XX. Enfant perdu

Verlorener Posten in dem Freiheitskriege,

Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus.

Ich kämpfe ohne Hoffnung, daß ich siege,

Ich wußte, nie komm ich gesund nach Haus.

Ich wachte Tag und Nacht - Ich konnt nicht schlafen,

Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar

(Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven

Mich wach, wenn ich ein bißchen schlummrig war).

In jenen Nächten hat Langweil ergriffen

Mich oft, auch Furcht - (nur Narren fürchten nichts) -

Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen

Die frechen Reime eines Spottgedichts.

Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme,

Und nahte irgend ein verdächtger Gauch,

So schoß ich gut und jagt ihm eine warme,

Brühwarme Kugel in den schnöden Bauch.

Mitunter freilich mocht es sich ereignen,

Daß solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut

Zu schießen wußte - ach, ich kanns nicht leugnen -

Die Wunden klaffen - es verströmt mein Blut.

Ein Posten ist vakant! - Die Wunden klaffen -

Der Eine fällt, die Andern rücken nach -

Doch fall ich unbesiegt, und meine Waffen

Sind nicht gebrochen - Nur mein Herze brach.

Drittes Buch

Hebräische Melodien

O laß nicht ohne Lebensgenuß

Dein Leben verfließen!

Und bist du sicher vor dem Schuß,

So laß sie nur schießen.

Fliegt dir das Glück vorbei einmal,

So faß es am Zipfel.

Auch rat ich dir, baue dein Hüttchen im Tal

Und nicht auf dem Gipfel.

Romanzero · 第 70 / 77 题