Elfter Auftritt

Wurzel. Vorige.

Wurzel.

Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen? (Sieht

Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das Gsicht

hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie was?

mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?

Ajaxerle.

Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?

Wurzel.

Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem

Sack.

Ajaxerle.

Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?

Wurzel.

Ich? woher denn?

Ajaxerle.

Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem

Reich.

Wurzel.

Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so

schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er

wird mich kennenlernen.

Ajaxerle.

Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein

Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig

mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.

Wurzel.

Auf der Schneckenpost?

Ajaxerle.

Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei

Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.

Wurzel.

Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich

untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter

zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an,

für den liederlichen Fischer?

Ajaxerle.

Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle

wie die gute Stund.

Lottchen.

Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.

Wurzel.

Ein Fischer--und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen

Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn

du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald

phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal

dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel

versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast,

so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch

laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten

Millioneur heuratst.

Lottchen.

Ach, was bin ich für eine arme Närrin!

Wurzel.

Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch

Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut

die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen--dieses

unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert

aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so

kriegst doch einen Hausherrn.

Lottchen.

Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie

meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und

werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.

(Es donnert sehr stark.)

Ajaxerle.

Haben Sie ghört, den Pumperer?

Wurzel.

War das ein Donner? desto besser, vielleicht schlagt der Donner

drein, so darf ichs nicht tun. (Zu Lottchen.) Du willst also

nicht von den Fischer lassen?

Ajaxerle.

Nein, und recht hat s'! wissen Sie das? Und wenn Sie ihr den

Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar

Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.

Wurzel.

Nun gut, so hören Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher

der würdigen Schneckenzunft. (In diesem Augenblick kommt hinter

Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefüßen, auf einer abgebrochenen

Säule sitzend, aus der Versenkung. Er hat eine schwarze Tafel

und schreibt Wurzels Schwur darauf.) Nicht eh darf diese

Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie

geschmolznes Eisen glüht, ein Himbeergefrornes wird--bis

diese kräftgen Zwillingsbrüder, meine Fäust, so kraftlos sind,

daß ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann--bis

dieses kienrußschwarze Haupt sich in einen Gletscher verwandelt--

kurz, bis ich so ausschau, daß ich auf den Aschenmarkt hinaus

ghör!--Dann fragen Sie sich wieder an, mein lieber

Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein Wort.

Ajaxerle (rasch).

Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär · 第 23 / 55 题