Die Zufriedenheit. Wurzel.
Zufriedenheit.
Wer lärmt denn so entsetzlich?
Wurzel.
Der Aschenmann ist da, Euer Gnaden Fräulein Köchin. Sie werden
noch nicht die Ehre haben, mich zu kennen? Ich bin ein neuer,
der alte ist gstorben, ich habs erst heute übernommen. Ich bitt
um Verzeihung, ich hab noch keine Visitkarten herumgeschickt.
Ich heiße Fortunatus Wurzel.
Zufriedenheit.
Er ist mein einst so fröhlicher Bauer? Ich hätte Ihn nicht
erkannt.
Wurzel.
Ich weiß, wenn man einmal so ausschaut, kennen einen die
Weibsbilder nicht mehr.
Zufriedenheit (für sich).
Nu, den haben die Geister schön zugerichtet. (Laut.) Du armer
Narr!
Wurzel.
Jawohl, arm bin ich, und ein Narr bin ich auch gewesen! Ja
meine liebe Köchin, ich hab schön abgekocht, mit mir ists
vorbei.
Zufriedenheit.
Wie alt bist du denn?
Wurzel.
Ich hätte sollen die Vierziger kriegen, aber die Zeit hat
sich vergriffen und hat mir einen Hunderter hinaufgemessen,
und den halt der Zehnte nicht aus. Die Zeit ist ein wahrer
Korporal, der mit die Jahr zuschlägt. Im Anfang hat s' ein
Rütchen von lauter Maiblümeln, da gibt s' einem alle Jahr so
einen leichten Tupfer, das gfreut einem, da springt man wie
ein Füllerl. Hernach kommt s' mit einen Besen von lauter Rosen,
da sind schon Dorn dabei, nach und nach schlagen sich die
Rosen weg, ist der Haslinger da. Endlich kommt s' mit einem
Wiesbaum daher, laßt ihn nur umfallen, aus ists. Aber es
gschieht mir recht, warum bin ich kein Bauer geblieben? Den
Fischer da drinn wirds akkurat so gehen.
Zufriedenheit.
Kennst du den Fischer?
Wurzel.
Freilich. Er hätt ja mein Schwiegersohn werden sollen. Wenn
ich ihm s' nur geben hätte! Viel tausendmal hats mich schon
gereut.
Zufriedenheit (für sich).
Er dauert mich. (Laut.) Ist dir diese Äußerung ernst?
Wurzel.
O meine liebe Jungfer Köchin, wenn Sie mein verwurlte Geschicht
wußten, so täten S' nicht so dumm fragen.
Zufriedenheit.
Ich weiß deine Geschichte, ich habe sie in dem Buche des
Schicksals gelesen.
Wurzel.
So? Sind Sie auch eine solchene, die statt dem Kochen liest?
Zufriedenheit.
Bereuest du, was du getan hast?
Wurzel.
Von ganzem Herzen.
Zufriedenheit.
Beneidest du den Fischer um sein Glück?
Wurzel.
Um kein Schloß nicht! Den wirds reuen, das ganze Dorf redt
davon. Ich kenn s' schon, die Geister die einem solche Häuser
schenken. Heut nach haben s' ihms aufgebaut von Diamanten und
rote Rüben, glaub ich. Wie s' ihm erwischt haben, weiß ich
nicht.
Zufriedenheit.
Würdest du ihm jetzt deine Ziehtochter geben?
Wurzel.
Um kein Preis. Erstens weil ich s' nicht habe, zweitens weil
s' mit den Reichtum eine unglückliche Person würde.
Zufriedenheit.
Wenn er aber wieder würde, wie er war?
Wurzel.
Nachher soll er s' haben, aber suchen muß er s' zuerst, denn
die ist vielleicht gar in der chinesischen Schweiz.
Zufriedenheit.
Er wird sie finden, und ist er ihrer Liebe würdig, so seid ihr
alle gerettet, und auch du wirst wieder glücklich werden.
Wurzel.
Wär das möglich! Ausgstanden hätt ich mir schon genug. Aber
was können Sie wissen? Reden wir von was Gscheiden. Haben S'
keinen Aschen?
Zufriedenheit.
Ich wollte, ich könnte schon die Asche dieses Schlosses in
deinen Kübel leeren.
Wurzel.
O meine liebe Mamsell Köchin, das war ein schöne Gegend. Ein
jedes Stammerl kenn ich davon, der einzige Baum da drauß ist
stehngeblieben. Sehen S' den Baum? da dran ist die Fischerhütten
gstanden, da ist just ein Rosenberg darüber zaubert, der Gipfel
ist grad so hoch, als das Dach von der Hütten war.
Zufriedenheit.
Gut, auf die Spitze dieses Hügels setze dich und erwarte
meinen Wink. Siehst du die Sonne untersinken, und ich habe
dich noch nicht gerufen, so sehe es als ein Zeichen an, daß
dein und andrer Glück mit ihr hinuntersinkt, doch wirst du
sie in unserer Mitte schauen, so geht dir eine neue auf, dafür
bürge ich dir mit meinem Wort.
Wurzel.
O du mein Himmel, was reden Sie für eine schöne Sprach, als
wie ein verkleideten Professor. Gelten S', Sie sein keine Köchin?
Zufriedenheit (lächelnd).
Nein, das bin ich nicht.
Wurzel.
Was sein S' denn?
Zufriedenheit.
Das wirst du erfahren. Jetzt befolge, was ich dir befahl.
Wurzel.
Ja, ich wills gern tun. Aber wenn ich etwa ein paar Monat
oben sitzen muß, bis Sie mich rufen, so bringt mich der Hunger
um. Haben S' denn gar nichts für meinen aschgrauen Magen?
Zufriedenheit (Lächelnd).
Nun so warte. (Sie geht in die Tür ab.)
Wurzel.
Das ist eine gute Person. Wenn ein Herr so eine Köchin hätte,
wär s' manchen lieber als der gschickteste Koch.
Zufriedenheit (kommt zurück und bringt ihm eine Linzertorte und
eine Flasche Wein).
So, mein Alter, labe dich. (Sie hält ihm die Torte hin.)
Wurzel.
Werfen S' die Torten nur in die Butten hinein.
Zufriedenheit.
Sie ist ja voll Asche.
Wurzel.
Das macht nichts, das ist gut für die Brust, den Wein schütten
wir vorn hinein. So, ich danke.
Zufriedenheit.
Nun leb wohl. Tröste dich und hoffe. (Sie geht in den Palast,
nicht in das Nebengebäude, ab.)
Wurzel.
Ich hab die Ehre zu sehen. Wenn s' nur nicht auf mich vergißt,
daß ich etwa aufs Jahr um die Zeit noch oben sitze. Wegen meiner,
ich bleibe halt oben sitzen, schau hinunter, auf die Leut, und
wenn ich was Dalkets sieh, so schrei ich: Einen Aschen!
Arie
So mancher steigt herum,
Der Hochmut bringt ihn um,
Trägt einen schönen Rock,
Ist dumm als wie ein Stock,
Von Stolz ganz aufgebläht,
O Freundchen, das ist öd!
Wie lang stehts denn noch an,
Bist auch ein Aschenmann!
Ein Aschen! Ein Aschen!
Ein Mädchen kommt daher,
Von Brüßlerspitzen schwer,
Ich frag gleich, wer sie wär?
Die Köchin vom Traiteur!
Packst mit der Schönheit ein,
Gehst gleich in d' Kuchel 'nein!
Ist denn die Welt verkehrt?
Die Köchin ghört zum Herd.
Ein Aschen! Ein Aschen!
Doch vieles in der Welt,
Ich mein nicht etwa 's Geld,
Ist doch der Mühe wert,
Daß man es hoch verehrt.
Vor alle braven Leut,
Vor Lieb und Dankbarkeit,
Vor treuer Mädchen Glut,
Da zieh ich meinen Hut.
(Nimmt den Hut ab.)
Kein Aschen! Kein Aschen! (Ab.)