Die Flügelthüren sprangen auf und _Flodoard_ trat allein herein im
Reisekleide und Regenmantel. Wild und wüst flog sein Haar, düster rollte
sein Auge durch die Gesellschaft. Er ris den Federhut vom Kopf herab und
begrüßte die Versammlung.
Alles drehte sich zu ihm hin, jeder Mund schien zehn Fragen zu haben,
jedes Auge studierte seine Mienen.
»Jesus! schrie _Memmo_: mir ahndet was!«
»Seid ohne Sorgen, Sennor!« murmelte _Kontarino_.
»Edle Venetianer, sprach Flodoard, und seine Sprache war die Stimme des
Helden: wahrscheinlich hat unser Durchlauchtigster Herr euch die Ursach
dieser Zusammenkunft gemeldet -- ich will jezt eure Sorgen lösen. Aber
vorher frag ich noch einmahl, gnädigster Herr, wird Flodoard Rosamunden
zur Gemahlin erhalten, wenn er den Abaellino in eure Hände liefert?«
Gritti. (ihn mit den Augen messend) Habt ihr den Abaellino?
Flodoard. Empfang ich Rosamunden?
Gritti. Ohne Widerspruch, ja! ihr empfangt sie mit einem fürstlichen
Brautschaz.
Flodoard. Ihr Edeln von Venedig, ihr habt das Wort des Dogen gehört!
Viele Senatoren. Wir haben's gehört!
Flodoard. (indem er drei Schritt durch den Saal macht) Wohlan,
Abaellino, ist in meiner und eurer Gewalt!
Alle. (im wilden Tumult) Hilf Himmel! -- Wo ist er! -- Jesus Sohn
Gottes! -- Abaellino!
Gritti. Tod oder lebendig?
Einige. Tod oder lebendig, Sennor?
Flodoard. (ernst) lebendig!
Alle (in sprachloser Verwunderung oder mit Entsezzen ihm nachlallend):
Lebendig! lebendig!
Grimaldi. (mit der Hand über die Stirn fahrend) Lebendig!
Kontarino. Das geht ins weite.
Rosamunde. (Iduellens Hand küssend) Hörst du, Iduella! Iduella!
lebendig!
Senator. Sennor Kontarino, tausend Zechinen!
Kontarino. (durch die Zähne) Mit Vergnügen!