Franziska Schultz

In Berlin gibt es eine Fraue, die die Schmerzen Marias leidet, sieben

Schwerter im Herzen; und die doch gnadenreich herablächelt auf die Armen

und Kranken. Jeder Mensch, der sich ihr nähert, ist ihr Jesuskind. Einen

Tempel müsse man um diese Mutter bauen, einen Garten pflanzen, der ihr

blühender Mantel sei. Ich kann mich nicht der Fraue nahen, ohne ihr

meine Andacht zu bringen. Verirrte Magdalenen treten durch ihres Hauses

Pforte ein und rasten; ruhen aus und besinnen sich unter der Liebe ihres

Mutterdachs. Franziska Schultz ist die Mutter des Mutterschutzes. Man

könnte fast das gefallene Mädchen ihrer Patronin wegen beneiden. Mit

fürsorglicher Liebe lullt die höchste Fraue der Gnade die verstoßene

Mutter und ihr pochendes Spielzeug mit ihren beiden Armen zärtlich ein.

Kein Vorwurf trifft die Tragende, ihres Kindes wegen, das noch auf

seinem rechtmäßigen, heiligen Muttererbe blüht. Alle Mütter aber lieben

die Eine.

Eine Dame, die den Glanz irdischer Glänze ausdrehte und durch die dunkle

Straße schreitet, wo das Elend wuchert. Nun wohnen keine verwöhnten

Gäste mehr in ihrem Hause, aber solche, die ein Herz voll Liebe

beanspruchen. Tragende und Beladene treten durch ihres Herzens geöffnete

Pforte ein. Maria!

Gesichte: Essays und andere Geschichten · 第 47 / 87 题