Morgens standen sie plötzlich auf dem Kurfürstendamm wie vom Himmel
gefallen in Mondsichelfasson. Die eine weiße Bank winkte den Leuten, die
aus der Friedrich-Wilhelm-Gedächtniskirche kamen, freundlich zu, die
andere weiße Bank lud eine blonde Schöne ein in aschgrünem Samt. Ich bin
seitdem öfters an den weißen Bänken vorbeigegangen; gestern setzte ich
mich zum erstenmal auf die eine, den Damm weiter, auf die andere. Guckte
ich geradeaus, bot sich mir ein Kreuz- und Querbild. Man sieht es vielen
Vorbeieilenden an am Operngucker in ihrer Hand, wohin sie wollen -- zur
Hochbahn --, in einer halben Stunde fangen die Theater an. Andere kommen
aus der Stadt, biegen um die Joachimsthaler Straße und kehren ein in das
heimatliche Café des Westens. Kommen da zwei kleine, arme Mädchen; in
ihrer Mitte ihren lebendigen, rotbäckigen Hampelmann, der sprechen kann.
»Zwei Jahre ist er,« erzählen sie mir und streiten sich, wer ihn
aufwarten, das heißt, wer mir von ihnen seine Kunststücke zeigen wird.
»Wir sind keine Schwestern,« antworten die beiden gernegroßen Mütter,
sie lassen schon behäbig das Kinn hängen, fürsorglich sind sie um ihren
kleinen Kasperle. »Wir sind jede für uns allein.« Sie meinten damit, sie
sind nicht einmal verwandt. Lieschen ist in Pflege, ihr Pflegevater ist
Nachtwächter -- manchmal legt er sich vor Müdigkeit, wenn er morgens
nach Haus kommt, mit dem Bund Schlüsseln und der Laterne ins Bette. Das
andere Lieschen, sie heißen beide ganz gleich, erzählt: Sein Vater helfe
einem Zauberer. »Ein schwarzer Neger ist sein Papa!« Es ruft mich jemand
von der Haltestelle der Elektrischen, ein Dichter im Florentiner, er
will in die Kolonie fahren. »Reisen Sie alleine, Torquato Tasso, ich
will mich noch auf die weiße Schwesternbank setzen.« Ich sehe mich nach
ihr um, sie glänzt viel bräutlicher wie diese, von der ich mich erhebe;
und ich zögere, mich auf die myrtenweiße niederzusetzen. Aber die beiden
Verliebten da bemerken es nicht. Aus der Kirche treten schon die ersten
Sonntaglinge, die Sonne spielt Orgel um das Haus mit ihren schlanken
Strahlen. Ich verstecke mein Gesicht in dem großen Glockenturm -- sehe,
höre und denke nichts, und doch findet man sich auf den weißen Bänken
wieder, wenn man sich verloren hat.