1860 Blyth J. Asiat. Soc. Bengal. XXIX, 303 (Misc. pap. rel. to Indo
China II, 295 1886) Tamarao
1878 Everett P. Z. S. 792 Anoa depressicornis
A. B. Meyer P. Z. S. 881 Tamarao
Bartlett P. Z. S. 882 Indian Buffalo of small size
1885 Jordana Bosquejo geogr. Fil. 171 Antilope depressicornis
1887 Hoffmann Abh. Mus. Dresden 1886/7 Nr. 3 p. 26 Taf. Fig. 6 a–f
Bubalus indicus?
1888 (vor Aug.) Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 1 p. 4 und 50 Bubalus
mindorensis
(16. Aug.) Steere (bei Sclater) Nature 38, 363 Anoa mindorensis
(1. Nov.) A. B. Meyer Nature 39, 9 Bubalus sp.
(20. Nov.) Steere P. Z. S. 413 Anoa oder Probubalus mindorensis
(6. Dez.) Heude Nature 39, 128 Bubalus mindorensis
(13. Dez.) Everett Nature 39, 150 Bubalus sp.
Gogorza An. Soc. Espan. XVII, II (des S. A.) Anoa depressicornis
1889 A. B. Meyer Zool. Garten 251 Bubalus sp.
1890 Heller Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 p. 3 u. 31 Bubalus
mindorensis
Steere List Phil. 29 Probubalus mindorensis
Nehring Zool. Anz. 448, SB. Ges. naturf. Berlin 101, Naturw.
Wochenschr. V, 227 Bubalus mindorensis
1894 Jentink Notes Leyden Mus. XVI, 199 pl. 8–11 Bubalus mindorensis
Bourns & Worcester Notes Exp. Phil. Is. 63 Bubalus mindorensis
Lydekker Nat. Hist. II, 206 Bos mindorensis
Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 4 p. 204 pl. XIX E Fig. 19
Bubalus mindorensis
1895 Oustalet Bull. Mus. Paris 202 Anoa mindorensis
Elera Cat. sist. Fil. I, 33 Bubalus mindorensis
1896 Lydekker Geogr. Hist. Mamm. 47, 279, 305 Bos mindorensis
Es könnte ein Zweifel darüber entstehen, ob Heude oder Steere als Autor
dieser Art zu nennen sei, da Steeres erste Beschreibung am 16. August
1888 veröffentlicht war, und das 1. Heft des 2. Bandes der Mémoires
concernant l’histoire naturelle de l’empire chinois par des pères de la
compagnie de Jésus in Chang-Hai im Jahr 1888 ohne Datum erschien. Es
lässt sich aber aus buchhändlerischen Catalogen (z. B. Friedländer Nat.
nov. Sept. 1888, 289) nachweisen, dass Heudes Publication vor August
statt gefunden hat, und dieser daher, und nicht Steere, als Autor
figuriren muss.
Der einheimische Name des Zwergbüffels von Mindoro ist, nach vielfachen
Angaben, Tamarao [31], nicht Tamaron oder Tamarou, wie Steere (P. Z. S.
1888, 414 und List 1890, 29) schreibt. Er ist bis jetzt nur von Mindoro
bekannt, denn dass Elera (l. c.) ihn auch von Celebes aufführt, beruht
auf einer Verwechslung mit der Anoa oder auf einer anderen
Unzulänglichkeit, wie man sie auf Schritt und Tritt in seiner
Compilation antrifft. Nehring (SB. Ges. naturf. Berlin 1894, 185)
beschrieb von der Mindoro nahen Calamianen Insel Busuanga noch einen
wilden Büffel als B. moellendorffi, der etwas grösser als der Tamarao
sei, allein ich halte ihn nicht für einen wilden, da Dr. Schadenberg
mir mittheilte, dass es nach der Aussage von Don Bernardo Ascanio, der
20 Jahr auf den Calamianen, speziell in Malbató auf Busuanga gelebt
hat, dort keine wilden Büffel gebe. Dass auf der kleinen Insel
Jemandem, der so lange dort als Pflanzer ansässig ist, das
Vorhandensein wilder Büffel unbekannt geblieben sein sollte, kann man
ausschliessen; es handelt sich daher nur um einen verwilderten, oder
vielleicht nicht einmal um einen solchen, [32] falls man darunter nur
schon seit Generationen verwilderte versteht. [33] Dr. Schadenberg
theilte mir mit, dass auf Mindoro verwilderte Büffel neben dem Tamarao
vorkommen sollen, er habe aber keine gesehen; man spräche auch davon,
dass sie sich mit Tamaraos kreuzten, worüber er sich jedoch vorläufig
kein Urtheil erlauben wolle. Den Schädel eines solchen angeblich wilden
Carabao von Mindoro sandte er auch ein (B 3199). Die bis jetzt
bekannten Tamaraos geben keinen Anlass zur Annahme von Kreuzungen, und
wenn sie ausnahmsweise statt hätten, so würde dies bei dem zweifellosen
Überwiegen des auf ganz Mindoro und, wie es scheint, zahlreich
vorkommenden Tamarao wahrscheinlich keinen dauernden Einfluss auf die
Umgestaltung der Art gewinnen können. Jordana (Bosquejo 1885, 172)
sagt: „El Tamarao es animal muy agreste y vigoroso, que á veces lucha
victoriosamente con el bufelo silvestre en el seno de los bosques“,
allein auf solche Angaben nach Hörensagen ist vorerst gar Nichts zu
geben.
Jentink (l. c. 204) hält es für möglich, dass der Tamarao ein Bastard
zwischen Bubalus bubalus und Anoa depressicornis von Celebes sei. Ich
kann mir gar nicht vorstellen, wie eine solche Hybridisation hätte zu
Stande kommen sollen. Dazu hätte die Anoa zahlreich nach Mindoro
gebracht worden sein müssen, was gewiss nicht geschehen ist. Auch ist
der Tamarao eine ganz stabile, typische und gewiss alte Form. Der
Schädel 1569 des Museums, den Semper vor dem Jahr 1865 erhielt, stimmt
vollkommen überein mit denen von in den Jahren 1894 und 1895 durch
Schadenberg erlegten Exemplaren. Dies beweist schon die Constanz, nicht
minder wie die in den Museen vorhandenen, ganz untereinander
übereinstimmenden Häute es darthun. Nimmt Jentink an, dass die Anoa
früher auf Mindoro gelebt habe, und sich dann mit den importirten
Büffeln kreuzte? Welche Gründe könnte man wohl zu Gunsten einer solchen
Annahme ins Feld führen? Lydekker, der (l. c. 306) die Möglichkeit
einer Bastardirung nach Jentink nicht abweist, sagt, der Tamarao müsse
noch als gute Art erwiesen werden. Wenn aber, wie jetzt, schon viele
gleiche Exemplare bekannt sind (Berlin 1, Dresden 6, Leiden 3, Manila
2, Paris 2, durch Steere 3, Stuttgart 1 etc.), so ist es mir ganz
unerfindlich, wesshalb man noch an der Artberechtigung zweifeln, oder
einen Bastard im Tamarao erblicken wollte. Auch vermag ich Jentink
darin nicht beizustimmen, dass er meint, wenn der Tamarao kein Bastard
sei, so müsse er eine neue generische Bezeichnung erhalten, da er weder
als echter Büffel, noch als Anoa angesehen werden könne, denn der
Tamarao hat, m. A. n., genügend Büffelcharaktere, um ihn zu den übrigen
Büffeln zu stellen. Doch die Bildung einer neuen Gattung ist in diesem
Fall unwesentlich und mehr oder weniger Geschmacksache. Die Hypothese,
dass der Tamarao ein Bastard sei, halte ich für um so entbehrlicher,
als sie an und für sich wenig plausibel ist. Tamarao und Anoa können
vielmehr als Nachkommen des Sivalikrindes angesehen werden, daher die
vielfache Übereinstimmung. Die insulare Sonderung führte zu einer
Divergenz in ihrer Entwicklung, auf Celebes zur Anoa, auf Mindoro zum
Tamarao. Diese Hypothese, wenn schon eine aufgestellt werden soll,
scheint mir weit annehmbarer. (Vgl. Heller: Anoa in Abh. Mus. Dresden
1890/1 Nr. 2 p. 34.)
Ich habe den Beschreibungen Jentinks (l. c. 201) wenig hinzuzufügen.
Der Stand und die Zahl der Haarwirbel variiren ausserordentlich, nicht
ein Exemplar von den 6 des Museums stimmt darin mit den Leidener
überein, und keines gleicht dem andern; es sind welche mit nur einem
Wirbel vorhanden. Der helle Fleck unter dem Auge fehlt den Dresdner
Weibchen nicht — es sind auch manchmal 2 Flecke vorhanden —,
ebensowenig wie die hellen Binden an der Kehle und der Wamme. Der
abgebildete Stier (grosse stehende Figur Taf. VII) ist heller gefärbt
als die Kühe. Dr. Schadenberg schrieb mir, dass die Tamaraos dieselbe
Farbe hätten wie die Carabaos. Das Exemplar des Berliner Museums ist
nach Dr. Hellers Beobachtung länger (bis 4 cm lang) behaart. Das
abgebildete weibliche Kalb mit Hörneransatz (Taf. VII und Taf. VIII
Schädel) besitzt bereits die helle Zeichnung bis auf die Flecken unter
dem Auge.
Maasse der 2 nach den Skeletten ausgestopften Exemplare:
2422 fem. 2457 fem.
Entfernung vom Vertex zum Anus 1.670 m 1.710 m
Kopflänge 0.395 0.420
Schulterhöhe 1.000 1.110
Hornlänge, in der Curve gemessen 0.320–350 0.320–345
Hornlänge, gerade gemessen 0.300–315 0.290–300
Abstand der Spitzen 0.175 0.110
Ohrlänge 0.160 0.170
Auf Tafel VII ist in c. 1⁄12 n. Gr. ein adulter, aber noch nicht alter
Stier (B 3198 stehend), eine alte Kuh (2422, liegend) und ein
weibliches Kalb (B 3089) dargestellt. Man vergleiche mit der Abbildung
des Stieres die der Anoa bei Schlegel (Handleiding Dierk. 1857 Atlas
Pl. V Fig. 5 in 1⁄20 n. Gr.), um die Ähnlichkeit dieser beiden
Zwergbüffel zu erkennen; auch die weisse Zeichnung stimmt überein, nur
dass dem Tamarao der helle Längsstreif an den Beinen fehlt. Auf Tafel
VIII Figur 1 findet man das Skelet einer alten Kuh (2457), als grösstes
und ältestes von den vorhandenen 4 adulten, in c. ⅛ n. Gr., genau so
gross wie das Skelet des Anoa-Stieres, das Heller (Abh. Mus. Dresden
1890/1 Nr. 2 Taf. III) in 5⁄32 n. Gr. abbildete, also direct damit
vergleichbar. Es ist ferner auf Tafel VIII Figur 2 der Schädel des
weiblichen Kalbes (B 3089) in ⅓ n. Gr. dargestellt. Das Museum besitzt,
ausser diesem und den 4 der Skelette, noch 4 Schädel, davon 2 defect;
im Ganzen 6 Häute, 4 Skelette und 5 Schädel (davon einen durch Semper),
aber Dr. Schadenberg beschaffte auch direct oder indirect das Material
für einige andere Museen (z. B. Leiden und Stuttgart).
Es verdient erwähnt zu werden, dass unter den vier mir vorliegenden
Tamarao Skeletten zwei weibliche (B 2852 und B 3088), wie das Leidener
weibliche (Jentink l. c. 203 pl. 11 obere Figur), am ersten
Lendenwirbel eine bewegliche Rippe haben, und zwar B 2852 rechts eine
34 cm, und B 3088 links eine 29 cm lange; beide Wirbel haben an der
anderen Seite ein unbewegliches Rippenrudiment, und zwar B 2852 links
ein 12 cm langes und B 3088 rechts ein abgebrochenes, dessen
ursprüngliche Länge nicht mehr zu bestimmen ist. Ähnlich weist ein
Skelet von Bubalus brachyceros Gr. vom Ogowe, West-Afrika (1510) zwei
bewegliche, 13 und 15 cm lange Rippen am ersten Lendenwirbel auf.
Dagegen sind zwei der Tamarao Skelette, ein Stier und eine Kuh, in
dieser Hinsicht normal. Alle vier Tamarao Skelette haben 6
Lendenwirbel. Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/91 Nr. 2 S. 18) giebt für
Anoa auch 6 Lendenwirbel als Norm an, aber ein dem Museum inzwischen
zugekommenes Skelet (B 2705 mas) hat 7, neben drei schon länger
vorhandenen Skeletten mit 6. Alle vier Tamaraos haben 13 Brustwirbel.
Anoa hat nach Heller (p. 19) 13, selten 14, die vier Dresdner Anoas
haben 13, u. a. eine Holländer Kuh und ein Bubalus brachyceros 13, ein
Wisent und zwei Bisons 14. Jentink giebt 18–19 Schwanzwirbel beim
Tamarao an, zwei der Dresdner haben 17, eins 16 und eins ist defect.
Die Excrescenzen an den proc. spin. der Brustwirbel, die Jentink
erwähnt, finden sich auch an den Dresdner Exemplaren mehr oder weniger
ausgebildet, aber nicht bei Anoa und anderen Büffeln (s. auch Heller p.
19).
Wie Heller (p. 32) schon anführte, kommen Tamaraos bei Sablayer an der
Westküste Mindoros und bei Margarin an der Südküste vor. Dr.
Schadenberg jagte sie bei Mambarao an der Nordküste (B 2890) und 2
Tagemärsche östlich von da (2422), sowie an der Laguna Nauján an der
Nordostküste (2457 und B 3089, Kuh mit Kalb zusammen). Sie scheinen
also über ganz Mindoro verbreitet zu sein. Unter dem 27. Mai 1895
schrieb er mir: „Ich habe an der Laguna Nauján eine Tamaraokuh mit Kalb
geschossen. Ich wurde dann von einem Tamarao Stier angegriffen, auf den
ich mit Explosionskugeln schoss. Es war Nachts, wir fanden ihn nicht
gleich, sondern erst nach 2 Tagen, allein in kläglicher Weise durch
vagabundirende oder wilde Hunde zerstört“. Das ist leider das einzige,
was dieser unermüdliche Forscher und Sammler mir über seine Jagden auf
Tamaraos in den Jahren 1894 und 1895 mitgetheilt hat. Schon früher war
er einmal zu gleichem Zweck auf Mindoro gewesen. Jedenfalls hatte er
spätere eingehende Schilderungen beabsichtigt, allein er holte sich auf
einem dieser kühnen Züge im Jahr 1895 in den ungesunden Niederungen ein
perniciöses Sumpffieber, das seinem Leben ein frühzeitiges Ende
bereitete, ein ausserordentlicher Verlust für die weitere Erforschung
der Philippinen (wie ich an anderer Stelle darthun werde), ein
unersetzlicher für seine Familie und seine Freunde.