BRENDEL. -- einer von jenen Tugendhusaren, die mich aus dem
Debattierverein ausschlossen?
KROLL. Kann schon sein. Aber ich protestiere gegen jede nähere
Bekanntschaft.
BRENDEL. Nu nu! As you like it, Mister Kroll. Kann mir höchst
gleichgültig sein, Ulrich Brendel bleibt doch, was er ist.
REBEKKA. Sie wollen wohl nach der Stadt, Herr Brendel?
BRENDEL. Die Frau Pastorin habens getroffen. Von Zeit zu Zeit bin ich
genötigt, in dem Kampf ums Dasein eine Schlacht zu schlagen. Ich tus
nicht gern; aber -- enfin -- die unerbittliche Notwendigkeit --
ROSMER. Aber lieber Herr Brendel, Sie werden mir doch gestatten, Sie mit
irgend etwas zu unterstützen? Auf die ein oder andre Weise --
BRENDEL. Ha, ein solcher Vorschlag! Du könntest das Band beflecken, das
uns vereint? Niemals, Johannes, -- niemals!
ROSMER. Aber was gedenken Sie in der Stadt anzufangen? Glauben Sie mir,
so leicht werden Sie da Ihr Fortkommen nicht finden --
BRENDEL. Das überlaß mir, mein Junge. Die Würfel sind gefallen. So wie
ich hier vor dir steh, befind ich mich auf einer großen Reise. Weit
größer als all meine frühern Streifzüge zusammen. (Zu KROLL.) Darf ich
den Herrn Professor etwas fragen, -- d. h. entre nous? Gibt es nämlich
in Ihrer wohllöblichen Stadt ein leidlich anständiges, reputierliches
und geräumiges Versammlungslokal?
KROLL. Das geräumigste ist der Saal des Arbeitervereins.
BRENDEL. Haben der Herr Doktor irgend welchen qualifizierten Einfluß in
diesem ohne Zweifel sehr nützlichen Verein?
KROLL. Ich hab gar nichts damit zu tun.
REBEKKA (zu BRENDEL). Sie müssen sich an Peter Mortensgaard wenden.
BRENDEL. Pardon, Madame, -- was ist das für ein Idiot?
ROSMER. Warum halten Sie ihn für einen Idioten?
BRENDEL. Hör ichs dem Namen nicht sofort an, daß er einem Plebejer
gehört?
KROLL. Die Antwort hätt ich nicht erwartet.
BRENDEL. Aber ich will mir Zwang antun. Bleibt mir keine andre Wahl.
Wenn man, -- wie ich, -- an einem Wendepunkt seines Lebens steht --.
Abgemacht. Ich setze mich mit dem Individuum in Verbindung, -- knüpfe
direkte Unterhandlungen an --
ROSMER. Stehn Sie in der Tat ernstlich an einem Wendepunkt?
BRENDEL. Weiß denn mein braver Johannes nicht, daß, wo Ulrich Brendel
steht, er dort immer ernstlich steht?... Ja, mein Junge, nun will ich
mir einen neuen Menschen anziehn. Die bescheidne Zurückhaltung aufgeben,
die ich bisher beobachtet habe.
ROSMER. Wie denn --?
BRENDEL. Mit tatkräftiger Hand will ich ins Leben eingreifen.
Hervortreten. Auftreten. Wir leben in der sturmbewegten Zeit der
Sonnenwende ... Nun will ich mein Scherflein auf dem Altar der Befreiung
niederlegen.
KROLL. Auch =Sie= wollen --?
BRENDEL (zu allen). Besitzt das anwesende Publikum eine etwas genauere
Kenntnis meiner Flugschriften?