Hier habt ihr das zweite Büchlein, oder richtiger gesagt, das letzte.
Erst wollt' ich's ja nicht, nein, ich wollt' es ganz und gar nicht
herausgeben. Wahrhaftig, man muß auch mal 'nen Schlußpunkt setzen
können. Und ich kann euch nur mitteilen: auf dem Vorwerk fängt man schon
an, über mich zu lachen. »Sieh mal einer an!« sagt man, »der alte Toback
ist ja schon ganz närrisch: der amüsiert sich auf seine alten Tage noch
mit Spielereien!« Ja wirklich, 's wäre doch längst Zeit, zur Ruhe zu
gehen. Ihr, lieben Leser, glaubt natürlich, ich tue nur so, als ob ich
schon so alt sei. Ach du lieber Gott, was heißt da Verstellung, wenn
einem kein Zahn mehr im Munde sitzt! Was Weiches kann ich ja noch
irgendwie kauen, aber Hartes kann ich nun schon gar nicht mehr beißen.
Hier habt ihr also noch ein Büchlein! Bloß eins, aber schimpft nicht! 's
ist nicht recht, beim Abschied zu schimpfen, besonders auf einen
Menschen, den man Gott weiß wann wiedersieht. In diesem Büchlein werdet
ihr Erzähler zu hören bekommen, die euch fast alle unbekannt sind,
ausgenommen etwa Foma Grigorjewitsch. Was aber jenes erbsengraue
Herrchen angeht, das immer so verblümt zu erzählen pflegte, so daß ihn
selbst irgend so ein pfiffiger Moskowiter nicht recht verstehen konnte,
-- der ist schon lange nicht mehr da. Erst hat er sich gründlich mit uns
allen verkracht, und dann ließ er sich überhaupt nicht mehr blicken. Ja,
hab' ich euch denn diesen Fall nicht erzählt? Hört doch nur, es war
wirklich eine höchst possierliche Geschichte. Im vorigen Jahr, es war
gegen Anfang des Sommers, -- ich glaube beinahe am Namenstage meines
Schutzheiligen, -- kamen einige Gäste zu mir .... (Das muß ich euch
sagen, lieben Leser; meine Landsleute -- Gott schenke ihnen ein langes
Leben und eine gute Gesundheit -- haben mich alten Mann nicht vergessen.
Es geht schon ins fünfzigste Jahr, daß ich mich auf meinen Namenstag
besinne; aber wie alt ich nun genau bin, das kann weder _ich_ euch
sagen, noch meine Alte. Wahrscheinlich so gegen siebzig. Der Pope von
Dikanka, Vater Charlampi, hat's gewußt, wann ich geboren bin; aber
leider sind's schon fünfzig Jahr, daß er tot ist.) Also es kamen Gäste
zu mir: Sachar Kirilowitsch Tschuchopupenko, Stepan Iwanowitsch
Kurotschka, Taras Iwanowitsch Smatschnenjki, und der Assessor Charlampi
Kirilowitsch Chlosta; dann war noch .... sieh mal einer an, da hab' ich
doch wahrhaftig seinen Vor- und Zunamen vergessen .... Ossip .... Ossip
.... mein Gott, ganz Mirgorod kennt ihn ja! Wenn er redet, schnippt er
zuerst mit den Fingern, und dann stemmt er die Hände in die Hüften ....
Na, Gott helf' ihm! 's wird mir ein andermal einfallen. Ferner war auch
der euch schon bekannte junge Herr aus Poltawa gekommen; Foma
Grigorjewitsch rechne ich übrigens nicht mit; der gehört schon zur
Familie. Man kam ins Gespräch (ich muß schon wieder was einschalten! Bei
uns wird nämlich nie Firlefanz geredet: ich kann nur höchst anständige
Gespräche leiden, damit, wie man so zu sagen pflegt, zugleich dem
Vergnügen, und der Erbauung Genüge geschieht). -- Man kam also ins
Gespräch darüber, wie man wohl am besten Äpfel einlegt. Meine Alte
sagte, man müsse die Äpfel zuerst gut waschen, dann in Sauerbier
einweichen, und dann erst .... »Aber kein Gedanke!« fiel das Herrchen
aus Poltawa ein, schob die Hand in seinen erbsengrauen Kaftan und
stolzierte würdevoll im Zimmer auf und ab. »Aber kein Gedanke! Erst muß
man Minze auf sie streuen, und dann erst ....« Ich muß _euch_ zu Zeugen
aufrufen, liebe Leser, sagt mal ganz ehrlich: habt ihr je gehört, daß
man Minze auf die Äpfel streut? Freilich legt man Johannisbeerblätter,
Nagelkraut und Kleeblatt hinein, aber daß man Minze einlegte .... nein,
das habe ich noch nie gehört. Besser als meine Alte weiß wohl niemand
Bescheid mit solchen Sachen. Seht, nun sagt ihr's selbst! Ich führte ihn
also, als honetten Menschen, ein wenig zur Seite und sagte: »Höre, Makar
Nasarowitsch, treib doch keine Narrenspossen! Du bist doch ein feiner
Herr: hast doch, wie du selber sagst, einmal am Gouverneurstische mit
gegessen. Wenn du da so etwas sagst, da werden dich ja alle auslachen!«
Und was glaubt ihr nun, hat er drauf gesagt? -- Nichts! Er hat auf den
Boden gespuckt, hat seine Mütze genommen und ist gegangen. Nicht einmal
Abschied hat er von irgendeinem genommen, ja nicht einmal jemandem
zugenickt; wir hörten bloß, wie sein Wägelchen mit den Schellen am Tore
vorfuhr; und schon saß er drin und fuhr davon. Na, um so besser! Solche
Gäste können wir nicht brauchen! Ich will euch nur sagen, meine lieben
Leser, es gibt gar nichts Schlimmeres auf der Welt, als diese Ritter vom
hohen Roß. Weil sein Ohm mal Kommissär war, muß er drum die Nase
rümpfen? Als ob Kommissär schon so ein Rang wäre, daß es gar nichts
Höheres auf der Welt gibt! Gott sei Dank, es gibt noch höhere Tiere, als
so ein Kommissär. Nein, diese Vornehmtuerei kann ich nicht ausstehen!
Nehmt doch zum Beispiel Foma Grigorjewitsch; das ist doch kein feiner
Herr, aber seht ihn mal an: in seinem Gesicht glänzt stets eine gewisse
Würde; sogar wenn er seinen gewöhnlichen Tabak schnupft, da hat man
unwillkürlich Respekt. Und erst in der Kirche; wenn er da oben auf dem
Chore steht und singt, -- da kommt es ordentlich wie Rührung über einen!
Man möchte am liebsten vergehen! .... Aber jener .... na, Gott mit ihm!
Der glaubt ganz gewiß, ohne seine Geschichten könne man gar nicht
auskommen. Je nun, auch ohne ihn hat sich ein Büchelchen
zusammengefunden.
Ich habe euch, glaub' ich, versprochen, daß in diesem Büchlein auch ein
Märchen von mir sein wird. Ich wollt' es auch wirklich so machen, aber
da hab' ich gemerkt, daß man für meine Geschichte wenigstens drei
solcher Büchelchen brauchte. Ich gedachte zuerst, es besonders drucken
zu lassen, aber dann hab' ich mir's überlegt. Ich kenne euch ja: ihr
werdet noch über mich alten Mann lachen. Nein, ich mag's nicht! Gehabt
euch wohl! Wir sehen uns lange Zeit nicht wieder, oder vielleicht auch
nie. Aber was ist daran gelegen? Euch kann's ja gleich sein, auch wenn
ich gar nicht auf der Welt wäre. Ein Jahr wird dahingehn und noch eins
-- und ich bin sicher, niemand von euch besinnt sich mehr auf mich, oder
denkt mit Bedauern an den alten Bienenzüchter
_Rotfuchs Panjko_.