Beyspiel wiese,
Und sich auf andre nicht, nein, auf sich selbst verliese.
Was kostets nicht vor Müh, eh man um Zehn erwacht,
Kleid, Wäsche, Band und Schu zum Anzug fertig macht?
Wie stiehlt man nicht die Zeit, wenn man die Haare stutzet,
Und seine freche Stirn zur Lust und Hoffart putzet?
Des Fensters ofnes Glaß, so mancher Pflaster=Trit,
Thee, Wein, Caffee und Spiel nimt Zeit und Tugend mit.
O! wie wird nicht die Zeit so liederlich verschwendet,
Wenn sich der Plauder=Mund zur Nachbarinnen wendet?
So schön Lucretia, so groß, so reich sie war,
So wieß sie doch der Welt und zeigte offenbar:
Daß Wirtschaft, Fleiß und Müh kein reiches Weib beflecke,
Vielmehr Huld, Ehre, Gunst bey jederman erwecke.
Ich höre schon wie mich das Frauenzimmer schimpft;
Und über meinen Reim die Nase höhnisch rümpft.
Ich höre albereits, wie sie so sinnreich schwatzen,
Wie sie Elihu gleich von Weisheit möchten platzen.
Man hält mir klüglich für: Wie manches Wunderwerk
War in der alten Zeit ein herrlich Augenmerk;
Wie manche Krieges=Kunst gieng ehedem im Schwange;
Wer weiß die Mode nicht, wie mancher lief und sange
Wenn hier ein Hochzeit=Fest und dort ein Einzug war;
Wenn eine Kreisende ein Kind zur Welt gebahr.
Wie die Philosophi vordem die Weisheit trieben;
Wie sie so wunderlich von Erd und Himmel schrieben.
Wie ward die Policey und Richter=Amt bestellt?
Drum weil denn nichts besteht und ewig dauer hält,
So ist dieß alles auch von Zeit zu Zeit verschwunden.
Wie viel vortrefliches hat unsre Welt erfunden?
Man kriegt, man lehrt, man baut nicht mehr wie ehedem,
Man ordnet, schaft und macht so wie es uns bequem,
Und jezo Mode ist; sind nun der Männer Stunden
Und Moden jezt nicht mehr ans Alterthum gebunden;
So sind wir ebenfals von alten Sitten loß.
Wo war vordem ein Weib wie jezt am Geiste groß?
Wie niederträchtig hieß ihr Wandel, Thun und Wesen,
Da sie den Schäferstab, den Wasser=Krug und Besen
Getragen und geführt; wenn sie den Flachs geklopft,
Die Kuchen selbst geknett, die Brunnen selbst verstopft,
Die Sichel angefaßt, wenn man die Garben bande?
Ziert das ein Frauenbild von reich und gutem Stande?
Jezt aber lebet man manierlich und galant,
Den Männern nicht zum Schimpf, nein, sondern mit Verstand.
Wer wird die Schlüssel stets an Arm und Händen führen?
Und seine zarte Hand mit allem selbst beschmieren?
Der Küchen=Rauch beißt nur die schönen Augen roth,
Worbey gar bald ein Fall dem Fuß im Laufen droth.
Davor ist Knecht und Magd, daß sie das Haus verwalten,
Wir aber lange Ruh und lange Tafel halten.
Davor sind Kramer da, wo man die Kleidung findt,
Davor giebts Mädgen gnug die uns zu Dienste sind.
Die Männer wollen Herr und Haupt und Väter heisen;
So müssen sie sich auch nothwendig so beweisen,
Wie dieses Wort verlangt, daß man uns Lebens=Saft,
Und was wir irgend noth, ohn unsre Arbeit, schaft.
Ein Weib muß sich doch auch ein Stündgen Ruhe schenken,
Und ihre Geister nicht durch Müh und Arbeit kränken.
Wer dankts uns Weibern denn, was wir mit Müh erspart,
Was wir mit Fleiß geschaft? ists doch der Männer Art,
Daß man uns immer schraubt: Wir könten nichts erwerben.
Wohlan! so laßt uns dann bey guten Stunden sterben.
Wird uns Lucretia zum Muster vorgestellt?
O lacht! dieß Muster zeigt die Thorheit alter Welt.
Denn hätt Lucretia in Compagnie gesessen,
Darbey den Rocken, Rad und Mägde Fleiß vergessen,
So hätt Tarquinius sie nicht so schön geacht,
Sich nicht in sie verliebt, und seine Lust vollbracht.
Sie wäre nicht durch Stahl und Eisen abgefahren.
Nein! nein! wir wollen uns vor der Gefahr bewahren.
Wir spielen lieber mit und folgen ihr nicht nach;
So überfällt uns nicht dergleichen Ungemach.
August der Römer Schmuck, August die Zier der Prinzen,
August der mächtigste an Staaten und Provinzen
Erkannte doch darbey, wie falsch das Schicksal wär;
Daß Scepter, Kron und Reich, Glück, Reichthum, Macht und Ehr
Die Unbeständigkeit als seine Schwester küsse,
Daß man vom Thron und Glük oft schnell herunter müsse.
Drum sprach sein kluger Mund zu seiner Julia:
Prinzeßin! ist euch schon das gröste Glücke nah;
Seyd ihr die Herrlichste von allen Fürsten=Kindern;
So denkt nur allezeit, das Glüke kan sich mindern.
Hat nicht schon ehedem so mancher Fürst regiert,
Den alle Herrlichkeit und alle Macht geziert,
Allein wo ist sie oft so plötzlich hingekommen?
Hat ihm das Schicksaal nicht dieß alles abgenommen?
Daß wer der gröste war, und oft der reichste hieß,
Sich endlich elend, arm und niedrig sehen ließ.
Dieß stell ich mir auch vor; dieß schwebt mir in Gedanken,
Wie leichtlich kan mein Glück und meine Krone wanken;
Wie leicht stößt mich das Glück vom Scepter, Reich und Thron,
Und jagt mich ebenfals wie andre arm davon?
Drum liebste Julia: ihr möget euch bey Zeiten
Auf Unglück, Noth und Fall vernünftiglich bereiten.
Flieht stets den Müssiggang, verschwendet keinen Tag,
Arbeitet was die Hand und ihre Kunst vermag,
Ihr wüst nicht, ob euch nicht noch eure Hände nehren.
So ließ ein Kayser sich bey seiner Tochter hören!
So sprach auch Kayser Carl (g) zu seinen Töchtern oft:
Flieht stets den Müssiggang, wie bald und unverhoft
Kan mich des Schicksaals Macht vom Thron ins Elend jagen.
Drum schickt euch auf den Fall bey annoch guten Tagen.
Wo ist zu dieser Zeit ein Bürger=Weib und Kind
Wie dieser Fürsten=Zweig geartet und gesinnt?
Wer denkt an seinen Fall, und an des Glückes Schläge,
Daß er sich vor der Zeit darzu bereiten möge?
Wer kömmt der Armuths=Last durch klugen Fleiß zuvor?
Wer haßt den Müssiggang, und hebt die Hand empor,
Daß sie sich in der Zeit zu jeder Arbeit lenke,
Damit es ihr nicht einst in schlimmen Tagen kränke?
O! hätte manches Weib, das sonst auf Küssen saß,
Und ihres Leibes=Läng auf Schwanen=Federn maß,
Sich vor der Zeit bequemt den Müssiggang zu meiden,
Vielleicht trüg sie noch jezt ein reinlich Kleid von Seiden;
Vielleicht rief nicht ihr Mund nach Wasser, Salz und Brod;
Vielleicht wär wohl ihr Aug nicht jezt von Thränen roth.
Man würde sie vielleicht anjetzo nicht verlachen,
Und sprechen: seht! sie lernt die Sachen anders machen.
Sonst grif sie nicht vor sich den kleinsten Finger an;
Jezt aber dienet sie mit Arbeit jederman.
Ich tadle nicht wenn sich ein Frauenbild bestrebet,
Daß sie nach ihrem Stand in ihrer Arbeit lebet,
Daß sie nicht öffentlich die Hand zur Arbeit reckt
Wodurch sie Vater, Mann an seinem Stand befleckt.
Daß sie die Hände nicht wie eine Magd gebrauchet;
Und wo's nicht nötig ist, die Hand in Lauge tauchet;
Daß sie zur Reinlichkeit ein Stündgen an sich wendt;
Nur dieß ist mir verhaßt, wenn man den Tag verschwendt.
(Sinnen
Wenn man den {Händen nicht zur Arbeit Flügel giebet,
{Füssen
Und nur der Schnecken-Brauch und ihre Mode liebet;
Wenn man die Arbeit so, als wie die Schlangen scheut.
Wenn man stets seufzend klagt: wie lang wird mir die Zeit!
Ich weiß vor Einsamkeit, ich weiß vor langer Weile,
Fast nicht, wohin ich jezt mich zu vergnügen eile.
Ein klug und fleisig Weib klagt vielmehr allemahl:
Wie ist mir doch die Zeit so schnell, so kurz, so schmahl;
Wenn ich vier Hände doch und so viel Füsse hätte!
Die Hände eifern fast und streiten um die Wette.
Ihr seltner Gassen=Trit hält ihr die Kleidung schön;
Und lehrt sie auf das Haus und ihre Kinder sehn,
Damit sie in der Zucht und Furcht erhalten werden.
Wie glücklich ist der Mensch der auf dem Kreiß der Erden
Der Klugheit Regel folgt, die ihm die Lehre giebt;
Der ist beglückt und reich, der Fleiß und Arbeit liebt.
Es freuet sich sein Geist wenn er bey sich erweget,
Zu diesem Glück hat mir mein Fleiß den Grund geleget.
Durch ihn erhielt ich bloß der Fürst= und Menschen Gunst.
Ich fand durch ihn den Weg zu mancher raren Kunst.
Es kennen mich durch ihn die klügst= und grösten Häuser.
Der Fleiß band mir den Kranz und diese Lorber=Reiser.
* * *
Die Ehre ist ein Trieb der angebohren ist;
Die Ehre ist ein Ziel wornach ein Weiser schießt;
Ein Kluger ist bemüht, mit Ernst darnach zu ringen,
Und sich durch Müh und Fleiß erwünscht empor zu schwingen.
Sein Geist bestrebet sich um des Monarchen Gunst,
Von welchem alles Glück, Macht, Ehre, Reichtum, Kunst
Und Tod und Leben kömmt. Er ringt nach solchen Sitten,
Wodurch der Fürst der Welt bekämpfet und bestritten
Und überwunden wird. Er ist in sich vergnügt,
Wenn er sich überwindt und seinen Muth besiegt.
Wo eine Tugend ist, und wo ein Lob regieret,
Dem jagt er ernstlich nach, damit ihn solches zieret.
Den Degen zücket er auf königlich Geheiß,
So tapfer als auch klug zu seines Fürsten Preiß,
Dem Vaterland zu Nutz, und nicht aus eignem Willen,
Wie mancher raßt und thut, nur seinen Zorn zu stillen.
Ein Weiser überhebt sich seines Adels nicht,
Daher er nicht so gleich von Bügern spöttisch spricht!
Er zeigt sich jederman mit Freundlichkeit und Güte
Und unterdrückt den Stolz in seiner ersten Blüthe.
In Demuth sucht er Ruhm in Niedrigkeit die Pracht,
Die ihn berühmt, beliebt und groß und glücklich macht.
Sein Geist bemühet sich den Fürsten treu zu heisen.
Sich allezeit gerecht und löblich zu beweisen.
Er will sich durch sich selbst und nicht durch Geld erhöhn;
Nicht um ein leeres Amt und Hunger=Titel flehn.
Er trachtet mit Vernunft die Feder so zu schnitzen,
Damit er würdig sey die Ehre zu besitzen.
Nach solchem Stolz und Ruhm, nach solcher Ehren=Bahn,
Strebt ein bescheidner Geist und klug und weiser Mann.
Die Welt aft allen nach, sie prahlt mit falschen Steinen,
Schleift Gläser; die gar oft als Diamanten scheinen.
Der falschen Perlen Glanz vertrit der wahren Ort,
Das rein und ächte Gold muß oftmals heimlich fort,
Und glänzendes Metall an dessen Stelle kommen.
Doch der Betrug wird bald von Kennern wahrgenommen.
Die wahre Ehre strahlt in ihrem eignen Licht,
Da es der närrschen Welt an ächtem Glanz gebricht.
Wer kan wohl ganz gewiß, mit Überzeugung schwören,
Daß ihm der Adel=Brief und Wappen zugehören.
Die Leute sagens wohl, der Vater glaubt es zwar,
Doch lacht die Mutter oft, die ihn zur Welt gebahr.
Wer weiß, welch geiler Kerl ein Neben=Bett gehalten?
Es giebt ja Leute gnug die gern dieß Amt verwalten.
Wer weiß, wie mancher Knecht die edle Frau geküßt,
Von dessen Bauren=Blut das Kind entsprungen ist.
Doch lassen sie sich mehr als Bürger=Kinder dünken,
Die gleichsam als ein Koth vor ihren Nasen stinken.
Die Ehrlichsten des Volks, die Würdigsten der Stadt,
Und wer ein gutes Lob und Gunst und Liebe hat;
Die heist man Bürger=Pack; man kan sie fast nicht leiden,
Man sucht sie wie die Pest und sonst noch was zu meiden.
Man fragt mit stolzen Mund im Umgang ganz genau:
Ist das ein Cavalier? dieß eine gnädge Frau?
Fällt dann die Antwort nein! so fragt man mit Erröthen;
Wie kömt es? ist den Saul auch unter den Propheten?
Die Ehre heiset mich auf meinen Adel sehn,
Es schickt sich nicht vor mich mit Bürgern umzugehn.
Ein Junker, der nichts mehr als seine Stute kennet,
Worauf er in das Feld nach denen Haasen rennet,
Und bricht mit seinem Witz in diese Worte aus:
Poz Felten! o Charmant! Sie haben dort hinaus
Vortreflichen Respect; ein Weib von solchen Saamen,
Die nur von ihrem Vieh, von Wetter, Puz und Rahmen
In der Gesellschaft spricht; ein Weib das herzlich lacht,
Wenn ihr Bedienter ihr ein süsses Kurzweil macht;
Ein Fräulein welche fast in Evens Kleide gehet,
Und in der Ordens=Zunft der Minoritten stehet,
Die sag ich, schimpfen noch die Würdigsten im Land,
Und reden voller Hohn vom wackern Bürger=Stand.
Ist schon das Ritter=Gut durch ihre Pracht verschwunden,
So hat der dumme Stolz doch noch sein Schloß gefunden.
Wer nicht stets Gnädge Frau, und Ihro Gnaden spricht,
Der wird als grobes Pack aufs ärgste ausgericht.
Wenn sie das Sonnen=Licht mehr als die Eiche hitzet;
Und man vor heiser Angst die kalte Tropfen schwitzet,
Weil sie der Secten Schwarm der Manichäer plagt,
Wenn gleich der Junkern Mund ganz unaufhörlich klagt:
Herr Vater! ach mich dürst! ach gnädige Frau Mutter!
Ich bitte nicht um Fleisch, um Kuchen, oder Butter,
Ich bitt und flehe nur um schwarz und trocken Brod,
Nur wie ein Finger groß, nur von gar wenig Loth.
(Papa klingt viel zu schlecht: es heist, sprich: Ihro Gnaden!
Wo nicht, so soll es dir an Brod und Kofend schaden.)
So lassen sie doch nicht bey ihrem Pilgrims=Stab
Von solchen Narren=Stolz und Thoren Hochmuth ab.
Dieß reizt die Bürger an, die Ehre zu betrachten,
Da sie doch ihren werth, durch solchen Trieb verachten.
Ein Bürger, der das Mark aus Land und Bürgern sog,
Der seinen frommen Herrn mit List und Schein betrog.
Erkauft den Ritter=Stand, und läßt sich adlich nennen;
Da ihn die Tugenden des Adels doch nicht kennen.
(Das ist schon edel gnug, wenn ihn das Volk begehrt,
Und spricht: Der ist getreu; der ist des Glückes werth:)
Ein Bürger, welcher sich durch Korn und Haber messen,
Durch ausgedehnte Ehl und Jüdische Intressen,
Und durch den Pfeffer-Staub groß, reich und stolz gemacht,
Wenn er nach Adel=Brief und Ritter=Wappen tracht;
Ein Bürger, welcher sich nach Hunger=Titteln dringet,
Durch seinen neuen Staat das alte Gut verschlinget;
Und durch dieß Ehren=Thor in Noth und Schande fällt;
Heist dieß der Ehre wohl vernünftig nachgestellt?
Ein Mann der einen Grad der Ehre kaum erblicket
Verlangt, daß jeder sich aufs tieffste vor ihm bücket,
Vermeint daß seine Ehr durch einen holden Trit,
Durch Freund= und Höflichkeit nur Schimpf und Anstoß litt.
Verliehrt die Ehre sich durch Freundlichkeit und Güte?
O nein! man sieht vielmehr, daß ein beliebt Gemüthe,
Ein allzeit höflicher und Sittenvoller Geist,
Fast aller Menschen Gunst und Liebe zu sich reist,
Ein jedes rühmet ihn, und spricht zu seinen Ehren.
Dieß, und kein stolzer Muth kan wahre Ehre mehren.
Ich weiß, es lacht mit mir die ganze kluge Welt,
Wenn ein gebrüster Mann auf diesen Wahn verfällt
Sein Titel sey etwas, den er doch darum führet,
Weil er die Gassen=Vögt und Bettler gubernieret.
Ein Jubelier der sich von Feuersteinen nennt;
Ein Commissarius, der wenn es etwa brennt,
Die Spritzen ordnen darf; der Kiel und Feder führet,
Wenn man ein Huren=Kind als ehrlich tituliret;
Ein Kaufmann neuster Art, bey dem man alles findt,
Und was denn wohl vors Geld? den allerschönsten Wind.
Drey Büchsen voller nichts; vor acht und vierzig Kreuzer
Zwey Quintgen fettes Schmalz aus dem Gebürg der Schweizer.
Ein halb Pfund Mandelkern ein halber Zucker=Hut,
Vier Stück Muscaten=Nuß, die alt, und folglich gut;
Sechs Dachte, welche rein, und schön und auserlesen,
Ein ganzes Schwefel=Pack, ein Dutzend gute Besen;
Ein Mann der nur den Kiel vor Vormunds=Rechnung führt,
Der seine Hauptmannschaft mit samt dem Schmauß verliehrt,
Vor ein Philister=Rohr, vor Born und Wache sorget;
Ein Mann der Hülfreich lauft wenn jemand Gelder borget,
Die sag ich, fällt mir nicht ein jeder lachend bey?
Die machen oft von sich ein groses Luft=Geschrey.
So wohl beym Aufgeboth als Tod= und Leich=Gepränge,
Erschallen überall der Titel grosse Menge:
Davon ein jeder doch so schön und artig klingt,
Daß einem bald vor Scherz der Bauch in Stücken springt.
Sie können schon das Amt des Vomitivs verwalten,
Ich muß, mir eckelt selbst, den Mund schon veste halten.
Dieß Volk ruft frech und stolz: Ich seh auf Ruhm und Ehr;
Wo wüste sonst die Welt wie ich zu nennen wär;
Ich fordre meinen Rang; denn wer nicht auf sich siehet,
Und sich um Glanz und Ruhm und Ansehn nicht bemühet,
Und nicht was auf sich hält, der wird auch nicht geacht,
Ihm wird kein Compliment nach seinem Wunsch gemacht.
Wie sieht man nicht die Welt vor falscher Ehrsucht rasen?
Drum klagt man, daß das Feld und Wald so leer von Haasen
Zu unsern Zeiten ist, dieweil man in der Stadt
Dergleichen artig Vieh mit zweyen Füssen hat.
Die Ehre, vor der Welt bekannt und klug zu heisen;
Der Ruhm, ein Zeitungs=Blat den Knaben aufzuweisen,
Das ihren Nahmen meldt, lockt viele Thoren an,
Daß sie ihr Hirngespinst, was der verderbte Wahn
In ihre Feder flößt, so närrsch die Worte klingen,
So Wiegenhaft es riecht, der Welt zu Markte bringen,
Wie Lohrgen dort gefehlt; was Dorilis geschwazt;
Wie Phillis ihrem Mann Aug, Mund und Bart zerkratzt;
Was Strephon wiederfuhr, da er ein Kräutgen suchte;
Wie scharf Luppinens Mund den falschen Buhlern fluchte;
Was Thalon aufgesetzt, was jene Frau gewust
Die bey der Wiege saß; wie stark der Floh gehußt
Als Meister Stephans Sohn mit Fickgen Hochzeit machte;
Was dort ein Wasserstrom ans Land getrieben brachte;
Wie viel man Bücher hier in einem Jahr gedruckt;
Wie viel Melintes Kraut und Pillen eingeschluckt;
Wie viel es Mönche giebt, die weise Kutten tragen;
Wie viel Partheyen sich im Schöppenstuhl verklagen,
Obs recht, daß man das I an statt des Y setzt?
Ob man die Reinigkeit der Sprache nicht verletzt?
Wenn man, wie oft geschieht, das Wort Gemüthe schreibet,
So, daß das liebe H darbey zurücke bleibet.
Wenn dieß der Feder=Held, wenn dieß der Criticus
(Der Nahme macht schon Angst wenn ich ihn nennen muß.)
Hat aufs Papir geschmiert, und in die Welt gesendet,
(Daß jeder kluger sieht, wie sein Verstand verblendet)
Und manchen Drucker reich, sich aber arm gemacht,
Und seinen Nahmen nun auf manchem Blat betracht,
So lacht er über sich, daß er in Süd und Norden
(Durch seinen Unverstand,) bekannt genug geworden.
Es freuet sich sein Geist wenn Kind und Pöbel spricht:
Das ist ein kluger Mann! desgleichen ist wohl nicht!
Gelehrte sagen auch, wo ist wohl seines gleichen?
Wo wird ein kluger leicht des Narren Sinn erreichen?
Vor Freuden bildt er sich (der Wahnwitz giebts ihm) ein,
Er muß ein Journalist und Polyhistor seyn;
Und zwar der Wichtigste; er saget allen Leuten,
So muß man sich den Weg zu Ehr und Ruhm bereiten!
Nur diesen streb ich nach, und unterdrucke nicht
Die Regung die in mir durch Mark und Adern bricht.
Er jauchzet, wenn er sieht, daß seine schöne Sachen,
Die man zu Käsen braucht, die Leute lachend machen,
Und wenn ein trunkner Mund, der nach der Pfeife stinkt,
Bey einem Glaß voll Bier, sein Stückgen ließt und singt.
Wie manches Zuchthaus ist vor liederliche Vetteln,
Die nur aus Müssiggang ihr Brod zusammen betteln,
Verordnet und gebaut. Allein ist keins zu sehn?
Das denen Hülfe schaft, die sich so thörigt blöhn.
Wer weiß, wenn Pallas selbst die Züchtgung auf sich nähme,
Ob der verlohrne Witz nicht etwa wieder käme?
Doch nein, Minerva bleibt auf ihrem Helicon,
Was soll sich ihre Hand mit Midas theuren Sohn,
Mit Pans Geschlecht und Brut erhitzen oder schlagen?
Wer nicht will weise seyn, der mag die Schellen tragen.
Es muß der Unterschied in jeden Sachen seyn,
Dieß trift auch ebenfals bey diesen Leuten ein;
Pan liebt der Stümper Schaar; Apollo ist gerechter,
Der straft sie, und wormit? mit ewigem Gelächter.