Dresden 1922

Was kosten heute die Heimatschutzmitteilungen? Jährlicher Gesamtaufwand

900000 M.

Täglich liest man, daß Zeitungen und Zeitschriften infolge der hohen

Herstellungskosten eingehen, die sich weder durch Bezugsgebühren noch

durch Ankündigungen decken lassen. Wenn der Landesverein Sächsischer

Heimatschutz bisher seine »Mitteilungen« im Friedensumfange mit

Friedensausstattung herausgeben konnte, so verdankt er dies der

Opferwilligkeit seiner Mitglieder, die ihm dies durch hohe Beiträge

ermöglichten.

In den letzten Wochen sind die Herstellungskosten für unsere

»Mitteilungen« um 150 bis 200 v. H. gestiegen, so daß wir in banger

Sorge sind, ob es möglich ist, sie weiter erscheinen zu lassen.

Es dürfte unseren Mitgliedern und Freunden interessant sein, zu

erfahren, was heute =ein Heft= der »Mitteilungen« in 22000 Auflage

kostet:

Textpapier 75000 M.

Umschlagpapier 5000 "

Druckstöcke 40000 "

Druckkosten 50000 "

Briefumschläge 15000 "

Postgelder 40000 "

––––-

225000 M.

In diesen Zahlen sind noch nicht inbegriffen die Honorare und unser

Geschäftsaufwand.

Wir geben jährlich vier Hefte heraus,

=so daß uns diese vier Hefte jährlich 900000 M. kosten.=

Das ist der heutige Preis, in acht Tagen ist er wieder gestiegen, in

vierzehn Tagen weiter und schwindelnde Zahlen werden wir am Ende des

Jahres sehen.

Nicht verschweigen möchten wir, daß eine sächsische Firma, die nicht

genannt sein will, uns zu diesen Kosten unserer Veröffentlichungen

jährlich 100000 M. in dankenswerter Weise stiftet, so daß sich der

jährliche Gesamtaufwand auf 800000 M. erniedrigt.

Aus diesen Zahlen bitten wir unsere geehrten Mitglieder und Freunde

zu ersehen, welche schweren Kämpfe ums Dasein unsere Bewegung führt.

Wenn wir bis heute durchkamen, so war es der zähe, unbeugsame Wille:

»Durchhalten« und das tiefsinnige stolze Wort »Dennoch«.

Wie lange es noch gehen wird, wissen wir nicht. Müssen wir die

Herausgabe unserer Veröffentlichungen einstellen, dann ist unser

Verein eine Kirche ohne Glocke. Wir werden weiter arbeiten und weiter

kämpfen, aber wir können von den Schönheiten unserer Heimat nichts mehr

berichten, können sie nicht mehr in Bildern zeigen, weil uns das Organ

fehlt.

In schwerer Zeit, in düsteren Stunden richten wir an unsere Mitglieder

die aufrichtige und herzliche Bitte,

=uns einen in ihr Ermessen gestellten Sonderbeitrag

zur Erhaltung der Heimatschutzmitteilungen

freundlichst zu gewähren=,

der unabhängig von den Mitgliedsbeiträgen gezahlt und verbucht werden

soll. Wir hoffen, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird. Gebe

jeder nach seiner wirtschaftlichen Lage. Wenn uns von seiten der

Großindustrie reiche Unterstützungen zuteil würden, ähnlich dem hier

angeführten Fall, dann wird es uns vielleicht gelingen, die sächsischen

Heimatschutzmitteilungen, die seit 1908 erscheinen und viele tausende

unserer Mitglieder und Freunde erfreuten, weiter zu erhalten zum Besten

unseres Heimatlandes!

_Dresden_, im Juni 1922

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 4-6 · 第 6 / 65 题