Was kosten heute die Heimatschutzmitteilungen? Jährlicher Gesamtaufwand
900000 M.
Täglich liest man, daß Zeitungen und Zeitschriften infolge der hohen
Herstellungskosten eingehen, die sich weder durch Bezugsgebühren noch
durch Ankündigungen decken lassen. Wenn der Landesverein Sächsischer
Heimatschutz bisher seine »Mitteilungen« im Friedensumfange mit
Friedensausstattung herausgeben konnte, so verdankt er dies der
Opferwilligkeit seiner Mitglieder, die ihm dies durch hohe Beiträge
ermöglichten.
In den letzten Wochen sind die Herstellungskosten für unsere
»Mitteilungen« um 150 bis 200 v. H. gestiegen, so daß wir in banger
Sorge sind, ob es möglich ist, sie weiter erscheinen zu lassen.
Es dürfte unseren Mitgliedern und Freunden interessant sein, zu
erfahren, was heute =ein Heft= der »Mitteilungen« in 22000 Auflage
kostet:
Textpapier 75000 M.
Umschlagpapier 5000 "
Druckstöcke 40000 "
Druckkosten 50000 "
Briefumschläge 15000 "
Postgelder 40000 "
––––-
225000 M.
In diesen Zahlen sind noch nicht inbegriffen die Honorare und unser
Geschäftsaufwand.
Wir geben jährlich vier Hefte heraus,
=so daß uns diese vier Hefte jährlich 900000 M. kosten.=
Das ist der heutige Preis, in acht Tagen ist er wieder gestiegen, in
vierzehn Tagen weiter und schwindelnde Zahlen werden wir am Ende des
Jahres sehen.
Nicht verschweigen möchten wir, daß eine sächsische Firma, die nicht
genannt sein will, uns zu diesen Kosten unserer Veröffentlichungen
jährlich 100000 M. in dankenswerter Weise stiftet, so daß sich der
jährliche Gesamtaufwand auf 800000 M. erniedrigt.
Aus diesen Zahlen bitten wir unsere geehrten Mitglieder und Freunde
zu ersehen, welche schweren Kämpfe ums Dasein unsere Bewegung führt.
Wenn wir bis heute durchkamen, so war es der zähe, unbeugsame Wille:
»Durchhalten« und das tiefsinnige stolze Wort »Dennoch«.
Wie lange es noch gehen wird, wissen wir nicht. Müssen wir die
Herausgabe unserer Veröffentlichungen einstellen, dann ist unser
Verein eine Kirche ohne Glocke. Wir werden weiter arbeiten und weiter
kämpfen, aber wir können von den Schönheiten unserer Heimat nichts mehr
berichten, können sie nicht mehr in Bildern zeigen, weil uns das Organ
fehlt.
In schwerer Zeit, in düsteren Stunden richten wir an unsere Mitglieder
die aufrichtige und herzliche Bitte,
=uns einen in ihr Ermessen gestellten Sonderbeitrag
zur Erhaltung der Heimatschutzmitteilungen
freundlichst zu gewähren=,
der unabhängig von den Mitgliedsbeiträgen gezahlt und verbucht werden
soll. Wir hoffen, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird. Gebe
jeder nach seiner wirtschaftlichen Lage. Wenn uns von seiten der
Großindustrie reiche Unterstützungen zuteil würden, ähnlich dem hier
angeführten Fall, dann wird es uns vielleicht gelingen, die sächsischen
Heimatschutzmitteilungen, die seit 1908 erscheinen und viele tausende
unserer Mitglieder und Freunde erfreuten, weiter zu erhalten zum Besten
unseres Heimatlandes!
_Dresden_, im Juni 1922