Tafel V und VI

1878 (?) Schlegel Prospectus von „Annals of the R. Zool. Mus. of the

Netherlands at Leyden“ (mit Schädel-Tafel)

1879 Schlegel Notes Leyden Mus. I, 43

1883 Jentink Notes Leyden Mus. V, 178

1885 Blanford P. Z. S. 790, 806

1887 Jentink Cat. (ost.) IX, 94 Pl. 1 u. 2 (Schädel)

1890 Weber Zool. Erg. I, 110

1894 Weber Zool. Erg. III, 469 fg.

Dieses grösste Raubthier von Celebes [24] blieb merkwürdig lange

unbekannt, es ist allen früheren Reisenden entgangen, oder wenn sie

davon gehört hatten, wie z. B. v. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 268) und

ich, so war es ihnen nicht gelungen, es zu erbeuten. Laut Tagebuchnotiz

hörte ich am 20. Juni 1871 in Belang in der Minahassa, dass ein

„andjing utan“ (Waldhund) seit einiger Zeit in der Nähe sei und Hühner

weghole. Ich hatte schon früher einen Preis auf das Thier, von dem

Mancher in der Minahassa sprach, gesetzt, aber erfolglos. Erst van

Musschenbroek verschaffte, als er 1875 Resident von Manado war, 5

Exemplare von Kinilo und Tanawangko, und 1883 kamen durch v. Faber noch

7 nach Leiden, die von denselben Localitäten herrührten. [25] Das

Dresdener Museum erhielt seit Anfang 1894 6 Bälge mit den Skeletten (2

m. u. 1 f. ad., 1 m. u. 1 f. jun., 1 f. juv.), beim Dorfe Kali in der

Nähe von Kakaskassen Februar, Mai und October in Fallen gefangen, mit

den Bezeichnungen andjing utan (mal.) und lonkoi. Auch P. und F.

Sarasin bekamen mehrere, wie sie mir unter dem 4. August 1894

mittheilten, und zwar aus den Wäldern, die die verschiedenen

Kraterberge in der Nähe von Rurukan bedecken. „Sie nähren sich, wie uns

die Untersuchung des Magens lehrte, sowohl von Waldratten, als auch von

den reifen Früchten der Papaya.“ Das Thier ist daher keineswegs selten,

wie man, da es so lange unentdeckt geblieben ist, versucht sein könnte

zu vermuthen. Der Grund hiervon lag vielmehr darin, dass die

Eingebornen den Fang nicht übten, bis sie genügend dazu angespornt

wurden, und dass die Naturforscher früher die Art und Weise des Fanges

nicht kannten, sowie darin, dass das Thier überhaupt verborgen lebt und

wohl nur Nachts auf Raub ausgeht. Die bis jetzt bekannten Fundorte:

Kinilo, Rurukan und Kali liegen dicht bei einander, nicht fern von

Manado; Tanawangko etwas mehr westlich; allein die Art hat gewiss eine

viel weitere Verbreitung. Die Rosenbergschen Angaben (s. bei Jentink

Notes Leyden Mus. V, 179 1883) beziehen sich auf das Gorontalosche, es

ist jedoch noch fraglich, ob es sich dort, wie auch bei meiner Notiz

von Belang, um P. musschenbroeki handelt. Ob die Art auch in Central,

Nordost und Süd Celebes [26] vorkommt, bleibt festzustellen.

Ein altes Männchen und ein junges Weibchen sind auf Tafel V in ⅕–⅙ n.

Gr. abgebildet.

Blanford, der vorzügliche Kenner der Paradoxuri, sagt (P. Z. S. 1885,

790): „P. musschenbroeki differs greatly from all other species in its

annulated tail. The skull is intermediate in form between the last

mentioned little group (Paguma) and typical Paradoxuri, but rather

nearer to the former. The shape of the palate is peculiar“. Und (p.

806): „The most remarkable peculiarity of the skull and dentition is

that the rows of upper premolars and molars, instead of diverging

greatly behind, as in all other Paradoxuri, are nearly parallel [27],

the hinder part of the palate being proportionately much narrower than

in other species of the genus. The distance between the anterior

premolars is 0.68 inch [17,3 mm], between the last molars 0.77 [19,6].

In other species the latter measurement exceeds the former by at least

one half“. Die von Blanford erwähnten Maasse sind bei dem Tafel VI

Figur 1 in ⅓ n. Gr. abgebildeten männlichen adulten Skelette (2324)

20,6 und 23,6 mm, der Schädel ist auch länger mit 157 mm, gegen 146

(5.75 inches) bei Blanford. Jentink (p. 179) giebt die Länge eines

adulten Schädels auf 148 mm an, die Breite auf 45, die Jochbogenbreite

auf 85, bei dem 157 mm langen Schädel von 2324 ist die Breite nur 43

und die Jochbogenbreite 79, er ist also länger und schmäler als der von

Jentink abgebildete. Die ersten Praemolaren sind noch vorhanden,

Jentink sagt, sie fehlen bei adulten Exemplaren, was aber wohl nur bei

alten der Fall sein mag, denn 2324 ist adult, wenn auch etwas jünger

als das Exemplar a (Cat. p. 94), dessen Schädel Jentink abbildete.

Länge des Körpers und Kopfes des ausgestopften Ex. (2310, zu Skelet

2324) 820 mm, Länge vom Vertex zum Anus 680, Länge des Schwanzes 690.

Da mir das Exemplar 2310 in Spiritus zukam, so liess ich die (linke)

Vola und Planta, ihres bemerkenswerthen Oberflächenreliefs wegen,

photographiren und bilde sie Tafel VI Figur 2 und 3 in n. Gr. ab. Ein

auffallender Unterschied mit anderen von mir daraufhin untersuchten

Paradoxuri besteht darin, dass die Tastballen bei P. musschenbroeki

glatt, bei jenen gefeldert sind.

Vola (Figur 2). Die 5 Nagel- oder Endballen (a–e) [28] sind relativ

mässig, die sie verbindende Schwimmhaut dagegen ist sehr stark

entwickelt, die 4 Metacarpophalangealballen (α–δ), besonders der 3.

(γ), zeigen mächtige Ausbildung, wie auch der Radial- und der

Ulnarballen (r und u), besonders letzterer, der überhaupt der grösste

Tastballen der Vola ist; der 4. Metacarpophalangealballen (δ) zeigt

proximal eine kleine Abschnürung; ein Pisiformballen (P) ist kaum

angedeutet. Diese Metacarpophalangeal-, Radial- und Ulnarballen bilden

mehr oder weniger ein zusammenhängendes, nur durch schmale Furchen von

einander getrenntes Gebilde, mit der Ausnahme jedoch, dass sie in der

Mitte eine mit groben Warzen besetzte vertiefte intermediäre Tastfläche

[29] umschliessen, auch proximal und peripher reihen sich den Ballen

einige Warzen an; die Tastballen aber sind ganz glatt und nicht mit

Warzen besetzt.

Planta (Figur 3). Die Endballen und Metatarsophalangealballen verhalten

sich sehr ähnlich denen der Vola, so dass die Abbildung zum

Verständnisse genügen dürfte. Der Tibialballen (t) ist langgestreckt,

und verschmälert sich proximalwärts, der Fibularballen (f) ist etwas

kürzer; zwischen beiden liegt eine längliche intermediäre Tastfläche,

die mit unregelmässig angeordneten polygonalen oder abgerundeten,

groben, an einander stossenden Warzen besetzt ist. Die peripher

stehenden Warzen sind hier regelmässiger (einreihig) angeordnet als auf

der Vola.

Untersucht man dagegen dieselben Gebilde z. B. bei P. musanga Gr. (B

3261 von Sumatra, in Spiritus), so findet man eine grosse Reihe von

Unterschieden, vor Allem aber sieht man schon mit unbewaffnetem Auge,

dass alle Tastballen gleichmässig mit polygonalen flachen Hautwarzen

vollkommen besetzt sind, und ebenso die intermediären Tastflächen,

soweit vorhanden, so dass ein dichtes Netzwerk, eine Felderung,

entsteht; nur die Schwimmhaut zwischen den Endballen und den Metacarpo-

und Metatarsophalangealballen ist glatt. Die 5 Endballen der Vola und

Planta sind sehr stark entwickelt. Der 1. Metacarpophalangealballen

steht etwas abgegrenzt, die anderen 3 sind aber fast mit einander

verschmolzen; der Ulnarballen ist sehr gross, der Radialballen etwas

kleiner, beide liegen aber direct an den Metacarpophalangealballen; dem

Ulnarballen reiht sich ein kleiner Pisiformballen an. 1. und 2.

Metatarsophalangealballen etwas gegeneinander abgegrenzt, 3. und 4. mit

einander verschmolzen; Tibial- und Fibularballen langgestreckt,

letzterer etwas breiter und distal mit dem 1. Metatarsophalangealballen

verschmolzen; zwischen dem Tibial- und Fibularballen eine lange breite

intermediäre Tastfläche mit groben polygonalen, an einander stossenden

Warzen besetzt.

An trockenen Exemplaren lässt sich die Disposition der Tastballen nicht

genau studiren, ihre Felderung aber konnte ich bei P. musanga von

Borneo, fasciatus Desm. von Java, philippensis Jourd. von Panay und

leucomystax Gr. von Borneo (?) als die gleiche erkennen wie bei P.

musanga in Spiritus. Klaatsch (Morphol. Jahrb. 14, 417 1888) beschreibt

die Ballen von P. typus [niger (Desm.)] auch als mit grösseren

polygonalen, ziemlich flachen Hautwarzen besetzt, es scheint also, dass

die meisten, wenn nicht alle Paradoxurus-Arten, bis auf P.

musschenbroeki, gefelderte Tastballen haben, während dieser die glatten

mit Viverren gemein hat. [30] Das Oberflächenrelief einer jeden

Paradoxus Art wird wohl anders gestaltet sein, allein wenn alle bis auf

P. musschenbroeki gefelderte Tastballen besitzen, so hat dieses

abweichende Verhalten des letzteren doch wohl mehr Gewicht. Allerdings

kommen derartige morphologische Differenzirungen innerhalb einer

Gattung auch sonst vor, wie wir denn oben (S. 8) eine solche, nach

Weber, in dem beschuppten und glatten Tarsier-Schwanze zu erkennen

hatten; falls jedoch dies Verhalten von P. musschenbroeki unter den

Paradoxuri wirklich ein isolirtes ist, und Hand in Hand geht mit den

anderen abweichenden Charakteren (Schädel, Schwanzringelung etc.), so

wäre eine generische Abtrennung vielleicht geboten. Der ganze Habitus

von P. musschenbroeki weicht von dem der anderen Paradoxuri durch

Plumpheit ab, der dicke Kopf ferner mit seinen langen steifen, hellen

und dunklen Schnurren, und die breiten Füsse mit ihren stark

ausgebildeten Schwimmhäuten geben dem Thier etwas otterartiges, was

Jedem sofort in die Augen springt, so dass man zuerst gar keinen

Paradoxurus vor sich zu haben vermeint.

Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel · 第 17 / 190 题