Uranverbindungen —— 0,20

Thorverbindungen in dünner Schicht —— 0,38

---------------------------------------------------------------

Man sieht hieraus, daß Radium-haltige Verbindungen von ganz

verschiedener Aktivität ganz analoge Resultate geben, wie ich es bereits

im Anfang dieser Arbeit für die Uran- und Thorverbindungen gezeigt habe.

Man sieht auch, wenn man die Gesamtstrahlung ins Auge faßt, daß dann für

die betrachtete absorbirende Schicht die verschiedenen strahlenden

Substanzen sich nach abnehmendem Durchdringungsvermögen ihrer Strahlen

in folgender Reihenfolge ordnen: Thor, Radium, Polonium, Uran.

Diese Resultate sind in Übereinstimmung mit denen, die Herr

Rutherford[84] in einer Arbeit über diesen Gegenstand veröffentlichte.

Rutherford findet übrigens, daß die Reihenfolge dieselbe ist, wenn Luft

die absorbirende Substanz bildet. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß

diese Reihenfolge keine absolute Bedeutung hat und nicht unabhängig von

der Natur und der Dicke des betrachteten Schirms besteht. Der Versuch

zeigt ja tatsächlich, daß das Absorptionsgesetz für Polonium und Radium

sehr verschieden ist, und daß man bei letzterem die Absorption jeder der

drei Strahlenarten für sich betrachten muß.

Das Polonium ist besonders zur Untersuchung der α-Strahlen

geeignet, da die in unsrem Besitz befindlichen Präparate keinerlei andre

Strahlen emittiren. Ich machte eine erste Versuchsreihe mit frisch

hergestellten und sehr stark aktiven Poloniumpräparaten.

Ich[44] fand, daß die Poloniumstrahlen um so absorbirbarer sind, je

dicker die schon durchstrahlte Schicht von Materie ist. Dieses

merkwürdige Absorptionsgesetz steht im Widerspruch mit dem für die

andren Strahlungen bekannten.

Ich benutzte für diese Untersuchung unsren elektrischen Meßapparat in

folgender Anordnung:

[Fig. 8]

Die beiden Platten eines Kondensators PP und P'P' (Fig. 8) stehen

horizontal und sind durch einen mit der Erde verbundenen Metallkasten

BBBB geschirmt. Der aktive Körper A befindet sich in einer dicken

Metallbüchse CCCC, die an der Platte P'P’ befestigt ist, und wirkt auf

die Luft im Kondensator durch ein Metallnetz T hindurch; nur die das

Metallgewebe durchsetzenden Strahlen werden zur Stromerzeugung benutzt,

da das Feld an dem Gewebe endigt, Die Entfernung AT des aktiven Körpers

von dem Gewebe ist veränderlich. Das Feld zwischen den Platten wird

durch eine Batterie erzeugt; der Strom wird mittels eines Elektrometers

und einen piezoelektrischen Quarzes gemessen. Indem man in A auf den

aktiven Körper verschiedene Schirme aufsetzt und die Entfernung AT

variirt, kann man die Absorption von Strahlen messen, die in Luft mehr

oder weniger große Wege zurückgelegt haben.

Folgendes sind die mit Polonium erhaltenen Resultate:

Für einen gewissen Wert der Entfernung AT (4 cm und darüber) erhält man

keinen Strom; die Strahlen dringen nicht in den Kondensator ein.

Vermindert man den Abstand AT, so macht sich das Auftreten der Strahlen

im Kondensator ziemlich plötzlich bemerkbar, derart, daß man durch eine

sehr kleine Verringerung der Entfernung von einem sehr schwachen zu

einem sehr merklichen Strome übergeht; von da ab wächst der Strom

regelmäßig, wenn man den strahlenden Körper dem Gewebe T weiter

annähert.

Wenn man die strahlende Substanz mit einem Alumiumblatt von 0,01 mm

Dicke bedeckt, so ist die dadurch hervorgerufene Absorption um so

größer, je größer die Entfernung AT.

Legt man auf das erste Aluminiumblatt ein gleiches zweites, so absorbirt

jedes Blatt einen Bruchteil der auffallenden Strahlung; dieser Bruchteil

ist für das zweite Blatt größer als für das erste, so daß das zweite

stärker absorbirend erscheint.

Die folgende Tabelle enthält: In der ersten Zeile die Abstände zwischen

dem Polonium und dem Gewebe T in Centimetern; in der zweiten Zeile den

Anteil der von einem Aluminiumblatt durchgelassenen Strahlung in

Prozenten; in der dritten Zeile den von zwei gleichen Aluminiumblättern

durchgelassenen Anteil in Prozenten:

------------------------------------ ---- ---- ---- ----- -----

Entfernung AT 3,5 2,5 1,9 1,45 0,5

Von einem Blatt durchgelassene 0,0 0,0 5,0 10,0 25,0

Strahlung in Prozenten

Von zwei Blättern durchgelassene 0,0 0,0 0,0 0,0 0,7

Strahlung in Prozenten

------------------------------------ ---- ---- ---- ----- -----

Bei diesen Versuchen war der Abstand zwischen den Platten P und P' 3 cm.

Man sieht, daß die Zwischenschaltung des Aluminiumblattes in größerer

Entfernung die Strahlung in höherem Maße schwächt als in kleinerer

Entfernung.

Dieser Effekt ist noch ausgesprochener, als aus den obigen Zahlen

hervorzugehen scheint. So bedeutet z. B. die Durchdringung von 25 Proz.

für den Abstand 0,5 den Mittelwert des Durchdringungsvermögens für alle

Strahlen, die diese Entfernung überschreiten, wobei dasjenige für die

äußersten Strahlen sehr schwach ist. Wenn man nur die Strahlen zwischen

0,5 und 1 cm auffinge, so würde man eine noch größere Durchdringung

erhalten. Und in der Tat, wenn man die Platten P und P' einander auf

0,5 cm nähert, so beträgt der von einem Aluminiumblatt durchgelassene

Bruchteil der ursprünglichen Strahlung (für AT: 0,5 cm) 47 Proz. und bei

zwei Blättern 5 Proz.

Ich machte kürzlich eine neue Versuchsreihe mit denselben

Poloniumpräparaten, deren Aktivität unterdessen beträchtlich abgenommen

hatte, da zwischen beiden Versuchsreihen ein Zeitraum von drei Jahren

lag.

Bei den alten Versuchen war das Polonium als Subnitrat verwandt; bei den

neuen bestand es aus metallischen Körnern, die durch Schmelzung des

Subnitrats mit Cyankalium erhalten waren. Ich stellte fest, daß die

Poloniumstrahlung ihre wesentlichsten Charaktere behalten hatte, und

fand auch einige neue Resultate. Folgende Bruchteile der Strahlung

wurden für verschiedene Entfernungen AT von einem aus vier dünnen

Schichten von Blattaluminium gebildeten Schirm durchgelassen:

------------------------------------ ---- ---- ----

Entfernung AT in Centimetern 0 1,5 2,6

Vom Schirm durchgelassene Proz. der 76 66 39

Strahlung

------------------------------------ ---- ---- ----

Ich konstatirte ferner, daß die von einem bestimmten Schirm absorbirte

Strahlung mit der Dicke der schon vorher von der Strahlung durchlaufenen

festen Schicht wächst, doch gilt dies nur von einer bestimmten

Entfernung AT ab. Wenn diese Entfernung Null ist (das Polonium also

dicht an dem Netz, außerhalb oder innerhalb des Kondensators), so

beobachtet man, daß von mehreren aufeinander gelegten gleichen Schirmen

jeder denselben Bruchteil der auffallenden Strahlung absorbirt, oder

anders ausgedrückt, daß die Intensität der Strahlung als Funktion der

durchstrahlten Schichtdicke nach einem Exponentialgesetz abfällt, wie es

für eine homogene und von der Schicht in ihrer Natur nicht veränderte

Strahlung der Fall ist.

Ich teile einige Zahlenwerte über diese Versuche mit:

Bei einem Abstand AT = 1,5 cm läßt ein dünnes Aluminiumblatt 0,51 der

auftretenden Strahlung durch, wenn es allein vorhanden ist, und bloß

0,34, wenn ein zweites gleiches Blatt darunter liegt.

Dagegen läßt dasselbe Blatt bei einer Entfernung AT = 0 in beiden Fällen

denselben Bruchteil der auffallenden Strahlung hindurch; und zwar

beträgt der Bruchteil 0,71, ist also viel größer als im ersten Falle.

Die folgenden Zahlen wurden für einen Abstand AT = 0 und eine Schicht

von aufeinander liegenden sehr dünnen Blättern als Größe des von jedem

Blatt hindurchgelasaenen Bruchteils der auf ihn fallenden Strahlung

erhalten:

------------------------------------------------------------

Neun aufeinander liegende Sieben aufeinander liegende

dünne Kupferblätter dünne Aluminiumblätter

---------------------------- -------------------------------

0,72 0,69

0,78 0,94

0,75 0,95

0,77 0,91

0,70 0,92

0,77 0,93

0,69 0,91

0,79

0,68

------------------------------------------------------------

Unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten bei der Verwendung sehr

dünner Absorptionsschirme und ihrer genauen Übereinanderschichtung

können die Zahlen in jeder Spalte als konstant angesehen werden; nur die

erste Zahl in der Reihe für Aluminium zeigt eine stärkere Absorption an

als die folgenden Zahlen.

Die α-Strahlen des Radiums verhalten sich wie die Poloniumstrahlen.

Man kann diese Strahlen beinahe rein beobachten, wenn man die viel

ablenkbareren β-Strahlen durch ein Magnetfeld zur Seite wirft; die

γ-Strahlen kommen praktisch neben den α-Strahlen kaum in

Betracht. Man kann jedoch nur von einem gewissen Abstand von der Quelle

an so verfahren. Bei einem Versuch dieser Art wurden die folgenden

Resultate erhalten. Es wurde der von einem Aluminiumblatt von 0,01 mm

Dicke hindurchgelassene Bruchteil der Strahlung gemessen; dieses Blatt

befand sich immer an derselben Stelle, dicht über der Strahlungsquelle.

Man beobachtete mit dem in Fig. 5 dargestellten Apparat den Strom im

Kondensator für verschiedene Werte des Abstandes AD, einmal mit, das

andre Mal ohne den Schirm.

------------------------------------ ---- ---- ----

Abstand AD 6,0 5,1 3,4

Vom Aluminium durchgelassene 3 7 24

Prozente der Strahlung

------------------------------------ ---- ---- ----

Auch hier werden also die Strahlen, die am weitesten durch Luft gegangen

sind, vom Aluminium am stärksten absorbirt. Es besteht somit eine

weitgehende Analogie zwischen den absorbirbaren α-Strahlen des

Radiums und den Poloniumstrahlen.

Die ablenkbaren β-Strahlen und die nicht ablenkbaren γ-Strahlen

sind dagegen ganz andrer Natur. Die Versuche mehrerer Physiker, vor

allem der Herren Meyer und v. Schweidler[81] ergeben deutlich, daß, wenn

man die Gesamtstrahlung des Radiums betrachtet, das

Durchdringungsvermögen mit der bereits durchstrahlten Sohichtdicke

wächst, wie es auch für die Röntgenstrahlen der Fall ist. Bei diesen

Versuchen kommen die α-Strahlen kaum in Betracht, weil diese

Strahlen praktisch schon durch sehr dünne Schirme beseitigt werden. Was

hindurchgeht, das sind einerseits die mehr oder weniger diffundirten

β-Strahlen, anderseits die wahrscheinlich den Röntgenstrahlen

analogen γ-Strahlen.

Ich teile einige Resultate meiner diesbezüglichen Versuche mit:

Das Radium ist in einem Glasgefäß eingeschlossen. Die austretenden

Strahlen durchlaufen eine Luftschicht von 30 cm und werden in einer

Reihe von Glasplatten von je 1,3 mm Dicke aufgefangen; die erste Platte

läßt 49 Proz. der auffallenden Strahlung hindurch, die zweite 84 Proz.

und die dritte 85 Proz.

Bei einer andren Versuchsreihe befand sich das Radium in einem Glasgefäß

in 10 cm Abstand von dem auffangenden Kondensator. Auf das Gefäß wurden

eine Reihe von Bleiplatten gelegt, die jede eine Dicke von 0,115 mm

hatten. Das Verhaltniß der hindurchgelassenen zur auffallenden Strahlung

für jede der aufeinander folgenden Platten ist durch folgende

Zahlenreihe gegeben:

0,40 0,60 0,72 0,79 0,89 0,92 0,94 0,94 0,97

Für eine Reihe von vier Bleischirmen von je 1,5 mm Dicke wird das

Verhaltniß der durchgelassenen zur auffallenden Strahlung durch folgende

Zahlen gegeben:

0,09 0,78 0,84 0,82.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß bei einem Anwachsen der

Schichtdicke von 0,1 mm bis zu 6 mm das Durchdringungsvermögen der

Strahlung dauernd zunimmt. Ich fand unter gleichen Versuchsbedingungen,

daß ein Bleischirm von 1,8 cm Dicke 2 Proz. der auf ihn fallenden

Strahlung hindurchläßt; ein Bleischirm von 5,3 cm Dicke läßt noch

0,4 Proz. der auffallenden Strahlung hindurch. Ich konstatirte ferner,

daß die von einem Bleischirm von 1,5 mm Dicke hindurchgelassene

Strahlung zum großen Teil aus ablenkbaren (kathodenstrahlartigen)

Strahlen bestand. Letztere sind also nicht nur im stande, große

Entfernungen in Luft zu durchlaufen, sondern auch beträchtliche

Schichtdicken von so stark absorbirenden festen Körpern wie Blei.

Wenn man mit dem in Fig. 2 dargestellten Apparat die Absorption der

Gesamtstrahlung des Radiums durch ein Aluminiumblatt von 0,01 mm Dicke

beobachtet, wobei das Blatt sich immer in derselben Entfernung von der

strahlenden Substanz befindet, während die Entfernung AD des

Kondensators verändert wird, so bilden die erhaltenen Resultate die

Übereinanderlagerung der von den drei Strahlengruppen herrührenden

Ergebnisse. Beobachtet man bei großem Abstand, so überwiegen die

durchdringenden Strahlen und die Absorption ist schwach; beobachtet man

bei kleinem Abstand, so überwiegen die α-Strahlen und die

Absorption ist um so schwächer, je mehr man sich der Substanz nähert;

für eine mittlere Entfernung hat die Absorption ein Maximum und das

Durchdringungsvermögen ein Minimum.

------------------------------------ ---- ---- ---- ---- ----

Abstand AD 7,1 6,5 6,0 5,1 3,4

Vom Aluminium durchgelassene 91 82 58 41 48

Prozente der Strahlung

------------------------------------ ---- ---- ---- ---- ----

Gleichwohl zeigen gewisse Absorptionsversuche doch eine gewisse Analogie

zwischen den α-Strahlen und den ablenkbaren β-Strahlen.

So fand z. B. Herr Becquerel, daß die absorbirende Wirkung eines festen

Schirmes auf die β-Strahlen zunimmt, wenn man die Entfernung des

Schirmes von der Quelle vergrößert; wenn man also die Strahlen der

Einwirkung eines Magnetfeldes unterwirft, wie in Fig. 4, so läßt ein

unmittelbar auf die Strahlungsquelle gelegter Schirm einen größeren Teil

des magnetischen Spektrums bestehen als ein auf die photographische

Platte gelegter Schirm. Diese Veränderung der Absorptionswirkung des

Schirmes mit der Entfernung desselben von der Quelle ist ganz analog

dem, was für die α-Strahlen gefunden; sie wurde von den Herren

Meyer und v. Schweidler bestätigt, die sich der fluoroskopischen Methode

bedienten; Herr Curie und ich beobachteten dieselbe Tatsache mit der

elektrischen Methode. Die Entstehungsbedingungen dieses Phänomens sind

noch nicht näher untersucht. Wenn man jedoch das Radium in ein

Glasröhrchen einschließt und in ziemlich große Entfernung vom

Kondensator bringt, der von einer dünnen Aluminiumhülle umgeben ist, so

ist es gleichgültig, ob man den Schirm bei der Quelle oder beim

Kondensator aufstellt; der erhaltene Strom ist in beiden Fällen

derselbe.

Die Untersuchung der α-Strahlen hatte mich[44] zu der Ansicht

geführt, daß diese Strahlen sich wie Projektile verhalten, die mit einer

gewissen Geschwindigkeit fortgeschleudert werden und beim Passiren von

Hindernissen an Geschwindigkeit verlieren. Gleichwohl besitzen diese

Strahlen geradlinige Fortpflanzung, wie Herr Becquerel durch folgenden

Versuch nachwies. Das die Strahlen emittirende Polonium befand sich in

einer sehr feinen geradlinigen Vertiefung, die in ein Kartonblatt

eingeschnitten war. Man hatte also eine lineare Strahlungsquelle. Ein

Kupferdraht von 1,5 mm Durchmesser befand sich parallel zur Quelle in

einem Abstand von 4,9 mm. Eine photographische Platte war parallel

hierzu in einem Abstand von 8,65 mm aufgestellt. Nach einer Exposition

von 10 Minuten erschien der geometrische Schatten des Drahtes in

durchaus vollkommener Form, in den vorausberechneten Dimensionen und mit

einem sehr feinen Halbschatten auf jeder Seite, der durchaus der Breite

der Quelle entsprach. Der Versuch gelang ebenso, wenn man auf den Draht

ein doppeltes Aluminiumblatt legte, das die Strahlen durchdringen

mußten.

Es handelt sich also um Strahlen, die scharfe geometrische Schatten

geben können. Der Versuch mit dem Aluminium zeigt, daß die Strahlen

durch das Blatt nicht diffundirt werden und daß dieses auch nicht in

nennenswerter Menge Sekundärstrahlen analog den sekundären

Röntgenstrahlen emittirt.

Die Versuche Rutherfords zeigen, daß die Projektile, aus denen die

α-Strahlen bestehen, im Magnetfeld abgelenkt werden, als seien sie

positiv geladen. Die Ablenkung im Magnetfeld ist um so schwächer, je

größer der Ausdruck mv/e ist, wobei m die Masse, v die Geschwindigkeit

und e die Ladung des Teilchens bedeutet. Die Kathodenstrahlen des

Radiums werden schwach abgelenkt, weil ihre Geschwindigkeit enorm ist;

sie haben ferner ein großes Durchdringungsvermögen, weil die Teilchen

gleichzeitig große Geschwindigkeit und sehr kleine Masse haben. Teilchen

dagegen, die bei gleicher Ladung und kleinerer Geschwindigkeit eine viel

größere Masse haben, werden zwar ebenso schwach ablenkbar im Magnetfelde

sein, anderseits aber notwendig sehr absorbirbare Strahlen ergeben. Aus

den Versuchen von Rutherford scheint hervorzugehen, daß dies für die

α-Strahlen der Fall ist.

Um eine Wirkung der α-Strahlen handelt es sich wahrscheinlich bei

dem schönen Versuch mit dem Crookesschen Spinthariskop[85]. Dieser

Apparat besteht im wesentlichen aus einem Körnchen Radiumsalz, das am

Ende eines Metalldrahtes vor einem Schirm aus phosphorescirendem

Zinksulfid befestigt ist.

Die Entfernung des Kornes vom Schirm ist sehr klein (etwa ⅓ mm) und man

beobachtet mit einer Lupe die dem Radium zugewandte Seite des Schirmes.

Das Auge bemerkt dann auf dem Schirme einen wahrhaften Regen von

Lichtpunkten, die fortwährend erscheinen und wieder verschwinden. Der

Schirm sieht aus wie der gestirnte Himmel. In den dem Radium

benachbarten Punkten befinden die Lichtpunkte sich näher aneinander, und

in unmittelbarer Nähe des Radiums erscheint das Leuchten kontinuirlich.

Durch einen Luftstrom scheint das Phänomen nicht beeinflußt zu werden;

es tritt auch im Vakuum auf; ein noch so dünner Schirm zwischen dem

Radium und dem Leuchtschirm unterdrückt es; die Erscheinung scheint also

von den absorbirbarsten α-Strahlen des Radiums herzurühren.

Man kann sich vorstellen, daß das Erscheinen eines solchen Lichtpunktes

auf dem phosphorescirenden Schirm von dem Stoße eines einzelnen

Projektils herrühre. Von diesem Gesichtspunkte aus hätte man es hier

also zum erstenmal mit einer Erscheinung zu tun, bei der man die

Einzelwirkung eines Teilchens beobachten kann, dessen Dimensionen von

der Größenordnung derjenigen eines Atome sind.[^20]

Der Anblick der Lichtpunkte entspricht etwa dem von Sternen oder stark

erleuchteten ultramikroskopischen Teilchen[87], die auf der Netzhaut

keine scharfen Bilder erzeugen, sondern nur Beugungsscheibchen; dies ist

in guter Übereinstimmung mit der Anschauung, daß jeder winzige

Lichtpunkt von dem Stoß eines einzelnen Atoms herrührt.

Die nicht ablenkbaren durchdringenden γ-Strahlen scheinen ganz

andrer Natur und mehr den Röntgenstrahlen analog zu sein. Es ist jedoch

durch nichts bewiesen, daß nicht auch wenig durchdringende Strahlen

gleicher Art in der Radiumstrahlung enthalten sein können, denn sie

könnten durch die übrige Strahlung verdeckt sein.

Man sieht hieraus, ein wie komplicirtes Phänomen die Strahlung der

radioaktiven Körper ist. Die Schwierigkeiten vermehren sich noch

dadurch, daß man untersuchen muß, ob die Strahlen durch die Materie bloß

selektiv absorbirt, oder ob sie auch mehr oder weniger weitgehend

umgewandelt werden.

Man weiß erst sehr wenig über diese Frage. Wenn man jedoch annimmt, daß

die Radiumstrahlung Strahlen von der Art der Röntgen- und der

Kathodenstrahlen enthält, so kann man erwarten, daß diese Strahlung beim

Durchschreiten von Schirmen transformirt wird. Es ist in der Tat

bekannt:

1. Daß Kathodenstrahlen, die durch ein Aluminiumfenster aus der

Entladungsröhre heraustreten (Lenardscher Versuch) im Aluminium

stark diffundirt werden und gleichzeitig einen

Geschwindigkeitsverlust erfahren[88]; so verlieren z. B.

Kathodenstrahlen von einer Geschwindigkeit v = 1,4 ⋅ 10^{10}

cm/sec 10 Proz. ihrer Geschwindigkeit beim Hindurchgang durch

0,01 mm dickes Aluminium[79].

2. Daß Kathodenstrahlen beim Auftreffen auf ein Hinderniß

Röntgenstrahlen erzeugen.

3. Daß Röntgenstrahlen beim Auftreffen auf ein festes Hinderniß

Sekundärstrahlen erzeugen, die zum Teil aus Kathodenstrahlen

bestehen[89-91].

Man kann also nach Analogie die Existenz all dieser soeben beschriebenen

Erscheinungen bei der Strahlung der radioaktiven Körper voraussetzen.

Bei der Untersuchung des Hindurchganges der Poloniumstrahlen durch einen

Aluminiumschirm beobachtete Herr Becquerel[80] weder die Produktion von

Sekundärstrahlen, noch eine Umwandlung in kathodenstrahlartige Strahlen.

Ich versuchte, eine Transformation der Poloniumstrahlen mittels der

Methode der Vertauschung der Schirme nachzuweisen. Wenn zwei

übereinander gelegte Schirme E_1 und E_2, von den Strahlen durchdrungen

werden, so muß die Reihenfolge, in der sie durchlaufen werden,

gleichgültig sein, falls die Strahlen hierbei nicht umgewandelt werden;

wenn dagegen jeder Schirm die hindurchgelassenen Strahlen transformirt,

so ist die Reihenfolge der Schirme nicht gleichgültig. Wenn z. B. die

Strahlen beim Hindurchgang durch Blei in absorbirbarere verwandelt

werden, das Aluminium dagegen diese Wirkung nicht in gleichem Maße

besitzt, dann muß das System Blei-Aluminium undurchsichtiger erscheinen

als das System Aluminium-Blei; bei Röntgenstrahlen ist dies tatsächlich

der Fall.

Meine Versuche ergeben das Auftreten dieser Erscheinung bei den

Poloniumstrahlen. Der benutzte Apparat war der in Fig. 8 dargestellte.

Das Polonium befand sich in der Büchse CCCC und die natürlich sehr

dünnen Schirme wurden auf das Metallnetz T gelegt.

Benutzte Schirme Dicke Beobachtete Stromstärke

------------------ ------- -------------------------

Aluminium 0,01 +

Messing 0,005 17,9

Messing 0,005 +

Aluminium 0,01 6,7

Aluminium 0,01 +

Zinn 0,005 150,0

Zinn 0,005 +

Aluminium 0,01 125,0

Zinn 0,005 +

Messing 0,005 13,9

Messing 0,005 +

Zinn 0,005 4,4

Die Resultate beweisen also, daß die Strahlung durch feste Schirme

umgewandelt wird. Dieser Schluß ist in Übereinstimmung mit den

Versuchen, nach denen von zwei identischen Metallblättern, die

übereinander gelegt sind, das erste weniger absorbirend erscheint als

das zweite. Es ist hiernach wahrscheinlich, daß die transformirende

Wirkung eines Schirmes um so größer ist, je weiter sich der Schirm von

der Quelle entfernt befindet. Dieser Punkt ist jedoch noch nicht

sichergestellt, und die Natur der Umwandlung noch nicht im einzelnen

untersucht.

Ich wiederholte dieselben Versuche mit einem sehr aktiven Radiumsalz.

Das Ergebniß war negativ. Ich beobachtete nur ganz unwesentliche

Änderungen in der Intensität der Strahlung bei der Umkehrung der

Schirme. Folgende Schirmsysteme wurden untersucht:

----------------------------------------

Dicke Dicke

mm mm

------------ ------ -------------- -----

Aluminium 0,55 und Platin 0,01

" 0,55 und Blei 0,1

" 0,55 und Zinn 0,005

" 1,07 und Kupfer 0,05

" 0,55 und Messing 0,005

" 1,07 und " 0,005

" 0,15 und Platin 0,01

" 0,15 und Zink 0,05

" 0,15 und Blei 0,1

----------------------------------------

Das System Blei-Aluminium zeigte sich ein wenig undurchsichtiger als das

System Aluminium-Blei, doch war der Unterschied nicht groß.

Ich konnte also auf diese Weise eine merkliche Umwandlung der

Radiumstrahlen nicht nachweisen. Gleichwohl beobachtete Herr Becquerel

bei verschiedenen radiographischen Versuchen sehr kräftige Wirkungen,

die von zerstreuten oder sekundären Strahlen herrührten, welch letztere

von den die Radiumstrahlen auffangenden Schirmen emittirt wurden. Die

wirksamste Substanz für die Emission von Sekundärstrahlen scheint das

Blei zu sein.

n) Ionisirende Wirkung der Radiumstrahlen auf isolirende Flüssigkeiten.

-----------------------------------------------------------------------

Herr Curie[92] hat gezeigt, daß die Radium- und die Röntgenstrahlen auf

flüssige Dielektrika wie auf Luft wirken, indem sie ihnen eine gewisse

elektrische Leitfähigkeit erteilen. Die Versuchsanordnung war folgende

(Fig. 9):

[Fig. 9]

Die zu untersuchende Flüssigkeit befand sich in einem metallischen

Gefäß CDEF, in das ein dünnes Kupferrohr AB eintauchte; diese beiden

Metallteile dienen als Elektroden. Das Gefäß wird mittels einer Batterie

kleiner Akkumulatoren, deren einer Pol an Erde liegt, auf einem

bekannten Potential erhalten. Die Röhre AB ist mit dem Elektrometer

verbunden. Wenn ein Strom die Flüssigkeit durchfließt, so erhält man das

Elektrometer mit Hülfe des pi"e{}zoelektrischen Quarzes auf Null und

mißt dadurch den Strom. Das Kupferrohr MNM'N' ist mit der Erde verbunden

und dient als Schutzmantel, um einen Strom durch die Luft hindurch

abzufangen. Ein Gefäß mit Radium-haltigem Baryumsalz kann in die

Röhre AB eingesenkt werden; die Strahlen wirken auf die Flüssigkeit,

nachdem sie das Glas des Gefäßes und die Metallwände der Röhre

durchsetzt haben. Man kann das Radium auch wirken lassen, indem man das

Glasgefäß unter den Boden DE legt.

Wenn man mit Röntgenstrahlen operirt, so läßt man sie durch den Boden DE

eindringen.

Die Zunahme der Leitfähigkeit unter der Einwirkung der Radium- oder

Röntgenstrahlen scheint für alle Dielektrika stattzufinden; um jedoch

den Effekt nachweisen zu können, muß die eigene Leitfähigkeit der

Flüssigkeit genügend schwach sein, um nicht die Wirkung der Strahlen zu

verdecken.

Für Radium- und für Röntgenstrahlen hat Herr Curie Effekte von gleicher

Größenordnung erhalten.

Wenn man mit derselben Anordnung die Leitfähigkeit der Luft oder eines

andren Gases unter der Einwirkung der Becquerelstrahlen untersucht, so

findet man, daß die Stromstärke nur so lange der Potentialdifferenz der

Elektroden proportional ist, als diese nicht einige Volt überschreitet;

bei höheren Spannungen dagegen wächst der Strom immer weniger schnell

und der Sättigungsstrom wird praktisch bei einer Spannung von 100 Volt

erreicht.

Die mit demselben Apparat und demselben sehr aktiven Präparat

untersuchten Flüssigkeiten verhalten sich anders; die Stromstärke ist

der Spannung proportional, wenn diese von 0 bis 450 Volt variirt, selbst

wenn die Entfernung der Elektroden nicht größer ist als 6 mm. Man kann

also die von einem Radiumsalz in verschiedenen Flüssigkeiten unter

gleichen Bedingungen erzeugte Leitfähigkeit vergleichen. Die Zahlen der

folgenden Tabelle geben die Leitfähigkeiten in reciproken Ohms pro

Kubikcentimeter:

--------------------- -------------------

Schwefelkohlenstoff 20,0⋅10^{-14}

Petroläther 15,0⋅10^{-14}

Amylen 14,0⋅10^{-14}

Chlorkohlenstoff 8,0⋅10^{-14}

Benzin 4,0⋅10^{-14}

Flüssige Luft 1,3⋅10^{-14}

Vaselinöl 1,6⋅10^{-14}

--------------------- -------------------

Man kann jedoch annehmen, daß die Flüssigkeiten und die Gase ein

ähnliches Verhalten zeigen, und daß für die Flüssigkeiten die

Proportionalitat zwischen Spannung und Strom nur bis zu höheren

Spannungen reicht als für die Gase. Man könnte demnach in Analogie mit

den Erscheinungen bei Gasen versuchen, diese Grenze herabzudrücken,

indem man eine viel schwächere Strahlung anwendet. Der Versuch

bestätigte diese Annahme; benutzte man ein 150mal weniger aktives

strahlendes Präparat als das zu den ersten Versuchen dienende, so

ergaben sich für Spannungen von 50, 100, 200 und 400 Volt die relativen

Stromstärken 109, 185, 255, 335. Die Proportionalität besteht nicht

mehr, aber der Strom wächst noch stark, wenn man die Spannungsdifferenz

verdoppelt.

Manche von den untersuchten Flüssigkeiten sind fast vollkommene

Isolatoren, wenn sie auf konstanter Temperatur erhalten und vor der

Einwirkung der Strahlen geschützt werden. Hierzu gehören: Flüssige Luft,

Petroläther, Vaselinöl, Amylen. Es ist hier also sehr leicht, den Effekt

der Strahlen zu untersuchen. Vaselinöl ist viel weniger empfindlich

gegen die Strahlen als Petroläther. Vielleicht kann man diese Tatsache

mit der verschiedenen Flüchtigkeit der beiden Kohlenwasserstoffe in

Verbindung bringen. Flüssige Luft, die in dem Versuchsgefäß eine Zeit

lang gekocht hat, ist empfindlicher als frisch eingegossene; die von den

Strahlen erzeugte Leitfähigkeit ist im ersten Falle um ein Viertel

größer. Herr Curie untersuchte die Wirkung der Strahlen auf Amylen und

Petroläther bei +10° und −17°. Die von der Strahlung herrührende

Leitfähigkeit vermindert sich bloß um ein Zehntel, wenn man von 10°

und −17° übergeht.

Bei Versuchen mit veränderlicher Temperatur der Flüssigkeit kann man

entweder das Radium auf der Temperatur der Umgebung halten oder es auf

dieselbe Temperatur bringen wie die Flüssigkeit; man erhält in beiden

Fällen dasselbe Resultat. Dies bedeutet, daß die Radiumstrahlung sich

nicht mit der Temperatur verändert und selbst bei der Temperatur der

flüssigen Luft noch ihren Wert behält. Diese Tatsache wurde durch

direkte Messungen bestätigt.[^21]

o) Verschiedene Wirkungen, und Anwendungen der ionisirenden Wirkung der

Strahlung radioaktiver Körper.

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Strahlen der neuen radioaktiven Körper bewirken eine starke

Ionisirung der Luft. Man kann durch die Wirkung des Radiums leicht die

Kondensation des übersättigten Wasserdampfes hervorrufen, genau so, wie

sie unter der Einwirkung von Röntgen- und Kathodenstrahlen stattfindet.

Unter dem Einfluß der von den neuen radioaktiven Substanzen emittirten

Strahlen wird die Funkenlänge zwischen zwei metallischen Leitern für

eine gegebene Potentialdifferenz vergrößert; oder anders ausgedrückt,

der Funkenübergang wird durch die Strahlen erleichtert.

Diese Erscheinung rührt von den durchdringendsten Strahlen her. Wenn man

nämlich das Radium mit einem Bleischirm von 2 cm Dicke umgiebt, so wird

seine Wirkung auf den Funken nicht merklich geschwächt, obgleich die

durch das Blei hindurchgehende Strahlung nur ein kleiner Bruchteil der

Gesamtstrahlung ist.

Macht man durch die Einwirkung radioaktiver Substanzen die Luft in der

Umgebung zweier metallischer Leiter, von denen der eine mit der Erde,

der andre mit einem gut isolirten Elektrometer verbunden ist, leitend,

so nimmt das Elektrometer eine dauernde Ablenkung an, an der man die

elektromotorische Kraft der galvanischen Kette messen kann, die durch

die Luft und die zwei Metalle gebildet wird (kontakt-elektromotorische

Kraft der beiden Metalle, wenn sie durch Luft getrennt sind). Diese

Methode wurde von Lord Kelvin[95] angewandt, wobei Uran die strahlende

Substanz war; eine ähnliche Methode war früher von Perrin[96,97]

angewandt worden, der die ionisirende Wirkung der Röntgenstrahlen

benutzte.

Man kann die radioaktiven Substanzen zum Studium der atmosphärischen

Elektrizität benutzen. Die aktive Substanz befindet sich in einer

kleinen dünnen Aluminiumbüchse am Ende eines Metallstabes, der mit dem

Elektrometer verbunden ist. Die Luft wird in der Umgebung des Stabendes

leitend und der Stab nimmt das Potential der umgebenden Luft an. Das

Radium ersetzt so vorteilhaft die Flammen oder die Kelvinschen

Tropfapparate, die bis dahin allgemein zur Untersuchung der

atmosphärischen Elektrizität benutzt wurden[98,99].

p) Fluorescenz- und Lichtwirkungen.

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Die von den neuen radioaktiven Substanzen emittirten Strahlen erregen

die Fluorescenz gewisser Körper. Herr Curie und ich haben diese

Erscheinung zuerst entdeckt, indem wir das Polonium durch ein dünnes

Aluminiumblatt hindurch auf eine Schicht von Baryumplatincyanür wirken

ließen. Derselbe Versuch gelingt noch leichter mit genügend aktivem

Radium-haltigen Baryum. Wenn die Substanz stark radioaktiv ist, so ist

die erzeugte Fluorescenz sehr schön.

Die Zahl der Körper, die unter der Einwirkung der Becquerelstrahlen

phosphorescirend oder fluorescirend werden können, ist sehr groß. Herr

Becquerel untersuchte die Wirkung auf Uransalze, Diamant, Blende usw.

Herr Bary[100] zeigte, daß die Salze der Alkalien und der alkalischen

Erden, die unter der Wirkung des Lichtes und der Röntgenstrahlen

fluoresciren, es auch unter der Wirkung der Radiumstrahlen tun. Man kann

ferner die Fluorescenz von Papier, Baumwolle, Glas usw. in der Nähe des

Radiums beobachten. Von verschiedenen Glassorten ist das Thüringerglas

besonders helleuchtend. Metalle scheinen nicht leuchtend zu werden.

Das Baryumplatincyanür ist am geeignetsten zur Untersuchung der

Strahlung der radioaktiven Körper mittels der fluoroskopischen Methode.

Man kann die Wirkung der Radiumstrahlen auf Entfernungen bis über 2 m

verfolgen. Phosphorescirendes Zinksulfid wird außerordentlich hell, doch

hat dieser Körper die Unbequemlichkeit, seine Leuchtkraft einige Zeit

nach dem Aufhören der Einwirkung der Strahlen zu bewahren.

Die Fluorescenzwirkung auf dem Schirme kann auch beobachtet werden, wenn

das Radium vom Schirme durch absorbirende Körper getrennt ist. Wir

beobachteten das Leuchten eines Baryumplatincyanür-Schirmes durch den

menschlichen Körper hindurch. Die Wirkung ist jedoch unvergleichlich

viel stärker, wenn der Schirm unmittelbar auf dem Radium liegt und durch

keinen festen Körper von ihm getrennt ist. Alle Strahlengruppen scheinen

im stande zu sein, die Fluorescenz hervorzubringen.

Um die Wirkung des Poloniums zu beobachten, muß man die Substanz dicht

an den fluorescirenden Schirm heranbringen, ohne Zwischenschaltung eines

festen Schirmes oder wenigstens nur eines äußerst dünnen.

Das Leuchten der den radioaktiven Substanzen ausgesetzten

fluorescirenden Körper nimmt mit der Zeit ab. Gleichzeitig erleidet die

fluorescirende Substanz eine Veränderung. Ich gebe einige Beispiele:

Die Radiumstrahlen verwandeln das Baryumplatincyanür in eine braune

weniger hell leuchtende Modifikation. (Eine analoge Wirkung der

Röntgenstrahlen wurde von Herrn Villard beschrieben.) Sie verändern

ferner das Urankaliumsulfat, indem sie es gelb färben. Das verwandelte

Baryumplatincyanür wird durch die Wirkung des Lichtes teilweise

regenerirt. Man lege das Radium unter eine Schicht von

Baryumplatincyanür, das auf Papier ausgebreitet ist, dann wird das

Baryumplatincyanür leuchtend; wenn man das System in der Dunkelheit

aufbewahrt, so verändert sich das Baryumplatincyanür und die Leuchtkraft

sinkt beträchtlich. Setzt man dagegen das Ganze dem Licht aus, so wird

das Platinsalz teilweise regenerirt, und wenn man sich in die Dunkelheit

zurückbegiebt, so erscheint das Leuchten wieder ziemlich stark. Man hat

also durch Kombination eines radioaktiven mit einem fluorescirenden

Körper ein System hergestellt, das sich wie ein phosphorescirender

Körper von langer Phosphorescenzdauer verhält.

Glas, das unter der Wirkung des Radiums fluorescirt, färbt sich braun

bis violett. Gleichzeitig vermindert sich seine Fluorescenz. Erhitzt man

das so veränderte Glas, so entfärbt es sich, und in dem Maße, wie die

Entfärbung fortschreitet, emittirt das Glas Licht. Nachher hat das Glas

seine Fähigkeit zu fluoresciren im gleichen Maße wie vor der Veränderung

wiedergewonnen.

Zinksulfid, das der Wirkung der Radiumstrahlen genügend lange ausgesetzt

war, erschöpft sich allmählich und verliert seine Fähigkeit unter der

Wirkung des Radiums oder des Lichtes zu phosphoresciren.

Diamant phosphorescirt unter der Wirkung des Radiums und kann dadurch

von den Imitationen in Straß unterschieden werden, die nur schwach

leuchten.

Alle Radium-haltigen Baryumverbindungen werden selbstleuchtend[101,102].

Die wasserfreien und trocknen Haloidsalze emittiren ein besonders

starkes Licht. Dieses Leuchten ist bei hellem Tageslicht nicht zu sehen,

doch bemerkt man es leicht im Halbdunkel oder in einem mit Gas

erleuchteten Zimmer. Das Licht kann ziemlich stark sein, so daß man beim

Lichte einer geringen Substanzmenge im Dunkeln lesen kann. Das Licht

geht von der ganzen Masse des Präparates aus, während bei einem

gewöhnlichen phosphorescirenden Körper das Licht nur von der

vorbelichteten Oberfläche ausgeht. Bei feuchter Luft verlieren die

Radium-haltigen Präparate einen großen Teil ihrer Leuchtkraft, gewinnen

sie jedoch durch Trocknen wieder (Giesel). Das Leuchtvermögen scheint

dauernd zu sein. Nach mehreren Jahren scheint in dem Leuchten schwach

aktiver Präparate, die in verschlossenen Röhren in der Dunkelheit

aufbewahrt waren, keine Veränderung eingetreten zu sein. Bei sehr

aktivem Radium-haltigen Baryumchlorid verändert sich im Laufe einiger

Monate die Farbe des Lichtes; sie wird mehr violett und nimmt

beträchtlich ab; gleichzeitig erfährt das Präparat einige Veränderungen;

löst man das Salz in Wasser auf und trocknet es wieder, so erhält man

wieder das ursprüngliche Leuchtvermögen.

Die Lösungen Radium-haltiger Baryumverbindungen, die einen starken

Anteil Radium enthalten, leuchten ebenfalls; man kann dies beobachten,

wenn man die Lösung in eine Kapsel aus Platin bringt, die, weil selbst

nichtleuchtend, das schwache Licht der Lösung beobachten läßt.

Wenn eine Lösung Radium-haltigen Baryums ausgeschiedene Krystalle

enthält, so leuchten diese in der Lösung, und zwar viel stärker als die

Lösung selbst, so daß es aussieht, als leuchteten sie allein.

Herr Giesel[102] hat Radium-haltiges Baryumplatincyanür hergestellt.

Wenn das Salz auskrystallisirt, so sieht es aus wie gewöhnliches

Baryumplatincyanür und leuchtet sehr stark. Aber allmählich färbt sich

das Salz von selbst und nimmt eine braune Farbe an, wobei gleichzeitig

die Krystalle dichroitisch werden. In diesem Zustands ist das Salz viel

weniger leuchtend, obgleich seine Aktivität zugenommen hat. Das von

Giesel hergestellte Radiumplatincyanür verändert sich noch viel

schneller.

Die Radiumverbindungen sind die ersten Beispiele von Substanzen, die von

selbst leuchten.

q) Entwicklung von Wärme durch Radiumsalze.

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Ganz neuerdings haben die Herren Curie und Laborde[103] gefunden, daß

die Radiumsalze der Sitz einer fortwährenden selbsttätigen

Wärmeentwicklung sind. Diese Wärmeentwicklung hat zur Folge, daß die

Radiumsalze sich dauernd auf einer höheren Temperatur befinden als die

Umgebung; der Temperaturüberschuß hängt natürlich von der thermischen

Isolation der Substanz ab. Der Temperaturüberschuß kann durch einen ganz

rohen Versuch mit zwei gewöhnlichen Quecksilberthermometern nachgewiesen

werden. Man benutzt zwei gleich große Dewar-sche Vakuumgefäße (wie sie

zum Aufbewahren von flüssiger Luft gebraucht werden.

Anm. d. Übersetzers). In eines der beiden Gefäße bringt man ein

Glasröhrchen mit 7 dg reinen Radiumbromids; in das andre bringt man ein

ähnliches Röhrchen mit irgend einer inaktiven Substanz, etwa

Baryumchlorid. Die Temperatur jedes der beiden Gefäße wird von dem

Thermometer angezeigt, das man in unmittelbare Nähe der Röhrchen bringt.

Die Öffnung der Gefäße wird mit Watte verschlossen. Wenn sich das

Temperaturgleichgewicht hergestellt hat, so zeigt das Thermometer, das

sich in der Nähe des Radiums befindet, dauernd eine höhere Temperatur an

als das andre; der beobachtete Unterschied betrug 3°.

Man kann die vom Radium entwickelte Wärmemenge mit dem Bunsenschen

Eiskalorimeter messen. Bringt man ein Röhrchen mit Radiumsalz in das

Kalorimeter, so beobachtet man eine fortwährende Wärmezufuhr, die sofort

aufhört, wenn man das Radium entfernt. Die Messung mit einem bereits vor

längerer Zeit hergestellten Radiumsalz ergab, daß jedes Gramm Radium pro

Stunde etwa 80 kleine Kalorien entwickelt. Das Radium entwickelt also

während einer Stunde genügend viel Wärme, um eine gleich schwere

Eismenge zu schmelzen, und ein Atomgramm (225 g) Radium würde in einer

Stunde 18 000 Kalorien entwickeln, d. i. eine Wärmemenge, die

vergleichbar ist mit der von einem Atomgramm (1 g) Wasserstoff bei

seiner Verbrennung entwickelten. Eine derartige Wärmeentwicklung läßt

sich durch keine gewöhnliche chemische Reaktion erklären, um so mehr,

als der Zustand des Radiums jahrelang derselbe zu bleiben scheint. Man

könnte annehmen, daß die Wärmeentwicklung von einer Umwandlung des

Radiumatoms selbst herrührt, eine Umwandlung, die natürlich sehr langsam

vor sich gehen muß. Wenn dem so

ist, so müßte man annehmen, daß die bei der Bildung und Umwandlung von

Atomen auftretenden Wärmemengen sehr groß sind und alles bis dahin

bekannte übertreffen.

Man kann die vom Radium entwickelte Wärmemenge auch bestimmen, indem man

sie dazu benutzt, ein verflüssigtes Gas zum Sieden zu bringen, und die

sich entwickelnde Gasmenge mißt. Man kann den Versuch mit Methylchlorid

ausführen (bei −21°). Die Herren Dewar und Curie führten den Versuch mit

flüssigem Sauerstoff (bei −180°) und mit flüssigem Wasserstoff (bei

−252°) aus. Der Wasserstoff eignet sich besonders gut zu dem Versuch.

Ein mit einem Vakuummantel umgebenes Reagenzgläschen enthält den

flüssigen Wasserstoff H (Fig. 10) und ist mit einem Rohr t versehen,

mittels dessen das Gas über Wasser in einem geteilten Rohr E aufgefangen

werden kann. A taucht mit seinem Mantel in ein Bad von flüssigem

Wasserstoff H'. Unter diesen Umständen findet in A keine Gasentwicklung

statt. Führt man dagegen in den im Reagenzgläschen enthaltenen flüssigen

Wasserstoff ein Röhrchen mit etwa 7 dg Radiumbromid ein, so entsteht

eine fortwährende Gasentwicklung, so daß man pro Minute 73 ccm Gas

auffängt.

[Fig. 10]

Ein frisch hergestelltes festes Radiumsalz entwickelt nur relativ wenig

Wärme; die Wärmeentwicklung wächst jedoch fortwährend und strebt einer

Grenze zu, die jedoch nach einem Monat noch nicht völlig erreicht ist.

Wenn man ein Radiumsalz auflöst, und die Lösung in ein verschlossenes

Röhrchen bringt, so ist die von der Lösung entwickelte Wärmemenge zuerst

schwach; sie vermehrt sich sodann und wird nach Verlauf eines Monats

ziemlich konstant; die Wärmeentwicklung ist dann dieselbe, wie die des

festen Salzes.

Wenn sich das Radiumsalz, dessen Wärmeentwicklung man im Bunsenschen

Eiskalorimeter mißt, in einem Glasröhrchen befindet, so durchdringen

gewisse, sehr wenig absorbirbare Strahlen das Röhrchen und das

Kalorimeter, ohne darin absorbirt zu werden. Um zu untersuchen, ob diese

Strahlen eine merkliche Energiemenge mit sich führen, kann man die

Messung wiederholen, nachdem man das Röhrchen mit einer 2 mm dicken

Bleischicht umgeben hat; man findet, daß unter diesen Bedingungen die

Wärmeentwicklung des Salzes um etwa 4 Proz. zugenommen hat; die vom

Radium in Form sehr durchdringender Strahlen emittirte Energie ist also

durchaus nicht zu vernachlässigen.

r) Chemische Wirkungen der neuen radioaktiven Substanzen. Färbungen.

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Die von stark aktiven Körpern emittirten Strahlen sind im Stande,

gewisse Umänderungen und chemische Reaktionen hervorzurufen. Die

Strahlen der Radium-haltigen Präparate wirken färbend auf Glas und

Porzellan[104]. Die meist braune oder violette Färbung des Glases ist

sehr intensiv; sie entsteht in der Masse des Glases selbst und bleibt

nach Entfernung des Radiums bestehen. Alle Gläser färben sich in mehr

oder weniger langer Zeit und die Anwesenheit von Blei ist hierzu nicht

nötig. Man kann diese Tatsache mit der neuerdings gemachten Beobachtung

in Verbindung bringen, daß die Glaswände von lange in Gebrauch

befindlichen Röntgenröhren sich färben.

Herr Giesel zeigte, daß die krystallisirten Haloidsalze der Alkalien

(Steinsalz, Sylvin) sich unter dem Einfluß des Radiums ebenso färben,

wie unter der Wirkung der Kathodenstrahlen. Gleichartige Färbungen

erhält man nach Giesel[105], wenn man die Salze in Natriumdampf erhitzt.

Ich untersuchte die Färbung einer Reihe von Gläsern von bekannter

Zusammensetzung, die mir hierfür von Herrn Le Chatelier freundlichst

überlassen wurden. Ich beobachtete keine großen Unterschiede in der

Färbung. Sie ist im allgemeinen violett, gelb, braun oder grau. Sie

scheint an die Anwesenheit von Alkalimetallen geknüpft. Mit reinen

krystallisirten Alkalisalzen erhält man lebhaftere und mehr

veränderliche Farben; das ursprünglich weiße Salz wird blau, grün,

gelbbraun usw.

Herr Becquerel zeigte, daß weißer Phosphor durch die Wirkung des Radiums

in die rote Modifikation verwandelt wird.

Papier wird durch die Radiumwirkung verändert und gefärbt. Es wird

zerbrechlich, zerfällt und gleicht schließlich einem vielmaschigen

Siebe.

Unter gewissen Umständen findet in der Nähe stark aktiver Verbindungen

Ozonentwicklung statt. Strahlen, die von einem verschlossenen Röhrchen

mit Radium ausgehen, entwickeln in der durchstrahlten Luft kein Ozon.

Dagegen tritt ein sehr starker Ozongeruch auf, wenn man das Röhrchen

öffnet. Im allgemeinen entwickelt sich Ozon in der Luft, wenn diese in

direkter Verbindung mit dem Radium steht. Die Verbindung selbst durch

einen sehr engen Kanal ist ausreichend; es scheint, als ob die

Ozonentwicklung mit der Fortpflanzung der inducirten Radioaktivität

verknüpft sei, von der später die Rede sein wird.

Die Radium-haltigen Verbindungen scheinen sich im Laufe der Zeit zu

verändern, wahrscheinlich unter der Einwirkung ihrer eigenen Strahlung.

Oben war gezeigt worden, daß die Krystalle von Radium-haltigem Baryum im

Moment des Ausfallens farblos sind und allmählich sich gelb bis orange,

manchmal auch rosa färben; diese Färbung verschwindet beim Auflösen.

Radium-haltiges Baryumchlorid entwickelt Oxydationsstufen des Chlors;

das Bromid entwickelt Brom. Diese langsamen Umänderungen machen sich im

allgemeinen erst einige Zeit nach der Herstellung des festen Produktes

bemerkbar, das gleichzeitig sein Aussehen und seine Farbe ändert und

gelb bis violett wird. Auch das emittirte Licht wird mehr violett.

Die reinen Radiumsalze scheinen dieselben Umwandlungen zu erfahren wie

die Baryum-haltigen. Doch färben sich die aus saurer Lösung

niedergeschlagenen reinen Chloridkrystalle noch nicht merklich in einer

Zeit, die ausreicht, um den Baryum-haltigen Chloridkrystallen eine

intensive Färbung zu erteilen.

s) Gasentwicklung in Gegenwart von Radiumsalzen.

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Eine Lösung von Radiumbromid entwickelt fortwährend Gase[106]. Diese

Gase bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff und Sauerstoff in einem

Mengenverhältniß, das nahezu der Zusammensetzung des Wassers entspricht;

man kann deshalb annehmen, daß in Gegenwart der Radiumsalze sich das

Wasser zersetzt. Die festen Radiumsalze (Chlorid und Bromid) geben

ebenfalls zu einer fortwährenden Gasentwicklung Anlaß. Diese Gase werden

in dem festen Salze okkludirt und entwickeln sich ziemlich reichlich,

wenn man das Salz auflöst. Man findet in dem Gasgemenge Wasserstoff,

Sauerstoff, Kohlensäure, Helium. Im Spektrum der Gase bemerkt man noch

einige unbekannte Linien[107-109].

Den Gasentwicklungen kann man auch zwei Unfälle zuschreiben, die sich

bei den Versuchen des Herrn Curie ereigneten. Ein sehr dünnes

zugeschmolzenes Glasröhrchen, das beinahe vollständig mit festem

trocknen Radiumbromid gefüllt war, explodirte zwei Monate nach der

Verschließung unter der Einwirkung einer leichten Erhitzung. Die

Explosion rührte wahrscheinlich von dem Drucke der eingeschlossenen Gase

her. Bei einem andren Versuche kommunicirte eine Röhre mit ziemlich

altem Radiumchlorid mit einem größeren Reservoir, das sehr weit evakuirt

war. Als das Röhrchen rasch auf etwa 300° erhitzt wurde, explodirte das

Salz; das Röhrchen wurde zerbrochen und das Salz weit umhergeschleudert.

Im Augenblick der Explosion konnte in der Röhre gar kein merklicher

Druck herrschen. Der Apparat war übrigens vorher einer versuchsweisen

Erhitzung unter gleichen Versuchsbedingungen, aber ohne Radium,

unterworfen gewesen, ohne daß ein derartiger Unfall eingetreten wäre.

Diese Versuche zeigen, daß es gefährlich ist, altes Radiumsalz zu

erhitzen, und daß es ferner gefährlich ist, das Radium lange Zeit

hindurch in einer geschlossenen Röhre aufzubewahren.

t) Entstehung von Thermoluminescenz

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Gewisse Körper wie z. B. Flußspat werden leuchtend, wenn man sie

erwärmt: sie sind thermoluminescirend; ihre Leuchtfähigkeit erschöpft

sich nach einiger Zeit; sie erlangen jedoch ihre Fähigkeit, durch

Erwärmung zu leuchten, wieder durch die Einwirkung eines Funkens oder

des Radiums. Das Radium vermag also die thermoluminescirenden

Eigenschaften dieser Körper wieder herzustellen[80]. Bei der Erhitzung

erfährt der Flußspat eine Umwandlung, die von einer Lichtemission

begleitet ist. Wenn der Flußspat sodann der Wirkung des Radiums

ausgesetzt wird, so findet eine Umwandlung im entgegengesetzten Sinne

statt, die ebenfalls von einer Lichtemission begleitet ist.

Ein durchaus analoges Phänomen findet statt, wenn man das Glas der

Radiumwirkung aussetzt. Auch dort entsteht eine Unformung des Glases,

während es unter der Wirkung der Radiumstrahlen leuchtet: diese

Umformung wird ganz sicher bewiesen durch die dabei auftretende und sich

stetig vermehrende Färbung. Erhitzt man sodann das veränderte Glas, so

findet die umgekehrte Umwandlung statt, das Glas entfärbt sich und

hierbei findet eine Lichtentwicklung statt. Es ist wohl sehr

wahrscheinlich, daß man es hierbei mit einer chemischen Modifikation zu

tun hat und daß die Lichtentwicklung an diese Modifikation geknüpft ist.

Diese Erscheinung könnte allgemeiner Natur sein. Es könnte sein, daß die

Fluorescenz unter der Einwirkung des Radiums und das Leuchten der

Radium-haltigen Substanzen notwendig mit einer chemischen oder

physikalischen Umwandlung der das Licht emittirenden Substanz verknüpft

sind.

u) Radiographieen

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Die radiographische Wirkung der neuen radioaktiven Substanzen ist sehr

intensiv. Gleichwohl muß das anzuwendende Verfahren beim Polonium ein

ganz anderes sein als beim Radium. Das Polunium wirkt nur auf sehr

kleine Entfernungen und wird durch feste Schirme sehr geschwächt; die

Wirkung läßt sich praktisch leicht durch einen dünnen Schirm

unterdrücken. (1 mm Glas). Das Radium wirkt auf viel größere

Entfernungen. Die radiographische Wirkung der Radiumstrahlen läßt sich

in Luft noch auf Entfernungen von über 2 m beobachten, selbst wenn das

strahlende Präparat in einem Glasröhrchen eingeschlossen ist. Die unter

diesen Bedingungen wirkenden Strahlen gehören zur β- und

γ-Gruppe. Dank den Unterschieden in der Durchlässigkeit

verschiedener Körper für die Strahlen kann man, wie bei den

Röntgenstrahlen mit verschiedenen Objekten, Radiographieen erhalten. Die

Metalle sind im allgemeinen undurchsichtig, nur Aluminium ist sehr

durchlässig. Zwischen Fleisch und Knochen besteht kein merklicher

Unterschied in der Durchlässigkeit. Man kann mit großer Entfernung und

sehr kleinen Strahlungsquellen arbeiten und erhält dann sehr scharfe

Radiographieen. Es ist für die Schönheit der Bilder sehr vorteilhaft,

die β-Strahlen durch ein Magnetfeld zur Seite zu werfen und nur die

γ-Strahlen zu benutzen. Die β-Strahlen werden nämlich beim

Durchstrahlen des abzubildenden Objektes einigermaßen diffundiert und

rufen einen gewissen Schleier hervor. Wenn man sie unterdrückt, so muß

man längere Zeit exponieren, erhält aber dafür schönere Besultate. Zur

Radiographie eines Portemonais gebraucht man einen Tag mit einigen

Centigrammen Radiumsalz als Strahlungsquelle, die in einer Glasröhre in

1 m Abstand von der empfindlichen Platte sich befinden, während das

Objekt sich vor der Platte befindet. Befindet ich die Quelle in 20 cm

Abstand von der Platte, so erhält man dasselbe Resultat in einer Stunde.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Strahlungsquelle wird die Platte

augenblicklich beeinflußt.

[Fig. 11]

v) Physiologische Wirkungen.

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Die Radiumstrahlen üben eine Wirkung auf die Epidermis aus. Diese

Wirkung wurde von Herrn Walkhoff[110] beobachtet und von Herrn

Giesel[34] bestätigt, später auch von den Herren Becquerel und

Curie[111].

Wenn man auf die Haut eine Celluloid- oder eine sehr dünne Gummikapsel

legt, die sehr aktives Radiumsalz enthält, und einige Zeit darauf liegen

läßt, so entsteht eine Rötung der Haut, entweder sofort oder nach

Verlauf einer um so längeren Zeit, je schwächer und je kürzer dauernd

die Einwirkung war; dieser rote Fleck erscheint an der Stelle, die der

Wirkung ausgesetzt war; die lokale Veränderung der Haut ähnelt in

Aussehen und Entwicklung einer Verbrennung. In manchen Fällen bildet

sich eine Blase. Wenn die Exposition sehr lange gedauert hat, so bildet

sich ein sehr schwer heilendes Geschwür. Bei einem Versuch ließ Herr

Curie ein relativ wenig aktives Präparat 10 Stunden lang wirken. Die

Rötung zeigte sich sofort und später entstand eine Wunde, die vier

Monate zur Heilung erforderte. Die Epidermis war lokal zerstört und

konnte sich nur sehr langsam und schwierig unter Entstehung einer sehr

deutlichen Narbe neu bilden. Eine Radiumverbrennung nach halbstündiger

Expositionsdauer erschien nach zwei Wochen, bildete eine Blase und

heilte nach weiteren zwei Wochen. Eine andre Verbrennung, durch eine

Exposition von nur acht Minuten hervorgerufen, verursachte einen roten

Fleck, der nach zwei Monaten erschien und nur unbedeutende Wirkung

hatte.

Die Wirkung des Radiums auf die Haut kann durch Metalle hindurch

stattfinden; doch wird sie hierdurch geschwächt. Um sich vor der Wirkung

zu schützen, soll man es vermeiden, das Radium lange bei sich

herumzutragen, außer wenn man es in eine Bleihülle einschließt.

Die Wirkung des Radiums auf die Haut wurde von Herrn Dr. Danlos am

Hospital Saint-Louis darauf hin untersucht, ob es zur Behandlung

gewisser Hautkrankheiten geeignet sei, eine Methode, die der Behandlung

mit Röntgenstrahlen oder mit ultraviolettem Lichte analog ist. Das

Radium giebt in dieser Hinsicht ermutigende Resultate; die durch die

Radiumwirkung stellenweise zerstörte Epidermis stellt sich in gesundem

Zustande wieder her. Die Wirkung des Radiums ist tiefergehend als die

des Lichtes, und seine Anwendung ist leichter als die des Lichtes und

der Röntgenstrahlen. Die Untersuchung der Anwendungsbedingungen ist

natürlich etwas langwierig, weil man den Effekt der Anwendung nicht

unmittelbar beurteilen kann.

Herr Giesel bemerkte die Wirkung des Radiums auf Pflanzenblätter. Die

der Wirkung unterworfenen Blätter werden gelb und zerfallen.

Herr Giesel entdeckte ferner die Wirkung der Strahlen auf das Auge. Wenn

man in der Dunkelheit ein strahlendes Präparat in die Nähe des

geschlossenen Augenlides oder der Schläfe bringt, so hat man die

Empfindung einer das Auge erfüllenden Helligkeit. Die Erscheinung ist

von den Herren Himstedt und Nagel[112] näher untersucht worden. Diese

Physiker zeigten, daß alle Medien des Auges unter der Wirkung des

Radiums fluorescirend werden, wodurch sich die beobachtete

Lichtempfindung erklärt. Blinde, deren Netzhaut intakt ist, sind gegen

die Einwirkung des Radiums empfindlich, während solche mit kranker

Netzhaut keine von den Strahlen herrührende Lichtempfindung verspüren.

Die Radiumstrahlen verhindern oder hemmen die Entwicklung von

Bakterienkulturen, doch ist diese Wirkung nicht sehr stark[113].

Neuerdings zeigte Herr Danysz[114], daß die Radiumstrahlen energisch auf

Rückenmark und Gehirn wirken. Nach einer Einwirkung von einer Stunde

entstehen Lähmungen bei den Versuchstieren, die meistens nach einigen

Tagen sterben.

w) Wirkung der Temperatur auf die Strahlung.

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Man weiß noch wenig darüber, in welcher Weise die Emission der

radioaktiven Substanzen sich mit der Temperatur ändert. Doch ist

bekannt, daß die Emission bei tiefen Temperaturen bestehen bleibt. Herr

Curie[115] senkte ein Gefäß mit Radiumhaltigem Baryumchlorid in flüssige

Luft. Das Leuchten des strahlenden Präparates bleibt hierbei bestehen.

Im Moment, wo man die Röhre aus dem Kältebade herauszieht, scheint sie

sogar stärker zu leuchten als vorher. Bei der Temperatur der flüssigen

Luft fährt das Radium fort, die Fluorescenz des Urankaliumsulfats zu

erregen. Herr Curie stellte durch elektrische Messungen, die in einiger

Entfernung von der Strahlungsquelle ausgeführt wurden, fest, daß die

Strahlung dieselbe Intensität besitzt, wenn das Radium sich auf der

Temperatur der Umgebung befindet, wie wenn es sich in dem Gefäß mit

flüssiger Luft befindet. Bei diesen Versuchen befand sich das Radium auf

dem Boden einer einseitig geschlossenen Röhre. Die Strahlen traten durch

das offene Ende der Röhre aus, passirten einen gewissen Luftraum und

wurden in einem Kondensator aufgefangen. Man maß die Wirkung der

Strahlen auf die Luft des Kondensators, indem man die Röhre entweder in

freier Luft ließ oder sie bis zu einer gewissen Höhe mit flüssiger Luft

umgab. Das erhaltene Resultat war in beiden Fällen dasselbe.

Wenn man das Radium auf eine hohe Temperatur erhitzt, so bleibt die

Radioaktivität bestehen. Frisch gesehmolzenes (bei etwa 800°)

Radium-Baryumchlorid ist radioaktiv und leuchtend. Längere Erhitzung auf

hohe Temperatur hat jedoch eine zeitweise Abnahme der Radioaktivität des

Präparates zur Folge. Diese Abnahme ist sehr bedeutend, sie kann 75

Proz. der Gesamtstrahlung betragen. Die relative Abnahme ist weniger

bedeutend für die absorbirbaren als für die durchdringenden Strahlen,

die durch die Erhitzung fast unterdrückt werden. Mit der Zeit nimmt die

Strahlung des Präparates wieder die frühere Stärke und Zusammensetzung

an; dieser Zustand wird etwa nach Verlauf von zwei Monaten nach der

Erhitzung erreicht.

Viertes Kapitel. Inducirte Radioaktivität.

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a) Mitteilung der Radioaktivität an ursprünglich inaktive Substanzen.

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Im Laufe unserer Untersuchungen über die radioaktiven Körper bemerkten

wir, Herr Curie und ich[116], daß jede Substanz, die sich einige Zeit in

der Nachbarschaft eines Radium-haltigen Salzes befindet, selbst

radioaktiv wird. Bei unserer ersten hierauf bezüglichen Publikation

befaßten wir uns mit dem Nachweis, daß die so von ursprünglich inaktiven

Substanzen erworbene Radioaktivität nicht etwa von einem Transport

radioaktiven Staubes herrührt, der sich an der Oberfläche dieser

Substanzen niedergeschlagen hätte. Diese jetzt ganz gesicherte Tatsache

wird klar bewiesen durch die im Folgenden beschriebenen Versuche, und

vor allen Dingen durch die Gesetze, nach denen die in ursprünglich

inaktiven Stoffen hervorgerufene Radioaktivität verschwindet, wenn man

sie der Einwirkung des Radiums entzieht.

Wir haben der so entdeckten neuen Erscheinung den Namen inducirte

Radioaktivität gegeben.

In derselben Arbeit haben wir die Hauptmerkmale der inducirten

Radioaktivität angegeben. Wir haben Platten von verschiedenen Substanzen

aktivirt, indem wir sie in die Nachbarschaft fester Radium-haltiger

Salze brachten und haben die Radioaktivität dieser Platten mittels der

elektrischen Methode untersucht. Dabei beobachteten wir folgende

Tatsachen:

1. Die Aktivität einer der Wirkung des Radiums ausgesetzten Platte

wächst mit der Expositionsdauer und nähert sich asymptotisch einem

gewissen Grenzwert.

2. Die Aktivität einer Platte, die vom Radium aktivirt und dann dieser

Einwirkung entzogen wird, verschwindet nach einigen Tagen. Der

Abfall der inducirten Aktivität gegen Null erfolgt nach einem

asymptotischen Gesetz.

3. Bei sonst gleichen Bedingungen ist die von einem bestimmten

Radium-haltigen Präparat auf verschiedenen Platten inducirte

Radioaktivität unabhängig von der Natur der Platten. Glas, Papier,

Metalle aktivirten sich in gleicher Stärke.

4. Die auf einer bestimmten Platte von verschiedenen Radium-haltigen

Präparaten inducirte Radioaktivität hat einen um so höheren

Grenzwert, je aktiver das Präparat ist.

Kurze Zeit darauf veröffentlichte Herr Rutherford[27,117] eine Arbeit,

aus der folgt, daß die Thorverbindungen die Erscheinung der inducirten

Radioaktivität hervorrufen können. Rutherford fand für diese Erscheinung

dieselben Gesetze, wie die oben genannten, und entdeckte ferner die

wichtige Tatsache, daß Körper, die negativ elektrisch geladen sind, sich

stärker aktiviren als andere. Rutherford beobachtete ferner, daß Luft,

die über Thorium-Oxyd gestrichen war, 10 Minuten lang eine merkliche

Leitfähigkeit bewahrte. Die Luft teilt in diesem Zustande inducirte

Radioaktivität an inaktive Substanzen mit, vor allem an solche, die

negativ geladen sind. Rutherford interpretirte seine Versuche durch die

Annahme, daß die Thorverbindungen, und vor allem das Oxyd, eine

besondere radioaktive Emanation aussenden, die von Luftströmen mit

fortgerissen wird und positiv geladen ist. Diese Emanation soll die

Ursache der inducirten Radioaktivität sein. Herr Dorn[64] hat die

Versuche, die Rutherford mit Thoroxyd gemacht hatte, mit Radium-haltigen

Baryumsalzen wiederholt.

Herr Debierne[33,118] zeigte, daß das Aktinium in äußerst starkem Maße

induzirte Aktivität in benachbarten Körpern hervorruft. Ebenso wie bei

dem Thorium findet eine starke Mitnahme der Aktivität durch Luftströme

statt.

Die inducirte Aktivität zeigt sehr veränderliches Aussehen und wenn man

die Aktivirung einer Substanz in der Nähe von Radium in freier Luft

bewirkt, so erhält man sehr unregelmäßige Resultate. Die Herren Curie

und Debierne[119] bemerkten, daß die Erscheinung im Gegensatz hierzu

sehr regelmäßig ist, wenn man mit einem geschlossenen Gefäß arbeitet.

Sie haben deshalb die Aktivirung im geschlossenen Gefäß untersucht.

b) Aktivirung in geschlossenem Gefäß.

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Die inducirte Radioaktivität ist sowohl stärker, wie auch regelmäßiger,

wenn man in einem geschlossenen Gefäß arbeitet. Die aktive Substanz

befindet sich in einem kleinen Glaßgefäß a (Fig. 12) mit einer Offnung

bei o in der Mitte einer geschlossenen Umhüllung. Verschiedene Platten

A, B, C, D, E, die sich in der Umhüllung befinden, werden nach einer

eintägigen Exposition radioaktiv. Bei gleichen Dimensionen ist die

Radioaktivität dieselbe, unabhängig von der Natur der Platten (Blei,

Kupfer, Aluminium, Glas, Hartgummi, Wachs, Pappdeckel, Paraffin). Die

Aktivität einer Fläche einer dieser Platten ist um so größer, je größer

der freie Raum vor dieser Fläche ist.

[Fig. 12]

Wiederholt man den vorigen Versuch mit völlig geschlossenem Gefäß a, so

erhält man keine inducirte Aktivität.

Die Strahlung des Radiums kommt bei der Hervorrufung der inducirten

Radioaktivität nicht direkt in Betracht, so wird z. B. bei dem vorigen

Versuch die durch den dicken Bleischirm PP geschützte Platte D ebenso

aktiv wie B und E.

Die Radioaktivität überträgt sich in der Luft von Punkt zu Punkt von der

strahlenden Substanz bis zum zu aktivirenden Körper. Sie kann sich

selbst durch sehr enge Kapillarröhren weithin fortpflanzen.

Die inducirte Aktivität ist gleichzeitig intensiver und regelmäßiger,

wenn man das feste Radium-haltige Salz durch eine wässrige Lösung

ersetzt.

Flüssigkeiten können inducirte Radioaktivität annehmen. Man kann z. B.

reines Wasser radioaktiv machen, wenn man es in das Innere einer

geschlossenen Hülle stellt, die außerdem eine Lösung Radium-haltigen

Salzes enthält.

Manche Körper werden leuchtend, wenn man sie in ein Aktivirungsgefäß

bringt (phosphorescirende und fluorescirende Körper (Glas, Papier,

Baumwolle, Wasser, Salzlösungen). Phosphorescirendes Zinksulfid leuchtet

unter diesen Bedingungen besonders stark. Die Radioaktivität dieser

leuchtenden Körper ist jedoch dieselbe, wie die eines Metallstücks oder

eines andren Körpers, der sich unter gleichen Bedingungen aktivirt, ohne

leuchtend zu werden.

Welches auch immer die im geschlossenen Gefäß zu aktivirende Substanz

ist, sie nimmt eine mit der Zeit wachsende Aktivität an, und erreicht

schließlich einen Grenzwert, der immer derselbe ist, wenn man mit

derselben aktivirenden Substanz und derselben Versuchsanordnung

arbeitet.

Der Grenzwert der inducirten Radioaktivität ist unabhängig von der Natur

des Gases, das sich in dem Aktivirungsgefäß befindet (Luft, Wasserstoff,

Kohlensäure).

Der Grenzwert der inducirten Aktivität in einem bestimmten Gefäß hängt

bloß von der darin in Lösung befindlichen Radiummenge ab, und scheint

ihr proportional zu sein.

c) Rolle der Gase bei den Erscheinungen der inducirten Radioaktivität.

Emanation.

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Die Gase in einem Aktivirungsgefäß, das Radium in fester Form oder in

Lösung enthält, sind radioaktiv. Diese Aktivität bleibt bestehen, wenn

man das Gas durch eine Röhre absaugt und in einem Probiergläschen

auffängt. Die Wände des letzteren werden dann selbst radioaktiv und

leuchten im Dunklen. Aktivität und Lichtemission des Gläschens

verschwinden nachher vollständig, aber sehr langsam, und man kann die

Radioaktivität noch nach einem Monat konstatiren.

Vom Beginn unsrer Untersuchungen an haben wir, Herr Curie und ich[120],

aus der Pechblende durch Erhitzung ein stark radioaktives Gas extrahirt,

die Aktivität ist jedoch ebenso wie bei dem vorigen Versuch schließlich

vollständig verschwunden. Im Spektrum dieses Gases haben wir keine neue

Linie bemerkt.[^22]

Die inducirte Radioaktivität breitet sich also beim Radium, Thorium und

Aktinium von Punkt zu Punkt durch das Gas hindurch aus, vom aktiven

Körper bis zu den Wänden des Aktivirungsgefäßes, und die aktivirende

Eigenschaft wird mit dem Gase selbst fortgeführt, wenn man dieses aus

den Gefäßen heraussaugt.

Wenn man die Radioaktivität Radium-haltiger Stoffe mit der elektrischen

Methode mißt (mit dem in Fig. 1 dargestellten Apparat), so wird auch die

Luft zwischen den Platten radioaktiv; gleichwohl bemerkt man beim

Hindurchschicken eines Luftstromes zwischen den Platten keine merkliche

Verminderung des Stromes, woraus hervorgeht, daß die im Raume zwischen

den Platten ausgebreitete Radioaktivität wenig gegen die des festen

Radiums selbst in Betracht kommt.

Ganz anders verhält es sich beim Thor. Die Unregelmäßigkeiten, die ich

bei der Messung der Radioaktivität der Thorverbindungen bemerkte, kamen

daher, daß ich damals mit einem offenen Luftkondensator arbeitete; der

geringste Luftstrom bringt hier aber eine beträchtliche Änderung in der

Stromintensität hervor, weil die in der Nachbarschaft des Thors

verbreitete Aktivität wesentlich gegen die der Substanz selbst in

Betracht kommt.

Noch ausgesprochener ist dieser Effekt beim Aktinium. Ein stark aktives

Aktiniumpräparat erscheint viel weniger aktiv, wenn man einen Luftstrom

über die Substanz schickt.

Die radioaktive Energie ist also im Gase in einer besonderen Form

enthalten. Herr Rutherford nimmt an, daß gewisse radioaktive Körper

fortwährend ein materielles radioaktives Gas entwickeln, das er mit dem

Namen "Emanation" bezeichnet. Dieses Gas hätte die Eigenschaft, die

Körper in dem Raume, in dem es verbreitet ist, radioaktiv zu machen. Die

eine Emanation aussendenden Körper sind: Radium, Thorium, Aktinium.

d) Entaktivirung fester aktivirter Körper in freier Luft.

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Ein fester Körper, der in einem Aktivirungsgefäß durch Radium während

genügend langer Zeit aktivirt worden ist, und dann aus dem Gefäß

herausgenommen wird, entaktivirt sich an freier Luft nach einem

Exponentialgesetz, das für alle Körper dasselbe und durch folgende

Formel darstellbar ist[121]:

[I = I0.[a.e^(-t/theta1) - (a-1).e^(-t/theta2)]]

Hierbei ist I_0 die Anfangsintensität der Strahlung im Moment, wo man

die Platte aus dem Gefäß herausnimmt, I die Intensität zur Zeit t; a ist

ein Zahlenkoeffizient a = 4,20; θ_1 und θ_2 sind

Zeitkonstanten und zwar: θ_1 = 2420 Sekunden, θ_2 =

1860 Sekunden. Nach Verlauf von zwei bis drei Stunden verwandelt sich

dieses Gesetz merklich in ein einfaches Exponentialgesetz, da der

Einfluß des zweiten Exponentialgliedes dann unmerklich geworden ist. Das

Entaktivirungsgesetz ist demnach derart, daß die Strahlungsintensität in

28 Minuten auf die Hälfte ihres Wertes sinkt. Dieses Gesetz kann als

charakteristisch für die Entaktivirung fester Körper gelten, die durch

Radium aktivirt sind.

Durch Aktinium aktivirte feste Körper entaktiviren sich nach einem

ähnlichen Gesetz wie das vorige, doch ist die Entaktivirung etwas

langsamer[122].

Durch Thorium aktivirte feste Körper entaktiviren sich viel langsamer;

die Strahlungsintensität sinkt in 11 Stunden auf die Hälfte[117].

e) Entaktivirung in geschlossenem Gefäß. Zerstörungsgeschwindigkeit der

Emanation.

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Ein vom Radium aktivirtes und dann der Einwirkung entzogenes

geschlossenes Gefäß entaktivirt sich nach einem viel langsamer

verlaufenden Gesetz, als der Entaktivirung in freier Luft

entspricht.[123] Man kann z. B. den Versuch so machen, daß man eine

Glasröhre im Innern aktivirt, indem man sie während einer gewissen Zeit

mit einer Lösung eines Radiumsalzes kommuniciren läßt. Man schmilzt dann

die Röhre an der Lampe zu und mißt die Intensität der die Wände

durchdringenden Strahlung während der Dauer der Entaktivirung.

Die Entaktivirung erfolgt nach einem Exponentialgesetz, das sehr genau

durch die Formel

Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen von Marie Curie, übersetzt und mit Litteratur-Ergänzungen versehen von W. Kaufmann · 第 17 / 32 题