Bittschrift

Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,

Die Tobaksdose ledig,

Mein Magen leer--der Himmel sei

Dem Trauerspiele gnädig.

Ich kratze mit dem Federkiel

Auf den gewalkten Lumpen;

Wer kann Empfindung und Gefühl

Aus hohlem Herzen pumpen?

Feu'r soll ich gießen aufs Papier

Mit angefrornem Finger?--

O Phöbus, hassest du Geschmier,

So wärm auch deine Sänger.

Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,

Es scharrt die Küchenzofe.

Und mich--mich ruft das Flügeltier

Nach König Philipps Hofe.

Ich steige mutig auf das Roß;

In wenigen Sekunden

Seh ich Madrid--Am Königsschloß

Hab ich es angebunden.

Ich eile durch die Galerie

Und--siehe da!--belausche

Die junge Fürstin Eboli

In süßem Liebesrausche.

Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust

Mit wonnevollem Schauer,

In i h r e n Augen Götterlust,

Doch in den s e i n e n Trauer.

Schon ruft das schöne Weib Triumph,

Schon hör ich--Tod und Hölle!

Was hör ich?--einen nassen Strumpf

Geworfen in die Welle.

Und weg ist Traum und Feerei--

Prinzessin, Gott befohlen!

Der Teufel soll die Dichterei

Beim Hemdenwaschen holen.

Einige Gedichte · 第 8 / 29 题