Im Frühjahr 1910 sollte außer dem Romanfresko »Die Päpstin«

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text

ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist

~so markiert~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

[Illustration:

Phot. Hugo Erfurth, Dresden.

]

Reife Früchte

vom

Bierbaum.

Aus den letzten Ernten ausgewählt und mit einem

Vorspruch dargebracht

von

Fritz Droop.

Mit einem Bildnis Otto Julius Bierbaums.

Leipzig

Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.

Einleitung.

Von Zeit zu Zeit tut uns das Lachen not, das Lachen, das über den

Alltag erhebt, die Freude, die uns stärkt und befreit; es gibt keinen

besseren Arzt auf der Welt als den Humor, keinen besseren Führer durchs

Leben als die Lebensfreude!

In der Erkenntnis dieses Grundsatzes ruht die Bedeutung Otto Julius

Bierbaums, und wenn irgend etwas die Hoffnung stärken kann, daß wir

wieder einer gesunderen künstlerischen Zeit entgegengehen, so ist es

der Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten eines Liliencron,

Bierbaum und Hartleben. Denn nicht immer war man so »tolerant«, und

noch trennen uns keine zwei Jahrzehnte von der Zeit, da man weder von

dem einen noch dem andern etwas wußte oder wissen wollte. Aber ein

ungebärdiger Überschwang und eine brausende Zuversicht zu sich selbst

gab diesen Dichtern die Kraft, sich durchzusetzen. Sie schlugen, wie

Bierbaum in einem Aufsatz über Liliencron sich einmal ausdrückt, wie

die Fohlen auf der Weide aus und vermieden es, artiger zu scheinen,

als ihnen zumute war. Auf bürgerliche Reputation kam es ihnen durchaus

nicht an, und sie empfanden es als eine große Genugtuung, wenn man mit

dem Finger der Entrüstung auf sie hinwies als auf zügellose Frevler

gegen alle Ordnung und Sitte. »Der allerorten gegen uns erhobene

Schulmeisterbakel machte uns nur noch verwegener und vergnügter,

und der Umstand, daß alle Argumente gegen uns schließlich darauf

hinausliefen, uns unsere grüne Jugend vorzuwerfen, ließ uns eben diese,

die wir als unseren Vorzug empfanden, erst recht auftrumpfen.« Sie

nannten sich Realisten, waren aber weltfremde Feinde der Realität,

Idealisten vom reinsten Wasser, mit so großer Vorliebe sie auch die

Kunstmittel des Naturalismus anwandten, um als Gegensatz zum Bilde

ihrer Sehnsucht, das rechtschaffen verschwommen war, ein Bild der

»Wirklichkeit« zu machen, von der sie in Wirklichkeit noch bitter

wenig Ahnung hatten. Es waren jene übermütig lebensfrohen Gesellen,

wie Bierbaum sie in dem jüngst erschienenen Versbuch »Maultrommel

und Flöte« so trefflich zeichnet, indem er sie als »junge Götter in

Hemdsärmeln« singen läßt:

»Setzt euch, Brüder! Trinkt und schlemmt!

Winken auch bloß billige Pullen,

Schinken-, Wurst- und Käsestullen,

Und das Tischtuch ist ein Hemd:

Setzt euch, Brüder! Trinkt und schlemmt!

Denn wir sind die Herren: Wir

Garnichtshaber, Garnichtswoller,

Garnichtssucher, Garnichtssoller.

König, -- heb dich weg von mir!

Denn wir sind die Herren: Wir!

Sind die Herren Götter! Frei,

Wie sonst niemand ist auf Erden.

Sollen wir erst selig _werden_?

Nein, wir _sind's_! Hör's, Menschenbrei:

Sind die Herren Götter: frei!«

Heute wissen wir, daß Bierbaum kein geringerer Lebenskünstler ist

als Liliencron und erkennen es deshalb als einen Zug wohltuender

Dankbarkeit, daß er zum Lobe des Dichters der »Adjutantenritte«

die ehernen Worte fand: »Da kam Liliencron, und wir vernahmen aus

seinem Munde in Versen von ganz der Art, um die wir rangen, Worte der

Bejahung des Lebens ohne Sehnsucht nach Utopien, wohl aber verklärt

durch Gesichte einer zweiten tieferen Realität: der des seherischen

Künstlers. Zum ersten Male, und das entzückte uns besonders, sahen

wir unter uns einen Dichter von ganz ursprünglicher und unverbildeter

dichterischer Veranlagung, der kein Literat war, ja das Gegenteil

eines Literaten, und der in seinen Gedichten, so voll sie der

reinsten, echtesten, kräftigsten Poesie waren, auch nicht den Dichter

hervorkehrte, dieses abstrakte X., das alles individuell Menschliche

verbirgt, sondern eine ganz deutliche Persönlichkeit bekannte. Auch

wir taten uns ja etwas darauf zugute, daß wir, nicht selten mit mehr

Selbstbewußtsein als Geschmack unserem dichterischen Ich deutliche

Persönlichkeitszüge mitgaben, wenn wir es zum Mittelpunkte einer

lyrischen Konfession machten, aber es sah dennoch fast immer recht

sehr allgemein aus, denn, so heftig wir nach dem höchsten Gute: der

Persönlichkeit trachteten, so wenig konnten wir es im allgemeinen

erreicht haben, da wir zu jung dazu waren und zu wenig wirklich erlebt

hatten. Auch waren wir zu ausschließlich Dichter und betonten diesen

Umstand sogar als etwas, das uns auszeichnete, -- eigentlich ganz wie

die von uns so sehr geschmähten ›Alten‹, die es nur in anderer Manier

und aus anderen Gründen taten.«

Bereits vor zwanzig Jahren durfte er seine ersten Lorbeeren pflücken,

als er mit seinen warmherzigen und geistvollen Abhandlungen über

Arnold Böcklin, Detlev von Liliencron, Fritz von Uhde und Franz

Stuck die Kreise der Künstler und Literaten entzückte. Außerhalb

dieser Kreise war sein Name zunächst noch wenig bekannt, und erst

die »Studentenbeichten« trugen seinen Ruhm hinaus auf den Markt, bis

ihn der »Irrgarten der Liebe« und die vornehme Auswahl des »Seidenen

Buches« geradezu volkstümlich machten. Jedenfalls gehört Bierbaum

heute zu den meist- und bestkomponierten unter den lebenden Lyrikern;

es sei nur an die Kompositionen von Richard Strauß und Max Reger oder

an das vielgesungene Lied »Sommernacht« in der genialen Vertonung des

Königsberger Kapellmeisters Paul Scheinpflug erinnert:

Laue Sommernacht; am Himmel

Stand kein Stern; im weiten Walde

Suchten wir uns tief im Dunkel,

Und wir fanden uns.

Fanden uns im tiefen Walde

In der Nacht, der sternenlosen,

Hielten staunend uns im Arme

In der dunklen Nacht.

War nicht unser ganzes Leben

So ein Tappen, so ein Suchen?

Da: in seine Finsternisse,

Liebe, fiel dein Licht.

Bierbaums Gedichte, Lieder und Sprüche haben fast durchweg etwas

Schlichtes, Natürliches, etwas Einschmeichelndes und Herzgewinnendes,

wie es unser Volk liebt; und wenn seine Versbücher auch eine Menge

leichter Tändeleien mit sich führen, so enthalten sie doch alle eine

stattliche Anzahl Gedichte, über denen ein wirklich echter, zarter Duft

von Grazie und Anmut liegt.

Mit dem Schauspiel »Stella und Antonie« betrat der Dichter zum ersten

Male den dornenreichen Pfad des Dramatikers. Das Stück, das an den

vornehmsten deutschen Bühnen wiederholt mit glänzendem Erfolge

aufgeführt worden ist, behandelt die Tragödie eines Mannes, der

zwischen zwei leidenschaftliche Weiber gerät, von denen sich das eine

an seine Sinne, das andere an sein Herz und seine Seele wendet; es

ist der Konflikt zwischen der wildbegehrenden Natur und der edlen

Sitte, ein heißer Kampf, in dem die Sitte siegt. Im Elberfelder

Stadttheater erzielten außerdem vor einigen Jahren zwei mit allerlei

Spitzen und Bosheiten gegen Pastor und Staatsanwalt gespickte

»Stilpe-Komödien« einen allgemeinen Heiterkeitserfolg. Weiter schrieb

er das graziös-tiefsinnige Märchenspiel »Lobetanz«, zu der Ludwig

Thuille zarte lyrische Weisen fand. Er gab Kortums »Jobsiade« mit einer

launigen Vorrede in Knittelversen neu heraus, schrieb eine willkommene

Studie und Verteidigungsschrift über Meister Hans Thoma, dichtete

als alter Korpsstudent aus Anlaß des Leipziger Universitätsjubiläums

die Studentenkomödie »Der Musenkrieg« und ist Herausgeber des seit

einigen Jahren im Verlage von Theodor Weicher (der auch die mit

handschriftlichen Selbstbiographien der Dichter und ihren Porträts

ausgestattete Sammlung »Deutsche Lyrik der Neuzeit« herausgebracht

hat) in Leipzig erscheinenden Goethe-Kalenders. Er gründete die

Monatsschrift »Insel«, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus und rief

mit Meier-Gräfe zusammen die kostbar ausgestattete Kunstzeitschrift

»Pan« ins Leben. Was er aber auch begann, geschah in einer glücklichen

Stunde, unter einem glücklichen Stern.

Daß seine Muse auch dem Zuge der Zeit zu folgen wußte, bewies er durch

die »Empfindsame Reise im Automobil«. Mit offenen, wachen, allen

Erscheinungen des Lebens und der Natur zugewandten Sinnen reisen,

nennt er empfindsam reisen, und dieses Reisen allein erscheint ihm

als das wirkliche Reisen, wert und dazu angetan, zur Kunst erhoben

zu werden. In unserer Zeit hat man das Reisen ja verlernt; man läßt

sich transportieren. Bierbaums Ziel war, mit dem modernsten aller

Fahrzeuge auf recht altmodische Weise zu reisen; sein Leitspruch

hieß: »Lerne reisen ohne zu rasen«, und die achtzehn Briefe, in denen

der Dichter seinen Freunden Detlev von Liliencron, Hans Thoma, Franz

Stuck, Max Schillings, Fritz von Uhde, Oskar von Chelius, Ludwig

Thuille und anderen berichtet, beweisen, daß er seinen Spruch zu

beherzigen verstand. Bierbaum hat sehen und genießen gelernt; das

ist's, was ihn ebensosehr zum geistvollen Plauderer und Humoristen wie

zum Sittenschilderer und Kunstkritiker stempelt. In der soeben bei

Georg Müller in München erschienenen »Yankeedoodle-Fahrt« hat er diese

Fähigkeit von neuem im schönsten Lichte entwickelt.

Eine besondere Betrachtung gebührt Otto Julius Bierbaum als Romancier.

Was Schönheit und Weiberklugheit vermag, das erzählt Bibaomo,

Baccalaureus der schönen Künste, in seinem Roman »Das schöne Mädchen

von Pao«, in der »Schlangendame« geschieht nichts weniger, als daß

die Serpentincancanöse Fräulein Paula Hollunder einen verbummelten

Studenten, Herrn Ewald Brock, erzieht, bemuttert und nicht eher ruht,

bis sie aus ihm einen wirklichen Doktor und ein braves und nützliches

Mitglied der menschlichen Gesellschaft gemacht hat. Die landläufige

Moral bekommt hier also einen argen Stoß; für die Überzarten,

Zimperlichen, Prüden ist die »Schlangendame« nichts, ebensowenig wie

der »Pankratius Graunzer«.

Dasselbe gilt von »Stilpe«, dem Roman des verkommenen Genies, sowie

von der dreibändigen Geschichte »Prinz Kuckuck, Leben, Taten,

Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings«; beides Werke von ebenso

groteskem Farbenspiel wie bitterem Ernst, aus denen nicht zuletzt

der Berufserzieher eine Fülle von Anregungen und heilsamen Lehren

ziehen kann. Was Bierbaum selbst über das Wesen des Romans denkt, hat

er in seinem Widmungsbriefe an Holger Drachmann ausgedrückt, über

seine besonderen Absichten mit dem Zeitroman »Prinz Kuckuck« sagt

er in den von Professor Litzmann herausgegebenen Mitteilungen der

Literarhistorischen Gesellschaft in Bonn:

»Die Grundabsicht meiner Arbeit ist satirischer Natur, aber die Satire

wendet sich nicht gegen bestimmte Personen, sondern gegen allgemeinere

Zeiterscheinungen. Es lassen sich herausheben: Erziehungswesen,

Übermenschentümlichkeit, Macht des Geldes (über den Besitzer wie über

seine Umgebung), Rassenphrasen, künstlerische Galoppentwickelung,

Erotomanieen aller Art, Snobismen auf verschiedenen Gebieten (selbst

der Religion), Neigung zur Allüre und allem Äußerlichen. Dies alles

wie in einem kochenden Nudeltopfe: ein ewiges Auf- und Nieder- und

Durcheinanderwallen: eine Zeit ohne Helden und ohne Stil, aber mit

heftig bewegter Tendenz danach.

Insofern erscheint eine Hauptfigur mit Zügen ausgestattet, die nicht

bloß individuell gedacht sind: Der Erbe, der nicht zu erwerben weiß, um

zu besitzen. Indessen ist er doch nicht wesentlich als Typus angelegt,

wenngleich gewisse Besonderheiten an ihm (so sein ›antisemitisches‹

Halbjudentum, das Zufallhafte seines Reichtums und damit sein Mangel

an Tradition) nicht ohne eine Art symbolisch allgemeiner Bedeutung

sind. Denn neben der satirischen Absicht leitete mich das Interesse

an gewissen psychologischen Problemen und, natürlich, die Lust am

fabulierenden Gestalten.

Darüber aber ist nun wohl vom Verfasser nichts zu sagen. Erscheint

das psychologische Problem, erscheinen die einzelnen Gestalten nicht

mit aller Deutlichkeit, und entbehrt die (_übrigens erfundene, nur in

einzelnen Voraussetzungen der Anlage modifiziert dem Leben entnommene_)

Fabel der Geschichte des Reizes überzeugender Anziehungskraft, so hilft

kein Kommentar und Wegweiser des Autors über den Umstand weg, daß sein

Werk verfehlt ist. --

Im ersten Hefte des dritten Bandes ›Aus Kunst und Altertum‹ finden sich

hintereinander zwei Axiome Goethes, die auf meinen Roman im allgemeinen

wie im besonderen passen:

›Der Roman ist eine subjektive Epopöe, in welcher der Verfasser sich

die Erlaubnis ausbittet, die Welt nach seiner Weise zu behandeln. Es

fragt sich also nur, ob er eine Weise habe; das andere wird sich schon

finden.‹ Und:

›Es gibt problematische Naturen, die keiner Lage gewachsen sind, in

der sie sich befinden, und denen keine genug tut. Daraus entsteht der

ungeheure Widerstreit, der das Leben ohne Genuß verzehrt.‹

Auf die Frage, ob ich eine Weise habe, kann nur der Roman selbst

antworten; auf die, ob sie den anderen gefällt, nur die anderen;

und schließlich auf die, ob sie künstlerisch wertvoll zum Ausdruck

gebracht worden ist, mag die Kritik ihre Antwort geben. Ich glaube, daß

Aufbau und Gliederung meiner subjektiven Epopöe für den ästhetischen

Beurteiler literarischer Kunstwerke einiges Interesse haben werden.

Bei aller Freiheit im einzelnen bin ich konstruktiv sehr streng zu

Werke gegangen, -- auch in Fällen, wo man mir am Ende nachsagen wird,

daß ich mich aus reiner Lust am Fabulieren habe gehen lassen (z. B.

in dem Zwischenstück aus dem XVIII. Jahrhundert im dritten Bande,

das eine Art Rück- und Wiederspiegelung des Problems sein will). Die

Vielfältigkeit des Stiles läßt sich, denk ich, durch die Anlage des

Ganzen rechtfertigen, das ich mit einem weitläufigen Gebäudekomplex

nach Art des bayrischen Nationalmuseums vergleichen möchte, das, als

Ganzes eine ästhetische Einheit, im einzelnen die verschiedensten Stile

aufweist (in der Architektur wie in der Inneneinrichtung). Wenn es mir

wie Meister Gabriel von Seidl gelungen ist, mit verschiedenartigen

Mitteln ein Gebäude aufzurichten, das dennoch als organisches Gebilde

wirkt gleich alten Bauwerken, denen die Entwickelung der Zeit eine

Vielfältigkeit des Stiles gegeben hat, ohne ihre konstruktive Einart

zu verwischen, so glaube ich, daß der Wechsel des Duktus kein Fehler

meines Romanes ist. Es geschah nicht aus Lust an stilistischer

Spielerei, sondern stellte sich wie von selbst mit dem Wechsel der

Szenerie, der Handlung, der Zeit innerhalb meiner Geschichte ein. Wäre

sie (vergleichsweise) ein Dom, ein Palast, ein idyllisches Landhaus,

so möchte das Nebeneinander von Stilen schwerer zu verteidigen sein.

Sie ist aber eine Art Museum von allerhand, höflich ausgedrückt,

Kuriositäten der Generation, zu der ich gehöre, und so durfte ich

meiner Empfindung nach, die Geschichte der schönen Sara im Stile der

Krinolinenzeit, die Erlebnisse des ›Helden‹ in der Ulrikusstraße zu

Hamburg aber im Stile des Naturalismus vom Anfang der achtziger Jahre

erzählen usw.

Das zweite Zitat aus Goethe, das, wenn ich nicht irre, bei dem

bekannten Spielhagenschen Romane Pate gestanden hat, umschreibt das

dominierende Problem im Leben meines sehr problematischen Wollüstlings

aufs treffendste. Wie es mir nach Beendigung der ersten beiden Bände

vor Augen kam, erschrak ich beinahe, als hätte ich mich selbst auf

einem Plagiat ertappt. Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, daß das

›Wollüstling‹ im Titel eine ironische Nuance hat ...

Nur wer des Sinnes für Nuance und Ironie entbehrt, dürfte überhaupt

gut tun, sich eine weniger problematische Lektüre zu wählen, als den

›Prinzen Kuckuck‹. Damit ist gesagt, daß das Buch sich insbesondere

nicht für junge Mädchen eignet, als welche fast ausnahmslos so

glücklich sind, diesen gefährlichen Sinn nicht zu besitzen.

Es soll ja überdies auch unmoralisch sein und ist bereits als

pornographisch denunziert worden. Demnach gibt es Leute, die Bücher

mit der ausgesprochenen _Absicht_ lesen, Anstoß zu nehmen. Es muß dies

eine Art Perversität sein; geistiger Masochismus etwa. Denn, wenn ein

Buch auf seinem Titel ausdrücklich bekennt, daß es vom Leben, den

Taten, den Meinungen und der Höllenfahrt eines Wollüstlings handelt, so

sollte ein (sozusagen) normal prüder Mensch sich hinlänglich gewarnt

und abgestoßen fühlen, und er sollte sich den Stein des Anstoßes nicht

geradezu ins Haus tragen. Tut er's dennoch, so wird man annehmen

dürfen, daß ihm entweder das Ärgernisnehmen oder das Denunzieren

vergnüglich ist. Jeder Staatsanwalt aber sollte mit Entschiedenheit

erklären, daß die Organe des Staates nicht dazu da sind, derlei

perversen Trieben zu dienen. Ich für mein Teil darf sagen, daß mir

ebenso unerwünscht wie diese Art Leser die sind, denen das Wort

Wollüstling etwa als Einladung erschienen ist. -- Im übrigen glaube

ich, daß mein Roman eine sehr schöne Moral hat. Sie steht bei Immanuel

Kant mit diesen schönen Worten zu lesen: ›Durch die Einschränkung der

Selbstliebe und Niederschlagung des Eigendünkels entsteht in uns jenes

Gefühl, welches das Moralgesetz in uns bewirkt.‹«

Es kam Bierbaum bei der Niederschrift des »Prinzen Kuckuck« nicht

allein darauf an, das Leben eines Menschen zu schildern; sein

ungleich größeres Thema war die Zeit, in der sich der Held bewegt.

Seltsame Gestalten tauchen vor uns auf, seltsam und doch so lebenswahr

und psychologisch echt, und alles das ergänzt sich zu einem treuen

Spiegelbild des unruhigen Getriebes unserer gegenwärtigen Epoche, deren

Pulsschlag hastig und unsicher, voll Leidenschaft und Erregung ist.

Wer die wahren Schäden unserer Zeit kennt und sich nicht fürchtet,

dieses zu bekennen, der wird den »Prinzen Kuckuck« mit noch größerer

Freude begrüßen, wie einst den »Stilpe«. Denn es geht, wie Felix

Salten in der »Zeit« so treffend ausgeführt hat, von der Erzählung ein

solcher Sturm des Geschehens, des Erfindens aus, daß es ist, als hätte

man die Begebenheiten, die Menschen und die Schicksale eines ganzen

Zeitalters zusammengeschüttelt, die Stoffe von zwanzig Romanen, von

dreißig Komödien und von hundertfünfzig Novellen. Der Sohn der schönen

Sara schreitet durch diesen Tumult von Gestalten und Ereignissen,

durch dieses Zeitalter, welches das unserige ist. Er wächst auf,

wandelt sich, genießt die Welt, taumelt durch die Brandung der Epoche,

überall dort, wo sie am wildesten schäumt, ist der Liebling und der

Narr des Glücks, und stirbt wie eine Flamme oder wie ein Gleichnis.

Im »Prinzen Kuckuck« ist so ziemlich alles aufgefangen, was heute die

germanisch-slawisch-gallisch-jüdische Menschheit des modernen Europa

erlebt; ginge diese Welt jetzt durch eine Sintflut spurlos unter, sie

fände sich mit all ihrem sonderbaren Getier in diesem Buch aufbewahrt,

wie in Noahs Arche.

Dem Roman ließ Bierbaum sehr schnell das Essaybuch »Liliencron«, die

»Sonderbaren Geschichten« und die »Yankeedoodle-Fahrt« folgen. In

seinem Liliencron-Buch hat Bierbaum -- neben Michael Georg Conrad

ohne Frage der Berufenste unter allen »Biographen« Liliencrons --

die bedeutendsten seiner zahlreichen Bekenntnisschriften über den

Unvergeßlichen vereinigt. Nur wenigen hat sich der Dichter des

»Poggfred« und der »Adjutantenritte« so unverhohlen mitgeteilt wie ihm;

zudem war Bierbaum nächst dem großen Anreger und Vorkämpfer Michael

Georg Conrad der erste, der die Bedeutung Liliencrons erkannte und mit

glühender Begeisterung und offenem Freimut für ihn in die Schranken

trat. Man versteht es und freut sich dessen, daß die Dankbarkeit den

Verfasser veranlaßte, das Buch dem älteren Kameraden zuzueignen, und

man braucht nur den Widmungsbrief an Michael Georg Conrad zu lesen,

um den Grundakkord zu vernehmen, auf dem die Sinfonie des herrlichen

Buches sich aufbaut: die Sinfonie der Schönheit und der Kraft.

Die »Sonderbaren Geschichten« erinnern uns in der Kunst der Prosa an

den großen Roman, ja sie übertreffen ihn darin vielleicht insofern, als

der Reichtum der Ausdrucksmittel hier in schärferer Zucht gehalten,

klarer disponiert ist. Ein Stück wie »Samalio Pardulus« darf als

Wortkunstwerk einen Rang beanspruchen, der oberhalb des meisten steht,

was die künstlerische deutsche Belletristik hervorgebracht hat. Diese

Sprache hat nicht bloß Anschaulichkeit und Wärme, sie hat auch Rhythmus

und zwar, daß ich nicht mißverstanden werde: ohne sogenannte poetische

Prosa zu sein. In ihr waltet die Ökonomie der Novelle, wie im »Prinzen

Kuckuck« der mächtige Atem des künstlerischen Romans der Sprache das

Gesetz: die künstlerische Struktur gibt. Man muß in Deutschland immer

wieder auf derlei hinweisen, denn der Genuß von Kunstwerken des Wortes

hängt nicht bloß vom Verständnis des Inhaltes, sondern fast noch

mehr davon ab, daß der Leser seinen Sinn für die Form bilde und des

Wohlgefühls teilhaftig werde, das in der Erkenntnis von Schönheiten

liegt, die sich nur dem offenbaren, der das innere Ohr hat. Wir

haben das erst durch Nietzsche wieder erlangt, von dem Bierbaum als

Künstler viel mehr beeinflußt worden ist, als von irgendeinem Lebenden;

wie denn überhaupt seine künstlerischen Nährväter hauptsächlich in

der Vergangenheit zu suchen sind. So steht seine Lyrik keineswegs

wesentlich unter Liliencronschem Einflusse, sondern unter dem von

Goethe, Claudius, Bürger. Von den Modernen hat nur der große Nietzsche

stark auf ihn eingewirkt.

Das Hauptmerkmal der »Sonderbaren Geschichten« ist ihr grotesker Zug.

Wenn »Die Stimme des Blutes« wie »Samalio Pardulus« eine tragische,

»Der mutige Revierförster« eine satirische Groteske ist, so findet sich

für jedes andere Stück -- die vorliegende Auswahl bringt außer den

beiden letzten Geschichten noch aus der Sammlung das launige Epos »Der

heilige Mine« und die von echter Raubritterromantik getragene Erzählung

»Annemargret und die drei Junggesellen« -- gleichfalls als Hauptzug der

der Groteske im Sinne der Alten und der Renaissance. Es sind eigentlich

alles Maskenspiele; aber unter der Maske, durch die Maske leuchtet

das Leben. Alle diese »Sonderbaren Geschichten«, die sich so leicht

lesen, sind im Grunde gar keine so leichte Ware; nur nachdenkliche

Lektüre wird ihr gerecht. Und das ist überhaupt das unterscheidende

Merkmal des Bierbaum der letzten Zeit, daß er zwar seine Leichtigkeit

nicht verloren hat, auf seinen Flügeln aber mehr zur Höhe trägt, als

früher. Auch die Gedichte von »Maultrommel und Flöte« zeigen das. Der

Wein dieser Lyrik ist schwerer geworden, ohne an Bouquet verloren

zu haben. Und wenn Bierbaum auch hier noch gerne tändelt, so ist es

der frohmütige Spaß eines reifen Mannes, nicht mehr jugendliches

Amüsement. So stehen auch die Stücke der »Yankeedoodle-Fahrt« über der

»Empfindsamen Reise im Automobil«, weil diesmal das Gepäck reicher

an den Reiseeffekten ist, die zur großen _Lebens_reise gehören, soll

sie zu der höchsten Station: _Weltanschauung_ führen. Trotzdem, nein:

eben deswegen überglänzt alle drei Bücher echter Bierbaumscher Humor.

Nur muß man das Wort wohl etwas tiefer zu nehmen beginnen, als man es

bisher tat oder tun dürfte. So ist der Humor der »Yankeedoodle-Fahrt«

wenn auch nicht bitter, so doch bittersüß. Aber sauer sind die

Früchte von diesem Baume nie; Sonne und Leben hat sie gereift, es sind

Sonnenfrüchte.

* * * * *

Im Frühjahr 1910 sollte außer dem Romanfresko »Die Päpstin« eine

Novellensammlung »Die Schatulle des Grafen Trümmel« erscheinen,

für den Herbst hatte Bierbaum die Veröffentlichung einer großen

Selbstbiographie geplant. Er hat die Drucklegung dieser Werke

ebensowenig erleben sollen wie das Erscheinen seiner »Reifen Früchte«,

auf die er sich so gefreut hatte. Sein letztes abgeschlossenes Werk

ist eine Dichtung für die Bühne; das mit Königsbrun-Schaup zusammen

gearbeitete Stück führt den Titel »Fortuna. Abenteuer in 5 Akten« und

wird noch in diesem Jahre zur Aufführung gelangen.

»Aus den _letzten Ernten_ ...«, so sollte es im Titel der »Reifen

Früchte« heißen, dessen originelle Fassung des Dichters eigene Idee

war; so war es -- schon im Herbst 1909! -- überlegt. Wer hätte

gedacht, daß es wirklich _letzte_ Früchte sein würden? Im Dezember

vorigen Jahres warf ein chronisches Nierenleiden den Dichter auf das

Krankenlager, von dem er sich, allem Sträuben zum Trotz, nicht wieder

erheben sollte, obgleich sein Zustand sich vorübergehend gebessert

hatte. Ein Brief, den ich am 2. Februar frühmorgens von seinen

Angehörigen aus Dresden erhielt, klang sehr besorgt. Doch fielen mir

allerlei Sätze aus seinen eigenen letzten Briefen ein, kraftstrotzende,

von reifem Lebenssinn und unverwüstlicher Daseinsfreude getragene

Gedanken. Und wie ich alle Bedenken und alle Sorge um den kranken

Freund mit dem gleichen Optimismus zu verscheuchen suche, bringt der

Telegraph die Trauerkunde: Otto Julius Bierbaum ist gestern abend im

Alter von 44 Jahren an Herzlähmung gestorben ...

Nun ist der Mund, der so lustig plaudern und so herzhaft lachen konnte,

für immer verstummt, wir werden seine Stimme nie mehr hören. Und wir

hadern mit dem Geschick und können es nicht fassen, daß es gerade

diesem Manne die Feder aus der Hand winden mußte, dem unermüdlichen

Apostel der Schönheit, Freiheit und Freude. So steht sein Bild

kraftvoll und edel neben dem seines Freundes Detlev, für den er immer

so tapfer in die Bresche gesprungen war, getreu dem schönen Spruche,

mit dem er mir, drei Tage vor seiner Erkrankung, sein herrliches

Liliencron-Buch sandte:

Wer sich für andre nicht erhitzen kann,

Der ist vielleicht ein kluger Mann:

Er wahrt sein Feuer

Und wärmt sich _seine_ Hände dran.

Mir war bei solcher Klugheit nie geheuer.

Ein rechtes Herz brennt unklug lichterloh.

Und seine Flamme sieht sich schöner an,

Als der Bedachtheit glimmend nasses Stroh.

Ja, lichterloh brannte sein Herz, wenn es galt, für etwas Hohes, Edles

einzutreten, und seine Waffen waren blank und scharf. Das ist Bierbaums

-- wie auch Liliencrons -- bleibendes Verdienst: daß er die Freude

an gesunder Sinnlichkeit und Schönheit in unser graues Alltagsleben

trägt, ohne Sinnlichkeit mit Plumpheit, Schönheit mit Ästheterei zu

verwechseln. Die Freude, die er verkündet, macht stark und befreit und

erhebt. Wie sagt doch der Seher in der »Vernarrten Prinzeß«?

»Wagt's immer, zu springen,

Es muß euch gelingen,

Was _fröhlich_ ihr schafft.

Das grämliche Hocken

Bringt alles ins Stocken;

Frei wehn eure Locken,

_Die Freude macht Kraft_!«

_Danzig_, im Februar 1910.

Fritz Droop.

Reife Früchte vom Bierbaum.

Skizze zum Porträt eines guten Bekannten von mir.

_Otto Julius Bierbaum_

erblickte das Licht dieser Welt am 28. Juni 1865 zu Grüneberg in

Niederschlesien als der Sohn eines eingeborenen Konditors und einer

sächsischen Bergmannstochter. In der väterlichen Familie waren zwei

Berufszweige erblich: Ein süßer: die Zuckerbäckerei, und ein saurer:

die protestantische Theologie. Otto Julius hatte aber wohl einen

besonders starken Gemütseinschlag von der mütterlichen Familie her

(in der einmal, zur Zeit Napoleons ein französischer Tambour eine

Gastrolle gegeben haben soll), und so fand in ihm weder die süße

noch die saure Familientradition ihre Fortsetzung. Doch blieb ihm

Zeit seines Lebens von Abstammung wegen ein ausgesprochener Sinn für

bessere Kuchen und Edelmetalle im Blute, ohne daß er ihn indessen

immer befriedigen könnte. Dieses Unvermögen kommt aber eben daher,

weil er, statt das Süße oder das Saure oder sonst was Ordentliches zu

lernen, sich von Jugend auf dem Laster des Versemachens und Fabulierens

hingegeben hat. Was hat er davon? --: Ein immer zweifelhaftes Budget

und die Ungnade des Literaturaufsehers Bartels in Sulza bei Weimar.

Dieses hindert ihn aber nicht daran, mit trotziger Hartnäckigkeit

weiter zu schreiben und zwar ohne alle weise Beschränkung auf ein

bestimmtes Fach der Dichtkunst. Nicht allein, daß er Gedichte jeder

Art und Unart sowie Novellen, Romane, Operntexte, Dramen, Balletts,

Reisebeschreibungen, Märchen von sich gibt; er schreibt auch noch

allerhand Aufsätze über allerhand Menschen, Dinge und Ideen. Dies

ist ein so grober Verstoß gegen das moderne Gesetz von der Teilung

der Arbeit, daß man nicht energisch genug dagegen Front machen kann.

Warum, so fragen wir mit Nachdruck, hat sich O. J. B. nicht damit

begnügt, den »Lustigen Ehemann« zu verfassen? Wie klar und hold

umrissen stünde dann sein Bild im Herzen der dankbaren Mitwelt. Daß

er auch noch Zeitschriften gründete, mag ihm verziehen werden, weil

sie (Pan und Insel) eingegangen sind, und weil es sich schließlich,

Gott sei Lob und Dank, doch herausgestellt hat, daß die aufregenden

Nachrichten über seine schmachvoll hohen Redaktionsgehälter nur die

Phantasiegebilde einiger erfindungsreichen Köpfe waren. Auch seine

längere Reise im Automobil hat ihren Stachel verloren, seitdem man

weiß, daß sie nicht auf eigene Kosten unternommen worden ist. Über

seine Mitschuld am Überbrettl gehen die Meinungen auseinander. Einige

Passagen im »Stilpe« belasten ihn zwar schwer, aber das Programm

seines Trianon-Theaters wird immer als besinnungslos rein lyrisches

Entlastungsdokument angeführt werden können. Ob O. J. B. harmlos

ist, muß dahin gestellt bleiben; da er es sich nicht abgewöhnen zu

können scheint, über gewisse Charaktereigentümlichkeiten erbost zu

werden, als da sind: Neid, Lügenhaftigkeit, Undankbarkeit, Tratsch-

und Verleumdungssucht und aufgeblasener Dummstolz, so muß er doch wohl

einige Bosheit im Leibe haben, und die christliche Demut, die, nicht

zufrieden, links geohrfeigt zu werden, auch die rechte Wange hinhält,

fehlt ihm ganz und gar. Da er lieben kann, kann er auch hassen, und wie

die platonische Liebe, so ist auch der platonische Haß nicht seiner

Art gemäß. Es scheint, daß er einige Laster hat. Der Trunk gehört

nicht dazu. Auch nicht der Geiz und die Faulheit. Aber es könnte sein,

daß man Momente von Stolz, Wollüstigkeit, Rachsucht in seinem Leben

fände. Item: vom Heiligen ist er entfernt. Hunde, Katzen, Blumen;

Horaz, Shakespeare, Goethe; Glück, das »wohltemperierte Klavier«,

Mozart, archaische Skulpturen, alte italienische Maler, moderne

Impressionisten; Büttenpapier, Seide und Ceylontee liebt er sehr.

Für die größten unter den modernen Dichtern gelten ihm Dostojewski

und Nietzsche. -- Th. Th. Heine ist ihm lieber als Max Klinger. --

Alte Stile sind ihm erfreulicher als moderne. Und er ist überhaupt

revidiert unmodern. Daher ist er ein Renegat des »Buchschmucks« und

bereut seine Sünden auf diesem Gebiete herzlich. Was die moderne Musik

angeht, so scheint es, daß sein Nervensystem ihr nicht gewachsen ist.

Seine Unfähigkeit, »Farben« zu hören, ist schlechthin pathologisch und

man muß es wohl pervers nennen, daß er die schönsten musikalischen

Kapitel aus der ~psychopathia sexualis~ einfach nicht kapiert. Kurz:

er ist unmusikalisch. Aber er besitzt eine Phonola und er freut sich

dieses Automusikels täglich. Moderne Bücher liest er nicht gar viele,

aber es gibt ein paar Autoren, von denen er keines ausläßt. Darunter

steht in erster Linie Wedekind. Wenn er das Glück hat, einen Neuen

für sich zu entdecken, so ist sein Vergnügen groß. Mit dem gleichen

Vergnügen hat er entdeckt, daß er sich früher in seiner Begeisterung

einmal bös geirrt hat. Es ist ihm, als wäre seitdem die Luft in

seinem Leben besser geworden. In alten Briefwechseln, Tagebüchern

und Memoiren zu lesen ist ihm die spannendste Lektüre. Den größten

Genuß auf diesem Gebiete bereiten ihm die Tagebücher Friedrichs von

Gentz, den er überdies für einen der besten Prosaisten in deutscher

Sprache hält. Dieses Interesse für einen Mann, der als charakterloser

Sybarit bei allen deutschen Männern von Überzeugungstreue und Tugend

hinlänglich verrufen, sicherlich jedoch so gut wie unbekannt ist,

beweist natürlich, daß O. J. B. gleichfalls ein charakterloser Sybarit

ist. Und er hat in der Tat einiges mit Friedrich v. Gentz gemeinsam.

So die Passion für gutes Deutsch, die gleichzeitig auch als eine Art

Sybaritismus bezeichnet werden kann. Ferner die Neigung, über seine

Verhältnisse hinaus zu leben (was in mancherlei Sinne zu verstehen

ist). Dann den Tic fürs Vornehme (gleichfalls in mehr als einem

Betracht). Dann das Bedürfnis nach lebendiger Schönheit und lebendigem

Geist, aber doch auch nach Bequemlichkeit. Weiter aber auch die

Fähigkeit, stark zu arbeiten und in der Anerkennung weniger sich dafür

belohnt zu fühlen.

Was ihn jedoch von Gentz unterscheidet, ist dies: Er ist durchaus kein

Mensch und zieht die Einsamkeit der besten Gesellschaft bei weitem

vor. Übrigens verehrt er Napoleon in demselben Grade, wie Gentz ihn

verabscheut hat.

Sollte sich hier die Frage nach seinen politischen Meinungen

aufrichten, so wäre die Antwort: Er würde vielleicht welche haben,

wenn für ihn die Möglichkeit bestünde, sie zu betätigen. Eine

Stimmzettelabgabe alle fünf Jahre hält er für keine Betätigung,

und zum politischen Schriftsteller fehlt ihm der Glaube an ein in

Deutschland realisierbares Programm. Die Mächte, die im deutschen

Reiche Politik machen, sind, oben und unten, für freie Geister

unzugänglich. Nur politische Temperamente von der Vehemenz und

Aufopferungsfähigkeit Maximilian Hardens können, wenn sie wie dieser

sehr klug und im höchsten Sinne diplomatisch begabt sind, bei uns

wirklich wirken, ohne ein Amt oder Massen für sich zu haben.

Religiös ist O. J. B. Eklektiker. Vom Judentum hat er die Psalmen,

vom Protestantismus eine ziemliche Anzahl Gesangbuchslieder, vom

Katholizismus die Instrumentalmusik und verschiedene Bestandteile

der sakralen Garderobe, vom Buddhismus die schöne Pose des Sitzens

auf einer Lotosblüte, vom Konfuzianismus das Prinzip der großen

Wurstigkeit, vom Taoismus die höchstangesehene Mystik ahnungsvoller

Wortverknüpfungen in seine Privatkirche übernommen, deren Hauptlehre

übrigens lautet: »Halte Dir alles Gesindel vom Leibe, denn es hindert

Dich, in _Deinen_ Himmel zu kommen!«

Da ein moderner Mensch einen Sport treiben muß, so hat O. J. B.

das Radfahren und Bilderknipsen erlernt. Da er aber ein unmodern

moderner Mensch ist, radelt er in einem Tempo, das jeden Kinderwagen

zum Vorfahren herausfordert, und er geht beim Photographieren allen

poetischen Stimmungseffekten entschlossen aus dem Wege. Übrigens hat

es bisher nur seine Frau zu bestreiten gewagt, daß er ein brillanter

Radfahrer und absolut sicherer Photograph ist. Natürlich _sammelt_ O.

J. B. auch. Aber es ist nicht weit her mit seinen Sammlungen, denn

es machen ihm nur die Dinge wirklich Spaß, die er billig erworben

zu haben glaubt, und dabei hat er sich fast ausschließlich auf

Sammelgebiete kapriziert, wo billig schon etwas zu haben ist. Weder

alte Bücher, noch alte Buntpapiere, noch alte Bilder, Kupferstiche,

Möbel, Gläser, Fayencen, Porzellane sind in diesen abscheulichen

Zeiten, wo jeder Antiquar ein Gelehrter ist, billig zu erstehen, -- von

alten China- und Japansachen, sowie alten Stoffen ganz zu schweigen.

Nur mit alten Büttenpapieren ist ihm hier und da ein Coup gelungen.

Aber da er roh genug ist, die edelsten alten Erzeugnisse längst

vermachter Bütten zu Manuskripten zu benutzen, kann auch von einer

ordentlichen Büttenpapiersammlung nicht die Rede sein.

O. J. B. war merkwürdig lange jung. Ein Kindskopf ist er bis in die

Mitte seiner dreißiger Jahre geblieben. Da kam der Ernst, -- und er

wurde frech, obwohl er erst noch eine etwas düstere, dumpfe Zeit

durchzumachen hatte. Augenblicklich ist er damit beschäftigt, den

letzten Rest von Widerspruch, der ihm aus jener Zeit in der Seele

geblieben ist, auszutreiben. Da er einen Menschen zur Seite hat, der

sorglich gewillt und stark ist, ihm dabei zu helfen, wird es wohl

gelingen. Schon jetzt fühlt er sich stärker denn je.

In einer Anwandlung von literarhistorischer Systematik hat er seine

bisherige Entwickelung einmal schematisiert und drei Perioden

festgestellt. Die erste nannte er »Stilpe im Irrgarten der Liebe« und

datierte sie von 1885--1900. Er hätte sie auch »Kindskopf« nennen

können. Sie ist im Grunde rein lyrisch, aber neben ein paar Gedichten

ragt aus ihr der »Stilpe« auf. Die zweite nannte er »Stella und

Antonie« und setzte sie von 1900--1905 an. Es ist seine dumpfe Zeit.

Mit dem »Prinzen Kuckuck« ließ er eine dritte beginnen und er nannte

sie »Grotesken«; sie nimmt sich bis jetzt etwas bunt aus. Aber es

scheint, daß er ihr keine lange Dauer zutraut. »Wo wollen Sie denn

eigentlich hin?« sagte der Storch zum Schmetterling, der von Blume

zu Blume flog. »Fragen Sie die Blumen, Herr Professor!« antwortete

der Falter; »aber eines kann ich Ihnen schon sagen: nicht in _Ihren_

Schnabel, gefährlicher Philister, der Sie sind.«

[Illustration: Otto Julius Bierbaum]

Yankeedoodle-Fahrt.[1]

[1] Kapitel 1 und 2 des gleichnamigen Abschnittes aus

»Yankeedoodle-Fahrt und andere Reisegeschichten«.

I.

Vom Nervenseiltanzen und Tunnelfahren, vom schwimmenden Hotel

und dem Geflügelhofe, von Lyrik, Meer und Himmel.

Als ich so außer mir geraten war, daß ich mich selbst mit fatalster

Deutlichkeit betrachten konnte, fühlte ich das Bedürfnis, wieder zu mir

selber zu kommen. Aber es ist schwer, in sein Ich zurückzukriechen,

wenn man es einmal verlassen und dann allzuscharf von außen angesehen

hat. Ich fuhr um mich herum wie eine vergiftete Maus, die ihr Loch

nicht findet und dennoch immerzu dies Loch umkreist. Ein schauderhaftes

Heimweh und ein Grauen vor der Rückkehr zugleich. Selbst meinen

verehrtesten Feinden wünsche ich diese Sensation nicht, obwohl es mir

nicht zweifelhaft ist, daß sie, deren Oberflächlichkeit mir in der

Tat manchmal Übelkeit verursacht hat, ein bißchen Seelenqual zu ihrer

Vertiefung wohl brauchen könnten.

Da sprach ein weiser Arzt und Seelenkenner also auf mich ein: Sie

gehören zu jenen Akrobaten, die auf ihren eigenen Nerven seiltanzen

und dadurch gezwungen sind, immerfort einen Punkt im Auge zu behalten,

der in ihnen selber liegt: nämlich im eigenen Gehirne. Das tut weder

den Nerven noch dem Gehirne gut und ist überdies eine brotlose und

lebensgefährliche Kunst. Wenn Sie nicht binnen kurzem augenscheinlich

verrückt werden wollen (denn eine heimliche Verrücktheit ist Ihr

Zustand bereits), so ist es nötig, daß Sie unverzüglich eine breitere

Basis zu gewinnen suchen, um von ihr aus Ihre Blicke in einem

möglichst weiten Gesichtskreis umherschweifen zu lassen. Sie sind

außer sich, weil Sie so sehr in sich sind. Das vertragen nur Heilige

und Sie würden sich einem verhängnisvollen Irrtum hingeben, wenn Sie

meinen wollten, daß Sie zur Heiligkeit angelegt wären. Dazu sind Sie

zu korpulent und libidinos, -- wohl auch nicht unbescheiden genug.

Leute Ihrer Konstitution sind darauf angewiesen, die Welt auf sich

wirken zu lassen. Ihre Empfindlichkeit sträubt sich dagegen, und es

ist gewiß, daß Sie unter den nicht immer zarten Fingern der Welt

leiden, aber dieses Leiden ist immer noch heilsamer für Sie, als die

selbst bereiteten Schmerzen der Heautontimorumenie. Ich rate Ihnen:

Kaufen Sie sich einen Schiffskoffer und stellen Sie Amphitriten auf

die Probe. Ihre Zukunft liegt auf dem Wasser, das Salzgehalt und im

Salze Brom hat. Speien Sie sich einmal kräftig aus und trinken Sie

so viel Sonnenlicht als möglich. Aber, ich beschwöre Sie, lassen Sie

alles Schreibgeräte zu Hause, denn, unter uns gesagt, der Federhalter

ist die gefährliche Balancierstange, mit der Sie sich bisher auf dem

Nervenseile im Gleichgewicht erhalten haben.

Ich honorierte diese Invektionen mit zwanzig Franken und einem müden

Lächeln, nahm den breitbeinigen Gang eines alten Seekapitäns an und

versetzte meine ahnungslose Frau in das äußerste Erstaunen durch

Intonierung des Liedes:

Auf, Matrosen, die Anker gelichtet,

Den Kompaß gespannt und die Segel gerichtet!

Ihre Bemerkung, daß der Kompaß keine Flinte sei, die man spannen

könnte, wies ich mit der Entgegnung zurück, daß nautische Details uns

bald mehr als genug beschäftigen würden, einstweilen aber Wichtigeres

zu erledigen sei: nämlich die Frage, ob man auf eine moderne Seereise

einen Frack oder bloß einen Smoking mitnehmen müsse.

Klug und vorsorglich, wie sie ist, entschied sie sich für beides, ja

sie wollte sogar, daß ich auch einen Zylinderhut mitnähme. »Wahnwitzige

Idee!« grollte ich; »dir fehlt jedes Stilgefühl. Eine schottische Mütze

oder ein Dreimaster, -- ja; niemals eine Tube!«

Am entsprechenden Orte wird es sich zeigen, wer von uns beiden auf der

Höhe der Situation gewesen ist.

Da es uns vollkommen gleichgültig war, wohin wir reisen würden (denn

ich hatte ja lediglich das Gebot erhalten, eine Seereise »an sich« zu

machen), überließen wir es einem Freunde, Schiff und Ziel zu bestimmen.

Er sandte uns eine Kabinenkarte für den Doppelschraubendampfer

Yankeedoodle, den die berühmte Onkel Sam-Michel-Linie eben zu einer

Orientreise in Genua bereithielt. Ein beigeschlossenes Druckheft

schilderte die ganze Reise in äußerst lebendigen Farben, so daß mir

sofort ganz orientalisch zumute wurde, als ich las, was alles uns

bevorstand.

»Kein Zweifel,« sagte ich zu meiner Frau, »es wird äußerst lehrreich

werden. Schade nur, daß wir uns nicht länger auf die Reise freuen

dürfen, denn das ist doch das Schönste am Reisen: sich vorher darauf

zu freuen.«

Aber es half nun nichts: kaum, daß die Koffer gepackt waren, mußten wir

uns in den Dampfwagen setzen, der uns nach Genua transportierte. Meine

Idiosynkrasie gegen das Eisenbahnreisen gestaltete diese Fahrt zu einer

~via crucis~, an die ich nur mit Grauen denken kann. Kein Zweifel:

ich bin ein arger Sünder, aber so viele Todsünden habe ich denn doch

nicht begangen, daß ich die Höllenqualen verdient hätte, die mir in den

endlosen Tunnels an der Riviera zuteil wurden, wo rechts und links des

Gleises offenbar teuflische Dämonen aufgestellt waren, die, während ich

in stinkendem Qualm fast erstickte, mit eisernen Hämmern gegen eiserne

Wände zu schlagen schienen. Nun: wir sind nicht zum Vergnügen auf der

Welt, und es ist gewiß in der Ordnung, daß Nerven, die für angenehme

Sensationen besonders empfindlich sind, dafür um so heftiger unter

unangenehmen leiden. Sela.

Das Gedröhne einer Kesselschmiede in den Ohren, die Lungen voller

Ruß und im Schädel ein Gefühl, als seien sämtliche Gehirnwindungen

mit flüssigem Blei angefüllt, begab ich mich mit meiner Frau in

das berühmte Theater Carlo Felice, aber beileibe nicht, um uns

Tristano e Isotta italienisch vorspielen zu lassen, sondern von

wegen der exzellenten Küche seines Restaurants. Doch wurde uns auch

hier ein außerordentliches Schauspiel zuteil: wir sahen einen jener

italienischen Eßkünstler, die den illustren Fressern der Antike nichts

nachgeben. Was dieser überlebensgroße Bauch sich alles servieren ließ,

und mit welch andächtigem Kennerentzücken er seine Füllung zu einer Art

gottesdienstlichen Handlung erhob, läßt sich in Kürze und auf Deutsch

nicht schildern. Es muß genügen, zu sagen, daß es ein klassisches

Schauspiel war, würdig, von einem Petronius der Nachwelt überantwortet

zu werden. Denn es läßt sich von derart großen Gegenständen wohl nur in

monumentaler Latinität handeln.

Als ich am nächsten Morgen den Yankeedoodle vor mir liegen sah, wie er

unabsehbare Massen von Koffern und Menschen in sich aufnahm, mußte ich

an den gewaltigen Speisevertilger denken, und so erübrigt es sich, zu

bemerken, daß Yankeedoodle ein imposantes Schiff ist.

Wir wurden tief unten in seinem Innern verstaut und fühlten uns sehr

winzig. Dafür erfüllte uns aber sogleich eine sehr gewisse Zuversicht

zu dem massigen Zweischlöter. »Ich glaube kaum, daß wir mit dem

Yankeedoodle untergehen werden,« sagte ich zu meiner Frau; »ja selbst

meine Hoffnung auf ausgiebige Seekrankheit ist bereits ins Wanken

geraten.«

»Und mir ist schon übel,« entgegnete sie.

Dabei stand das Schiff fest wie ein Turm.

Weshalb ich sagte: »Autosuggestion gilt nicht, und wenn du mit Gewalt

seekrank wirst, um später damit zu renommieren, so kannst du sicher

sein, daß ich deine Finten aufdecken werde.«

In diesem Augenblicke brüllte Yankeedoodle auf eine Weise, daß mir

Hören und Sehen verging. Dreimal. Wie nie ein Mastodont gebrüllt hat.

Homer hätte das hören sollen, und er hätte kein solches Wesen vom

Gebrüll seiner verwundeten Helden gemacht.

»Was _hat_ er denn?« fragte ich entsetzt.

»Er sagt Adieu,« erklärte meine Frau ruhig, die von nun an überhaupt

gerne so tat, als wüßte sie alles.

Und es war wirklich so. Immer, wenn Yankeedoodle sich anschickte, in

See zu stechen (ein Ausdruck, der aber für solche Kolosse gar nicht

paßt; ebensogut könnte man sagen, ein Dampfhammer sticht ins Erz),

brüllte er so unmanierlich. Es gehört das zum guten Ton bei diesen

Dampfgiganten. Ob es einen Zweck hat, weiß ich nicht. Vielleicht heißt

es nicht bloß: adieu, sondern auch: Platz da! Hühneraugen weg!

Und richtig: wir fuhren. Doch muß ich wohl besser sagen: wir glitten

dahin. So leise, sanft, unmerklich, daß ich fürs erste jede Hoffnung

auf das große Speien aufgab, während meine Frau mit weiblicher

Beharrlichkeit beteuerte, nun werde ihr aber schon _sehr_ übel.

Da sie offenbar nur höchst ungern von diesem Wahne lassen wollte,

bestärkte ich sie in der Überzeugung, seekrank zu sein, indem ich ihr

erklärte, sie sähe grasgrün aus und tue mir furchtbar leid.

Worauf es ihr sehr bald besser wurde.

Eine kleine Weile noch, und sie teilte meine Empfindung, daß

Yankeedoodle, weit davon entfernt, ein Schiff zu sein, wie wir es uns

gedacht hatten, einfach ein Hotel war, das sich auf Salzwasser bewegte.

Statt Matrosen zu sehen, die an Tauen herumklettern, und Kommandorufe

zu vernehmen von Offizieren, die Sprachrohre am Munde und Fernrohre

vor den Augen hatten, erblickten wir Kellner, die da höflich leise

säuselten: Bouillon gefällig? Doch lernten wir bald, sie Stewards zu

nennen, was immerhin eine gewisse Seestimmung erzeugte.

Dennoch blieb eine deutliche Enttäuschung in uns zurück. Unser

romantisches Bedürfnis wollte nicht auf seine Rechnung kommen. Wir

hatten uns das alles viel abenteuerlicher vorgestellt. Wenn wenigstens

ein Mastkorb dagewesen wäre, in dem sich ein Matrose befunden hätte,

der Ahoi! rief ...

Statt dessen sagte ein Herr, der zwar eine Art Seemannsmütze aufhatte,

aber den Gymnasialprofessor durchaus nicht verleugnen konnte, laut und

vernehmlich: ~Thalatta! Thalatta!~

Mein Magen drehte sich um und ich mich mit ihm.

O Ägir, Herr der Fluten, stöhnte ich in meinem lieben Herzen, sorge

dafür, daß ich diesem Humanisten nirgendwo benachbart werde in diesem

schwimmenden Hotel!

Und ich fühlte, daß es jetzt vor allem nötig war, einen Platz auf

dem Yankeedoodle ausfindig zu machen, wohin wir uns vor den übrigen

Hotelgästen flüchten könnten, falls diese irgendwie nicht nach unserem

Geschmack sein sollten.

Alle diese Herrschaften, sagten wir uns, sind gewiß durch Qualitäten

ausgezeichnet, die uns fehlen, und wir wollen ohne weiteres annehmen,

daß sie nicht bloß einer höheren Steuerklasse angehören als wir,

sondern auch in jeder anderen bürgerlichen Hinsicht den Vorzug vor uns

verdienen. Aber wir sind nun mal Uhunaturen, die in den Geflügelhof

nicht passen. Zärtlich girrende Tauben, gluckende Hennen, majestätische

Hähne sind kein Umgang für uns, geschweige denn diese stolzen Pfauen

und Perlhühner aus Amerika, die sich, das merkten wir bald, als die

Elite des Yankeedoodle betrachteten und von den Funktionären der O.

S.-M.-L. auch als solche ästimiert wurden, da sie die besten Käfige

innehatten. Alles das, gaben wir gerne zu, ist ganz in der Ordnung,

aber diese Ordnung ist nicht die unsere. Suchen wir also einen Winkel

aus, wo wir das prächtige Gesamtbild am wenigsten stören.

Reife Früchte vom Bierbaum · 第 1 / 12 段