Vielbesungene, sagenumwobene Ruinen krönen das Kleinod des Gebirges. In
ganz eigener Schönheit, von Waldesgründen umgeben, liegt es, friedvoll
eingebettet, vor des Wanderers Augen.
Doch am eindruckvollsten sind die Durchblicke, die aus Waldestiefen
die hochthronenden, waldumsäumten Ruinen im Morgen- oder Abendglanz
erscheinen lassen.
Im Anblick des verfallenen Klosters,
hoch oben, über Felsenhängen, –
im stillen Frieden der Natur, in der
sich Gott- und Menschenwerk so
wunderbar zusammen eint, –
im Anblick dieser Gottesburgruinen
andächtig weilend, schweigend sinnend,
bis Dämmerung sie umgibt und
letzte Sonnenblicke ihre Zinnen scheidend grüßen, –
welch deutsches Herz – vom Zauber
solcher Herrlichkeit umfangen, –
ergreift hier nicht das Sehnen und
Verlangen nach einem neuen
Morgengrauen – dem Aufgang
neuer deutscher Herrlichkeit in
volkseigener Kunst – in deutscher
Gotteswelt und deutscher Freiheit? –
Anmerkung: Baugeschichtliche Daten nach: Gurlitt, Beschreibende
Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens. 29.
Heft. Amtshauptmannschaft Zittau.
Fußnoten:
[8] Nr. 1 siehe Heft 11/12, Band V, 1916, Seite 347. Nr. 2 und
3 siehe Heft 4/6, Band VIII, 1919, Seite 75. Nr. 4 siehe
Heft 1/3, Band IX, Seite 13.
[9] Vergleiche Band IX, Heft 1–3, Seite 13, Wanderbild 4. –
Die Wieser Kirche unweit Seidenberg O.-L. – Hierbei sei
bemerkt, daß der böhmische Grenzort nicht Wiesa, sondern
Wiese heißt.
[10] Der _Klosterbau_ erfolgte im Zeitraume 1366–1384,
dient seiner Zweckbestimmung bis 1559, in welchem Jahre
der letzte Mönch das Kloster verläßt, wird 1577 durch
Blitzschlag und Brand zur Ruine.