männlich|weiblich|mithelfende |im ganzen
| |Familienangehörige|
--------+--------+------------------+---------
5231 | 6107 | 4317 | 15655
Die Zahl der Frauen überwiegt danach die der Männer um fast tausend und
ist insofern noch zu niedrig gegriffen, als unter den "mithelfenden
Familienangehörigen" sich neben den Kindern zweifellos mehr Frauen als
Männer befinden. Besonders stark sind die Frauen in Oesterreich in der
Spitzenindustrie, der Glasperlenerzeugung, der Strohflechterei und der
noch vielfach ganz im alten Stil betriebenen Spinnerei und Weberei
beschäftigt. An Zahlen fehlt es, wie gesagt. Selbst die hypothetische
Berechnung der Brünner Handelskammer, die auf einer Kombination der
Angaben der Genossenschafts- und der Unfallversicherungsstatistik
beruht, und 760522 hausindustrielle Arbeiter, d.h. 34 % aller Arbeiter,
feststellt[475], kann nur ungenau sein und bleibt jedenfalls hinter der
Wirklichkeit zurück.
Frankreichs Hausindustrie ist auch eine weitverbreitete, und ihre
zahlenmäßige Erfassung eine ganz unzuverlässige. Für die Frauen kommt im
wesentlichen die Seiden- und die Spitzenindustrie, die Näherei,
Schneiderei, die Handschuhnäherei und die Verfertigung der sogenannten
Articles de Paris in Betracht. Im Departement Rhône wurden noch gegen
20000 Handwebstühle für Seidenwaren gezählt, die eine noch größere Zahl
von Arbeitern für die erste Bearbeitung der rohen Seide zur
Voraussetzung haben und diese sind meist Frauen. Die Spitzenindustrie
beschäftigt vielleicht heute noch eine viertel Million Arbeiterinnen. In
der Schneiderei beschäftigt allein Paris 72 % Frauen, in der
Handschuhnäherei 57 %, in der Herstellung von Articles de Paris 80 %,
fast lauter Hausindustrielle.
England hat infolge seiner industriellen Entwicklung mit der alten Form
der Hausindustrie schon gründlich aufgeräumt. Dagegen hat die moderne
sich rasch entwickelt. Sie umfaßt hauptsächlich die Konfektionsindustrie
und die Schuhmacherei. Eine statistische Darstellung fehlt so gut wie
vollständig. Für Amerika gilt dasselbe. Auch hier ist die
Konfektionsindustrie das wichtigste Glied der Hausindustrie, die ihre
Ausbreitung wesentlich der Einwanderung verdankt und sich von dem
elendesten und schwächsten Menschenmaterial nährt, das Europa abstößt.
Ueber ihre Zunahme giebt folgende, auf Illinois bezügliche Tabelle
Aufklärung:[476]
Zählungs-| | | |
periode |Werkstätten|Männer|Frauen|Kinder|Im ganzen
---------+-----------+------+------+------+---------
1893 | 704 | 2611 | 3617 | 595 | 6823
1894 | 1413 | 4469 | 5912 | 721 | 11101
1895 | 1715 | 5817 | 7780 | 1307 | 14904
1896 | 2378 | 6383 | 7181 | 1188 | 14752
Mit Ausnahme des letzten Jahres zeigt die Frauenarbeit eine raschere
Zunahme als die Männerarbeit, der gegenüber sie auch absolut im
Uebergewicht ist. Die Abnahme des letzten Jahres erklärt sich teils aus
der strengeren Handhabung der Gesetze, teils daraus, daß es sich bei den
vorliegenden Zahlen nur um Werkstättenarbeiter handelt, die vereinzelten
Heimarbeiter dagegen nicht eingerechnet wurden. Je mehr nun die
Gesetzgebung in die Werkstätten eingreift, wobei es sich fast immer um
den Schutz der Frauen und Kinder handelt, um so mehr werden diese sich
in die Heimarbeit zurückziehen müssen.
Die belgische Berufszählung von 1896[477]--die erste, die sich hier mit
der Frage beschäftigte--teilt alle Arbeiter in zwei große Kategorien
ein: 1.) Die in Fabriken, Werkstätten u.s.w. arbeiten; 2.) die bei sich
zu Hause auf Rechnung von Fabrikanten oder Kaufleuten erwerbsthätig
sind. Das heißt mit anderen Worten, daß nur die eigentlichen
Heimarbeiter als Hausindustrielle angesehen werden. Die allgemeinen
Ergebnisse der nach diesen Grundsätzen erfolgten Erhebung waren
folgende:
| Es waren beschäftigt | Von 100
|-----------------------| Arbeitern
| Männer | Frauen | waren weiblich
------------------+-----------+-----------+---------------
In Fabriken, Werk-| | |
stätten u.s.w. | 588248 | 115981 | 16,47
Zu Hause | 41689 | 77058 | 64,89
------------------+-----------+-----------+---------------
Im ganzen | 629937 | 193039 | 23,43
Die Teilnahme der Frauen an der Heimarbeit ist danach viel bedeutender
als die der Männer und beträchtlich größer als der Anteil der
Arbeiterinnen an der Fabrikarbeit im Verhältnis zu dem der Männer. Die
wichtigsten Berufszweige der belgischen Heimarbeiterinnen sind:
Spitzenarbeiterinnen 49158
Kleiderkonfektion 7166
Handschuhfabrikation 3477
Strohflechterei für Hüte 2611
Wollenweberei und Spinnerei 2458
Leinenweberei und Spinnerei 2383
Strickerei 2376
Schuhmacherei 1437
Die große Zahl der Spitzenarbeiterinnen fällt hier besonders ins Auge.
Sie ist um so bemerkenswerter, als ihr allergrößter Teil, nämlich über
47000, auf dem Lande leben. Die Vervollkommnung der Maschinenspitze ist
aber jetzt schon eine gefährliche Konkurrenz, sie kann nach und nach zum
Mittel werden, das Land zu Gunsten der Industriestädte zu entvölkern.
Die einschneidende Bedeutung der Hausindustrie in Bezug auf die
erwerbsthätigen Frauen scheint nach alledem erwiesen zu sein. Sie würde
weit schneller ihren verdienten Untergang entgegen gehen, wenn nicht
gerade die Frauen sie zäh am Leben erhielten, worin sie von den
Unternehmern--allein die Zunahme der hausindustriellen Betriebe in
Deutschland spricht dafür--unterstützt werden. Die Gründe dafür sind
teils in dem Mangel an Bewegungsfreiheit zu suchen, unter dem die an
Haus und Kinder gefesselte Frau zu leiden hat und die den aufklärenden
Ideen den Zugang zu ihr verschließen, teils in dem Bestreben des
profitgierigen Unternehmertums, Ersparnisse an Material, Arbeitsräumen,
Heizung, Beleuchtung etc. zu machen und die Arbeiterschutzgesetze zu
umgehen. Beweis dafür ist unter anderem, daß in dem industriell
fortgeschrittensten Land, England, die Hausindustrie den geringsten und
in einem der zurückgebliebenen Länder z.B. in Oesterreich, allem
Anschein nach den größten Umfang aufweist. Daraus geht aber auch klar
hervor, daß die fortschreitende Entwicklung die Hausindustrie in ihrer
gegenwärtigen Form nach und nach vernichten wird.
Noch ein anderer Kreis von weiblichen Arbeitern verdient eine besondere
Betrachtung: diejenigen nämlich, die in persönlichen oder häuslichen
Diensten stehen, und zu denen, außer den Dienstboten, die
Aufwartefrauen, Köche etc., die Wäscherinnen und die Kellnerinnen
gehören. Ihre Zahl ist folgende:
-------------------------------------------------------------------------------
| | | England |
Berufsarten | Deutsch- | Oester- | und | Vereinigte
| land | reich | Wales | Staaten
-----------------------------------+----------+---------+---------+------------
Häusliche Dienstboten | 1313957 | 424387 | 1386167 | 1302728
Aufwartefrauen, Köche u.s.w. | 182769 | 75533 | 124253 | 3444
Wäscherinnen | 129513 | -- | 185246 | 216631
Kellnerinnen und Hotelbedienstete | 302743 | 76083 | 87984 | --
Wir haben schon gesehen, daß die Zahl der Dienstboten fast überall im
Rückgang begriffen ist. Vergleichen wir die Zahl der weiblichen
Dienstboten im Verhältnis zur Bevölkerung, so ist das Resultat dieses:
| | Auf 100 Personen
Länder |Zählungs- | der Bevölkerung
|periode | kamen weibliche
| | Dienstboten
-------------------+----------+------------------
Deutschland | 1882 | 2,84
" | 1895 | 2,54
Oesterreich | 1880 | 2,58
" | 1890 | 1,78
England und Wales | 1881 | 2,69
" " " | 1891 | 2,28
Vereinigte Staaten | 1880 | 1,75
" " | 1890 | 1,97
Frankreich | 1881 | 2,17
" | 1891 | 1,84
" | 1896 | 1,73
Die Zusammenstellung zeigt mit Ausnahme von Amerika überall eine Abnahme
der Zahl der Dienstboten, und die Zunahme in Amerika fällt auch nicht
schwer ins Gewicht, weil der Prozentsatz von 1880 ein ungemein niedriger
war und der wachsende Reichtum eines Teils der Bevölkerung eine
Steigerung im Gefolge haben mußte. Das Bild dürfte sich wesentlich
verschieben, sobald die Ergebnisse der Zählung von 1900 vorliegen, denn
das Verhältnis der Zahl der Dienstboten zur Bevölkerung hängt nicht nur
von deren pekuniären Lage, von der Lust oder Unlust der Mädchen zum
Dienen ab, sondern sehr wesentlich auch von dem Umstand, welche
Arbeitsgebiete die Hauswirtschaft umfaßt. Je mehr sie, wie es z.B. in
England und Frankreich besonders deutlich sichtbar ist,
zusammenschrumpfen, desto mehr werden die Dienstboten abnehmen. Dagegen
werden sich die für gelegentliche Dienstleistungen benötigten außer dem
Hause wohnenden Hilfskräfte vermehren. Sie standen in folgendem
Verhältnis zur Bevölkerung:
| |Auf 100 Personen
| |der Bevölkerung
| |kamen außerhäus-
Länder |Zählungsperiode|liche Dienstboten
------------------+---------------+-----------------
Deutschland | 1882 | 0,26
" | 1895 | 0,35
Oesterreich | 1880 | --
" | 1890 | 0,32
England und Wales | 1881 | 0,47
" " " | 1891 | 0,55
Diese Tabelle giebt nun aber keineswegs genau den richtigen Stand der
Dinge an, nicht nur, weil der Begriff der diesem Beruf Zugehörigen ein
sehr unbestimmter ist,--deshalb mußten die Zahlen für Frankreich und die
Vereinigten Staaten ganz fortgelassen werden,--sondern weil sicher viele
hierher Gehörige unter "Lohnarbeit wechselnder Art", "Tagelöhner" etc.
einbezogen worden sind. Eine starke Vermehrung hat auch die Zahl der
Kellnerinnen und Hotelbediensteten erfahren, die sich aber nur für
Deutschland feststellen läßt, wo sie 33 % beträgt. Es kann aber auch im
allgemeinen eine erhebliche Zunahme des Hotel- und Restaurant-Personals
angenommen werden, sie ging Hand in Hand mit der Abnahme der Dienstboten
und beweist auch ihrerseits, daß der Privathaushalt zu Gunsten des
öffentlichen im Rückgang begriffen ist: Das Leben außer dem Hause ist
für einen großen Teil der Bevölkerung immer mehr in Aufnahme gekommen.
Eine außerordentlich wichtige Seite der Arbeiterinnenfrage, deren
Statistik freilich bisher im allgemeinen sehr unzureichend blieb, ist
die Alters- und Familienstandsgliederung der Proletarierinnen. Sie
gewährt einen tiefen Einblick in das soziale Leben und ihre statistische
Darstellung ist die notwendige Grundlage vieler Reformen und Reformpläne
nach dieser Richtung.
Nun entspricht es sowohl hygienischen Grundsätzen, als den Prinzipien
geistig-sittlicher Volkserziehung, daß die Erwerbsthätigkeit in ihrer
heutigen aufreibenden Form nicht vor dem achtzehnten resp. dem
zwanzigsten Lebensjahre einsetzen sollte. Betrachten wir daraufhin
folgende Tabellen:
Von je 1000 Arbeiterinnen stehen im Alter von
---------------------------------------------
unter 20 Jahren 346
20-30 " 314
30-40 " 124
Deutschland 40-50 " 92
50-60 " 73
60-70 " 39
70 Jahren und darüber 12
---------------------------------------------
unter 20 Jahren 200
21-30 " 220
31-40 " 182
Oesterreich 41-50 " 173
51-60 " 135
61-70 " 71
über 70 " 19
---------------------------------------------
unter 18 Jahren 141
18-24 " 209
25-34 " 218
Frankreich 35-44 " 152
45-54 " 125
55-64 " 90
65 Jahren und darüber 65
Besonders die auf Deutschland sich beziehenden Zahlen fallen hierbei
auf: 35 % aller Arbeiterinnen sind unter zwanzig Jahre alt! In
Oesterreich sind es noch 20, in Frankreich 14 %. In Oesterreich fällt
die stärkste Beteiligung der Frauen an der proletarischen Arbeit in das
einundzwanzigste bis dreißigste, in Frankreich in das fünfundzwanzigste
bis vierunddreißigste Lebensjahr; wir haben also nach dieser Richtung
hier die gesündesten Verhältnisse vor uns. Andererseits aber sehen wir,
daß vom vierzigsten Jahre ab in Deutschland die Frauenarbeit bedeutend
abnimmt, während sie in Oesterreich noch im sechzigsten Jahre und in
Frankreich im vierundfünfzigsten einen hohen Prozentsatz ausmacht, und
während in Deutschland die über siebzigjährigen Greisinnen 12 % der
Arbeiterinnen ausmachen, weist Oesterreich 19 % und Frankreich für die
über fünfundsechzigjährigen gar 65 % auf. Im allgemeinen verteilt sich
die proletarische Frauenarbeit in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland
weit regelmäßiger über das ganze Leben, hat daher, die starke
Beteiligung der Greisinnen abgerechnet, einen normaleren Charakter
angenommen. Noch deutlicher tritt uns die Altersgliederung der
Arbeiterinnen entgegen, wenn wir sie im Verhältnis zur weiblichen
Bevölkerung betrachten:
Von je 1000 weiblichen Personen
im Alter sind
von Arbeiterinnen
------------------------------------------
14-20 Jahren 397
20-30 " 273
30-40 " 136
Deutschland 40-50 " 127
50-60 " 127
60-70 " 105
70 Jahren und darüber 57
------------------------------------------
11-20 Jahren 570
21-30 " 685
31-40 " 577
Oesterreich 41-50 " 561
51-60 " 507
61-70 " 393
über 70 " 218
------------------------------------------
unter 24 Jahren 517
25-34 " 324
Frankreich 35-44 " 256
45-54 " 237
55-64 " 245
65 Jahren und darüber 161
In Deutschland stehen danach nicht weniger als 40 % aller vierzehn- bis
zwanzigjährigen Mädchen im Kampf ums Brot. Eine erschreckende Zahl! In
Frankreich, wo der Vergleich nicht genauer durchgeführt werden konnte,
weil zwar die Bevölkerung nach fünfjährigen Altersperioden gegliedert
wurde, man für die Berufsthätigen der jüngeren Altersklassen aber eine
andere Einteilung, nämlich die unter achtzehn Jahr und achtzehn bis
vierundzwanzig Jahr bevorzugte, ist die Beteiligung sämtlicher
Altersklassen an der proletarischen Arbeit eine außerordentlich hohe.
Die gesteigerte Erwerbsthätigkeit fällt besonders für die Altersklasse
zwischen dem fünfundfünfzigsten und vierundsechzigsten Lebensjahre auf.
Von noch größerer Bedeutung für die Beurteilung der proletarischen
Frauenarbeit ist die Frage des Familienstandes der Arbeiterinnen. Leider
ist das vorliegende statistische Material insofern ganz ungenügend, als
die Darstellung des Familienstandes im Zusammenhang mit dem Beruf und
der sozialen Schichtung zum Teil vollständig fehlt. Ein Vergleich
zwischen den Zählungen der verschiedenen Erhebungsperioden ist nur für
Deutschland möglich, und zwar auch hier mit der Einschränkung, daß im
Jahre 1882 die Verwitweten, resp. Geschiedenen mit den Ledigen
zusammengerechnet, während sie 1895 getrennt gezählt wurden.
Auf Grund der letzten Zählungen stellt sich die Gliederung nach dem
Familienstand folgendermaßen dar:
| | Von je 1000 Arbeiterinnen waren
Länder | Zählungsperiode |---------------------------------
| | ledig | verheiratet | verwitwet
------------+-----------------+--------+-------------+----------
Deutschland | 1895 | 702 | 215 | 83
Oesterreich | 1890 | 424 | 446 | 130
Frankreich | 1896 | 649 | 206 | 145
Vereinigte | | | |
Staaten | 1890 | 791 | 113 | 96
Bei dieser Zusammenstellung fällt Oesterreich wieder besonders ins Auge,
wo mehr verheiratete als ledige Frauen Arbeiterinnen sein sollen. Dieses
Verhältnis kann nicht allein dadurch erklärt werden, daß bei der Zählung
die Erfassung der dem Manne helfenden Ehefrauen eine besonders starke
war, im Gegensatz z.B. zu den Vereinigten Staaten, wo sie gar keine
Berücksichtigung fanden, eine genauere Betrachtung der österreichischen
Statistik führt vielmehr zu dem merkwürdigen Resultat, daß in der
Landwirtschaft 2106618 verheiratete Arbeiterinnen neben nur 667382
verheirateten Arbeitern aufgeführt werden! Um festzustellen, ob diese
enorme Zahl verheirateter Arbeiterinnen im Bereich der Möglichkeit
liegt, müßte man in Erfahrung bringen können, wo sich die Ehemänner
dieser Frauen befinden. Möglich, daß die Gattinnen der Besitzer
landwirtschaftlicher Zwergbetriebe, die also unter der Rubrik der
Selbständigen zu finden wären, sich als Arbeiterinnen bezeichneten,
immerhin könnte das für die volle Zahl der 1400000 Frauen nicht
zutreffen, da nur 1500000 selbständige verheiratete Landwirte ihnen
gegenüber stehen, deren Frauen unmöglich fast alle Arbeiterinnen sein
können. Es bleibt also nur noch übrig anzunehmen, daß Frauen von
Industriearbeitern, die etwa neben der Hauswirtschaft ein kleines
Gartenland bebauen, als Arbeiterinnen eingetragen wurden. Diesen
günstigsten Fall, und nicht, wie es nahe läge, positive Fehler in der
Erhebung selbst angenommen, scheint es klar zu sein, daß diese zwei
Millionen verheirateter Landarbeiterinnen zu einem großen Teil nicht als
Arbeiterinnen im eigentlichen Sinn angesehen werden können. Auffallend
bei der vorliegenden Tabelle ist ferner der hohe Prozentsatz Verwitweter
resp. Geschiedener in Oesterreich und Frankreich. Die Armut des Volks
zwingt in Oesterreich eine besonders große Zahl von Witwen zur
Erwerbsarbeit, während in Frankreich die zahlreichen geschiedenen und
eheverlassenen Frauen von wesentlichem Einfluß auf die prozentuale
Gestaltung des Familienstandes sind.
Betrachten wir nunmehr sein jetziges Verhältnis zu dem der vorletzten
Zählungsperiode, so ergiebt sich für Deutschland folgendes:
| | Von 1000 Arbeiterinnen waren
| Zählungsperiode |-------------------------------
| | ledig resp. ver- | verheiratet
| | witwet |
------------+-----------------+------------------+------------
Deutschland | 1882 | 827 | 173
" | 1895 | 785 | 215
In absoluten Zahlen ausgedrückt ist das Verhältnis dieses:
| | Von 1000 Arbeiterinnen waren[A]
| Zählungsperiode |-------------------------------
| | ledig resp. ver- | verheiratet
| | witwet |
------------+-----------------+------------------+------------
Deutschland | 1882 | 2433682 | 507784
" | 1895 | 2938283 | 807172
------------------------------+------------------+------------
Zunahme: | 504601 | 299388
[Transskriptionsanmerkung A: Die offensichtlich falsche Legende "Von
1000 Arbeiterinnen waren..." findet sich so im Original.]
Für Amerika ist ein allgemeiner Vergleich nicht möglich. Dagegen liegt
eine Spezialerhebung vor, die nicht ohne Wert für die vorliegende Frage
ist.[478] Ihre Resultate sind aus einer Enquête gewonnen worden, die
1067 verschiedene industrielle Betriebe in dreißig verschiedenen Staaten
mit 42990 männlichen und 51539 weiblichen Arbeitern in der früheren
Beobachtungsperiode (1885 bis 86), und 68380 männlichen und 79987
weiblichen Arbeitern in der letzten (1895 bis 96) umfaßte. Wir haben es
also in beiden Fällen mit ca. 3 % aller Arbeiterinnen der Vereinigten
Staaten zu thun, wonach die Bedeutung der Ergebnisse sich annähernd
bewerten läßt. Sie waren folgende: