Rudolf Lebius."

Ich mache darauf aufmerksam, daß er mich "Doktor"

titulierte, obgleich ich ihm während seines Besuches bedeutet

hatte, und zwar wiederholt, hiervon abzusehen. Er tat

dies aber nicht, denn dieser Doktor sollte ihm ja als

Waffe gegen mich dienen!

Um diese Zeit schrieb Max Dittrich eine Broschüre

über mich und meine Werke. Er war so unvorsichtig,

das Manuskript Lebius zu zeigen. Dieser kam sofort

nach Radebeul geeilt, um mich zu bitten, mich bei Dittrich

dafür zu verwenden, daß dieser ihm, Herrn Lebius, das

Werk in Verlag gebe. Er wurde ganz selbstverständlich

mit dieser Bitte abgewiesen, und ich schrieb Herrn Max

Dittrich, daß ich niemals wieder mit ihm verkehren würde,

wenn es ihm einfalle, diesem Manne die Broschüre zu

überlassen.

Dieser zweite Besuch des Herrn Lebius dauerte höchstens

zehn Minuten lang. Als er fort war, fehlte mir eine

Photographie, die er mir entwendet hatte. Er durfte

nie wiederkommen. Trotzdem hat er wiederholt behauptet,

in meinem Hause vielfach verkehrt zu sein und mich sehr

genau studiert zu haben.

Am folgenden Tage schrieb er mir:

"Dresden-A., 12. 7. 04.

Fürstenstraße 34.

Sehr geehrter Herr Doktor!

_Ich_möchte_sehr_gern_die_Dittrichsche_

_Broschüre_verlegen_und_würde_mir_auch_die_größte_

_Mühe_geben,_sie_zu_vertreiben._ Durch den Rücktritt

von der "Sachsenstimme" -- offiziell scheide ich

erst am 1. Oktober d. J. aus -- bin ich aber etwas

kapitalschwach geworden.

_Würden_Sie_mir_vielleicht_ein_auf_drei_

_Jahre_laufendes,_5prozentiges_Darlehen_ gewähren?

Ich zahle Ihnen die Schuld vielleicht schon

in einem Jahre zurück.

| Als Dank dafür würde ich die Broschüre |

| so lancieren, daß alle Welt von dem Buche |

| spricht. Ich habe ja auf diesem Gebiete |

| besonders große Erfahrung. |

Meine Zeitung kommt zu Stande und zwar auf

ganz solider Basis. Nun heißt es arbeiten und zeigen,

_daß_man_ein_ganzer_Kerl_ist_ usw. usw. Beste

Empfehlung an Ihre Frau Gemahlin

Ihr Ihnen ergebener

Rudolf Lebius."

Ich antwortete nicht. Ich war der Ansicht, daß

jemand, der Ehre besitzt, auf ein solches Schweigen nicht

weitergehen könne, zumal ich Herrn Lebius _mit_der_

_Broschüre_total_abgewiesen_hatte._ Aber am 8. August

schrieb er trotzdem wieder:

"Die "Sachsenstimme" ist am 4. d. zu vorteilhaften

Bedingungen an mich allein übergegangen. Ich kann

jetzt schalten und walten, wie ich will. Um mich von

dem Drucker etwas unabhängig zu machen, _würde_

_ich_gern_einige_tausend_Mark_(3--6)_auf_ein_

_halbes_Jahr_als_Darlehen_aufnehmen._ Ein

Risiko ist ausgeschlossen. Hinter mir stehen die jüdischen

Interessentenfirmen, die mich, wie die letzte Saison

bewiesen hat, in weitgehendem Maße unterstützten. Das

Weihnachtsgeschäft bringt wieder alles ein. _Würden_

_Sie_mir_das_Darlehen_gewähren?__Zu_Gegenleistungen_

_bin_ich_gern_bereit._ Die große Zahl

von akademischen Mitarbeitern erhebt mein Blatt über

die Mehrzahl der sächsischen Zeitungen. Wir können

außerdem die Artikel, auf die Sie Wert legen, an 300

oder mehr deutsche und österreichische Zeitungen versenden

und den betreffenden Artikel blau anstreichen. So etwas

wirkt unfehlbar. In Dresden lasse ich mein Blatt

allen Wirtschaften (1760) zugehen. Mit vorzüglicher

Hochachtung Rudolf Lebius."

Zu derselben Zeit erfuhr ich, daß Lebius gar nichts

besaß, sondern den Offenbarungseid geleistet hatte, daß

er den Drucker seines Blattes nicht bezahle, daß er

überhaupt nur Schulden habe und daß er sogar Honorar

schuldig bleibe. Daß seine Zeitung eine solide Basis habe,

war unwahr, ebenso die "große Zahl der akademischen

Mitarbeiter" und Anderes. Dergleichen absichtliche

Täuschungen gehören eigentlich vor den Staatsanwalt.

Ich mache auf seine Ueber- und Unterschriften aufmerksam:

"Sehr geehrter Herr . . . . Mit vorzüglicher

Verehrung!" "Mit großer Hochachtung und Verehrung!"

"Sehr geehrter Herr Doktor . . . . In Verehrung

und Dankbarkeit." Als er sah, daß diese Höflichkeiten

nicht zogen, schrieb er nicht mehr an mich, sondern

an Dittrich. So am 15. August 1904:

"Werter Herr Dittrich!

Ich gebe Ihnen für die Vermittlung ein Prozent.

_Mehr_als_10_000_Mk._brauche_ich_nicht._ Ich

würde aber auch mit weniger vorlieb nehmen. Das

Honorar sende ich am 20. d. wie verabredet.

Können Sie nicht Dr. May _b_e_a_r_b_e_i_t_e_n,_ daß

er mir Geld vorschießt?

Mein Leben und Streben · 第 10 / 13 题