Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief;

Ver.04.07.00*END*

This etext was prepared by Jutta Tragnitz, <JuttaTragnitz@email.msn.com>.

Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Aufgeführt von Sidonia Hedwig Zäunemannin,

Kayserlich gekrönter Poetin.

1739

Gott / der vernünftigen und tugendhaften Welt,

widmet diese Blätter die Verfasserin.

Vorrede.

Geehrter Leser!

Meine Muse, welche von dem siebenstuffigten Rohr verschiedener

Wald=Götter aus ihrem fast jährigen Schlaf unverhoft erweckt worden,

leget dir anjetzo eine ziemlich starcke Satyre vor, und giebt dir

zugleich das Recht, darüber zu critisiren und zu richten.

Eine Satyre! wirst du sagen: Dieses ist ja ein solches Stück, das

nicht allein viel Geschicklichkeit erfordert; sondern, was noch mehr

ist, nach aller angewandten Mühe und Fleiß, Haß und Verdruß zum Lohn

bekömmt. Du wirst meinen, ich hätte lieber ein Lob=Gedichte abfassen,

zärtlich, galant and vortreflich schmeichlen, als einen kühnen Satyr

nachspielen sollen.

Du hast recht, mein Leser! daß zu einer vernünftigen Satyre viel

Kunst erfordert wird. Dieses hat mich auch bisher von solchen

Arbeiten abgeschreckt. Allein wer nichts wagt und versucht, der

bleibt immer in seinem Irrthum, und lernet nichts. Ich habe es

dahero einmahl versuchen wollen, ob meine Muse auch zu solchen

Schriften geschickt sey. Ich stelle sie also, wie Apelles seine

Gemählde öffentlich der Welt vor die Augen, und erwarte hierüber das

Urtheil vernünftiger und ächter Kenner der Poesie, um mich, wo ich

hier und da, oder allenthalben gefehlt, künftig zu bessern, und

geschickter zu machen.

Es ist auch wahr, daß ein Lob=Gedicht sehr liebreich aufgenommen wird;

dahingegen eine Satyre, wenn sie auch noch so schön gerathen ist,

dennoch nichts als unfreundliche Gesichter nach sich zieht, und

gleiches Schicksal mit einem hellen Spiegel hat, der denen eitlen

Gesichtern ihre Flecken und Runzeln zeiget, und deßwegen wohl nicht

selten hinweg geworffen wird; obgleich die Schuld nicht an ihm liegt,

daß sich die heßliche Gestalt nicht besser in ihm vorstellt, als sie

würcklich von Natur gebildet ist.

Allein, ich habe bishero gelobt, ich habe gerühmt was zu rühmen war.

Nun muß ich auch in Strafen eine Probe machen, und über diejenigen

Stücke einen Haß bezeigen, an welchen zu allen Zeiten die tugendhafte

Welt einen Abscheu gehabt hat. Ja ich glaube, daß ich hierinnen, wo

nicht politischer doch tugendhafter handle, wenn ich eine Satyre

schreibe, die die Häßlichkeit der Laster zum Objekt hat; als wenn ich

ein falsches Lob Gedichte abfaßte, von welchem man sagen könte, ich

hätte über dessen Verfassung nothwendig erröthen, und die Wahrheit

manchen Schwerd=Stich durch ihre Seele geben müssen.

Und was wilst du denn von mir mehr haben? Mein Leser! ich lege dir

ja in dieser einfachen Arbeit, ein gedoppeltes Stück, nemlich eine

Satyre, da ich die Laster strafe; und ein Lob=Gedichte, da ich die

guten Sitten den Lastern entgegen setze, und die Tugenden, nebst

ihren Besitzern lobe und erhebe, vor die Augen!

Ich tadle die Unarten der Menschen: Dencke also nicht Mein Leser! daß

ich von Personen schreiben und dieselben durchziehen, viel weniger

mich an meinen Feinden oder Spöttern rächen, und sie auf den

Schau=Platz stellen werde. O nein! Spöttern und Feinden mache ich

das Vergnügen nicht, ihren Thorheiten zu gefallen, eine

niederträchtige und wieder die Religion und Philosophie streitende

Seele anzunehmen, und den Character eines vernünftigen Satyrici

hierdurch zu überschreiten, welcher darinne besteht, daß man nicht

Personen, oder natürliche Gebrechen, davor niemand als die Natur kan,

sondern lasterhafte und strafbahre Handlungen, und solche wiederum

nicht etwan auf eine unhöfliche, sondern auf eine überzeugende,

sinnreiche und beisende Art vorzustellen, und zu bestrafen bemüht ist.

In wie weit ich dieses letztere getroffen, das werde ich zu meiner

künftigen Verbesserung von Kennern hören, und mit dem größten Danck

annehmen.

Ich habe demnach zum Object meiner Satyre nichts anderes als die im

Schwang gehende Laster, und die unartigen Handlungen derer meisten

Menschen genommen. Es sey ferne! daß ich von allen und jeden reden,

und das ganze menschliche Geschlecht, wie man im Sprichwort sagt, in

eine Brühe werffen solte! O nein! der Acker dieser Welt trägt auch

noch guten Weizen, so häufig auch das Unkraut darzwischen wächst.

Ich tadle nicht den Gebrauch verschiedener Sachen; sondern den

Mißbrauch. Ich hätte auch wie bekannt, von noch weit mehrern Lastern

und Mißbräuchen schreiben können; allein die Zeit, und die Betrübniß

über den tödtlichen Hintrit meiner seel. Frau Mutter hat mich davon

abgehalten.

Die meisten Menschen, und sonderlich das Frauenzimmer, haben den

üblen Gebrauch, daß die sich bey müsigen Stunden über anderer

Menschen von beyderley Geschlecht, öfters gar geringen Schwachheiten,

Moden, Geberden, Gebräuchen und Handlung aufhalten. Um nun solchen

Menschen, und besonders meinem Geschlechte mich gleich zu stellen,

und nur von ihnen keinen Vorwurff machen zu lassen; so will ich mich

auch allhier über andre Menschen, und zwar, damit kein Geschlecht

zürnen darf, so wohl über die Mannes=Personen, als über das

Frauenzimmer; doch nicht auf eine pöbelhafte, niederträchtige und

kindische Art; sondern so viel mir möglich, auf eine ernsthafte Weise,

in nachstehenden Zeilen moquiren.

Betrachtest du also, Mein Leser! diese Schrift, und du bist

tugendhaft, so wirst du mit meinen Gedancken übereinstimmen, und

deßwegen keinen Haß und Zorn auf mich werfen. Bist du aber mit ein

oder den andern Lastern behaftet, so zürne nicht über mich. Was

wilst du über den Spiegel, der dir deine Flecken zeigt, und über den

Meister, der ihn geschliffen hat, böse werden. Schäme dich deiner

dir selbst gemachten Flecken, und werde über deine muthwillige

Unarten böse.

Du kanst dich an mir nicht besser davor rächen, als wenn du deine

Thorheiten ablegest und dich besserst, und mir hernach, wie

diejenigen, die warhaft tugendhaft sind, gewogen wirst und bleibst,

als warum ich dich und alle Menschen freundlich ersuche.

Die von denen Faunen gepeitschte Laster

von Sidonia Hedwig Zäunemann

Auf einmahl reget sich der fast erstickte Trieb;

Das, was ich sonst gescheut, gewinn ich jetzo lieb;

Das, was ich bloß aus Furcht, es möchte nicht gelingen,

Bißher zurück gesetzt, das will ich jetzo singen.

Caliope! dein Rohr, dein sanftes Sayten=Spiel,

Das mich bezaubert hielt, und Göttern wohlgefiel,

Mag dort im Winkel ruhn: ein Satyr läßt sich spühren.

Der soll an deiner statt mich auf den Pindus führen.

Ihr Götter! die ihr sonst so graß und heßlich seyd;

Vor deren Gegenwart das Frauen=Volck sich scheut,

Und schüchtern lauft und flieht, als ob ein Mörder käme,

Der ihnen mit Gewalt Kranz, Schmuck und Leben nähme.

Ihr seyd jetzt meine Lust und liebstes Augenmerk.

Hier habt ihr meine Hand, kommt! führt mich auf den Berg,

Wo Phöbus und sein Volk im Lorbeer-Walde tanzen.

Kommt! lasset mich durch euch mein Glück bey ihnen pflanzen.

Sezt eure Füsse nett, und laßt mich heute sehn,

Ob ihr so künstlich springt, wie ehemahls geschehn.

Spielt nur so gut ihr könnt, auf Pfeiffen oder Flöthen.

Ihr dürft, weil ihr schon roth, euch nicht dabey erröhten.

Auf! macht mir eine Lust! und auch dem Musen=Fürst;

Und singt der Welt zu Trutz, die schon die Zähne knirst.

Au! Weh! was seh ich dort? Mein Wahn hat nicht gelogen,

Ein grau Gewitter kömmt mit Blitz und Knall gezogen.

Die Luft verfinstert sich, die Sonne büßt den Schein,

Die Erde den Gesang der Luft-Sirenen ein.

Das Vieh lauft hin und her, es schreyt, es bebt, es zittert,

Es suchet Zweig und Schutz, dieweils so grausam wittert.

Die Erde bebt und kracht; die Berge wancken fast,

Und machen sich zum Fall mit ihrer Pracht gefaßt.

Die Donner rollen fort, und brüllen aus dermasen,

Als wolten sie der Welt zum Untergange blasen.

Nun borst die Wolk entzwey, und läßt auf einmahl loß,

Was sie mit harten Zwang bißher in ihren Schooß

Und Leib getragen hat; wodurch es leyder! kommen,

Daß Donner, Blitz und Furcht den Erdkreiß eingenommen.

Was aber fällt denn wohl aus Wolk und Luft herab?

Wie? ists ein güldner Thau den dorten Hammon gab?

Sinds Fische, die sich hier in dieser Fluth bewegen?

Es ist ja, wie mich dünkt kein schlecht, gemeiner Regen.

Solls Ungeziefer seyn, das Feld und Wald vergift,

Und Schaden und Verderb auf Berg und Wiesen stift?

So ists: jedoch weit mehr: es ist ein Menschen=Regen.

Komm Pluto! komm und sieh! o welch ein schöner Seegen!

Empfande Jupiter Angst, Schmerzen, Quaal und Noth,

Als seine Stirn erhitzt, und als ein Feuer roth,

Und aufgeblasen war, eh Pallas raus gesprungen;

Was Wunder, wenn dieß Heer die Wolke so gedrungen,

Und ihr so grosse Quaal und Unruh hat gemacht,

Biß sie durch Knall und Blitz dieß Unheil fort gebracht.

Wer muß ihr Anherr seyn? wie sind sie denn gestaltet?

Wie der, so Phrygien bey güldner Zeit verwaltet.

Nicht anders; Midas muß ihr Aelter=Vater seyn.

An Ohren sieht mans ja; die Werke stimmen ein.

Ein Volk, das an Verstand den schwachen Kindern gleichet.

An Boßheit aber kaum dem Teufel selber weichet.

Dieß Volk bedeckt die Welt; der Bart womit es prangt,

Zeigt gnug, wie viel es schon an Kraft und Stärk erlangt.

Ja Kräfte in der Faust; nicht aber im Gehirne,

Mit Runzeln wächst zugleich die Boßheit in der Stirne.

Steig alter Midas! steig! aus deiner schwarzen Gruft,

Hör! wie dein edles Volk so sehnlich nach dir ruft,

Vernimm wie treu es dich auch nach dem Tode liebet,

Und deinen weisen Spruch noch täglich von sich giebet.

Sieh! wie sich dein Geschlecht so wunderbar vermehrt,

Wie hoch es dich erhebt, wie sehr es dich verehrt.

Dieß dein erhitztes Volk verbietet den Poeten,

Daß sie auf ihren Rohr und nettgestimmten Flöthen

Nichts singen, das nach Kunst und Sitten=Lehre schmeckt,

Und wie Apollo dort der Götter Gunst erweckt.

Die Warheit will man nicht in ihren Schriften dulden,

Man straft und richtet sie ohn billiges Verschulden.

O wundert euch mit mir! daß viel so sinnreich sind,

Und in den Schöppen=Stuhl der Advocaten Wind

Und ihren Spötter=Kiel, den Gegner zu beschimpfen,

Die Fehler der Persohn, das Mund= und Nase=Rümpfen,

Gang, Kleidung, Jugend=Lust, und was dergleichen mehr,

Mit ganz gelassenen und fröhlichen Gehör,

Und lächlender Gestalt so klug vertragen können.

Sie leiden ohne Scheu daß zwey zusammen rennen;

Und wenn auch der Client aus Wehmuth und Verdruß,

Wohl zwanzig Bogen mehr als sonsten zahlen muß.

Dieß ist noch nicht genug; es wundere sich ein jeder,

Wenn das erhitzte Blut auf Schulen und Catheder

Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht,

Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schmäht,

So hört man munter zu, und läßt sich unbekümmert.

Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert,

Und wie das Laster wächst, so sieht man scheel darzu,

Und läßt aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh

Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen,

Und durch den scharfen Kiel die Feinde glücklich fällen,

Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist,

In dem ein reines Feuer, Verstand und Weißheit ist,

Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben,

Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben.

In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht;

Die arme Poesie wird ohn Verhör gericht.

Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden,

Und beyde sind schon längst zu Moralisten worden.

Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur;

Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr,

Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu nützen.

Allein der Dichter kan fast niemahls ruhig sitzen.

Zu dieser tollen Art und frecher Seltenheit,

Giebt der belebte Reim wohl nicht Gelegenheit;

Nein, sondern die Vernunft ist noch nicht ausgeheitert,

Weil sich der Weißheit Licht in ihnen nicht erweitert,

Weil sie die Tugend nie in ihrem Glanz erkannt;

Weil sie die meiste Zeit auf Trug und List verwandt;

Weil ihres Vaters Geist auf ihnen zweyfach lieget,

Ich meine, Midas Sinn, der sie so hoch vergnüget;

Ja seines Hauptes Schmuck, den sie zugleich geerbt,

Hat dieses Volkes Geist verfinstert und verderbt.

Da nun so Herz als Sinn und Ohr und Mund verdorben,

Und Tugend und Vernunft in ihrer Brust erstorben,

Was Wunder? daß dieß Volk Satyren haßt und scheut,

Und deiner Sitten=Lehr mit Fluch und Grimme dräut.

O! daß doch Knall und Blitz dieß Volck herab gesendet,

Das Klugheit und Vernunft in Dichter=Schriften schändet!

Wo ist die alte Zeit, in der die Dichtungs=Kunst,

Von grossen Königen, mit hoher Huld und Gunst

Und Preiß belohnet ward? Die Tage sind verschwunden,

Da man auch Dichter noch am Kayser=Tisch gefunden.

Augustus blieb ein Held der alle Welt bezwang,

Obgleich Virgilius an seiner Tafel sang.

Ward auch die Majestät durch diese That verletzet?

Weil er die Dichterkunst vor andern hoch geschätzet.

Des Nero Grausamkeit löscht doch den Ruhm nicht aus,

Daß er in seiner Brust ein würdig Musen=Haus

Bey seinen Thron erbaut. O! käm die Zeit zurücke,

Da Barbarossens Hof, so Gnaden=volle Blicke

Den Dichtern zugewandt! die von der Helden Schweiß,

Von ihren Löwen=Muth, Geschicklichkeit und Fleiß,

Wenn sie vor Staat und Reich, so treu sie nur vermochten,

Gerahten und gesorgt, mit Arm und Schwerd gefochten,

Gesungen und erzehlt: damit die neue Welt

Davon ein Beyspiel nähm, der kein Poet gefällt.

Wo bleibt jetzt Carolus der Eilfte der Franzosen?

Der selbst durch diese Kunst mit schönen Ehren=Rosen

Die Dichter überstimmt. Alfondus Kron und Macht,

Der England Seegen gab, erhebet ihre Pracht,

Und singt und spielet selbst. Wär Carl (a) noch jetzt auf Erden,

So würd auf seinem Wink manch Lied gesungen werden.

Ihr nahmt der Dichter Glück und Preiß mit euch ins Grab.

Bey eures Scepters Rest liegt unser Ehren=Stab

Vergraben und verdeckt. O! könntet ihr erwachen,

Und uns, wie Reich und Volk beglückt und herrlich machen!

Wo sind die Damen hin die Barbaros gekannt,

Die man mit Fug und Recht der Fürsten Zier genannt?

Verehrte nicht ihr Ohr geschickte Helden Lieder?

In welchen der Poet des Tapfern Herculs Brüder,

(Die Prinzen, die im Feld ein blutges Leder=Kleid,

Ein todt gehaunes Roß und Wahlstadt nicht gescheut;

Die Fürsten, die ihr Volk mit Billigkeit regieret,

Und mit Gerechtigkeit und Huld den Stab geführet,)

Der Ewigkeit geweyht, zum Beyspiel vorgestellt,

Und angepriesen hat. O! möchtet ihr die Welt

Mit eurer dunkeln Gruft, ihr Damen! jetzt vertauschen,

An manches Fürsten Hof und Prinzens Kammer lauschen!

Ihr würdet Wunder sehn, wie man der Dichtkunst spott,

Und ihr Gedächtniß fast aus Geist und Seele rott.

Wo fragen Damen jetzt nach alter Prinzen Thaten,

Ob auch ihr Regiment, und Feldzug wohl gerathen?

Homerus Helden=Lied weicht jetzt dem schnöden Reim

In dem Secundens Kiel der Liebe Honigseim

Natürlich abgemahlt. Banisens Flucht und Lieben

Ergötzt jetzt mehr als das, was Seneca geschrieben.

So giengs vor Zeiten nicht. Witz und Geschickligkeit

War damahls wie man weiß, der Dame schönstes Kleid

Und gröster Ehren=Schmuck; Tholusa läßt uns lesen,

Wie edel ihr Verstand, und Urtheils=Kraft gewesen.

Der Aquitaner Volk war, wie gesagt, auf Ehr

Und Ruhm und Glanz bedacht; und suchte nichts so sehr,

Als sich durch Tapferkeit und Weißheit aufzuschwingen,

Und in die Ewigkeit vor andern einzudringen.

Die Alleredelsten und Grösten an Vernunft,

Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft,

Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden

In Liedern schöner Art der Ewigkeit zu melden.

Wer sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan;

Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn

Den höchsten Preiß erkämpft; dem pflegten sie in Schriften

Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften.

Ja wer sich um das Reich und Volk verdient gemacht,

Wer vor des Landes Ruh, der Bürger Wohl gewacht,

Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten

Ein köstlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten.

Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bemühn,

Durch ein geschicktes Lied den Preiß an sich zu ziehn,

Warum? sie wehlten sich, wer möchte nicht gewinnen?

Das holde Frauenvolk zu ihren Richterinnen.

Da war der Damen Geist mit Weißheit ausgeschmückt;

Da ward der Preiß durch sie dem Würdigsten geschickt,

Der sich in Kunst und Fleiß vor andern angegriffen,

Und am geschicktesten auf Blat und Rohr gepfiffen.

Der Damen kluger Geist sah reif= und weißlich ein

Daß Dichter rechter Art nicht blose Schwätzer seyn;

Ihr Sinn forscht weiter nach, und straft mit Witz die Laster,

Erhebt die Tugenden, und zeigt wie man aufs Pflaster

Des Wohlstands treten soll; wie man die Seele nehrt,

Und sich durch Wissenschaft und Fleiß vom Pöbel kehrt;

Wie man das höchste Gut der Seelen=Ruh erlanget,

Und durch den Ehren=Kranz am Sternen=Himmel pranget;

Wie man, wenn andre hier im Welt=Getöse sind,

Dort in der Einsamkeit die gröste Anmuth findt.

Wer kan uns wohl anjetzt viel kluge Damen nennen,

Die von der Poesie ein Urtheil fällen können?

Ach leyder! ist bekant, daß man jetzt wenig findt,

Die von so hohen Geist, als wohl von Herkunft sind.

Warum? Die Zärtlichkeit läßt sich zu nichts mehr zwingen;

Was thun die Hände mehr als daß sie Knötgen schlingen.

Die Feder wird gewiß, so leicht nicht angesetzt;

Wenn nicht ein Liebes=Brief zuvor das Aug ergötzt,

Den Geist entzündet hat; wer wolte sonst was schreiben;

Man kan sich schon die Zeit auf andre Art vertreiben.

Ein lustig Karten=Spiel vergnügt die Brust weit mehr,

Als wenn man Tag und Nacht in Büchern fleißig wär;

Ja steht auch dieß nicht an, das Müthgen abzukühlen,

So läßt man nur im Bret und auf der Dame spielen.

O! solten wir den Preiß jetzt von den Damen sehn,

Wie würd es doch so kahl um Sieg und Vorzug stehn?

Zwar kan ein Dichter noch zuweilen dieß geniessen,

Daß Augen voller Gnad auf seine Blätter schiessen;

Allein er nehme sich mit seinen Kiel in acht,

Denn wer nicht schmeicheln kan, wird billig ausgelacht.

Der Lea must er nur die schönsten Augen geben,

Und Ahitophels Rath als Jethro Spruch erheben.

Er tadle Nathans Wort, daß er so frey geredt,

Und seinem Könige voll Glanz und Majestät

Nichts nachgesehen hat. Wo wird nach Bürger Sitten,

Der grossen Fürsten Lust und Handlung zugeschnitten?

Dem Ahab leg er ja die klügste Einsicht bey,

Daß nichts als Billigkeit in seinem Urtheil sey;

Die Flecken such er fein mit Farben zu bestreichen,

Und eine Jesabel der Sara zu vergleichen.

Er schmücke alles schön, und was ein Joab schaft,

Das nenn er fromm und treu, gerecht und tugendhaft.

Er darf sich nicht darbey gewissenhaft Geberden,

Vielweniger beschämt vor einer Lüge werden.

Hüllt er dieß alles nun in nette Kleidung ein,

So kan das Wiedergelt ein Gnaden=Blickgen seyn.

Doch nur allein vors Blat; sonst hat er nichts zu hoffen.

Zwey Menschen steht ein Weg zu gleichen Schicksaal offen;

Doch suchen sie umsonst: Ein Dichter und Chymist,

Weil einer so ein Narr als wie der andre ist.

Die Dichtkunst bleibt nicht nur ein Stief=Kind stets vom Glücke,

Ihr Lohn sind noch darzu der Mißgunst Feuer=Blicke,

Absonderlich wenn sich das Frauen=Volk bemüht,

Und nach der Musen Art die Sayten künstlich zieht.

Da sieht man Haß und Neid sich auf den Schau=Platz stellen;

Sie borgen von dem Hund das ungezähmte Bellen;

Sie knirschen mit dem Mund wenn unsre Lorbeer blühn,

Und suchen uns den Ruhm durch Lästern zu entziehn.

Der Ehre stoltzes Schif wird als vom Wind bestürmet,

Mit giftgen Schaum umringt, von Wellen aufgethürmet,

Um seinen schnellen Lauf nur Einhalt bald zu thun.

Ihr Toben läßt sie nicht bey unsern Siegen ruhn.

Der Neid, das Ungeheur das sich doch selber quälen

Und endlich fressen muß, wohnt in so vielen Seelen,

Die toben wider uns, wenn irgend unser Geist,

Ein Philosophisches und Dichter=Feuer weist.

Ihr dummer Hochmuth meint, wir dürften mehr nicht lesen,

Als nur wer Ismael und Moses Weib gewesen,

Wie dort Rebeccens Hand mit Isaacs Baarte scherzt,

Wie Hiob allen Hohn von seiner Frau verschmerzt.

Des Salomonis Spruch und Syrachs Sitten=Leben

Wär uns, nur Seneca und Plato nicht gegeben.

Blieb uns Sanct Paulus nur bekannt und offenbar,

So wär es schon genug: Uns gienge Pallas Schaar

Und Phöbus gar nichts an. Wir hätten gnug zu singen,

Die zarten Kindergen in Schlaf und Ruh zu bringen.

Zwirn, Nadel, Flachs und Garn, die Küche und der Heerd

Wär nur vor uns bestimmt; nicht aber Kiel und Schwerd.

Der Männer Eigenthum sey Feder, Buch und Waffen;

Nur ihnen wär allein ein Löwen=Herz erschaffen.

Gar recht! ihr brüllt zu Haus so arg als Löw und Bär.

Wie feurig, wie ergrimmt lauft ihr oft hin und her?

Ihr meint die Tapferkeit sey euch nur angebohren.

Ihr habt so manchem Glaß, o That! den Tod geschworen.

Ihr nennet euch beherzt; ihr kämpftet ritterlich;

Ich widerspreche nicht, denn dieses zeiget sich

Im Krieg, wo Cypripor der Venus Feldherr worden.

Ihr sagt: Die Wissenschaft wär nur dem Männer=Orden

Vom Schöpfer zugedacht: Ihr müstet nur allein

Beherrscher über Buch, und Kunst und Federn seyn.

Was vor ein toller Wurm hat euren Kopf durchfressen,

Daß ihr euch nur allein dieß Recht sucht beyzumessen?

Der Schöpfer hat uns ja mit gleichen Geist bedacht,

Und gleiche Seelen=Kraft und Triebe beygebracht.

Wie solten wir denn nun dieß theure Pfand und Gaben

Um euren Eigensinn zu folgen, gar vergraben?

So wahr Minerva lebt! so soll es nicht geschehn,

Daß wir auf euer Wort der Musen Dienst verschmähn.

Jemehr die Mißgunst raßt, und wider uns sich setzet;

Jemehr der Neid auf uns ergrimmt die Zähne wetzet;

Jemehr das Mannes=Volk aus toller Eifersucht

Auf unsre Wissenschaft, Kunst, Fleiß und Feder flucht,

Jemehr soll unser Geist das Chor der Musen lieben,

Jemehr wird untersucht, je mehr wird aufgeschrieben.

Wir sind dem Palm=Baum gleich, der sich gen Himmel schwingt,

Jemehr man Druck und Last auf seine Zweige bringt.

Ein kluges Weibes=Bild das auf was hohes sinnet,

Buch, Kiel und Rohr ergreift,und Phöbum lieb gewinnet;

Der Warheit Grund erforscht; den Geist in Schriften übt,

Stellt bey dem ersten Kuß, den ihr Apollo giebt,

Sich gleich die Eifersucht, die Mißgunst und das Schmähen

Der dummen Männer für. Wer dieses nicht will sehen,

Wer dieß nicht leiden kan, der lege nur bey Zeit,

Die Lust zur Wissenschaft, Buch, Kiel und Rohr beyseit.

Der Haß wird gleich erweckt so bald die Flöthen klingen,

Und wir nach Musen Art mit unsern Lippen singen.

Wie oftmals hab ich nicht aus Unmuth und Verdruß,

Weil man so viel Geplärr und Narrheit hören muß,

Manch schönes Tage=Werck in tausend Stück zerrissen,

Und Phöbens Lauten=Spiel in Winkel hingeschmissen.

Nur neulich nahm mich noch der feste Vorsatz ein,

Ein Feind der Poesie biß in die Gruft zu seyn.

Allein der jähe Schluß ward bald zurück getrieben;

Wie könt ich das verschmähn, was kluge Leute lieben?

Man schweige gänzlich still; man tadle Midas Sohn,

Man lobe Mavors Kind, man findet gleichen Lohn.

Man mag die Tugend schön, die Laster heßlich schelten,

Der Danck ist einerley; wir müssens doch entgelten.

Wer Tugend und Vernunft an allen Menschen liebt;

Die Weißheit ehrt und schätzt, der Warheit Beyfall giebt,

Sich niemahls scheel dazu, wenn man Satyrisch dichtet,

Und auf die üble Zucht die schärfste Hechel richtet.

Ist jemand Nabals Art, an Geld und Boßheit reich,

Der bleibet doch verstockt es gilt ihm alles gleich.

Kan ich die Narren nicht durch sanfte Lieder rühren,

Ey! So versuch ichs jetzt durch beissende Satyren!

Der Vorsatz ist gefaßt, die Flöthe ist gestimmt;

Was frag ich nach dem Neid, der sich schon windt und krümt.

Ich singe von der Welt und von verderbten Sitten:

Mein Satyr hat sich schon ein neues Rohr geschnitten.

* * *

Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief;

Da man den tapfersten zum Regiment berief;

Da Helden aus der Schlacht durch ihre Kunst im Siegen,

Den höchsten Fürsten=Stuhl, und Königs=Thron bestiegen;

Da man den Adel nicht nach sechzehn Ahnen maß,

Und den nur adlich hieß der Tugenden besaß,

Der sich nur durch sich selbst Glanz, Ehr und Ruhm erworben,

Dem Vaterland zu Nutz gelebt und auch gestorben.

Da man den Würdigsten zum Landes=Vater nahm,

Ob er schon nicht vom Blut gekrönter Prinzen kam;

Da man aus Liebe nur zu solcher Zeit die Bräute,

Nicht aber nach Geburt und Tonnen Goldes freyte;

Da mancher Fürst im Thor und im Gerichte saß,

Die Klagen selbst vernahm, und erst das Urteil laß

Eh er es unterschrieb; da Fürsten das genossen,

Was sie durch Fleiß gezeugt, und durch die Faust geschossen,

Da eine Gasterey aus Honig, Wein und Bier,

Aus einem guten Kalb, nebst einem fetten Stier

Und Kuchenwerck bestund; da man noch Fürsten Frauen

Bey ihrer Mägde Fleiß und Arbeit konte schauen;

Da man wie Jacob dort wohl ganzer vierzehn Jahr

Um eine Braut gedient, die schön und häußlich war.

Da man mit Eyden nicht als wie mit Blumen spielte;

Und was man zugesagt, bey Treu und Glauben hielte;

Da noch die Tapferkeit in Thiere Häute kroch,

Und man im Felde nicht nach Mehl und Biesam roch;

Da man ein schlechtes Kleid statt seidner Stofe führte,

Und ein gestickter Rock nur Königs=Kinder zierte,

Da war noch gute Zeit; da blühte Volk und Staat;

Da fand der Landmann Trost; da fand der Bürger Rath,

Und jeder Schutz und Recht; da dürfte man nicht klagen,

Daß die Gerechtigkeit zu Grabe sey getragen.

Kein Reicher ward geprest, kein Landmann arm gemacht,

Die Waysen wurden nicht um Geld und Guth gebracht.

Da gieng die Redlichkeit durchaus in vollem Schwange?

Weil Mein und Dein noch nicht die nächsten Freunde drange.

Da ward der Eltern Schweiß nicht freventlich verpraßt;

Verschwendung war so sehr als wie der Geitz verhaßt;

Da pflegte man sich noch in reine Keuschheits=Seiden,

Und nicht in Wollusts=Schmuck und Hoffart einzukleiden.

Ein jeder hatte sich nach seinem Stand geschmückt.

Da aber nach der Zeit der Thier=Kreiß sich verrückt,

Und ein Copernicus den Erd=Ball umgedrehet,

Daß nun derselbe lauft, die Sonne stille stehet;

So hält die Tugend auch im Lauf gar öfters ein,

Es scheint der Menschen Thun ganz umgekehrt zu seyn.

Jetzt zeigt die Demuth nicht die schönen alten Proben.

Die Sitten sind verderbt, wer will die Zeiten loben?

* * *

Der Seelen Wandelung wird niemand Glauben geben.

Warum? Wir wissen jetzt von einem andern Leben.

Inzwischen sieht man doch daß Ahabs schnöder Geist,

Mit samt der Jesabel sich noch auf Erden weist.

Ich dächt, es sässe ja dort am Regierungs=Ruder

So mancher ungerecht und böser Ahabs Bruder,

Der nach des Nächsten Haus, Gut, Feld und Garten tracht,

Und täglich sorgt und sinnt, wie er es klüglich macht,

Daß er durch armen Schweiß mit einem Schein der Rechte

Sein Haus noch grösser bau, sein Gut verstärken möchte.

Hier dürst er geitziglich nach einem Reben-Berg;

Dort nach dem schönen Stück von Feld und Gartenwerk.

Hier macht er auch so gar nach Hunden, Vieh und Pferden

Die eigennützigsten und gräulichsten Geberden.

Da fällt ihm wiederum der Vögel Stimm und Zier,

Hier Flinten und Gewehr zum Augenmerke für.

Kurz, was er hört und sieht, das will und muß er haben,

Und solt er sichtbarlich damit zur Hölle traben.

Sein Geitz und Eigennutz, sein Neid, Stolz und Betrug

Macht den verruchten Geist durch krumme Ränke klug;

Doch weil ein böser Geist die Einsamkeit verfluchet,

Und sieben Stärkre noch zur treuen Freundschaft suchet.

So wehlt er sich zum Trost, zum Rath und Hülf=Gesell

Der Tugend Mörderin, die freche Jesabel.

Da muß die Themis fort; das Recht wird unterdrücket;

Und auf des Nächsten Halß der Boßheit Schwerd gezücket;

Da wird des Bürgers Gut um Spott=Geld feil gemacht;

Da heists: verkaufs doch dem, der Strafe, Recht und Macht

In seinen Händen hat; er kan euch wieder schaden,

O! setzt euch doch vielmehr bey ihm in Gunst und Gnaden.

Spricht denn der arme Mann: Der Reiche hat sein Brod,

Dieß aber dienet mir zu meiner Leibes=Noth;

Dieß ist das einzige, woran ich mich erfreue;

Sein Haus ist groß genug zur Wohnung, Stall und Streue.

Mein Häusgen ist zwar schlecht, doch liegt es mir bequem,

Weil ich von diesem Ort die meiste Nahrung nehm,

Drum ist es mir nicht feil. Da lodert denn das Feuer

Aus seiner Asch herfür; da tobt das Ungeheuer,

Da raßt die Höllen=Brut, und saget ohne Scheu:

Daß dieß ein troziger und böser Bürger sey.

Da kränkt, da drückt man ihn, daß er sich soll vergehen,

Da sucht man Sylb und Wort mit Vorsatz zu verdrehen.

Da bürdet man ihm auf, er hab der Obrigkeit

Geflucht, und ihr mit GOtt und seinem Zorn gedräut.

Da heists, man straf ihn nur an Leib und Gut und Ehre,

Und wenns auch wider GOtt und alle Rechte wäre.

Die Warheit wird verlacht, die Unschuld ausgehöhnt,

Und die Gerechtigkeit mit Schimpf und Spott gekrönt.

Das Evangelium mag hin und her gebiethen,

So sucht doch Jesabel und Ahab fort zu wüthen.

Da wird der arme Mann mit List, Gewalt und Macht

Um Haus und Feld und Vieh, und was er hat, gebracht.

Heist dieß das Richter=Amt an GOttes statt verwalten?

Heist diß den Unterthan bey Freyheit zu erhalten?

Es sollen Väter seyn, durch die sich jeder nehrt;

Ja Räuber, deren Wuth der Armen Schweiß verzehrt.

Wenn edle Geister sich durch Pulver oder Schriften,

Durch Großmuth, Fleiß und Witz ein ewig Denkmaal stiften:

So wünscht ihr auch ein Maal damit man von euch spricht.

Doch weil euch Geist, Vernunft und Trieb darzu gebricht,

Weil euch der Weg zu schwer; so tragen Ahabs Hände

Des Nahmens schnöden Ruf biß an der Erden Ende.

O Ruf! O Nahmens=Maal! das zwar nicht untersinkt;

Das aber nur nach Schand und nach der Hölle stinkt.

O Ruf! der euch ein Maal, ein Brandmaal ins Gewissen

Und Schandfleck ins Gesicht geritzet und gebissen.

So tobt, so raßt die Welt, so stirbet die Vernunft;

So lebt die Laster=Brut; so blüht der Thoren Zunft.

* * *

Ach! die Gerechtigkeit steht in verhaßten Orden,

Und ist jetzt leider! fast zur Exulantin worden.

Die Boßheit und der Geitz, der Laster schnaubend Heer

Treib sie aus ihrem Reich; und klagt sie noch so sehr,

So sind die Ohren taub. Mit ihren frommen Minen,

Muß sie der tollen Welt zum Hohn=Gelächter dienen.

Wie jämmerlich siehts doch um ihr geheiligt Haus,

Um ihren Richterstuhl und Schwerd und Wage aus.

Den Brief, den der Prophet am Himmel sahe fliegen,

Nach welchem Diebstahl, Mord, und Meineid und Betrügen

Vor from gesprochen ward, der ist anjetzt das Geld,

Wodurch man Frömmigkeit und alles Recht erhält.

Geld hat schon hier und da die Oberhand genommen;

Nur durch der Berge Mark kan man zum Rechte kommen;

Durchbrich das Mauerwerk und stiehl wie Nickel List.

Wenn du nur Reich an Raub und alten Thalern bist,

So fürchte dich nur nicht vor Bande, Strick und Ketten,

Geld kan vom Staupenschlag, ja gar vom Galgen retten.

Und bist du wieder loß, so stiehl behertzt aufs neu,

Gedencke, daß dieß Gut vor böse Richter sey.

Allein hast du kein Geld die Richter zu verblenden,

Und deinem Advocat ein Wildpret zuzusenden:

So halte Ruth und Strick nur Hals und Rücken hin,

Und wär dein Diebstahl auch vom schlechtesten Gewinn;

Hast du gleich Joabs Schwerd auf Abners Brust gezücket

Und deinen Gegenpart in Plutons Reich geschicket,

So geh und stelle nur verlangte Caution,

Gieb denen Richtern Geld, so kömst du bald davon.

Hast du die Eh befleckt, den Glaubiger betrogen;

Dem Nachbar Wieß und Feld durch Falschheit abgelogen;

Des Nächsten Unschulds=Kleid und guten Ruf verletzt,

Und der Beträngten Pfand, das man bey dir versetzt,

Mit List an dich gebracht: So darffst du nicht verzagen,

Man mag dich noch so sehr in dem Gericht verklagen.

Bemühe dich nur bald um einen Advocat,

Der ein Gewissen so wie Priester-Ermel hat,

Den Hader, Eigennutz und Zank so hoch vergnüget,

Als einen Kriegesmann der was zu plündern krieget,

Und dessen Herz voll Trotz, das Haupt voll arger List,

Die Seele voll Betrug, und frecher Boßheit ist,

Der sieben Zeilen nur auf eine Seite schreibet,

Und seine Schriften stets auf zwanzig Bogen treibet.

Der so viel Kosten macht als der Proceß begehrt,

Und ihn so boßhaft dreht, daß er viel Jahre wehrt.

Dem füll die krumme Hand mit Ophirs güldnen Schätzen,

So wird er bald das Recht der Gegen=Part verletzen;

Nimm selbst den Advocat von deinem Gegner ein;

Schenk ihm ein Stück zum Kleid, ein stark und fettes Schwein,

Ein Faß voll Rebensaft, und andre schöne Sachen,

So wirst du ihn schon mild, und dir gewogen machen.

Geh auch zum Richter hin, und fülle ihm die Hand

Mit wilden Männern an, mit Gold aus Ungerland.

Und weigert er sich ja; so gieb es seinem Weibe,

Bring ihr ein Stück Damast und Sammtes Zeug zum Leibe,

Band, Spitzen, Leinewand, und Peltz zum Unterkleid,

Füll Stall und Küche aus; so kriegst du immer Zeit.

Der Advocat hälts auf, der Richter wirds verziehen,

Dein Gegner mag sich gleich auch noch so sehr bemühen

Den letzten Spruch zu sehn. Ja wenn er sich beschwehrt,

Des Zahlens müde wird, und endlich Recht begehrt,

Da heists: Ihr habt kein Recht: Wer Geld giebt der gewinnet.

Des Frommen Angesicht, das voller Thränen rinnet,

Wird jetzt nicht mehr geacht; der Witwen Klag=Geschrey,

Der Waysen heisses Flehn steht man durchs Recht nicht bey.

Verfluchte Gottesfurcht! verdammtes Christen=Leben!

Heist dieß dem Recht sein Recht nach GOttes Vorschrift geben?

O! sollen dieses wohl der Armen Väter seyn?

O! möchte nicht das Recht zu GOtt um Rache schreyn?

Bey Heyden wird man kaum dergleichen That und Sünden,

So wenig Gottesfurcht, als unter Christen finden.

O groser Samuel! bleib ja in deiner Gruft,

Steh nicht von Todten auf; komm nicht in deutsche Luft.

Man würde sonst dein Amt und richterlich verwalten

Vor dumm, vor abgeschmackt, vor kahl und thörigt halten.

Du hast ja, wie bekannt zu Israel gesagt:

Kommt her! Wer wieder mich und meinen Richtstab klagt!

Kommt! sagt mir, ob ich euch in meinem Amt betrogen?

Ob ich Geschenk geliebt; das Gut an mich gezogen?

Wem ich das Recht gebeugt, der zeuge wider mich!

O! diese Reden sind anjetzt zu lächerlich:

Der Hochmuth wächst und steigt, der Geitz hat zugenommen.

Wie würde man denn sonst zu solchen Reichthum kommen?

O! gieng der Heyland jetzt von neuen auf die Welt,

Und spräch: Wer unter euch nichts von Geschenken hält,

Und davon freyer ist als dort die Pharisäer

Von Sünd und Ehebruch, der komm und trete näher,

Ihr andern weicht von mir! wie viele würden fliehn,

Und sich beschämt und stumm mit Furcht zurücke ziehn.

Solt Alexander jetzt wie ehemals geschehen,

In ganz verstellter Tracht auf manches Richthaus gehen, (b)

Er träffe warlich nicht dergleichen Männer an,

Die also handelten wie jener Mund gethan,

Die Richter würden nicht den Schatz zurücke weisen,

Da sie ihn heut zu Tag begierig zu sich reisen.

Solt jetzt Cambyses wohl dem Richter, der das Recht

Des Geldes wegen beugt, der Freundschaft wegen schwächt,

Die Haut vom Leibe ziehn und an den Richtstuhl nageln, (c)

Wie grausam würde man auf solche Strafe hageln?

Wie mancher Richter=Sitz, den man jetzt prächtig schaut,

Bekäm an statt des Schmucks wohl mehr als eine Haut.

Erforschte mancher Fürst (d) zugleich die Advocaten,

O! so bekäm gewiß der Hencker manchen Braten.

Es würde mancher Baum zum Galgen abgehackt

Und manches Glied vom Leib mit Eisen abgezwackt,

Hingegen aber auch (was wünscht man mehr auf Erden?)

Recht und Gerechtigkeit nicht leicht gequälet werden.

Wo sieht man, daß der Herr jetzt im Gerichte wohnt?

Daß man die Frevler straft, die Unschuld aber schohnt,

Und den Regenten=Stab mit Tugend unterstützet,

Mit rechtlich kluger Hand die Acten=Feder schnitzet?

* * *

Wie glücklich ist ein Mensch der stets das Ohr verstopft,

Wenn gleich die Tugend kömmt und thränend klagt und klopft.

Wie wohl, wie wohl ist dem, der stille sitzt und schweiget,

Wenn dort ein wüster Kopf die Ehren=Bahn besteiget.

Ein zugeschloßenes Ohr, ein zugehüllt Gesicht,

Und einen Mund der nichts als Ja zu allen spricht,

Ein Auge voller List erfordern unsre Zeiten,

Wer so nicht leben kan der wird nicht viel bedeuten.

Doch nein! mein Eifer brennt, er ist gerecht und gut.

Wer nur die Laster schilt, wer nur die tolle Brut

Bey ihren Nahmen nennt, und vor den Spiegel stellet,

Der kämpft wie ein Soldat der tolle Feinde fället,

Und kriegt ein gleiches Lob, von der noch guten Welt,

Die nach der Tugend greift, und noch auf Wohlstand hält.

Was vor ein heiser Schmertz hat meine Brust befallen!

Der Adern rothe Saft fängt kochend an zu wallen;

Mein Herz bebt wie ein Blat, mein Geist entsezt sich ganz,

Wenn ich die alte Zeit mit ihrem Werth und Glanz,

Und unsre Zeiten seh. Wo ist der Römer Zierde,

Ernst, Einsicht, Tugend, Recht und löbliche Begierde

Nach guten Sitten hin? wodurch bestand ihr Flor?

Sie zog nicht Geld und Stand der Kunst und Tugend vor.

Wer vor das Vaterland beherzt und klug gestritten;

Wer sich verdient gemacht, Vernunft und guten Sitten

Begierig nachgestrebt; wer und klug redlich war,

Den sezte man ins Amt und zu der Väter Schaar.

Jezt scheint der Tugend=Licht sich gleichsam zu verdunkeln:

Sie kan, O Finsterniß! nicht mehr wie ehmahls funkeln.

Carthago schimpft sich noch. Denn sie vergab ums Geld

Amt, Ehre, Stand und Dienst; was thut denn unsre Welt?

Wie thörigt würde doch dein Rath o Jethro! klingen,

Wenn du wie ehemals den Vortrag woltest bringen:

Sezt diese, diese nur in Amt und Dienste ein

Die klug, gerecht und fromm, warhaft und redlich seyn,

Ja, die den schnöden Geiz von Grund der Seele hassen:

Man würde dir gewiß ein Liedgen singen lassen,

Das dir sehr schlecht gefiel. Es hieß: der Mann ist toll,

Er weiß noch nicht einmahl wie man recht leben soll.

Die Zeit ist nicht mehr hier, die ehedem gewesen,

Denn was wir hier und da in alten Büchern lesen,

Das geht bey uns nicht an. Die Zeiten sind jezt neu,

Da man nicht lange fragt, ob jemand würdig sey.

Wer in der Auction der Aemter wacker biethet;

Die Stimmen um das Mark der tiefen Klüfte miethet,

Der steiget schnell empor, und wird ein Licht der Stadt,

So wenig er auch sonst an Witz und Tugend hat.

So wenig er erlernt, wie man den Richt=Stuhl zieren,

Und was man wissen muß, ein Amt gerecht zu führen.

So geht es, leider! her. Allein was folgt darauf?

Dem Miethling ist nunmehr die Themis selbst zu kauf;

Sein drangewandtes Geld läßt ihn nicht ruhig schlafen,

Er trachtet Tag und Nacht, wie er es von den Schaafen

Mit Vortheil wieder zieht. Da sinnt er auf Betrug,

Setzt viele Sporteln an, und andre Kosten gnug.

Da wird der Neben=Christ, der Unterthan gedrücket,

So gut sichs nach der Zeit und seinem Anschlag schicket.

Wem aber nicht das Glück die Börse schwer gemacht,

Der wird durch Kupplerey zu Amt und Stand gebracht,

Er schleicht sich voller List und Schmeicheley nach Hofe,

Und nimmt die abgeküßt und sonst beliebte Zofe

Zum lieben Ehgemahl. Da wird er denn ein Mann

Der wacker und galant und herrlich leben kan.

Ey seht? Wer wolte nicht durch schöner Frauen Schürzen

Sein Glück und Ehre baun, und seine Noth verkürzen!

Ihr Männer! tretet auf! trotzt! raubt uns diesen Ruhm!

Ist nicht die Zwingungs=Kraft der Weiber Eigenthum?

Die Stärcke ihrer Hand, die Artigkeit der Minen,

Und der beredte Mund muß euch zur Würde dienen.

Man hat den alten Brauch nunmehro abgethan,

Da bloß der Mann durch sich zum Manne werden kan.

Durch Weiber müssen jetzt die Männer Männer werden:

Durch Weiber werden jetzt auch Hirten über Heerden.

Ich tadle dieses nicht, daß sich ein Mann bemüht,

Und bey dem Ehverband auf seine Wohlfahrt sieht,

Ein kluger muß ein Schmidt von seinem Glücke heisen.

Dieß kan er nirgends ehr als bey der Heyrath weisen,

Wenn er durch Fleiß und Witz, Treu, Tugend und Verstand,

Der Eltern Lieb und Gunst, der Gönner holde Hand

Und Herze zu sich zieht, und solch ein Weib erlanget,

Das nebst dem Reichthum auch mit schöner Tugend pranget.

Dieß ist der Vorsicht=Schluß, dieß ist der Wächter Rath,

Wenn Moses, den die Furcht und Angst vertrieben hat,

Durch seiner Tugend Glanz sein Glück by Jethro gründet,

Und Mahlon Glück und Wohl bey Moabs Töchtern findet,

Wenn Jacob, der den Grimm des Esaus fliehen muß,

Und in entfernter Luft durch GOttes weisen Schluß

Sein Glücke suchen soll, der Rahel Herz gewinnet,

Und Labans Gunst erhält, weil er auf Mittel sinnet,

Wodurch der Segen sich in seiner Arbeit mehrt,

So, daß ihn jedermann deswegen liebt und ehrt.

Wenn Saul des Davids Glück und Treu und Dienst betrachtet,

Und Michal ihm zur Braut zu geben würdig achtet,

Diß kommt vom Sternen=Pol und von der Allmacht her.

So fördert keusche Lieb Glück, Wohlstand, Ruhm und Ehr.

Wenn aber sich ein Mann nach Frauen=Lippen sehnet,

Die schon ein geiler Mund beflecket und verwehnet;

Wenn er die Delila so hoch als Sara schätzt,

Und sich recht wissentlich in Hanrey=Orden setzt,

Um nur der Fürsten Gunst und Liebe zu erlangen,

Und als ein Herr und Mann in Amt und Dienst zu prangen

Der muß schier fällt mir gleich das alte Sprichwort ein;

Ein rechter braver Kerl, ja wohl noch sonst was seyn.

Doch warum ärgert euch, die Heyrath frecher Dirnen?

Was, soll ich über euch ihr Venus=Nympfen zürnen?

Nahm doch Hosea dort, der ein Prophete war,

Zu seiner Frau ein Weib aus frecher Huren=Schaar.

Wer kan es wohl mit Recht den Dürftigen verdencken,

Wenn sie aus Geld=Begier ihr Herz der Dina schenken?

Wer hat bey Fürsten Glück? wer baut sein Ehren=Haus

Bey Göttern dieser Welt? vieleicht wer frey heraus

Und nach der Redlichkeit die rechte Art beschreibet,

Nach welcher Volk und Land am ersten glücklich bleibet;

Nach welcher sich ein Herr den Thron im Herzen baut;

Daß man ihn Freudenvoll und nicht mit Zittern schaut;

Daß dieß ein Titus sey der voller Huld regieret,

Sein Amt dem Argus gleich auch schlummrend wachsam führet.

Der für gemeine Ruh gleich als ein Pharus brennt;

Der keine Schmeicheley; nur bloß die Warheit kennt;

Der treue Diener nicht wie Sigismund (e) belohnet;

Der zwar die Boßheit straft, der Unschuld aber schonet;

Ja der wie Salomon der Weisheit sich ergiebt,

Und solche höher noch als Ehr und Reichthum liebt.

Was meint ihr: solte wohl ein Mann von solchen Wesen

Und solcher Redlichkeit sein Glück am Hofe lesen?

An manchen glaub ich wohl; doch möchten wenig seyn

Die dieß beherzigten. Der schnöde Heuchel=Schein

Hat meist die Oberhand, biß Artaxerxen träumet,

Er hab an Esters Freund die Dankbarkeit versäumet.

Indessen steigt doch fast nur Hamans Brut empor,

Wer sich in Fuchs=Pelz hüllt, und mit der Schmeichler Flor

Das Angesicht bedeckt, der darf nach Hofe kommen,

Und wird noch desto ehr zum Diener angenommen,

Wenn er Projecte macht, wodurch man Geld gewinnt;

Wie man auf Aecker, Haus, auf Nahrung, Pferd und Rind

Und Dienste Gaben legt, die vormahls nicht gewesen,

Von welchen sonst kein Wort im Freyheits=Brief zu lesen;

Wie man die Bürgerschaft mit Zoll, Accieß beschwert,

Und ihnen mit Manier den Beutel folgends leert.

Doch seht! ihr brüstet euch und gebt mir zu verstehen,

Es fordre grosen Witz mit Prinzen umzugehen,

Man müsse jederzeit aus Ehrfurcht, Lieb und Treu

Auf ihr Intresse sehn, daß dieß in Wachsthum sey.

Gar recht: Bedenkt auch nur fein allzeit das Gewissen;

Ihr dürft es leicht versehn, so trit man euch mit Füssen;

Vom Feuer und vom Licht bleibt schlaue Klugheit fern,

Denn wer zu nahe kömmt derselbe brennt sich gern.

Ihr Thoren! die ihr euch so gern in Fuchs=Peltz kleidet

Wie kömmt es, daß ihr nicht die glatten Worte meidet?

Ist wohl ein Fuchs so dumm, daß er sich dahin hält,

Wo man vor kurzer Zeit den Cammerad geprellt?

List, Schmeicheln, Eigennutz, Verrähterey und Lügen

Die dauren kurze Zeit, es kan sich leichte fügen,

Daß sich das Blätgen kehrt; sehr selten findet man,

Daß einer sich dadurch im Glück erhalten kan,

Weil grosser Herren Gunst gar bald wie Schnee zergehet,

Da nach dem heisen Strahl ein Regen=Guß entstehet.

Die Unbeständigkeit findt stets bey Höfen Raum;

Der Fürsten Gnad und Huld ist meist ein süsser Traum.

Die Frucht, die jählings reift, die Blume die bald blühet,

Fällt desto eher ab, wie man ja täglich siehet.

Je schnell, je höher man bey grosen Herren steigt,

Je näher ist das Glück zu seinem Fall geneigt.

Wie öfters sinken nicht die grösten Favoriten!

Erst herrschten sie im Schloß; jetzt darben sie in Hütten.

Ihr Thoren! die ihr euch nach Herren Gnade dringt,

Und sie durch mancherley Betrug und List erzwingt,

Wenn gleich der Bürger seufzt, und euch im Herzen hasset,

Was ist es daß ihr euch auf ihre Gunst verlasset?

Sie währet doch nicht lang; kömmt endlich euer Fall

So ist kein Freund nicht da, so ruft man überall:

Triumph! der Haman liegt, der Land und Bürgern fluchte,

Und ihren Schaden nur durch seine Ränke suchte.

Man diene seinem Herrn als ein getreuer Mann,

Das heist weit klüglicher gehandelt und gethan,

Drück aber nicht das Volk, und sey nicht stolz im Glücke,

So kriegt man doch beym Fall noch Mitleids=volle Blicke:

Da jener, welcher nur den Unterthan geplagt,

Und ausgesogen hat, warhaftig nicht beklagt,

Und nur verspottet wird; wer Herren Gnade trauet,

Der hat sein Haus und Glück auf leichten Sand gebauet;

Der schwebt wie auf dem Meer, da bald ein Sturm entsteht,

Wodurch Glück, Hofnung, Trost und Leben untergeht.

Ein andrer Weg ist noch (wenn sonst nichts mehr zu hoffen,

Und Treu und Tugend weg) zum Amt und Ehre offen.

Verläugne deinen GOtt und die Religion,

So trägest du ein Amt und manch Geschenk davon.

Ist das die schöne Bahn zur Ehren=Burg zu steigen?

Wie will ein solcher sich gerecht und Treu bezeigen?

Folgt nicht hieraus der Schluß: Wer GOtt nicht Glauben hält,

Und ihn verschwört und teuscht, der wird gewiß der Welt,

Dem Nächsten und dem Land wohl schwerlich treu verbleiben,

Und sein vertrautes Amt gewissenhaftig treiben.

* * *

Wie glücklich warst du doch berühmtes Griechenland!

In deinem größten Glanz; ich meine, da dein Stand

In Flor und Freyheit war; da man die Arbeit liebte;

Da deine Jugend sich in Ritterspielen übte;

Da man den Lorbeer=Zweig durch Kunst und Fleiß erwarb,

Und wie man erst gelebt, so auch mit Ehren starb.

Du warest ohne Geld und Stand berühmt und weise,

Die Tugend ward belohnt; nach klug vergoßnem Schweise

Ward jeden nach Verdienst der Ehren=Kranz gebracht,

Und also durch sich selbst die Bahn des Glücks gemacht.

Die von denen Faunen gepeitschte Laster · 第 1 / 7 段