Ein ernstes und dabei bizarres Bekenntnisbuch Max Brods, das
eigensinnige, höchst individuelle Credo dieses Dichters. Man kann sagen,
daß sein Schaffen durch das vorliegende Buch, in dem der Dichter
fast ausschließlich von sich selbst und seinen äußersten
Gedankenverfaserungen spricht, in ganz neuem Lichte erscheint. Das Buch
ist zum tieferen Verständnis der vorhergehenden Werke Brods unerläßlich.
Wir sehn hier ein heftiges Temperament und seine Opposition gegen unser
mechanisiertes, amerikanisiertes, philiströs-kaufmännisches Zeitalter
äußern. Aber diese Opposition ist alles andere als griesgrämig. Sie
versteckt sich oft sogar hinter einem lustigen Lob des Verabscheuten, ja
sie baut eine ganze phantastische Theorie der »Schönheit des
Geschmacklosen« aus. Die Greuel kitschiger Bilder, Kino und Panorama,
Chansonetten und Ausstattungsstücke, häßliche Möbel und konventionelle
Schauspielkunst werden in unterhaltendster Paradoxie in den Himmel
erhoben. Hinter dem komplizierten Gewebe von Spott und ironischer
Verliebtheit schlägt aber immer wieder die Liebe zum Begeisternden, zu
den Sternen, zu Smetana und Berlioz, zum Meister Flaubert und zu dem
nach Ansicht des Dichters bedeutendsten Zeitgenossen Robert Walser
durch. So ist dieses Buch eigentlich nur ein eigenwilliger, aber doch
ein Weg zum Ideal und zur Befreiung des Menschen im Absoluten, im Reiche
des Erhabenen und Schönen. Unbeirrbar steht hinter jedem der
unberechenbaren Seitensprünge und humoristischen Exkursionen der große
Ernst dieses Dichters. Max Brod hat in seinem gleichzeitig erschienenen
(mit Dr. Felix Weltsch gemeinsam verfaßten) philosophischen Buch
»Anschauung und Begriff« die exakte Basis gegeben, auf der er sich so
kühne Scherze erlauben darf, die in anderem Zusammenhange vielleicht
frivol klängen, während sie hier nur von der unbefangenen, nietzschehaft
heiteren Luft um diesen sicheren Tänzer Kunde geben.