Großer Feensaal, mit magischen Lampen von verschiedenen Farben
hell beleuchtet, welche, auf Kandelabern angebracht, die Kulissen
zieren. Im Hintergrunde die Öffnung eines großen Bogentores,
welches durch einen schalartigen, mit Gold verbrämten Vorhang
verdeckt ist.
In der Mitte des Theaters spielen zwei Furien, ein Triton und der
kleine Borax ein Quartett von zwei Violinen, Viola und Violoncello.
Die Stimmen des Quartetts wechseln mit Solo. Die Instrumente sind
von Gold, die Pulte ideal. Im Kreise sitzen: Bustorius, Zenobius,
Antimonia, Selima, Zulma, Lira, der Morgen, die Nacht, der Abend,
der Blödsinn und mehrere andere allegorische Personen, Zauberer
und Feen, die von Zeit zu Zeit von vier Genien, welche als
geflügelte Livreebediente gekleidet sind, auf silbernen Tassen
mit Konfekturen bedienet werden. Das Ganze wird von folgendem
Chor begleitet.
Chor.
Welch ein herrliches Konzert,
Wo sich hoch die Kunst bewährt.
Was ist Amphions Geklimper?
Selbst Apollo ist ein Stümper,
Wenn man solche Künstler hört.
Bravo! Bravo! O vortrefflich!
Bravo! Bravo! (Verhallend.) Bravo--Bravo--
(Allgemeiner Applaus.--Alles erhebt sich von den Sitzen, die
Spielenden legen ihre Instrumente weg und verneigen sich).
Zenobius.
Bravissimo, meine Herren! das haben Sie gut gemacht, (zu dem
Triton) besonders Sie.
Bustorius (tritt vor, einen Csakan in der Hand, im ungarischen
Dialekt).
Isten utzék! ist das schönes Quartett, von wem ist das komponiert?
Zenobius.
Das Adagio ist von einem Delphin.
Bustorius.
Und das Furioso?
Zenobius.
Von einer Furie.
Bustorius.
Das ist schön, Furie kann am besten machen Furioso.
Borax.
Aber Mama, mich loben s' gar nicht.
Antimonia.
Sei nur still!
Bustorius.
Das kleine Bübel greift aber manchmal ein bissel falsch.
Antimonia (die währenddem ihrem Sohn immer den Schweiß von der
Stirne gewischt hat).
Mein Herr! das könnte mich beleidigen. Er ist der erste
Violinspieler im ganzen Feenreich, er hat einen englischen
Meister, der für jede Lektion zweihundert Schillinge bekommt.
Zenobius.
Ganz gut, aber überlassen Sie sein Lob andern Leuten.
Antimonia.
Wer kann ihn unparteiischer beurteilen als ich, seine Mutter?
(Eitel.) Obwohl mirs, meiner Jugend und meiner Reize wegen,
niemand ansieht, daß ich seine Mutter bin.
Bustorius.
Nein, hätt ich Ihnen für seine Großmutter gehalten.
Antimonia.
O Sie einfältiger Zauberer! (Borax weint laut.) Pfui! mein Boraxi,
mußt nicht weinen. Hörst! mußt gar nicht aufmerken auf die
abscheuligen Leute da.
Borax. (weinerlich).
Freilich, was liegt denn mir an den Leuten, die können alle weniger
als ich.
Antimonia.
Ja mein Bubi, so ists recht! Jetzt bist brav!
Zenobius (lachend).
Bravissimo!
Bustorius (lachend).
Das ist gute Erziehung. Buben tut sie schön, und Meister gibt sie
Schilling.
Antimonia.
Beleidigen Sie mich nicht länger, oder ich verlasse die Gesellschaft
--
(Will fort.)
Zenobius.
Bleiben Sie. Hat Lakrimosa Sie darum zu sich gebeten, um zu
streiten? Sie wird den Augenblick erscheinen, sie empfängt nur
ihren Vetter, den sie aus Donau-Eschingen erwartet hat und der
wie Sie alle im Hexengasthof abgestiegen ist, weil im Palast hier
niemand wohnen darf.
Antimonia.
Gut, aus Höflichkeit will ich bleiben, aber schweigen kann ich
nicht, durchaus nicht!
Bustorius.
Das ist liebenswürdige Frau, wenn ich einmal heirate, nimm ich
keine andere, aber sie auch nicht.