Sehr schnelle Verwandlung in einen großen schönen Platz der
Stadt. Links Wurzels prächtiges Haus mit Schalougittern, wovon
eines durch Karls Fall herabgerissen ist und nebst einem Stück
Gesimse, welches er herabgetreten, an seiner Seite liegt, aber
sogleich von einem Zuschauer aufgehoben wird, der es den noch
dazu Kommenden zeigt.
Karl liegt auf der Erde, und Wurzel hält ihn an der Brust.
Zuschauer vollenden das Tableau.
Der Lärm, welchen man im Zimmer unter der Verwandlung schon
hörte, dauert nach derselben einen Augenblick noch fort.
Wurzel.
Um die Wache fort! der Bursch ist ein Räuber. (Zwei Bediente
laufen ab.) Er ist in mein Haus eingebrochen. ich massakrier
ihn. Fallt mir der Kerl auf den Kopf.
Karl (hat sich aufgerafft und packt Wurzel).
Spitzbube! willst du mir meinen guten Namen wiedergeben?
Lottchen (stürzt aus dem Hause und ruft).
Himmel! Karl, was tust du--mein Vater.
Karl (im höchsten Zorn).
Wart, Schuft! du sollst den Bauer kennenlernen. (Eilt ab.)
AlleS (ruft).
Halts ihn auf! (Einige eilen ihm nach.)
Lottchen (stürzt in Verzweiflung zu Wurzels Füßen).
Vater! was haben Sie getan?
Wurzel (schleudert sie vom Tor weg).
Fort! Satan! (Er läuft schnell ins Haus und schlägt das Tor
hinter sich zu.)
Lottchen (eilt ihm nach und will hinein).
Er hat das Tor abgeschlossen, wie wird das enden? Vater! Vater!
Verzeihung! Hören Sie mich!
Wurzel (erscheint am Fenster mit dem Bünkel, in welchem sich
Lottchens Bauernkleider befinden, außen ist der Strohhut
aufgebunden).
Du bist nicht mein Kind, du bist eine angenommene Kreatur!
Hinaus mit dir in den Wald, zu deinen Gespielinnen, zu die
Wildgäns, wo ich dich gfunden hab, du Waldschnepf, (wirft ihr
die Kleider hinab) in mein Haus kommst du nimmermehr!
(Schlägt das Fenster zu.)
Lottchen (weint).
Ich unglückliches Kind! (Zu einem Schlosser.) Ach mein Herr,
nehmen Sie sich doch an um mich.
Schlosser (recht derb).
Ja, da muß man halt gut tun, mein Schatz, wenn man von ander
Leut Gnaden lebt. Was soll denn unsereiner sagen, der sich vor
Kummer nicht aus weiß? da heißts fleißig sein! (Im nämlichen
Ton fort zu einem vorübergehenden Tischlergesellen.) Franzl,
wo gehst denn hin?
Tischler (schon an der Kulisse).
Ins Wirtshaus! (Geht hinein.)
Schlosser (ruft ihm nach).
Wart, ich geh auch mit, leih mir zwei Gulden. (Geht ihm nach.)
(Alle Zuschauer lachen und verlieren sich.)
Lottchen (allein).
Also so weit ist es mit mir gekommen? Gibt es denn kein Wesen,
das Erbarmen mit mir hat? O daß die Nacht niedersinken möchte,
um mich und meine Schande zu verhüllen.
(Dumpfer Donner. Musik. Graue Wolkenschleier senken sich langsam
über die ganze Bühne herab. Dann sinkt die Nacht personifiziert
nieder. Eine kolossal gemalte Figur, welche an Breite den größten
Teil der Mitte des Theaters einnimmt. Sie ist in graues faltiges
Gewand gehüllt, mit ausgestreckten Armen, einen schwarzen Mantel
ausbreitend. Bleiches Angesicht und geschlossene Augen. Auf
dem Haupte eine schwarze Krone, in der rechten Hand einen
eisernen Zepter, dessen Knopf ein Mohnkopf bildet. Mit der
Linken gebietet sie Schweigen. Sie schwebt ernst und feierlich
herab und sinkt in das geöffnete Podium. Die Nebel vergehen
und lassen die vorige Straße im Mondenglanz zurück. Die Luft
ist rein und mit transparenten Sternen besäet, auch die
Mondessichel ist transparent auf der Hinterkortine sichtbar.
Während diesem singen die Geister der Nacht folgenden Chor in
der Kulisse.)
Chor.
In dem finstern Reich der Klüfte,
Die dem Glanz zum Hohn erbaut,
Herrscht die Königin der Grüfte,
Sie des Lichts verstoßne Braut.
Nur wenn durch der Unschuld Rufen
Sich ihr düstrer Busen hebt,
Kommts, daß über Tagesstufen
Sie zu ihrer Rettung schwebt.
(Auf dem vordern Fluggang schwebt ein Genius nieder mit einem
glänzenden Brillantstern auf dem Haupte, er ergreift Lottchens
Hand und führt sie während dieses Chores ab, welcher gleich aus
dem ersten übergeht.)
Chor.
Darum folge ihren Sternen,
Sie erglänzen dir allein,
Führen dich in weiten Fernen
In das Tal der Ruhe ein.
(Der Genius führt sie fort.--Der Sturm heult, schreckliches
Gewitter tritt ein, die Sterne verlöschen, der Mond wird rot.
Unter folgendem Chor kommen zwölf Geister der Nacht in grauem
Flor, das Haupt mit Schleier verhüllt, das Antlitz bleich,
jeder einen transparenten Stern auf dem Haupte, sie laufen
auf der Bühne durcheinander und gruppieren sich endlich nach
der Breite des Theaters gegen Wurzels Haus in drohender
Stellung. Ober ihnen fällt, so breit als die Bühne ist, ein
Chaos von Wolken ein, in welchen grau gemalte Geister den
andern ähnlich schweben und sich so verschlingen, daß die
Sterne auf ihren Häuptern die transparenten Worte bilden:
Entflieh nur der Pracht,
Dich rächet die Nacht.