Wurzel. Vorige.
Wurzel.
Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen? (Sieht
Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das Gsicht
hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie was?
mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?
Ajaxerle.
Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?
Wurzel.
Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem
Sack.
Ajaxerle.
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?
Wurzel.
Ich? woher denn?
Ajaxerle.
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem
Reich.
Wurzel.
Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so
schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er
wird mich kennenlernen.
Ajaxerle.
Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.
Wurzel.
Auf der Schneckenpost?
Ajaxerle.
Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.
Wurzel.
Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich
untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter
zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an,
für den liederlichen Fischer?
Ajaxerle.
Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle
wie die gute Stund.
Lottchen.
Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.
Wurzel.
Ein Fischer--und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen
Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn
du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald
phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal
dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel
versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast,
so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch
laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten
Millioneur heuratst.
Lottchen.
Ach, was bin ich für eine arme Närrin!
Wurzel.
Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch
Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut
die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen--dieses
unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert
aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so
kriegst doch einen Hausherrn.
Lottchen.
Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie
meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und
werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.
(Es donnert sehr stark.)
Ajaxerle.
Haben Sie ghört, den Pumperer?
Wurzel.
War das ein Donner? desto besser, vielleicht schlagt der Donner
drein, so darf ichs nicht tun. (Zu Lottchen.) Du willst also
nicht von den Fischer lassen?
Ajaxerle.
Nein, und recht hat s'! wissen Sie das? Und wenn Sie ihr den
Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar
Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.
Wurzel.
Nun gut, so hören Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher
der würdigen Schneckenzunft. (In diesem Augenblick kommt hinter
Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefüßen, auf einer abgebrochenen
Säule sitzend, aus der Versenkung. Er hat eine schwarze Tafel
und schreibt Wurzels Schwur darauf.) Nicht eh darf diese
Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie
geschmolznes Eisen glüht, ein Himbeergefrornes wird--bis
diese kräftgen Zwillingsbrüder, meine Fäust, so kraftlos sind,
daß ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann--bis
dieses kienrußschwarze Haupt sich in einen Gletscher verwandelt--
kurz, bis ich so ausschau, daß ich auf den Aschenmarkt hinaus
ghör!--Dann fragen Sie sich wieder an, mein lieber
Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein Wort.
Ajaxerle (rasch).